Ortsgemeinde Briedel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Briedel
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 01′ 21,2″ N: 7° 09′ 2,7″ O / 50,02256°N: 7,15075°O
Koordinate UTM 32.367.535,63 m: 5.542.777,05 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.582.508,33 m: 5.543.552,52 m
  • Luftaufnahme der Ortsgemeinde Briedel (um 1895).

    Luftaufnahme der Ortsgemeinde Briedel (um 1895).

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Briedel
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Video zum Paratyphus-Ausbruch in Briedel im Jahr 1947 (2020).

    Video zum Paratyphus-Ausbruch in Briedel im Jahr 1947 (2020).

    Copyright-Hinweis:
    Produktion: SWR Landesschau Rheinland-Pfalz
    Fotograf/Urheber:
    SWR Landesschau Rheinland-Pfalz
    Medientyp:
    Video
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Fähre mit Kuhgespann in der Ortsgemeinde Briedel (um 1935)

    Fähre mit Kuhgespann in der Ortsgemeinde Briedel (um 1935)

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Briedel
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Das Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse in Briedel an der Mosel (2009)

    Das Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse in Briedel an der Mosel (2009)

    Copyright-Hinweis:
    Fischer, Alfons
    Fotograf/Urheber:
    Alfons Fischer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Blick in südöstlicher Richtung über die Moselschleife Zeller Hamm und die Marienburg bei Zell an der Mosel, links im Hintergrund der Ort Merl, rechts im Hintergrund der Ort Briedel.

    Blick in südöstlicher Richtung über die Moselschleife Zeller Hamm und die Marienburg bei Zell an der Mosel, links im Hintergrund der Ort Merl, rechts im Hintergrund der Ort Briedel.

    Copyright-Hinweis:
    Tohma / CC BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Tohma
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Wappen der Ortsgemeinde Briedel (2021).

    Wappen der Ortsgemeinde Briedel (2021).

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Briedel
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der Briedeler Eulenturm (2020).

    Der Briedeler Eulenturm (2020).

    Copyright-Hinweis:
    Florian Weber / Universität Koblenz-Landau
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Die zum rheinland-pfälzischen Landkreis Cochem-Zell gehörende Ortschaft Briedel kann auf eine lange und kulturhistorisch bedeutsame Geschichte zurückblicken. Das Dorf erstreckt sich entlang der Mosel an einem süd-westlichen Mäanderarm des Flusses. Die Siedlungsstruktur folgt mit einer zentralen Hauptstraße dem westlichen Moselufer.

Ortsstruktur im Wandel der Zeit
Das Wappen
Frühgeschichte: Erste Besiedelungen
Mittelalter: Die Kirche als Landesherr
Spätmittelalter: Konkurrenz zwischen Kirche und Adel
Das Kloster Himmerod (Abtei)
Neuzeit und Franzosenzeit: Wandel in den Machtstrukturen
20. Jahrhundert
Religiöse Orte in Briedel
Weinbau
Ringmauer und Eulenturm
Briedels architektonische Merkmale
Brunnen und Trinkwasserversorgung in Briedel
Paratyphus-Ausbruch im Jahr 1947
Quellen / Internet

Ortsstruktur im Wandel der Zeit
Seine heutige Erscheinung als Straßendorf parallel zur Bundestraße B53 erhielt Briedel erst im ausgehenden 19. Jahrhundert. Bis zur napoleonischen Zeit zeigte Briedel die Struktur eines fast rechteckigen Haufendorfes. In seiner Ausdehnung war Briedel noch stark geprägt von der im 14. Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Zwar wurde diese bereits im 17. Jahrhundert zerstört, dennoch galt bis ins 19. Jahrhundert der Briedeler Spruch: „Die Reste der Wehrmauer schlossen den Ort ein, wie der Gürtel den Bauch eines zu fetten Mannes.“

Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurde die Moselstraße durchgehend ausgebaut. Auf diese Weise sollte eine bessere Zugangsmöglichkeit zur Westfront geschaffen werden (siehe auch: Kanonenbahn Berlin-Metz). Im Zuge dieses Ausbaus wurden die kleinstrukturierten Grundstücksverhältnisse außerhalb des Ortskerns neu geordnet. Dies ermöglichte eine Siedlungsausdehnung und den Hausbau an der neuen Straße. Im 19. Jahrhundert wuchs der Ort überwiegend südwärts (moselabwärts), später dann, im frühen 20. Jahrhundert auch nach Norden (moselaufwärts). Nach einer Arrondierung durch die Flurbereinigung folgte ab dem Jahr 1970 ein regelrechter Bauboom.

