Rittersteine im Pfälzerwald

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Ritterstein Nr. 70 mit der Bezeichnung Prinzregent Luitpold als klassischer Sandsteinfindling (2018).

    Ritterstein Nr. 70 mit der Bezeichnung Prinzregent Luitpold als klassischer Sandsteinfindling (2018).

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  • Ritterstein Nr. 156 mit der Bezeichnung Biedenbacherwoog als Teil eines gebauten Objektes (2018).

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  • Ritterstein Nr. 100 mit der Bezeichnung "Cramerfels" als Teil eines natürlichen Felsens (2018).

    Ritterstein Nr. 100 mit der Bezeichnung "Cramerfels" als Teil eines natürlichen Felsens (2018).

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Ein Ritterstein ist ein Orientierungs- und Gedenkstein, der in der Regel aus einem Sandsteinfindling besteht und zur Kennzeichnung geschichtlich oder heimatkundlich bemerkenswerter Örtlichkeiten im Pfälzerwald dient. Rittersteine werden als die „steinerne Geschichtsschreibung des Pfälzerwaldes“ und als „bemooste Künder der Vergangenheit“ bezeichnet (Eitelmann 1972, Seite 9; Eitelmann 2005, Seite 277).
Die Bezeichnung „Ritterstein“ geht zurück auf Karl Albrecht von Ritter, den Ersten Hauptvorsitzenden des Pfälzerwald-Vereins. Angeregt hatte die Aufstellung der Steine das Vereins-Gründungsmitglied Daniel Häberle. Die ersten Steine wurden ab 1910 aufgestellt und beschriftet. Ab 1912 werden sie als „Ritterstein“ bezeichnet. Gegenwärtig sind 307 Rittersteine dokumentiert.

Systematik
Verbreitung
Geschichte

Systematik
Seit der ersten Buchveröffentlichung von Eitelmann im Jahr 1972 werden Rittersteine numerisch und inhaltlich systematisiert. Jedem Ritterstein ist eine fortlaufende Nummer zugeordnet, die gegenwärtig bei Nummer 306 endet. Beim Ritterstein Nr. 64 gibt es die Besonderheit, dass nachträglich ein Ritterstein mit der Nr. 64a als Richtungshinweis zum Ritterstein Nr. 64 aufgestellt wurde. Insofern gibt es tatsächlich 307 Rittersteine.

Die inhaltliche Systematik, die ebenfalls von Eitelmann entworfen wurde, umfasst acht Kategorien (inkl. Mehrfachzuordnungen): Orientierungspunkte (172 Rittersteine), historische Siedlungen (54 Rittersteine), historische Kriegsschauplätze und Legenden (42 Rittersteine), Persönlichkeiten (27 Rittersteine), Forst- und Jagdbetrieb (21 Rittersteine), Viehwirtschaft (17 Rittersteine), historische Industrien (17 Rittersteine) sowie Holzwirtschaft und Waldwirtschaft (13 Rittersteine).

Eine weitere Unterteilung nach Art und Form der Rittersteine berücksichtigt, dass Rittersteine neben dem „klassischen“ Sandsteinfindling auch Teil eines natürlichen Sandsteinfelsens oder Teil eines gebauten Objektes sein können. Der „klassische“ Ritterstein, wie er 1910 definiert wurde, ist ein Sandsteinfindling, in den in der Regel die Beschriftung und die Abkürzung P.W.V. für den Pfälzerwald-Verein eingemeißelt und mit gelber Farbe nachgezeichnet wurden. Sandsteinfindlinge können eine Höhe von wenigen 10er Zentimeter bis zu mehr als einen Meter besitzen. Der Innungsstein (Ritterstein Nr. 237) bildet den größten Sandsteinfindling mit über zwei Meter Höhe. Knapp 270 der 307 Rittersteine zählen zu den „klassischen“ Sandsteinfindlingen.

Die Gravur und Beschriftung eines natürlichen Sandsteinfelsens wird in gut 20 Fällen als Ritterstein verzeichnet. Dabei kann es sich um prägnante Felsformationen handeln, wie zum Beispiel der „Tisch“ auf der Hohen Derst (Ritterstein Nr. 20). Oder ein in eine Felswand eingravierter Ritterstein kann eine ehemalige Burg bezeichnen. Das ist beispielsweise beim Backelstein, dem Ritterstein Nr. 220, der Fall. Es handelt sich um eine frühmittelalterliche Holzburg, die einst an die Felswand des Backelsteins angebaut war.

