Burg Steinburg bei Süderau

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Süderau
Kreis(e): Steinburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 53° 50′ 32,73″ N: 9° 33′ 40,57″ O / 53,84242°N: 9,56127°O
Koordinate UTM 32.536.929,63 m: 5.966.136,04 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.537.014,22 m: 5.968.083,46 m
  • Burg Steinburg - Karte des Amtes Steinburg von 1652

    Burg Steinburg - Karte des Amtes Steinburg von 1652

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  • Burg Steinburg bei Süderau (2018)

    Burg Steinburg bei Süderau (2018)

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    Burg Steinburg bei Süderau (2018)

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Im Süderauer Ortsteil Steinburg nördlich der Hauptstraße an der Klemper Au, befand sich eine mittelalterliche Burganlage. Ihre Ruine ist im Landschaftsbild gut zu erkennen. Die Steinburg war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Verwaltungsschwerpunkt der Grafen und Herzöge von Holstein. Sie gab dem heutigen Kreis Steinburg seinen Namen.

Anfänge
Bei der Steinburg handelte es sich um eine landesherrliche Anlage. Bereits 1307 ist eine gräfliche Urkunde, die auf die Verleihung von Privilegien an die Stadt Krempe Bezug nimmt, vermeintlich auf der Steinburg ausgestellt. Es handelt sich dabei jedoch wohl um eine der im Mittelalter nicht seltenen Fälschungen. Jedoch sind dann seit 1320 mehrere Urkunden des Grafen Johann III. von Holstein-Plön auf der Steinburg ausgestellt.

Verwaltung
Die Steinburg war Mittelpunkt einer Vogtei und diente der Verwaltung der Krempermarsch, nach der Aufgabe der Itzehoer Burg wurde ihr zudem die Wilstermarsch zugeschlagen. Beim Friedensschluss nach dem Konflikt Johanns III. von Holstein-Plön mit Adolf VII. von Holstein-Pinneberg 1322 diente die Burg bzw. der dortige Vogt als Sicherheit: Der aktuelle Vogt Henneke Scharpenberg und seine Nachfolger sollten Adolf versprechen, im Falle eines Bruches des Vertrags durch Johann vom Plöner zum Pinneberger überzulaufen.
Weitere Adlige begegnen uns als Vögte der Steinburg in den Quellen, so 1334 Johann von Brunswik und 1341 Dietrich Beyenfleth. Letzterer wie auch seine Knappen wurden bei Auseinandersetzungen mit den Lübeckern schwer verletzt. 1346 verpflichte sich Henneke Hummersbüttel der Ältere gegenüber Johann III. von Holstein-Plön, die Steinburg auszulösen von denen, die sie derzeit zu Pfand hatten. Leider ist nicht bekannt, an wen die Burg damals eigentlich verpfändet war. 1359 urkundete auch Johanns Sohn Adolf VII. von Holstein-Plön auf der Steinburg, die weiterhin ein bedeutender gräflicher Herrschaftsort war.

Die Steinburg als Ortsbezeichnung
Die Burg diente in den schriftlichen Quellen mehrfach als Ortsbezeichnung: 1391 verkauften der Adlige Johannes Breide und seine Frau Adelheid Einkünfte unter anderem aus einem Dorf bei der Steinburg an mehrere Geistliche. 1396 findet sich ebenfalls ein solcher schriftlicher Beleg, der auf einen Grundstücksverkauf durch Anna von Holstein Bezug nimmt. Dabei wird auch eine Brücke bei der Burg erwähnt.

Verpfändungen
1461 wurde die Steinburg vier Jahre an den Adligen Luder Rumohr verpfändet, 1465 dann an die Hamburger. Hintergrund war der große Geldbedarf des damaligen Grafen von Holstein und Stormarn, Christian I. Dieser herrschte nicht nur in Holstein und Stormarn, sondern war zugleich in Personalunion auch Herzog von Schleswig und König von Dänemark, Norwegen sowie zeitweise von Schweden. Seine Herrschaft in Schweden versuchte er mit militärischen Mitteln wiederherzustellen. Die dafür angeworbenen Söldner erforderten große Geldsummen.
Während der Verpfändung an die Hamburger bewilligte Christian für den Unterhalt der offenbar stark baufälligen Steinburg mehrfach Gelder, die der Pfandsumme zugeschlagen wurden. Sie sollten bei der Einlösung an die Pfandnehmer, also die Hamburger, bezahlt werden. Die Burg blieb bis 1484 in Hamburgischem Pfandbesitz. Mit der Erbteilung von 1490 fiel die Anlage an Christians jüngeren Sohn, Herzog Friedrich I. Dieser verpfändete sie 1504 erneut, und zwar an den Lübecker Bischof und mehrere holsteinische Adlige. Amtmann war zu dieser Zeit der Adlige Detlev Walstorp. 1508 ließ dieser die Anlage neu befestigen. Dabei mussten die umwohnenden Bauern Hand- und Spanndienste leisten. Die Städte Itzehoe, Krempe und Wilster unterstützten diesen Ausbau freiwillig.

Zeitweiliger Umzug der Verwaltung nach Krempe
Mit der Landesteilung von 1544 fiel die Steinburg an den königlichen Segeberger Anteil. Schon 1555 wurde Vogt Johann von Ahlefeldt verpflichtet, den Verwaltungssitz nach Krempe zu verlegen und dort die für einen geregelten Verwaltungsablauf nötigen baulichen Voraussetzungen zu schaffen. Die Steinburg sollte abgebrochen und als Vorwerk genutzt werden. Sogar das Amt wurde nun zwischenzeitlich nach Krempe benannt. Der Umzug stand wohl im Zusammenhang mit einer erneuten Baufälligkeit der Steinburg. Zwischenzeitlich musste der Amtmann sogar bei dortigen Aufenthalten in einer Scheune untergebracht werden. Erst 1576 begann ein Neubau aus Ziegeln, 1578 war der dänische König Friedrich II. zur Inspektion vor Ort. Mit der Fertigstellung wurde die Verwaltung wiederum zur Steinburg verlegt.

Abbruch
Im 30-jährigen Krieg erlangte die Steinburg im Zusammenhang mit der Belagerung der zur Festung ausgebauten Stadt Krempe Bedeutung, die schließlich auch vor den Kaiserlichen kapitulieren musste. Später wurden offenbar Teile der Steinburg zur Ausbesserung der Kremper Festungswerke verwendet. 1763 wurde die Schanze der Steinburg abgetragen und die Fundamente entfernt. Reste des mittelalterlichen Turmhügels haben sich jedoch deutlich sichtbar in der Landschaft erhalten.

(Frederic Zangel, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, finanziert durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein, 2018)

Literatur

Halling, Adolph (1911)
Schloß und Amt Steinburg und seine Amtmänner. Glückstadt.
Jensen, Wilhelm (1914)
Die Hamburger Amtmänner auf Steinburg (1465-1485). In: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins 7, S. 232-236. o. O.
Wülfing, Inge-Maren / Kraack, Detlev; Rheinheimer, Martin (Hrsg.) (2013)
Die Verpfändung von Schloss und Vogtei Steinburg an die Stadt Hamburg (1465-1484). In: Aus der Mitte des Landes. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt zum 65. Geburtstag., (Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins, 51.) S. 105-120. Neumünster/Hamburg.

Burg Steinburg bei Süderau

Schlagwörter
Ort
35361 Süderau - Steinburg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG SH 2015 (in Denkmalliste eingetragen)
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1320

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„Burg Steinburg bei Süderau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-288970 (Abgerufen: 18. Juli 2019)
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