Rittersteine im Pfälzerwald

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Ritterstein „Kohlplatz - Rückzugsgefecht des Bat. von Schladen unter Major Brock am 13. Juli 1794“ am Kohlplatz (2018)

    Ritterstein „Kohlplatz - Rückzugsgefecht des Bat. von Schladen unter Major Brock am 13. Juli 1794“ am Kohlplatz (2018)

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    Matthias C.S. Dreyer
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  • Pfälzerwald bei Lemberg (2016)

    Pfälzerwald bei Lemberg (2016)

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  • Ritterstein „Lolosruhe - Fünf Steine“ an der Schänzelstraße (2017)

    Ritterstein „Lolosruhe - Fünf Steine“ an der Schänzelstraße (2017)

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    Benjamin Gehrt
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Rittersteine sind Natursteine, Gedenksteine und Steinmarken, die geschichtliche oder heimatkundlich bemerkenswerte Orte kennzeichnen. Die Steine sind nach Karl Albrecht von Ritter (1836-1917), dem Gründungsvorsitzenden des Pfälzerwald-Vereins (PWV) benannt. Er hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts um deren Aufstellung und Kennzeichnung verdient gemacht.

Rittersteine sind über das gesamte Gebiet des Pfälzerwaldes verstreut. Sie liegen an Straßen, Wanderwegen, Parkplätzen, Weggabelungen, Lichtungen, Bergrücken oder im völlig abgelegenen Unterholz. Die meisten Steine sind Sandsteine und tragen eine Inschrift. Sie bezieht sich auf das jeweilige Ereignis oder die Person. Es kann sich dabei um ein Wort (Hüttenbrunnen), ganze Zeilen (Stelle um welche General von Pfau am 13. Juli 1794 fiel) oder auch um Symbole (Loogfelsen) handeln. Es gibt Einzelsteine (Todtermann) und Steingruppen (Landgericht auf dem Stampe). Auf fast allen Steinen ist das Kürzel „P. W. V.“(Pfälzerwald-Verein) eingemeißelt. Walter Eitelmann beschreibt das Auffinden der Rittersteine wie folgt:

„Mit offenen Augen durch Wald und Flur, den 'Rittersteinen' auf der Spur. Sollte auch manchmal die Hoffnung schwinden, suchet, die begehrten 'Objekte' sind zu finden. Wer sich an die Vorschläge und Übersichten hält, bestimmt zu den glücklichen Entdeckern zählt.“ (Eitelmann 2005, S. 303)

Heute (2005) sind im Pfälzerwald 306 Rittersteine nachgewiesen. Sie können unterschiedlichen Bedeutungsgruppen zugeordnet werden (ebd., S. 16 u. 306):

  • Orientierungspunkte
  • Eingegangene Siedlungen
  • Kriegsschauplätze und Schanze, Begebenheiten und Legenden
  • Holzwirtschaft und Holzflößerei
  • Forst- und Jagdbetrieb
  • Viehwirtschaft und Wolfsplage
  • Industrien im Pfälzerwald
  • Ehrungen von Persönlichkeiten

