Spuren des Bergbaus im Pfälzerwald

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Ritterstein Nr. 115 „Glashütte 1767“ bei Mölschbach (2018)

    Ritterstein Nr. 115 „Glashütte 1767“ bei Mölschbach (2018)

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  • Ritterstein Nr. 22 "Glück Auf L v G 1835" am Forsthaus Erzgrube bei Niederschlettenbach (1998)

    Ritterstein Nr. 22 "Glück Auf L v G 1835" am Forsthaus Erzgrube bei Niederschlettenbach (1998)

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Es finden sich zahlreiche Spuren des Bergbaus im Pfälzerwald und dessen näheren Umfeld. Die Gewinnung und Verarbeitung, vor allem von Erzen, geht bis ins Mittelalter zurück. Mit dem Aufstellen von Rittersteinen wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts an diesen Gewerbezweig erinnert. Von den 307 dokumentierten Steinen befassen sich 17 Steine mit dem Bergbau oder dem damit verbundenen Verarbeitungsgewerbe. Zur Veranschaulichung des Bergbaus wurden in der Pfalz mehrere Schaubergwerke eingerichtet. Dazu zählen die Bergbauerlebniswelt in Imsbach, das Besichtigungsbergwerk in Wolfstein und im südlichen Pfälzerwald die Eisenerzgrube St. Anna-Stollen in Nothweiler.

Der Bedarf an Werkzeugen und Waffen veranlasste die Bewohner des Pfälzerwaldes systematisch Bodenschätze wie Silbererz, Bleierz, Kupfererz oder Eisenerz aufzusuchen. Dazu wurden zahlreiche Stollen vorangetrieben. In der Folge entstanden Erzhütten, Schmelzen, Hammerwerke oder Schmieden. Heute sind nur noch verfallene Stolleneingänge, bemooste Schutthalden, Schlackenreste oder einzelne Erzbrocken im Wald zu finden.

In der Literatur wird von ersten Versuchen des Bergbaus in der Pfalz durch die Kelten berichtet. Eine Fortführung durch die Römer ist belegt. So sind römerzeitliche Verhüttungsreste (Schlacken) in der Gemeinde Eisenberg bekannt (Walling 2005, S. 63). Sicherlich wurde zunächst über Tage abgebaut. Davon zeugen sogenannte Pingen auf Bergkuppen. Es handelt sich dabei um Gräben, die oftmals mehrere Meter Tiefe aufweisen. „Über den Bremmelsberg (bei Niederschlettenbach) ziehen sich solche Pingenzüge“ (Nagel 2018, S. 554).

Erste urkundliche Belege gehen auf das Mittelalter zurück. Das Recht zur Gewinnung von Bodenschätzen hat sich zunächst aus dem Gewohnheitsrecht entwickelt. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich das Bergrecht zum Regal (Hoheits- und Sonderrecht) (Heinz 2020, S. 71) und stand den deutschen Königen zu. Die Rechte gingen dann vermehrt auf Landesfürsten oder Grundherren über. Ein Beleg dafür ist das Bergregal für die Kurpfalz (Nagel 2018, S. 554). Ähnliches darf auch für die Gebiete der Hochstift Speyer und Worms und den pfälzisch-zweibrückischen Einflussbereich gelten. Schließlich war des dem Grundeigentümer überlassen, Natursteine, Lehm und andere Materialien mehr abzubauen. Dies traf nicht auf die wertvolleren Erze zu. Sie waren bergfrei, also dem Grundeigentümer entzogen. Die Regalherren zogen es jedoch vor, die Ausbeutung der Schätze zu verpachten. In der Regel war der Zehnte aus dem Abbau zu entrichten (Heinz 2020, S. 71).

Aus dem 15. Jahrhundert sind urkundliche Belege überliefert, die über Waldschmieden bei Annweiler (im Jahr 1410) Auskunft geben. In ihnen wurde Erz aus kleinen Tagebauen im Umfeld verarbeitet (Walling 2005, S. 38). In Frankenstein ist für das Jahr 1426 in einer Grenzbeschreibung eine „Isengrube“ erwähnt. Pfalzgarf Philipp vergibt Schürfrechte an einem Quecksilberbergwerk in Deimbach (heute Daimbacherhof bei Mörsfeld) in 14 Kuxen (Bergrecht, Lehen) im Jahre 1493. Zwei Jahre zuvor erfolgte die Belehnung der gleichen Grube an ein anderes „Konsortium“ (Dolch 2001 III, S.210). Bereits im Jahr 1460 scheint das Bergwerk schon in Betrieb gewesen zu sein. Der Unterbergvogt, Lukas von Landau führt nämlich am 3. Oktober des Jahres ein Zeugenverhör durch (Doll 2001 III, S. 111). Kurpfalz und die Grafschaft Falkenstein schließen im Jahre 1476 einen Vertrag über das Bergwerk zu Imsbach und die Besetzung des Berggerichts (Dolch 2001 III, S. 149).

