Garde auf der Marne (Garding Kirchspiel)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Garding, Kirchspiel
Kreis(e): Nordfriesland
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 20′ 27,78″ N: 8° 45′ 35,04″ O / 54,34105°N: 8,75973°O
Koordinate UTM 32.484.379,68 m: 6.021.494,83 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.484.442,23 m: 6.023.463,11 m
  • Garde auf der Marne in eienr Karte von 1652

    Garde auf der Marne in eienr Karte von 1652

    Copyright-Hinweis:
    Mejer, Johannes und Danckwerth, Caspar
    Fotograf/Urheber:
    Caspar Danckwerth; Johannes Mejer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Objektbeschreibung
Die „Marne“ ist eine große Warft mit hohem Baumbestand nordwestlich von Garding, die an der Landstraße in Richtung Poppenbüll nach ca. zwei Kilometern westlich gelegen ist. Zum historischen Baubestand liegen kaum Informationen vor. Auf der Warft erbaute sich zwischen 1525 und 1533 der Staller Sievert Harmens seinen Amtssitz, der spätestens ab 1543 zu den adeligen Gütern der Landschaft gezählt wurde. In der Zeit um 1577/78 ist noch ein Gefängnis nachweisbar, das 1864 noch zu besichtigen war. Nach 1611 finden sich in den Gardinger Kirchenbüchern die Bezeichnungen „Auf der Marne“ und „Bei der Marne“ für die dortigen Höfe, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass der ehemalige Hof geteilt worden war. Ob die vermutete, nachträgliche Durchtrennung der Warft durch eine Graft auch in diese Zeit fällt, kann freilich nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Der historische Baubestand brannte 1909 ab, die Warft scheint jedoch schnell wieder bebaut worden zu sein. 2002 erwarb der Verleger Timm A. Zenner die westliche Hofstelle und richtete einen Verlag mit Antiquariat inklusive einer wissenschaftlichen Bibliothek ein.

Ob die Marne zu den Burgen bzw. befestigten Bauernhöfen gezählt werden kann, ist unklar. Sie wird zwar als Garde angesprochen, was die Vermutung eines befestigten Bauernhofs nahe legt, jedoch finden sich keine Erwähnungen von Befestigungselementen oder Auseinandersetzungen, an denen sich ein Wehrcharakter der Anlage ablesen ließe. Anhand der historischen Schriftquellen kann somit keine nähere Klärung in dieser Frage erfolgen.

Geschichtliche Daten
Im Jahr 1525 wurde Sievert Harmens zum Staller der Dreilande ernannt. Die Quellen berichten, dass er in seiner Stallerzeit die Garde auf der Marne errichtet haben soll. Da er 1533 verstarb und ihm sein Bruder Ove Harmens von 1533 bis 1549 im Amt und als Besitzer der Marne folgte, muss sie in den acht Jahren zwischen 1525 und 1533 errichtet worden sein. 1543 wird sie dann unter den adeligen Gütern Eiderstedts (Adelens Gods 1543 [...]/Ejdersted.) und im Besitz von Ove Harmens genannt. Er starb im Jahr 1549 und ihm folgte sein Sohn Sievert Sievertsen als Besitzer der Marne, aber erst 1564 im Amt als Staller.

Während der Stallerzeit Sievert Sievertsens war Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf zu Gast auf der Garde. Der Herzog gestattete dem Markflecken Garding am 5. Juli des gleichen Jahres das Abhalten eines wöchentlichen Marktes und stellt dieses Privileg zue Marne aus. In den Jahren 1577 und 1578 kam es zu juristischen Streitigkeiten zwischen Sievert Sievertsen und dem Landschreiber Eiderstedt, Joachim Berends. Im Zuge dieser Auseinandersetzung ließ der Staller sich den Landschreiber ausliefern und sperrte ihn in sein Gefängnis auf der Garde, von dem Jens Peter Trap, der Sekretär des königlich dänischen Kabinetts und Verfasser topographischer Schriften, noch 1864 berichtete, dass er es besichtigen konnte. Der Konflikt endete für den Staller wie für den Landschreiber mit der Amtsenthebung und Zahlung hoher Strafsummen.

