Landwehr „Hemmingstedter Schanze“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Hemmingstedt, Nordermeldorf
Kreis(e): Dithmarschen
Bundesland: Schleswig-Holstein
Objektbeschreibung
Bei der Hemmingstedter Schanze handelt es sich um eine Landwehr, die als Wall-Grabenanlage verstanden werden kann und die über die alte Straße von Meldorf nach Hemmingstedt gelegt wurde. Ihre Position wird ca. 150 m nördlich der Kreuzung Wischweg-Dellweg südwestlich von Hemmingstedt vermutet. Angelegt wurde sie spontan und lediglich als Provisorium.

Laut Lammers und Kamphausen konnte der Graben mit folgenden Maßen festgestellt werden: etwa 100 Meter Länge, bis zu 1,70 Meter Tiefe und 9 Meter Breite. Im Westen soll er an einen ausgetrockneten Priellauf mit Verbindung zum alten Ketelsbüttler Schleusensystem gegrenzt haben und im Osten schmaler werdend im ansteigenden Gelände des Kleihügels geendet sein. Etwa 150 Meter hinter dem Grabenende im Osten konnten natürliche Wegsperren in Form von Knicks und Geländewellen gefunden werden. Südlich der Anlage soll ein sumpfiger Ausläufer des früheren Ihlensees zwischen Kleihügel und Abenwurth gelegen haben. Der Weg zur Schanze soll beidseitig von tiefen Entwässerungsgräben gesäumt gewesen sein, die aber schon vor den Schanzarbeiten vorhanden gewesen sein sollen, sich aber effektiv in die Anlage einfügten. Beim Anrücken des feindlichen Heeres öffneten die Dithmarscher die Schleusen zur Nordsee und überschwemmten das westlich gelegene Gebiet sowie das Vorland inklusive der Straße. So wie die Schanze und ihr Umfeld angelegt waren, werden die Dithmarscher so das anrückende Heer in den Durchlass am Hang des Kleihügels gezwungen haben. Dadruch waren die Angreifer in der nachteiligen Position, hangaufwärts kämpfen zu müssen.

Das skizzierte Grabensystem wurde noch durch einen Wall, die eigentliche Schanze, ergänzt. Für eine nähere Beschreibung fehlt es jedoch an archäologischen Untersuchungen. Aus den Schriftquellen geht hervor, dass die Wallaufschüttung mit dem Erdauswurf der Arbeiten an den Gräben vorgenommen wurde. Auf dem so hergestellten Wall sollen auch Geschütze gestanden haben. Außer den Wall- und Grabenbefestigungen ist keine weitere Fortifikation nachweisbar.

Die Lokalisierung der „Hemmingsteder Schanze“ sowie ihre Beschreibung sind nicht unumstritten! Der Großteil der Literatur befasst sich jedoch primär mit dem Verlauf der Schlacht, wohingegen das Erscheinungsbild der Anlage weniger Beachtung findet. Vor Ort sind keine Überbleibsel oder Kennzeichen der ehemaligen Geländeverstärkung mehr zu entdecken. Auch der Kleihügel und Ihlensee sind (vermutlich durch Überpflügung und Einebnung) verschwunden.

Geschichtliche Daten
Im Jahr 1500 führten der dänische König Johann I. und sein Bruder Herzog Friedrich I. von Holstein einen Eroberungszug nach Dithmarschen. Am 11. Februar überschritt das Heer bei Grünental von Hanerau-Hademarschen aus die Grenze nach Dithmarschen. Zuerst wurde in Albersdorf Quartier bezogen. Am darauffolgenden Tag wurde der Zug nach Südwesten fortgesetzt und Windbergen eingenommen. Nach schneller Eroberung Meldorfs lagerte das Heer vom 13. bis 16. Februar in der Stadt. Für den 17. Februar war der Weiterzug über Heide nach Lunden vorgesehen.

Laut Neocorus (Chronik des Landes Dithmarschen) und Heinrich Rantzau (Belli Dithmarsici) gelang es den Dithmarschern, einen Späher der landesherrlichen Armee abzufangen, von dem sie die Marschroute der Feinde erfuhren, und daher noch in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1500 begannen, die Schanze aufzuwerfen. Als das Invasionsheer am nächsten Tag vor die Schanze zog, waren die Schleusen von den Dithmarschern geöffnet worden. Das Vorland der Befestigung und der Weg waren deshalb überschwemmt. Die Besatzung der Anlage soll etwa 300 bis 400 Mann betragen haben, wozu später ein Zuzug von anderen Teilen des Landes gekommen und die Besatzung auf 2.000 bis 3.000 Kämpfer aufgestockt haben soll. Die Strategie der Dithmarscher ging auf: Die Angreifer wurden in einer vernichtenden Niederlage zurückgeschlagen. Da hier die Baulichkeiten der Anlage im Vordergrund stehen, wird auf eine ausführliche Schilderung des Schlachtverlaufs verzichtet. Eine solche findet sich bei Missfeldt, Die Republik Dithmarschen, S. 136-141.