Die Hauptstraße hat einen Abstand zur Mosel von bis zu 100 Metern im Ortskern und etwa 200 Metern im Neubaugebiet. Näher zur Mosel verläuft die Moselstraße und entlang des Ufers die Bundesstraße B53. Diese wurde im Jahr 1971 auf der ehemaligen Bahntrasse der Moselbahn (erbaut 1905) angelegt. Mehrere Verbindungsstraßen, die senkrecht zum Flussverlauf ausgerichtet sind, deuten den alten Ortskern an (u.a. die Straßen Im Wallgraben, Himmeroderstraße).
Als Weg auf den Berg gab es seit alters her die Sündstraße, eine schmale heute im weiteren Verlauf nur noch als Fußweg nutzbare Steilstrecke. Als Fahrweg diente die Römerstraße (vormals „die Kehr“). Auch an diesem bergan führenden Weg wurden um das Jahr 1900 einige Häuser gebaut. Erst ein Ausbau zur Mitte der 1970er Jahre ermöglichte weitere Gebäude an dieser Straße.

Aufgrund der morphologischen Gegebenheiten hat das Straßendorf eine kleine Seitenstraße, die Bergstraße, entlang derer sich ebenfalls einige Häuser angesiedelt haben. Sie besteht erst seit dem Jahr 1897. Vorher war hier nur ein schmaler Fußpfad entlang des Briedeler Baches. Erst nach dem Straßenausbau konnten hier auch Häuser errichtet werden. Heute ist dieser Pfad als Kreisstraße 52 voll ausgebaut und ist die Verbindung zu den landwirtschaftlichen Höfen auf der Briedeler Heck und weiter zur Hunsrückhöhenstraße und Bundesstraße B50. Eine Fähre ermöglicht die Überfahrt zu den gegenüberliegenden Weinlagen, die noch Teil der Gemarkung Briedel sind. Noch heute erinnern das Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde sowie der Fährturm in Briedel daran, dass das Fährwesen eine wichtige Rolle für den Ort spielte und heute noch spielt.
nach oben

Das Wappen
Das Briedeler Wappen zeigt ein rotes Kreuz vor silbernem Grund. Das Wappen geht auf das Schöffensiegel des Jahres 1518 zurück. Siegel und Gemeindewappen sind in dieser Form vermutlich bereits im 13. Jahrhundert in Verwendung (Thur 2016, S. 9). Die Amtliche Beschreibung des Wappens lautet: „In Silber ein rotes Kreuz, bewinkelt im ersten und vierten Felde von grünen Rankenornamenten, im zweiten durch die Buchstaben BR und im dritten Feld eine grüne Weintraube“.

Das Kreuz stellt den Bezug zum Kurfürsten und Erzbischof von Trier als Landesherren her. Die Buchstaben „BR“ stellen die Anfangsbuchstaben der Gemeinde dar. Die Rebe verweist auf die jahrhundertealte Weinbautradition im Ort. Im Jahr 1957 erhielt die Ortsgemeinde Briedel vom Land Rheinland-Pfalz die Genehmigung dieses Wappen zu führen. Dr. Bruno Hirschfeld hatte diesen Entwurf auf Basis des alten Schöffensiegels angefertigt (Thur 2016, S. 9). Ähnliche Darstellungen finden sich auch auf den Grenzsteinen am Haus Bayer, Hauptstraße 91. Das Wappen in der heutigen Form wird ab 1920 auf der Fahne des örtlichen Sportvereins sowie auf den Prospekten des Verkehrsvereins eingesetzt.
nach oben

