Burg Rendsburg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Rendsburg
Kreis(e): Rendsburg-Eckernförde
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 18′ 22,69″ N: 9° 39′ 44,34″ O / 54,3063°N: 9,66232°O
Koordinate UTM 32.543.094,86 m: 6.017.804,12 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.543.180,81 m: 6.019.772,21 m
  • Burg Rendsburg - Stadtplan 1649

    Burg Rendsburg - Stadtplan 1649

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    Mejer, Johannes; Danckwerth, Caspar
    Fotograf/Urheber:
    Johannes Mejer; Caspar Danckwerth
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Die Rendsburger Burg befand sich beim heutigen Schlossplatz sowie in dessen näherem Umfeld. Sichtbare Spuren dieser bedeutenden mittelalterlichen Anlage an der Grenze zwischen Holstein und Schleswig haben sich nicht erhalten.

Anfänge
Über die Ursprünge der Rendsburger Burg gibt es unterschiedliche Theorien. Vermutet wird etwa, dass bereits im 11. Jahrhundert ein dänischer Königssohn namens Bero dort eine später dann verfallene Befestigung errichtet haben soll. Ebenso wenig stichhaltig scheint die Theorie einer Errichtung 1150 durch Reinhold, einen Gefolgsmann des Schauenburgers Adolfs II. Dass es einen Vorgängerbau gab, lässt eine Notiz des Chronisten Arnolds von Lübeck für das Jahr 1200 annehmen: Demzufolge ließ Graf Adolf III. angesichts der sich anbahnenden Auseinandersetzungen mit dem dänischen Königtum die alte Burg Rendsburg wiedererrichten.

Zwischen Königen und Grafen
Im Zusammenhang mit der Freilassung Waldemars II. wurde 1225 die Übergabe der Rendsburg an Adolf IV. vorgeschrieben. 1226 wurde sie jedoch offenbar bereits durch die Dänen zurückerobert. Ein Verbleib bei Waldemar II. scheint indes nach dessen Niederlage in der Schlacht von Bornhöved ausgeschlossen. Ob Rendsburg bei der Heirat des Sohns Waldemars II. mit der Tochter Adolfs IV. als Mitgift diente, ist nicht sicher auszumachen. 1250 wurde die Burg jedenfalls den Annales Stadenses zufolge durch die Holsteiner Grafen Johann I. und Gerhard I. erfolglos belagert. Die Verteidiger waren Gefolgsleute des dänischen Königs Erik Pflugpfennig. Nach dessen Ermordung und der Thronbesteigung seines daran nicht ganz unbeteiligten Bruders Abel wurde Rendsburg an die Grafen übergeben. In den 1250er Jahren urkundete Gerhard I. mehrfach in Rendsburg.

Bedeutung als Residenz
Wichtige Impulse gingen von der Verlegung des Herrschaftssitzes der ursprünglichen Itzehoer Linie nach Rendsburg aus. Aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind zahlreiche in Rendsburg ausgestellte Urkunden überliefert. Bereits zu Beginn des Jahrhunderts kam es zum Ausbau der Burg mit zwei neuen Türmen.

Verpfändungen und daraus resultierende Probleme
Mit dem Ausgreifen Gerhards III. nach Norden scheint die Burg jedoch für den Grafen an Bedeutung verloren zu haben. Vor seinem Tod 1340 verpfändete Gerhard Burg, Stadt und Vogtei offenbar an Marquard von Westensee. Nach dessen Weigerung, das Pfandgut herauszugeben, zogen Gerhards Söhne vor Rendsburg. Während die Stadt ihre Tore öffnete, wurde die Burg kurzfristig belagert. Ein einziger Pfeilschuss soll chronikalischen Berichten zufolge die Übergabe der Burg bedingt haben: Der Bogenschütze traf angeblich den Burgkommandanten, was die übrige Besatzung zur Aufgabe bewogen haben soll.
Trotz dieser schlechten Erfahrungen folgten weitere Verpfändungen. So liegt eine urkundliche Bestätigung des Ritters Marquard Glüsing von 1350 vor, dass die Grafen Heinrich und Klaus von Holstein das ihm zuvor verpfändete Rendsburg wieder eingelöst hätten. 1381 befand sich die Burg im Pfandbesitz des Adligen Luder Krummendiek. Militärische Konflikte haben sich daraus in beiden Fällen aber offenbar nicht mehr ergeben.

Konflikt um Schleswig
Vom Konflikt um Schleswig im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts war Rendsburg nicht unmittelbar betroffen. Diese Auseinandersetzung wurde zwischen den Holsteiner Grafen und dem Unionskönig Erich VII. (‚von Pommern‘) um die Herrschaft im Herzogtum geführt. Zwar wurden Burg und Stadt 1426 mit Vorräten versehen, zur befürchteten Belagerung durch die Dänen ist es jedoch nicht gekommen. Letztlich setzten sich die Schauenburger durch, wohingegen Erich in der Konsequenz als König abgesetzt wurde.

Witwensitz
Der letzte Schauenburger aus der Rendsburger Linie war Adolf VIII. Dieser gab Rendsburg, also Stadt, Burg und Vogtei, als Leibgedinge an seine Frau Margarete von Hohenstein. Nach seinem Tod 1459 verblieb Rendsburg im Besitz seiner Witwe. Diese hielt sich zwar meist in ihrer thüringischen Heimat auf, griff aber durchaus in die inneren Belange von Burg und Stadt ein. So verfügte sie 1463, dass die Bude am Holstentor, die der Erhebung des Zolls diente, dem Rat und der Stadt Rendsburg zufallen sollte.

Konflikte der Oldenburger
Nachfolger Adolfs VIII. als Graf von Holstein und Stormarn und Herzog von Schleswig wurde sein Neffe Christian I. Rendsburg wurde nun in die Auseinandersetzungen Christians mit seinem jüngeren Bruder Gerhard hineingezogen. Gerhard kam aus seiner Grafschaft Oldenburg (in Niedersachsen) nach Schleswig und Holstein, nachdem die von Christian vertraglich zugesagten Zahlungen ausgeblieben waren. Diese waren als Ausgleich für Gerhards Verzicht auf eigene Erbansprüche gedacht. Dabei besetzte Gerhard zeitweise auch Rendsburg, wurde aber von seinem Bruder zwischenzeitlich gefangengesetzt und schließlich aus Schleswig und Holstein vertrieben.

Erbteilungen der Oldenburger
Nach dem Tod Margaretes 1490 kam Rendsburg wiederum als Leibgedinge an Dorothea, die Witwe Christians I. Nach ihrem Tod 1495 gehörten Stadt, Burg und Vogtei zum königlichen Anteil der ebenfalls 1490 unter Christians und Dorotheas Söhnen geteilten Herzogtümer. Entscheidender war jedoch die Erbteilung von 1544: Rendsburg fiel damit an den Haderslebener Anteil von Herzog Hans. Dieser verfügte Ende der 1570er Jahre den Ausbau zum Renaissancebau, der auch auf der Abbildung von Braun und Hogenberg zu sehen ist. Das Schloss als Nachfolgebau der mittelalterlichen Burg bestand noch bis zu seinem Abriss 1718.

(Frederic Zangel, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, finanziert durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein, 2018)

Literatur

Danckwerth, Caspar; Mejer, Johannes (1652)
Newe Landesbeschreibung der zwey Hertzogthümer Schleswich und Holstein. Husum.
Gudd, Alfred (2016)
Die Festung Rendsburg. Zur militärischen Geschichte der Stadt. Rendsburg.
Hoop, Edward (1989)
Geschichte der Stadt Rendsburg. Rendsburg.
Pelc, Ortwin / Auge, Oliver; Kraack, Detlev (Hrsg.) (2015)
Die Burgen und Residenzen der Schauenburger in Nordelbien. In: 900 Jahre Schauenburger im Norden. Eine Bestandsaufnahme, (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, 121; zeit + geschichte, 30.) S. 107–167. Neumünster.
Schröder, Friedrich (1939)
Rendsburg als Festung. (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins 22.) Neumünster.

Burg Rendsburg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Schlossplatz
Ort
24268 Rendsburg
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1200, Ende 1578

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„Burg Rendsburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290030 (Abgerufen: 15. November 2019)
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