Was nach der „Schlacht von Hemmingstedt“ mit der Anlage geschah, ist nicht überliefert. Sie wird nochmals im Kontext der „Letzten Fehde“, dem Kriegszug König Friedrichs II. von Dänemark, Herzog Adolfs I. von Schleswig-Holstein-Gottorf und Herzog Hans' von Schleswig-Holstein-Hadersleben im Jahr 1559 erwähnt. An deren Ende stand die Eroberung des Landes Dithmarschen. Im Kriegsbericht Heinrich Rantzaus (Belli Dithmarsici) wird die Schanze nicht explizit genannt, doch heißt es, dass ein Scheinangriff auf „Hemmingstedt“ unternommen wurde, um die Dithmarscher zu täuschen. Deshalb wurde die Besatzung der Bauern von der Tielenbrücke nach Hemmingstedt abgezogen. Bei Danckwerth und Mejer (Newe Landesbeschreibung der zwey Hertzogthümer Schleswich und Holstein) ist zu lesen, dass nach der Eroberung Meldorfs ein Rückzug der Dithmarscher nach Hemmingstedt stattfand. Ob hiermit erneut die Schanze oder lediglich der Ort gemeint ist, bleibt unklar. Auf der Karte Dithmarschens im Jahr 1559 von Peter van Boeckel ist westlich von Hemickste (Hemmingstedt) eine Befestigungsanlage mit Geschützen eingezeichnet, die mit Dietmersche Schantse beschriftet ist. Ein „anonymer Augenzeuge“ des Kriegzuges berichtet allerdings, dass die Schantze zu Hemmingstede gelegenn erneut befestigt, dann aber am 13. Juni 1559 eingenommen und zwei Tage geschleift worden sei.

(Jens Boye Volquartz, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2018)

Literatur

Adolfi, Johann (Neocorus) / Dahlmann, Friedrich Christoph (Hrsg.) (1978)
Chronik des Landes Dithmarschen. Kiel.
Danckwerth, Caspar; Mejer, Johannes (1652)
Newe Landesbeschreibung der zwey Herzogthümer Schleswich und Holstein. Husum.
Kamphausen, Alfred (1951)
Die Schanze von Hemmingstedt. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 74/75, S. 472–480. o. O.
Lammers, Walther (1982)
Die Schlacht bei Hemmingstedt. Freies Bauerntum und Fürstenmacht im Nordseeraum; eine Studie zur Sozial-, Verfassungs- und Wehrgeschichte des Spätmittelalters. Heide.
Mißfeldt, Jörg / Verein für Dithmarscher Landeskunde e. V. (Hrsg.) (2015)
Die Republik Dithmarschen. In: Geschichte Dithmarschens. Von den Anfängen bis zum Ende der Bauernrepublik, S. 131-176. Heide.
Rantzau, Heinrich (2009)
Belli Dithmarsici vera descriptio. Wahre Beschreibung des Dithmarscher Krieges, übersetzt, ediert und eingeleitet von Fritz Felgentreu. (Veröffentlichungen des Landesarchivs Schleswig-Holstein 86.) Schleswig.
Volquartz, Jens Boye (o.J.)
Im Spannungsfeld zwischen herrschaftlichem Zugriff und bäuerlicher Selbstbestimmung? Spätmittelalterliche Burgen in Nordfriesland und Dithmarschen. [Dissertation Uni Kiel; in Bearbeitung].

Landwehr „Hemmingstedter Schanze“

Schlagwörter
Ort
25770 Hemmingstedt
Fachsicht(en)
Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1500, Ende 1559
Koordinate WGS84
54° 08′ 16,1″ N, 9° 03′ 28,77″ O / 54.1378°, 9.05799°
Koordinate UTM
32U 503788.77 5998855.58
Koordinate Gauss/Krüger
3503859.51 6000815.32

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„Landwehr „Hemmingstedter Schanze“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-288958 (Abgerufen: 20. Mai 2019)
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