Utersumborg bei Utersum auf Föhr

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Utersum
Kreis(e): Nordfriesland
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 43′ 4,26″ N: 8° 24′ 6,39″ O / 54,71785°N: 8,40177°O
Koordinate UTM 32.461.464,52 m: 6.063.559,05 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.461.517,09 m: 6.065.543,52 m
  • Motte Utersumborg bei Utersum (2018) - heutige Ansicht

    Motte Utersumborg bei Utersum (2018) - heutige Ansicht

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    Daetz, Lisa-Friederike / Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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    Lisa-Friederike Daetz
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  • Motte Utersumborg in einer Karte von 1648

    Motte Utersumborg in einer Karte von 1648

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    Caspar Danckwerth; Johannes Mejer
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Objektbeschreibung
Die Utersumborg war eine Turmhügelburg an der Westküste der Insel Föhr, nordwestlich von Utersum auf dem Wohnmobilplatz der Familie Sörensen und einer angrenzenden Kuhweide. Laut einem Bericht aus dem Jahr 1911 soll der Burgplatz folgendes Bild abgegeben haben: ein etwa 4 Meter hoher, weitgehend abgetragener Erdhügel mit einem umlaufenden Ringwall. An der Außenseite des Walls soll ein etwa 6 Meter breiter Graben verlaufen sein, über den eine Zugbrücke geführt habe, da der Zugang zur Burg am Burggraben aufhörte. Der Ringwall sei mit spitzen Palisaden besetzt gewesen. Nahe der Burg habe der Burgbrunnen in Form eines tiefen Wasserlochs gelegen. Der Burgweg sei ein erhöhter Weg gewesen, der nach Süden führte.

Der Turmhügel sowie der Wall wurden 1915/16 abgetragen und der Graben zugeschüttet. Heute durchschneiden den Mittelpunkt der Anlage zwei Entwässerungsgräben, die sich auf ihr kreuzen. Von der Kuppe des ca. 250 Meter entfernten Deiches lässt sich noch ein leichter Geländeanstieg hin zur T-Kreuzung der beiden Entwässerungsgräben erkennen. Eine geomagnetische Prospektion des DFG-Projekts „Kleinburgen als Phänomen sozialen und herrschaftsräumlichen Wandels. Die Beispiele Schleswig und Holstein (13.–16. Jahrhundert)“ der Abteilung für Regionalgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im November 2018 (Leitung: Jens Boye Volquartz) konnte noch Reste der Vorburg unter der westlich an den Wohnmobilplatz angrenzenden Kuhweide feststellen. Reste der Anlage sind mit dem bloßen Auge heute jedoch nicht mehr erkennbar.

Geschichtliche Daten
Das Alter der Utersumborg ist unbekannt. In der Literatur wird als frühester Hinweis auf ihren Bestand ein Münzfund angegeben. Hierzu wird sich auf Knut Jungbohn Clement berufen, der 1845 berichtet, dass vor 30 Jahren, also vor 1815, unter einem Holzpfahl auf dem Burgplatz eine Menge englischer Münzen des 11. Jahrhunderts gefunden worden seien. Im Jahr 1865 sei außerdem ein „alter 18füßiger [ca. 5,5 m] Balken aus Eichenholz“ gefunden worden, der jedoch nicht datiert wurde.

Exakter datieren lässt sich die Burg in das 14. Jahrhundert. Es sind zwei Urkunden vom 8. November 1360 erhalten, die die Utersumborg betreffen und aus denen die Ausstattung der Anlage deutlich hervorgeht. In ihnen wird der Verkauf von Ländereien an den dänischen Adeligen Erik Rynd, einem unehelichen Enkel Herzog Waldemars IV. von Schleswig, bestätigt. Auf diesen war bereits das castellum oder fortalicium in Føør bereits sowie das fundamentum (der Burghügel), die viam (der Burgweg) und die foveas et aquas (die Wassergräben). Hinzu kam noch das Grundstück, auf dem die curia dicta Lathgaard (der zugehörige Wirtschaftshof Lathgaard) stand. Der Urkundentext bestätigt die archäologischen Funde zur Burg, wobei lediglich die Befestigungen nachweisbar sind, der Wirtschaftshof jedoch nie lokalisiert werden konnte.

