Wogemannsburg bei Westerhever

Wogensmanneborch, Wogemannenburg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Westerhever
Kreis(e): Nordfriesland
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 22′ 59,79″ N: 8° 40′ 41,94″ O / 54,38327°N: 8,67832°O
Koordinate UTM 32.479.107,93 m: 6.026.213,93 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.479.168,28 m: 6.028.183,96 m
Objektbeschreibung
Die Wogensmanneborch (Quellenbegriff), oder auch Wogemannsburg, war eine Burganlage, deren Typ bis heute nicht bestimmbar ist. Sie liegt im Dorf Westerhever im Nordwesten Eiderstedts. Da die Anlage 1370 vermutlich völlig zerstört und mit dem Pastorat Westerhever überbaut wurde, ist von ihr heute nichts mehr zu erkennen. Die heutige Warft mit dem großen Haubarg und der Straßenname „Wogemannsburg“ erinnern noch an die einstige Burg.

Geschichtliche Daten
Zur Wogensmanneborch liegt in den Schriftquellen lediglich ein Bericht aus dem Chronicon Eiderostadense vulgare, der Gemeinen Eiderstedter Chronik, vor. Alle weiteren Schriftzeugnisse gehen auf diese Vorlage zurück.

Im Chronicon heißt es zum Jahr 1362, dem Jahr der Groten Mandränke, dass die Wogemänner aus dem Gebiet von Nordstrand von einem Ingwer, Staller über die Uthlande genannt, vertrieben worden seien. Daraufhin hätten sie nach Westerhever übergesetzt und dort die Festung (veste) „Wogemannsburg“ errichtet. Sie hätten in der Folgezeit die umliegenden Gebiete Westerhever, Utholm, Everschop und Nordstrand geplündert.

Am St. Margaretenstag (20. Juli) 1370 habe Ove Heringe, Staller über Everschop und Utholm, die beiden Lande gesammelt und sei mit seinen Männern zu Schiff und zu Fuß vor die Burg gezogen. Diese hätten sie schließlich erstürmt und zerstört, indem sie sie in das angrenzende Tief versenkten (unde grouven do de borch uth in dat deep; der technische Vorgang dahinter ist bisher nicht vollständig erklärbar).

Aus den Schilderungen der Belagerung geht hervor, dass die Burg erhöht lag, eine Zugbrücke besaß, an mindestens einer Seite vom Tief und sonst auch von Wasser umgeben war. Die vorausgegangenen Angaben zu den Plünderungen der Wogemänner lassen zudem auf einen Anlegeplatz oder kleinen Hafen für die Schiffe und Boote der Seeräuber bei der Burg schließen. Diese soll desweiteren groß genug gewesen sein, um 60 Männern zuzüglich ihrer und den geraubten Frauen Platz zu bieten.
Später wurden die Reste der Burg als Baumaterial für das an ihrer Stelle errichtete Pastorat Westerhever verwendet.

(Jens Boye Volquartz, Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2018)

Literatur

Handelmann, H. (1873)
Antiquarische Miscellen. 7. Die Burg der Wogensmannen bei Westerhever (Kreis Eiderstedt). Anhang: Weitere Burgstätten und Freiberge in Eiderstedt.. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 4, S. 37–49. o. O.
Jasper, Johannes (Hrsg.) (1977)
Chronicon Eiderostadense vulgare oder die gemeine Eiderstedtische Chronik 1103 - 1547. St. Peter-Ording.
Panten, Albert; Porada, Haik Thomas; Steensen, Thomas (Hrsg.) (2013)
Eiderstedt. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum St. Peter-Ording, Garding, Tönning und Friedrichstadt. (Landschaften in Deutschland. Werte der deutschen Heimat 72.) Köln/Weimar/Wien.
Volquartz, Jens Boye (o.J.)
Im Spannungsfeld zwischen herrschaftlichem Zugriff und bäuerlicher Selbstbestimmung? Spätmittelalterliche Burgen in Nordfriesland und Dithmarschen. [Dissertation Uni Kiel; in Bearbeitung].

Wogemannsburg bei Westerhever

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Dorfstraße 4
Ort
25881 Westerhever
Fachsicht(en)
Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1362, Ende nach 1370

Empfohlene Zitierweise

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„Wogemannsburg bei Westerhever”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-288962 (Abgerufen: 22. November 2019)
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