Sievert Sievertsen verkaufte 1586 die Marne aufgrund seiner hohen Verschuldung an seine Schwester. Bereits 1591 gab diese die Anlage an ihren Schwiegersohn Henneke Rantzau, der sie ebenfalls aus Verschuldungsgründen an Paul Rantzau verkaufte. Dieser wiederum veräußerte die Anlage am 19. September 1598 für 46.000 Reichstaler an Herzog Adolf I., der sie wiederum am 8. Juni 1599 gegen die Summe von 50.000 Reichstalern an 13 Eiderstedter weitergab. Diese waren: Harmen Hoyer, der Staller der Dreilande, Sivert Poppens, Sievert Poggesen, Sivert Boyessen, Broder Petersen, Mewes Ovenssen, Niß Schmidt, Dede Harenssen, Junge Ude, Jakob Petersen, Henningk Eckloffen, Junge Jacobs und Gune Jacobs.

Wie aus Kirchenbüchern hervorgeht scheint die Anlage nach 1611 geteilt worden zu sein, da in ihnen unterschieden wird zwischen „Auf der Marne“, was den alten Stallerhof bezeichnen wird, und „Bei der Marne“. Auf der Grundlage von Unterlagen aus dem Kirchenarchiv Garding sowie von Schuld- und Pfandprotokollen des Amtsgerichts Garding konnte Helene Höhnk einige Besitzer der beiden Höfe im 17. und 18. Jahrhundert ermitteln:

„Auf der Marne“
1620: Jacob Jans
1652: Jacob Jans
1652–1670: Staller Samuel Heistermann auf der Marne genannt
1691: Lorenz Joens
1699: Johann Casper Wedderkopp
1744, 20. Oktober: Johann Lühr Senior von Johann Gabriel Wedderkopps Kindern
1779, 1. April: Johann Lühr Junior und Jakob Lühr verkaufen den Hof an Iven Peter Ahrens

„Bei der Marne“
1624: Peter Poppens
1636-1655: Peter Rommels
1655-1666: Jakob Tetens
1665-1683: Boy Rommels
1683: Nickels Jürgens
1721: Peter Martens
1752: Johann Lühr
1779: Jakob Lühr

Für das 19. Jahrhundert bis 2003 setzte W. Petersen diese Liste fort.

(Jens Boye Volquartz, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2018)

Literatur

Heimreich, Anton (1666)
Nord-Fresische Chronick. Schleswig.
Höhnk, Helene (1913)
Nachrichten von den Vorfahren und der Familie des russischen Admirals Peter von Sievers. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 43, S. 256-352. o. O.
Petersen, W. (2003)
Marne. Eine historische Warft in Kirchspiel Garding. In: Dor is wat in de Klock. Mitteilungen der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Stadt und Kirchspiel Garding 16, S. 33-36. o. O.
Sieverts, Ruth; Sieverts, Kaj (1975)
Das Stallergeschlecht Sieverts in Eiderstedt. (Studien und Materialien 6.) Bredstedt/Bräist.
Trap, Jens Peter (1864)
Statistisk-topographisk beskrivelse af hertugdømmet Slesvig. Første Bind. Kopenhagen.
Volquartz, Jens Boye (o.J.)
Im Spannungsfeld zwischen herrschaftlichem Zugriff und bäuerlicher Selbstbestimmung? Spätmittelalterliche Burgen in Nordfriesland und Dithmarschen. [Dissertation Uni Kiel; in Bearbeitung].

Garde auf der Marne (Garding Kirchspiel)

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marneweg 2-4
Ort
25836 Garding, Kirchspiel
Fachsicht(en)
Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1525 bis 1533, Ende 1909 bis 1927

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Garde auf der Marne (Garding Kirchspiel)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290189 (Abgerufen: 18. Juli 2019)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang