Burgen in Schleswig-Holstein (13.-16. Jahrhundert)

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Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Überblick
Im Unterschied zum Rheinland oder zum österreichischen Burgenland gilt das Gebiet des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein nicht als klassische Burgenregion. Im nördlichsten Bundesland Deutschlands finden sich zahlreiche Überreste historischer Befestigungen, die hinsichtlich des historischen Hintergrundes ihrer Errichtung große Unterschiede aufweisen können. Da sind unter anderem die slawischen und sächsischen Ringwälle des Frühen und Hohen Mittelalters zu nennen: Beindruckendes Beispiel für eine slawische Burganlage ist die Oldenburg/Starigard in der gleichnamigen Stadt in Ostholstein, weitere sind etwa für Plön, Strenglin oder Süsel nachvollziehbar. Bei einer Anlage wie Döhnsdorf ist aus den schriftlichen Quellen nichts bekannt, sie ist wohl in das 10. bzw. 11. Jahrhundert zu datieren. Daneben finden sich die im Zuge des 30-jährigen Krieges angelegten Befestigungen, teilweise nur hastig aufgeworfene Schanzen, die die wechselnden Kriegsgegner zurückhalten sollten. Spuren frühneuzeitlicher Befestigungen finden sich etwa in Christianspries/Friedrichsort in Kiel oder in ehemaligen Festungsstädten Friedrichstadt und Glücksstadt. Nicht zuletzt sind die Burgen des späten Mittelalters zu nennen, so die Turmhügelburgen und auch befestigte Höfe. Diese werden im Folgenden genauer unter die Lupe genommen, betrachtet wird dabei der Zeitraum vom 13. bis zum 16. Jahrhundert.

Wie erfahren wir von den Burgen?
Für eine Untersuchung von Burgen stehen vor allem zwei Wege zur Verfügung – der archäologische und der geschichtswissenschaftliche. Dabei nimmt die Archäologie die dingliche Überlieferung in den Blick, etwa die in der Landschaft mitunter noch gut sichtbaren Turmhügel. Naturwissenschaftliche Analysen leisten einen wichtigen Beitrag zu unserem Verständnis der Burg und ihres Umlandes. Das gilt für die 14C-Methode, bei der das Alter von Holzresten bestimmt wird, ebenso wie für Pollenanalysen, die unsere Kenntnisse der landwirtschaftlichen Nutzung im Umfeld einer Burg erweitern.
Schriftliche Quellen geben wichtige Information zur baulichen Beschaffenheit einer Burg, beispielsweise wenn ein Graben oder ein Bergfried ausdrücklich erwähnt wird. So erfahren wir etwa aus einer Urkunde von 1376 für Trittau von einem steinernen Bergfried oder einem Speisehaus. Die Anlage von Groß Parin wird in der Urkunde über den Verkauf des Dorfes 1337 durch zwei Adlige an den Bischof von Lübeck erwähnt. Als weiteres Beispiel kann die sog. „Föhrer Burgurkunde“ von 1360 gelten, die als Bauelemente der Utersumborg einen Burghügel, einen Wassergraben, einen Burgweg und einen Wirtschaftshof aufzählt, von denen bis auf den Hof alle archäologisch nachgewiesen werden konnten. Auch bezüglich der Frage, welche Akteure für die Geschichte einer Burg wichtig waren, sind die mittelalterlichen Urkunden und Chroniken unverzichtbar. So berichten Lübecker Chroniken von der Zerstörung zahlreicher Burgen im Umfeld der Stadt und weisen damit auf das ambivalente Verhältnis zwischen Bürgern und Burgen. Schwierig ist die Überlieferungslage für die beeindruckende Burganlage von Nienslag bei Grebin, für die im Grunde nur Sagen und Märchen einen Zusammenhang mit der Familie Rantzau herstellen. Auch die Berichte, Schmoel habe dem Seeräube Klaus Störtebecker als Versteck gedient, müssen sicherlich hinterfragt werden. Mitunter können die mit archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Methoden gewonnenen Erkenntnisse kombiniert werden. So lassen Urkunden zu Vellin, Jasdorf, Belau oder Schwinkenrade zumindest Aussagen über die Besitzer der Burgen zu. Doch nicht immer liegen schriftliche Quellen zu gut sichtbaren Turmhügeln vor und nicht jede schriftlich erwähnte Anlage kann noch vorhandenen Befestigungsresten zugeordnet werden. Bildliche Quellen liegen aus dem 16. Jahrhundert vor und zeigen etwa im Falle der Hasselburg den Zustand zu diesem Zeitpunkt.