Frühgeschichte: Erste Besiedelungen
In den 1870er und 1930er Jahren wurden in der Flurlage „Briedeler Heck“ Ausgrabungen durchgeführt. Sie ergaben, dass eine Besiedlung der Region bereits im Neolithikum (circa 3500 bis 1800 v. Chr.) stattgefunden hat. Vom Neolithikum bis zur heutigen Zeit lassen sich aus nahezu allen Epochen verschiedenste Fundstücke nachweisen. Dazu zählen Hügelgräber (regionalgeschichte.net 2021), Ruinen (Grundrisse) ehemaliger Bauten bis hin zu Tonscherben und Thalern. Die Funde zeugen von einer (fast) durchgehenden Besiedlung des Gebietes. Lediglich aus der Bronzezeit (1800 - 700 v. Chr.) fehlen Befunde. Das spricht für eine sehr dünne Besiedlung in diesem Zeitraum. Die Eroberung der Gebiete westlich des Rheins durch Julius Caesar erfolgte zwischen den Jahren 58 und 51 v. Chr. Beispielhaft für römische Spuren kann ein Kelterhaus genannt werden. Dessen Reste befinden sich an der Stelle, wo heute noch die Ruine des Grafenkelterhauses in der Weinlage „Briedeler Herzchen“ vorzufinden ist. Eine römische Villa (regionalgeschichte.net 2021) lässt sich ebenfalls nachweisen.
nach oben

Mittelalter: Die Kirche als Landesherr
Die Briedeler Kirchengeschichte geht zurück bis ins Jahr 585. Aus diesem Jahr stammen erste Hinweise auf eine Kirche. Briedel geriet früh, nämlich zur Merowingerzeit (frühes 5. Jahrhundert bis zum Jahr 751) in den Besitz des Bistums Metz. Es war für sämtliche religiösen Belange zuständig. Darüber hinaus besaß das Bistum die Oberhoheit über die Rechtsprechung in der Gemeinde und durfte den Zehntanteil Briedels einziehen. Das Bistum übertrug im Jahr 748 seine Rechte anteilig auf das neugegründete Kloster Gorze und dessen Tochterkloster Neumünster. Diese Übertragung diente der Erstausstattung der beiden Klöster. Im Jahr 983 wechselten die Rechte zum Kloster St. Trond. Dieses war auch Inhaber des Weinzehnts sowie größter Besitzer von Weinbergen in Briedel und ebenfalls dem Bistum Metz zugehörig. Kurz vor diesem Rechtewechsel erfolgt im Jahr 959 die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche. Für die Ausübung der weltlichen Macht statteten die Metzer Bischöfe adelige Familien mit den Vogteirechten über die Gemeinde aus. Zuerst waren das die Grafen von Luxemburg, Verwandte der Bischöfe, später eine Nebenlinie der Luxemburger, die Grafen von Salm. Diese wiederum verlehnten die Rechte an ihre Verwandten, die Herren von Oberstein, einem Geschlecht, das in Idar-Oberstein angesiedelt war.
nach oben

Spätmittelalter: Konkurrenz zwischen Kirche und Adel
Ab dem 11. Jahrhundert kristallisierte sich der Trierer Kurfürst zum bestimmenden Machtfaktor an der Mosel heraus. Auch das Bistum Metz wurde später Teil der Kirchenprovinz Trier. Um den eigenen Einfluss auszubauen, drängten die Trierer Kurfürsten den Einfluss der weltlichen Territorialherren zurück. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Grafen von Salm. In Briedel behielten die Herren von Oberstein jedoch ihre Rechte bis zum Jahr 1341. In diesem Jahr veräußerten die Obersteiner ihre Rechte an den Kurfürsten Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier (1285-1354, Erzbischof ab 1307). Im Jahr 1376 bestätigte Kaiser Karl IV. (1316-1378, regierte ab 1346) dem Trierer Erzbischof Kuno II. (um 1320-1388, Erzbischof ab 1362) in einem Sammelprivileg u.a. Briedel als befestigte Stadt. Briedel wurde das Stadtrecht gegeben. Dieses hatten jedoch vor Ort keinerlei Bedeutung. Briedel wurde im Jahr 1377 Teil des Amtes Zell. Auch die Hochgerichtsbarkeit der Gemeinde Briedel wurde in diesem Zuge nach Zell verlagert. Auf diese Weise wurde der noch verbliebene Einfluss der Grafen von Salm und der Herren von Oberstein weiter geschwächt. Dieser Wandel in den hoheitlichen Rechten schuf lang währendes Konfliktpotenzial zwischen Kurfürsten und Adel in der Region um Briedel. Denn viele Rechte waren nicht eindeutig geregelt. Die Grafen von Sponheim, die Rheingrafen bei Pfalz und die Marktgrafen von Baden stritten häufig mit dem Kurfürsten von Trier um Weideland, Waldbesitz und Jagdrechte (Thur 2016, S. 65).
nach oben

Das Kloster Himmerod (Abtei)
Die Zwistigkeiten zwischen dem Kurfürsten und Adelsfamilien im weltlichen Geschehen spiegelte sich auf der Ebene der Klöster. Die ehemals bestimmenden Klöster (Neumünster im Saarland, Gorze bei Metz, später St. Trond in Brabant) mussten sich im Laufe der Zeit dem steigenden Einfluss der Klöster Springiersbach und Himmerod beugen. Im Jahr 1264 wurde der Verkauf der klösterlichen Besitzungen schließlich durchgeführt. Das Kloster Himmerod leitete von da an die Geschicke der Gemeinde Briedel in den folgenden 500 Jahren. Die Ursprünge der Pfarrei reichen ins 10. Jahrhundert zurück. Im Jahre 959 übertrug Gaugraf Zeyzolf dem Kloster St. Trond u.a. seine Kirche in Briedel (wahrscheinlich eine Eigenkirche mit Pfarrbezirk). Im Jahre 1154 wurde im Rahmen der Neuregelung der Zehntrechte von einer Gewohnheit der Gemeindemitglieder (Parochianen) in der Pfarrei geschrieben. Im Jahr 1312 wurde die Pfarrei inkorporiert (Eingliederung meist eines kirchlichen Amtes oder einer Pfarrkirche in eine andere kirchliche Institution) (Landeshauptarchiv Koblenz, Wilhelm 2019, S. 169). Bis ins 19. Jahrhundert war Briedel eigenständige Pfarrei, gehörte also nicht zur Pfarrei Zeller Hamm.
nach oben

Neuzeit und Franzosenzeit: Wandel in den Machtstrukturen
Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges verschärften sich die Spannungen zwischen den Kurtrierischen Einflussgebieten, inklusive Briedel, und den protestantisch orientierten Sponheimern und ihren Besitzungen. Briedel war in den großen Konflikten der Neuzeit, neben dem Dreißigjährigen Krieg sind auch der Spanische Erbfolgekrieg und der Niederländische Freiheitskrieg zu nennen, mehrfach besetzt und geplündert worden (Thur 2016, S. 65f.).
Mit der Besetzung des linken Rheinufers und der Einverleibung des Bistums Metz durch die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. (1638-1715, regierte ab 1643) im Jahr 1694, lag Briedel im Kanton Zell und war somit Grenzort nach Frankreich. Dieser Zustand dauerte jedoch nur bis zum Jahr 1698 an. Mit dem Frieden von Rijswijck zogen die Franzosen wieder aus den besetzten Gebieten ab. Im Jahre 1794 aber besetzten die Franzosen unter Napoleon Bonaparte (1769-1821, regierte von 1804-1815 sowie 1815) die Region erneut, diesmal auch Briedel. Mit dem Frieden von Campo-Formio vom 17.10.1797 wurde Briedel wie andere Moselorte auch Teil Frankreichs. Bestätigung fand diese Zuteilung im Frieden von Luneville des Jahres 1801. Briedel war ab dem Jahre 1798 Ort der Mairie (Bürgermeisterei) Zell und des Cantons Zell, im Arrondissement Koblenz im Departements Rhein-Mosel (Thur 2016, S. 67). Der Schultheiß Johann Baptist Goeres (1749-1801) ist als Maire (Agent) der Gemeinde Briedel in der Franzosenzeit nachgewiesen.

Nach dem Wiener Kongress wurde Briedel preußisch. Es war dem Regierungsbezirk Koblenz und darin dem Kreis Zell (Mosel) zugeordnet und gehörte zum Amtsverwaltungsbezirk Zell (Mosel). Im Jahre 1824 wurde Briedel wieder nach dessen Wiedererrichtung dem Bistum Trier zugeteilt (Thur 2016, S. 68).
nach oben

20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten die Amerikaner Briedel bis die Franzosen im Jahr 1923 die Verwaltung der Region übernahmen. Zur Zeit des Nationalsozialismus war Briedel Teil des Gaues Koblenz-Trier-Birkenfeld, später dann inklusive Luxemburg des Moselgaues. Im Jahr 1946 wurde Briedel Ortsgemeinde im Bundesland Rheinland-Pfalz. In der Verwaltungsreform im Jahre 1969 ging das Amt Zell in der Verbandsgemeinde Zell (Mosel) auf und der Kreis Zell wurde zum Landkreis Cochem-Zell fusioniert (Thur 2016, S. 69).
nach oben

Religiöse Orte in Briedel
Briedel weist als katholische Gemeinde neben der Pfarrkirche Sankt Martin mehrere Kapellen auf. Dazu zählen die Gefallenen- oder Marienkapelle, die sich direkt neben der Pfarrkirche St. Martin befindet und sogar nur über diese erreichbar ist. Ebenfalls zu erwähnen ist die Sündkapelle (Baujahr 1719). Diese ist etwa eine Stunde Fußweg außerhalb des Ortes gelegen. Die Gefallenenkapelle ist den Briedeler Opfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs gewidmet. Sie enthält Gedenktafeln mit sämtlichen Namen der in den beiden Kriegen gefallenen Personen.

Die Sündkapelle, auch „Sonderhäisje“ genannt, blickt auf eine längere Tradition zurück. Sie diente zunächst als Schutzunterstand der arbeitenden Bauernbevölkerung auf deren Weg zu den auf der „Briedeler Heck“ gelegenen Feldern. Der profane Zweck wurde bald durch einen religiösen ergänzt. Man verband die religiösen Pflichten der katholischen Einwohner mit den praktischen Aufgaben des Alltagslebens. So konnten die Briedeler Bürger auf ihrem Weg zur Arbeit gleichzeitig in religiöser Absicht innehalten, ohne Arbeitszeit zu verschenken. Heute wird der Weg zum „Sonderhäisje“ nur noch als Wander- oder Pilgerweg genutzt. Der Fußweg hinauf zur Kapelle ist mit sieben Kreuzwegstationen ausgestattet und dient den Menschen als stiller Besinnungsweg in der Natur.
nach oben

Die Kirchengeschichte ist eng mit der Bildungsgeschichte der Gemeinde Briedel verbunden. Nicht nur, dass die ersten Lehrer der Gemeinde Pfarrer waren. Das erste Gebäude, in dem unterrichtet wurde, war das Alte Pfarrhaus der Gemeinde. Dieses wurde bei den Bürgern auch „Alte Parf“ genannt. In diesem Gebäude wie auch auf dem Kirchenvorplatz wurden neben schulischen Diensten auch öffentliche Aufgaben bewältigt. Auch befand sich die Pfarrerwohnung in dem Gebäude. Nach der Säkularisation wurden das Pfarramt und die Pfarrerwohnung in den freigewordenen Himmeroder Hof verlegt. Die Gemeinde erwarb dort am Moselufer einen unbebauten Teilbereich. Auf diese wurde im Jahr 1832 eine zweigeschossige Schule im klassizistischen Stil errichtet. Diese Schule wurde im Jahr 1877 noch um eine dritte Etage für die Lehrerwohnungen aufgestockt. Im Jahr 1984 wurde die Grundschule Briedel mit der Grundschule Pünderich zusammengelegt und nach Pünderich verlegt.

Weinbau
Der moseltypische Weinbau besitzt in Briedel eine weit zurückreichende Tradition und zieht seine Wurzeln, urkundlich belegt, bis ins Jahr 748 zurück. Damit zählt die Gemeinde Briedel zu den ältesten, schriftlich nachgewiesenen Weinbaugemeinden entlang der Mosel.