Knapp 20 Rittersteine sind Teil eines gebauten Objektes. Der Ritterstein kann ein Mauerstein eines Mauerwerks sein, zum Beispiel ein Schluss- oder Eckstein oder ein Stein im Türbogenbereich. Bei Eingängen in ehemalige Bergwerke ist in der Regel ein Stein in der Umfassung des Mundlochs bzw. Stolleneingangs als Ritterstein präpariert. Bei Brunnenfassungen ist einer der gemauerten Steine graviert und gelb beschriftet.
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Verbreitung
Von den gegenwärtig 307 erhaltenen und dokumentierten Rittersteinen befinden sich fünf Steine außerhalb des Pfälzerwaldes. Verteilt über das 1800 Quadratkilometer große Gebiet des Pfälzerwaldes besitzen die Standorte der Rittersteine eine große Vielfalt. Man findet sie an Straßen, Wanderwegen, Parkplätzen, Weggabelungen, Lichtungen sowie auf Bergrücken oder abseits von Wegen „im Unterholz“.

Die Inschrift eines Rittersteins bezieht sich auf einen jeweiligen Standort, einen Richtungshinweis zu einem Standort oder auf ein geschichtliches Ereignis mit Ortsbezug. Es kann sich dabei um ein Wort (Hüttenbrunnen) oder ganze Zeilen (Stelle um welche General v. Pfau am 13. Juli 1794 fiel) handeln. Auf fast allen Steinen ist das Kürzel „P.W.V.“ (Pfälzerwald-Verein) vermerkt. In den meisten Fällen wurde die Inschrift eingemeißelt und mit gelber Farbe nachgezeichnet.
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Geschichte
Die Entstehung der Rittersteine geht zurück auf die ersten Jahre des Pfälzerwald-Vereins. Der Verein wurde, zunächst mit einer ersten Ortsgruppe und dann als Dachverband, in den Jahren 1902/03 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Karl Albrecht von Ritter (1836 – 1917) und Daniel Häberle (1864 – 1934). Häberle, der von einem Hof im nördlichen Pfälzerwald stammte, war Anfang des Jahrhunderts Wissenschaftler an der Heidelberger Universität. Sein Schwerpunkt war die pfälzische Heimatkunde und Geologie. Von ihm ging der erste Impuls aus, „Orientierungssteine“ aufzustellen: „Zur dauernden Festhaltung geschichtlicher oder aus der Volkskunde merkwürdiger Bezeichnungen und gleichermaßen zur Verbesserung der Orientierung werden nach Beschluß des Hauptvorstandes – die Anregung verdanken wir Herrn Rechnungsrat Dr. Häberle – an Stellen, die nach obigen Gesichtspunkten von Bedeutung sind, Orientierungssteine errichtet. Es sind dies massige Felsklötze, die im Boden eingelassen werden und in grob eingemeißelter Schrift die Bezeichnung des betreffenden Punktes enthalten.“ (8. Jahresbericht von 1910 erstattet vom Hauptvorstand des Pfälzerwald-Vereins, Seite 8 f., Landesarchiv Speyer, Akte Palat. 777 8)