Wer baute und besaß Burgen?
Zahlreiche Akteure unterschiedlichen Ranges haben dem Burgenland Schleswig-Holstein ihren Stempel aufgedrückt. Im Landesteil Schleswig und mit Burg Glambek auf Fehmarn sind etwa Landesherren, wie die Könige von Dänemark, als Bauherren nachzuweisen. Im Falle Segebergs war es sogar ein deutscher Kaiser, Lothar von Süpplingenburg, der den Bau der Anlage auf dem Segeberger Kalkberg befahl. Mit Schwabstedt, Haseldorf, Eutin oder dem Kaltenhof befanden sich mehrere Burgen im Besitz von Bischöfen bzw. Erzbischöfen. Für größere Anlagen wie etwa Trittau oder Plön sind die Grafen von Holstein und Stormarn als Bauherren belegt. Für den ganz überwiegenden Teil der Burgen zeichnete sich indes der Niederadel verantwortlich, also Mitglieder niederadliger Familien wie etwa Rantzau, Ahlefeld oder Buchwald. Häufig werden Burgen dabei als Wohnsitze einzelner oder mehrerer Adliger genannt. Aber auch Angehörige ländlicher Gruppen finden sich an der Westküste unter den Erbauern von befestigten Hofanlagen. Die Region Dithmarschen fällt insofern aus der Reihe, als dass die Einheimischen keine Burgen errichteten, jedoch ihre Landesverteidigung mittels Landwehren, wie der Süderhamme bzw. dem Hamhus oder der Tielenbrücke, verstärkten.

Warum wurden Burgen errichtet und unterhalten?
Aus Sicht ihrer Erbauer und Besitzer erfüllten Burgen verschiedene Funktionen. Neben der offensichtlichen militärischen Funktion waren sie befestigter Wohnsitz und Herrschafts- sowie Statussymbol, konnten jedoch zugleich im Mittelpunkt von Wirtschaftsbetrieben stehen. Vor allem die großen landesherrlichen Anlagen hatten eine Verwaltungsfunktion für das sie umgebende Gebiet, die sogenannte Vogtei, so etwa die Steinburg, die Tielenburg oder Plön. Dort saß der Vogt – später auch Amtmann genannt – und dort wurden die Abgaben der Bauern gesammelt. Auch dienten Burgen als Stätte für Verhandlungen und Ausstellungsort für Urkunden. Sie selbst konnten zum Verkaufsobjekt werden, wurden aber häufiger als Pfand für Geldleihen verwendet, wie es in der Zeit König Christians I. von Dänemark in ungewöhnlich großem Ausmaß geschah.

(Jens Boye Volquartz und Frederic Zangel, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, finanziert durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein, 2018)

Literatur

Auge, Oliver (Hrsg.) (2015)
Vergessenes Burgenland Schleswig-Holstein. Die Burgenlandschaft zwischen Elbe und Königsau im Hoch- und Spätmittelalter. (Kieler Werkstücke 42.) Frankfurt a. M. u. a..
Zangel, Frederic / Auge, Oliver (Hrsg.) (2017)
Burgen im Personen- und Handelsverkehr Stormarns in Mittelalter und Früher Neuzeit. Das Beispiel Trittau. In: Nutzung gestaltet Raum. Regionalhistorische Perspektiven zwischen Stormarn und Dänemark, S. 151-167. Frankfurt a. M. u. a..

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„Burgen in Schleswig-Holstein (13.-16. Jahrhundert)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-288951 (Abgerufen: 21. November 2019)
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