Eine erste Welle der systematischen Aufsuchung von Bodenschätzen ist für das 16. Jahrhundert dokumentiert. Im südlichen Pfälzerwald (Wasgau) ist eine Reihe von Grubenöffnungen belegt. So wurde die Silbergrube bei der Gemeinde Bobenthal im Jahre 1520 eröffnet, für das Jahr 1545 war in Schönau bereits ein Eisenhüttenwerk in Betrieb, Nothweilers Erzgruben bestanden seit dem Jahre 1579 und die sog. Bergzabener Petronell seit dem Jahre 1585 (Nagel 2018, S. 554).

Einen wesentlichen Implus brachte im 18. Jahrhundert die Familie Hacke in das Bergbauwesen. Freiherr Ludwig Anton von Hacke ließ im Jahre 1720 im Aschbachertal eine Eisenschmelze errichten. Diese „Alte Schmelz“ wurde wenige Jahre später (1728) durch ein neues Werk im Karlstal ersetzt (Eitelmann 2005, S. 104).

Einen weiteren Schub erhielt der Bergbau unter dem Einfluss der Gebrüder Gienanth. Im Jahre 1835 ersteigerten sie das Hüttenwerk Schönau für 80.000 Gulden (Nagel 2018, S. 568). Sie stammten aus Hochstein (heute ein Ortsteil von Winnweiler). Ludwig von Gienanth übernahm im Jahre 1793 die Werke in Hochstein, Trippstadt und Altleiningen von seinem Vater (Nicolaus Guinand hatte die Werke im Jahre 1742 gegründet). Im Jahre 1800 erwarb Ludwig das Eisenwerk in Eisenberg (Pfalz). Dieses Werk wiederum war bereits im Jahre 1734 durch einen Fürsten von Nassau-Saarbrücken gegründet worden.

Seit jeher waren Hüttenwerke die zentrale Antriebsfeder für die Erschließung weiterer Vorkommen. Dies traf auch auf die Gienanths zu, die nach und nach Bergwerke erwarben und ausbeuteten, so 1836 die Erzgrube am „Bremmelsberg“ (Nagel 2018, S. 568) bei Niederschlettenbach.

Die Familie Gienanth trieb den Bergbau im Pfälzerwald zu seiner kommerziellen Blüte. Als Gienanth das letzte Bergwerk schließen sollte, war das Ende des Bergbaus in der Region bereits eingeläutet. Letztlich erwiesen sich die Vorkommen als nicht ausreichend genug, um dauerhaft tragfähige Förder- und Verarbeitungsbetriebe zu betreiben. Die infrastrukturelle Entwicklung beförderte den Niedergang, denn aus dem Pfälzerwald war der Abtransport ungleich aufwändiger als aus anderen Gebieten. Alle Versuche, im 20. Jahrhundert das Bergwesen im Pfälzerwald wieder aufleben zu lassen, mussten scheitern.

(Matthias C.S. Dreyer, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd 2018)

Internet
www.bew-imsbach.de: Bergbau-Erlebniswelt Imsbach (abgerufen 10.12.2018)
www.kalkbergwerk.com: Besichtigungs-Kalkbergwerk (abgerufen 10.12.2018)
www.nothweiler.de/erzgrube: Eisenerzgrube Nothweiler (abgerufen 10.12.2018)

Literatur

Eitelmann, Walter / Pfälzerwald-Verein e.V. (Hrsg.) (2005)
Rittersteine im Pfälzerwald. Gedenksteine und Inschriften - Eine steinerne Geschichtsschreibung (5. Auflage). S. 104, Neustadt an der Weinstraße.
Heinz, Joachim P. / Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.) (2020)
Der Tonbergbau zwischen Eisenberg und Hettenleidelheim. Ein vergessenes Kapitel der pfälzischen Wirtschaftsgeschichte. (Beiträge zur pfälzischen Geschichte (Bd. 31).) S. 517. Kaiserslautern.
Schultz, Wolfgang; Nagel, Albert (2018)
950 Jahre Niederschlettenbach. Aus der Geschichte eines Wasgaudorfes 1068 - 2018. S. 599. Niederschlettenbach.
Unold, Karl (1980)
Bergbau und Erzhütten im Wasgau. S. 71. Pirmasens.
Walling, Hans / Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2005)
Der Erzbergbau in der Pfalz von seinen Anfängen bis zu seinem Ende. Mainz.

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„Spuren des Bergbaus im Pfälzerwald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-279072 (Abgerufen: 22. September 2021)
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