Veranlasst durch den ersten Hauptvorsitzenden des Pfälzerwald-Vereins Karl-Albrecht von Ritter wurden in Zusammenarbeit mit den Forstdienststellen die ersten Steine aufgestellt, „wo früher einmal ein Forsthaus, ein Hof oder eine Mühle gestanden, wo einmal eine bemerkenswerte Herrschaftsgrenze verlief oder wo ein besonderes geschichtliches Ereignis stattgefunden hat“ (Eitelmann 1972, Seite 8). Die Bezeichnung „Ritterstein“ wurde am 22. Januar 1912 auf der Hauptversammlung des Vereins festgelegt. Damit wurde der im Jahr 1912 aus dem Amt scheidende Karl Albrecht von Ritter gewürdigt. Der 1914 beginnende Erste Weltkrieg beendete zunächst die Aufstellung der Rittersteine. Bis dahin wurden über 200 Rittersteine aufgestellt.
Öffentlich bekannt gemacht wurden die Rittersteine erstmals im Mitteilungsblatt 8/9 des Pfälzerwald-Vereins vom 1. Juni 1912. Darin werden die Steine beschrieben als „rohe Sandsteine – Findlinge, die bisher schon Jahrtausende der Verwitterung widerstanden haben – von kegelplattenartiger Form […] manchmal auch an der Örtlichkeit vorhandener Felsen, auch Mauern, in welche auf kleiner glatt bearbeiteter Fläche die zugehörige Bezeichnung und der Vermerk PWV eingemeißelt wird. Die Steine erhalten eine gewisse Mächtigkeit, damit sie vor zufälliger Versetzung gesichert sind, so daß angenommen werden kann, daß sie für langen Zeitraum ihren Zweck erfüllen.“ Knapp 90 Rittersteine wurden namentlich aufgeführt sowie grob verortet und inhaltlich in wenigen Worten eingeordnet. Eine weitere Aufstellung von Rittersteinen erfolgte im Mitteilungsblatt 5/6 vom Mai/Juni 1916. Gut 50 weitere Rittersteine wurden aufgelistet. Der Artikel endet mit der Feststellung: „Hiermit beträgt die Anzahl der Steinmarken nunmehr 144.“ Erneut wurde darauf hingewiesen, dass Daniel Häberle die Aufstellung im Jahr 1910 angeregt hatte.

Von den ursprünglich 200 aufgestellten Rittersteinen waren bis zum Jahr 1916 nunmehr 144 erfasst und dokumentiert. Jedoch fehlten genaue Standortangaben. In den Jahren 1930 bis 1950 begann eine weitere Initiative zur Erstellung einer Gesamtschau der Rittersteine. Doch erst in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren gelang es Walter Eitelmann, die vollständige und genau verortete Gesamtübersicht der Rittersteine zu vollenden. Die 190 von Eitelmann dokumentierten Rittersteine wurden sukzessive im Mitteilungsblatt des Pfälzerwald-Vereins vom Sommer 1967 bis Ende 1972 aufgeführt. Ebenfalls Ende 1972 erschien dann die erste Gesamtschau in einem Buch von Walter Eitelmann. Der Titel lautete „Rittersteine im Pfälzerwald. Eine steinerne Geschichtsschreibung“.

Bereits im Vorwort zur 1. Auflage von 1972 erwähnte Eitelmann, dass es geplant war, in Zukunft weitere Rittersteine aufzustellen. Im Nachgang zur 2. Auflage von 1979 wurde 1980 vom Pfälzerwald-Verein beschlossen, weitere 100 neue Rittersteine aufzustellen, die erstmals mit der 3. Auflage des Buches von Eitelmann veröffentlicht wurden. Die 4. Auflage von 1998 sah eine weitere inhaltliche Erweiterung, indem 59 Wandervorschläge ausgearbeitet wurden, um eine überschaubare Anzahl von Rittersteinen jeweils in Form einer Rundwanderung erlaufen zu können. Damit einher ging die Mit-Autorenschaft von Ernst Kimmel, der die Wandervorschläge erarbeitet hatte. Die bisher 5. und letzte Auflage des Buches aus dem Jahr 2005 führte nunmehr eine Anzahl von 307 Rittersteinen auf.

In aktuellen Kartenwerken (topographische Karte TK 25, Wanderkarten) sind die Standorte zum größeren Teil eingetragen. Das digitale Zeitalter hat nunmehr auch die Rittersteine erreicht, indem durch den Pfälzerwald-Verein eine übersichtliche, inhaltlich knapp gehaltene aber dafür standortpräzise Übersicht auf der Internetseite von Wikipedia unter „Liste der Rittersteine“ erstellt wurde.

Die Rittersteine im Bereich des Landkreises Südwestpfalz stehen unter Denkmalschutz.
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(Matthias C.S. Dreyer, 2018)

Literatur

Carl, Viktor (1998)
Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. (2. Auflage). S. 159, S. 514 u. S. 569, Edenkoben.
Eitelmann, Walter (1998)
Rittersteine im Pfälzerwald - Gedenksteine und Inschriften. Neustadt an der Weinstraße.

Rittersteine im Pfälzerwald

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Fachsichten
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde

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„Rittersteine im Pfälzerwald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-275641 (Abgerufen: 15. August 2018)
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