Neben der guten Informationslage zur Ausstattung der Burg kann auch etwas zu ihrer Funktion gesagt werden. In einer Verlustaufstellung der Stadt Hamburg adressiert an den dänischen König Waldemar IV. Atterdag aus dem Spätjahr 1360 listet die Hansestadt Überfälle durch Männer des Königs auf ihre Kaufleute auf. Hierunter findet sich auch ein Überfall am 29. September 1360, den Erik Rynd begangen haben soll. Gemäß der Schilderungen der Hamburger soll er das Schiff „Sturman Doden“ im „freien Hafen Föhr“ überfallen haben. Die Beute habe aus Bier, Butter (über 112 kg), Käse, Waffen und „Diverses“ bestanden. Dass der Überfall vor Föhr auf das ankernde Schiff stattgefunden haben soll, lässt die Vermutung zu, dass die Utersumborg hierfür als Ausgangspunkt diente und damit als Kaperburg verstanden werden kann. Auffällig ist auch, dass der Überfall am 29. September 1360 stattfand, der Verkauf der Ländereien, auf denen die Burg stand, aber erst am 8. November des gleichen Jahres beurkundet wurde. Die Burg hat also nicht nur vor dem Landverkauf bestanden, sondern wurde offensichtlich auch schon durch den dänischen Adeligen genutzt.

Die Burg scheint einer Katastrophe zum Opfer gefallen zu sein, die auch weite Teile Nordfrieslands verwüstete - die Grote Mandränke im Jahr 1362. Da die Burg in einer unbedeichten Niederung, vermutlich sogar mit Meereszugang, stand, kann davon ausgegangen werden, dass sie der Flut wie auch dem Unwetter weitgehend schutzlos ausgesetzt war. Ob die Burggebäude überschwemmt wurden, ist nicht überliefert. Der Schaden am Burghügel könnte jedoch schon so beträchtlich gewesen sein, dass die Burg aufgegeben wurde. Auch das Unwetter mag dem Zustand der Gebäude wenig zuträglich gewesen sein. Anhand von archäologischen Untersuchungen oder Schriftquellen kann eine solcher Untergang oder die Aufgabe der Anlage nicht nachgewiesen werden, jedoch wird sie in der Folgezeit nicht mehr genannt.

(Jens Boye Volquartz, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2018)

Literatur

Braren, Johann (1935)
Die vorgeschichtlichen Altertümer der Insel Föhr. Witsum.
Clement, Knut Jungbohn (1845)
Die Lebens- und Leidensgeschichte der Frisen, insbesondere der Frisen nördlich von der Elbe. Kiel.
Handelmann, Gottfried Heinrich (1873)
Antiquarische Miscellen. 15. Die Bauernburgen auf den nordfriesischen Inseln. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 3, S. 54–75. o. O.
Kersten, Karl; La Baume, Peter (1958)
Vorgeschichte der nordfriesischen Inseln. Die nordfriesischen Inseln Amrum, Föhr und Sylt (Kreis Südtondern). Neumünster.
Volquartz, Jens Boye (o.J.)
Im Spannungsfeld zwischen herrschaftlichem Zugriff und bäuerlicher Selbstbestimmung? Spätmittelalterliche Burgen in Nordfriesland und Dithmarschen. [Dissertation Uni Kiel; in Bearbeitung].

Utersumborg bei Utersum auf Föhr

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Strunwai 14
Ort
25938 Utersum
Fachsicht(en)
Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 1360 bis 1362

Empfohlene Zitierweise

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„Utersumborg bei Utersum auf Föhr”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-288954 (Abgerufen: 16. Juli 2019)
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