Geographische Lage
Die Rittersteine sind auf einer Fläche von circa 1800 Quadratkilometern verteilt. Die überwiegende Anzahl liegt innerhalb des Naturparks Pfälzerwaldes. Die außerhalb Liegenden markieren gleichzeitig die Verbreitungsgrenze der Rittersteine. Im Norden ist dies der Ritterstein mit der Aufschrift „Zweikönigsschlacht“ (Nr. 295) in Göllheim. Im Süden liegt der Stein bei Sankt Germanshof und trägt die Bezeichnung „Trift-Holzhof“. Die Entfernung zwischen diesen beiden Punkten beträgt circa 63 Kilometer Luftlinie. Nach Westen hin steht bei Pirmasens der Ritterstein mit der Aufschrift „Am alten Glastalerhof“ (Nr. 298), nach Osten hin, nahe Frankweiler, der Stein mit der Bezeichnung „Stahlbuehl – Ehem. Speyergau-Thingstaette“ (Nr. 229). Diese beiden Steine liegen circa 31 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Historie
Daniel Häberle (1864-1934), Mitglied und wissenschaftlicher Förderer des Pfälzerwald-Vereins, gab die Anregung zu den Orientierungs- und Gedenksteinen. Veranlasst wurde die Aufstellung der Steine durch Karl Albrecht von Ritter (1836-1917). Er war Mitbegründer und erster Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins. Von Ritter ließ Steine an bemerkenswerten Orten im Pfälzerwald errichten. Die Standorte weisen auf eine Örtlichkeit (ehemaliges Forsthaus, Hof, Mühle, Kriegsschauplatz), eine historisch bedeutsame Herrschaftsgrenze (Mundatwald) oder eine Persönlichkeit (Dagobert) hin.
Die Schriftzüge wurden auf herbeigeschaffte, rohe Sandsteinfindlinge oder bereits vorhandene Felsen und Felswände, Mauern, Reste alter Bildstöcke oder Steinkreuze aufgebracht. Auf diese Weise entstand eine „steinerne Geschichtsschreibung“ (Eitelmann 2004, Titelseite). Ausgewählt wurden Steine mit einer gewissen Mächtigkeit. Damit sollte eine „zufällige Versetzung“ verhindert werden.
Zwischen den Jahren 1910 und 1914 wurden über 200 Rittersteine im Pfälzerwald aufgestellt. Anlässlich der Hauptversammlung des Pfälzerwald-Vereins am 22.01.1912 in Kirchheimbolanden (Eitelmann 2005, S. 9) wurde beschlossen, diesen gesetzten Steinmarken den Namen „Rittersteine“ zu geben. Damit sollte die verdienstvolle Arbeit Albert von Ritters gewürdigt werden.
Über die Jahrzehnte gerieten die Rittersteine und ihre Lage zunehmend in Vergessenheit. Einige Steine wurden beim Westwallbau und im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) vernichtet. Auch gingen durch Straßen- und Forstwegebau einige Steine verloren.
Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte kamen zu diesen 200 Rittersteinen etwa 100 weitere Steine hinzu. Sie wurden teilweise durch Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins aufgestellt.

Erschließung und Erreichbarkeit
In den Jahren 1912 und 1916 erschien ein Verzeichnis der Rittersteine mit 144 Standorten. Es wurde im „Pfälzerwald“, dem Mitteilungsblatt des Vereins, veröffentlicht. Zwischen 1930 und 1950 bemühte sich das Gründungsmitglied des Pfälzerwald-Vereins, Emil Ohler (1877-1959), ein neues, erweitertes Verzeichnis aufzustellen. Nach dessen Tod setze Karl Becker (1884-1966) bis zum Jahre 1966 das Vorhaben fort. Danach beauftragte der Pfälzerwald-Verein den Wanderwart Walter Eitelmann (1922-2009) alle Steine zu katalogisieren und in einem Buch zu veröffentlichen. So entstand im Jahre 1972 die erste Auflage seines Buches über die Rittersteine. In den 1990er Jahren wurden nochmals alle Gedenksteine, unter Beteiligung von Erhard Rohe, gesucht, hergerichtet, fotografiert und katalogisiert. Seit dem Jahre 2000 werden die Rittersteine von Klaus Fröhlich aus Kaiserslautern betreut. Jährlich investiert der Pfälzerwald-Verein bis zu 5.000 Euro in die Pflege und Instandhaltung seiner „steinernen Geschichtsschreibung“.
Eine Neuaufstellung von Steinen ist wegen des Pflegeaufwands und aus Kostengründen nicht geplant. In aktuellen Wanderkarten sind die Standorte zum größten Teil eingezeichnet.

(Sonja Kasprick, ZukunftsRegion Westpfalz, 2018)

Internet
www.pwv-otterberg.de: Rittersteine (abgerufen 17.01.2018)
www.rittersteineundmehr.de: Rittersteine (abgerufen 17.01.2018)
www.heimat-pfalz.de: Rittersteine (abgerufen 17.01.2018)
www.pwhdesign.de: Rittersteine im Pfälzerwald (abgerufen 17.01.2018)

Literatur

Carl, Viktor (1998)
Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. (2. Auflage). S. 159, S. 514 u. S. 569, Edenkoben.
Eitelmann, Walter (1998)
Rittersteine im Pfälzerwald - Gedenksteine und Inschriften. Neustadt an der Weinstraße.

Rittersteine im Pfälzerwald

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Kulturlandschaftspflege, Landeskunde

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„Rittersteine im Pfälzerwald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-275641 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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