Heute sind hier fünf Weinlagen vorzufinden, welche allesamt durch qualitativ hohe Klassifizierungen gekennzeichnet sind. Dazu gehören: Nonnengarten, Schelm, Weißerberg, Schäferlay und die Weinlage des „Briedeler Herzchens“. Letztere ist die berühmteste Weinlage des Ortes mit einem sehr hohen Bekanntheitsgrad. Alljährlich findet u.a. das Weinfest „Briedeler Herzchen“ statt, welches sich über ein ganzes Wochenende erstreckt und mit einem großen Festzelt, Feuerwerk und Weinen aus den Briedeler Lagen „auftrumpft“. Neben diesem allgemeinen Weinfest finden auch kleinere Feste einzelner Weingüter statt. Sie verdeutlichen die traditionelle und enge Verflechtung sowie die Vielfalt und Vielzahl der Winzer und des Weines mit der Ortsgemeinde Briedel.
nach oben

Ringmauer und Eulenturm
Die Reste der Ringmauer und der Eulenturm in Briedel sind ortsprägend. Die im 14. Jahrhundert errichtete und im 17. Jahrhundert zerstörte Ringmauer ist nur noch an sehr wenigen Stellen des Ortes vorzufinden. Wenn man allerdings die Mauern, welche den alten Ortskern einst vollständig umrahmten ausfindig gemacht hat, kann man sich gut ein Bild davon machen, wie mächtig diese einst teilweise gewesen sein müssen.

Ein kleiner, aber besonderer Abschnitt der Ringmauer ist heute noch zu erkennen. Er ist so markant in der Ortschaft verankert wie die St. Martinskirche oder das große Schulgebäude. Es handelt sich um den Eulenturm. Mittlerweile auf der Süd-Ostseite stark von Efeu bewachsen, steht er seit mehreren hundert Jahren auf halber Hanglage zwischen den Häusern des Ortes und der Weinlage Nonnengarten.
nach oben

Briedels architektonische Merkmale
Architektonisch spiegelt Briedel ein genaues Bild seiner Entstehungszeit aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert wider. Die Fachwerkhäuser prägen nicht nur den Ort Briedel, sondern auch die gesamte Weinregion entlang der Mosel. Viele noch gut erhaltene oder stiltypisch renovierte Gebäude prägen den Ort und schreiben ihm selbst und der übergeordneten Weinregion „ein charmantes Erkennungsmerkmal zu“.

Die ortstypischen Häuser und Anwesen sind größtenteils Fachwerkhäuser. Viele dieser Häuser besitzen einen gotischen Kern. Der Aufbau der Häuser dieses Stiles weist grundsätzlich immer die gleiche Struktur auf: Der Grundbau, also das Untergeschoss besteht aus fest gemauertem Steinwerk. Dies hat in Flussnähe die besondere Funktion des Überschwemmungsschutzes. Im Falle einer Überschwemmung kann das Haus so der Wasserkraft widerstehen. Während einer Überschwemmung wurde das Aufsteigen der Feuchtigkeit in die höher gelegenen Räume verhindert. Ebenfalls bestand nicht die Gefahr, dass nach einer Überschwemmung Fäulnis in den Holzbalken entstand. Auf diesem Grundstock des Hauses folgt nun das eigentliche Fachwerkhaus. Meist ein Vollgeschoß und anschließend der bewohnbare Dachstuhl oder auch Speicher. Das Tragwerk besteht aus einem stiltypischen Holzfachwerk gefüllt mit Lehm, das anschließend verputzt und gestrichen wird. In Briedel sind viele solcher Häuser in einer rot-weißen Farbkombination gehalten. Das Holzgeflecht in dunkelrot und der Lehm weiß gestrichen.

Die St. Martin-Kirche ist der Blickfang von Briedel. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Brunnenplatz, auf einer kleinen Anhöhe. Die Kirche ist über 82 Stufen aus Basaltsteinen zu erreichen. Sie wurde zwischen den Jahre 1772-1776 im Stil des Barocks erbaut.
nach oben

Brunnen und Trinkwasserversorgung in Briedel
Zu römischer Zeit wurde das Wasser des Brerdelbachs über eine Wasserleitung in den Ort geleitet. Ebenfalls wurden früh Brunnen im Ort ausgehoben, um den Zugang zum Trinkwasser zu ermöglichen. In der Ortsmitte, heute Ecke Römerstraße, befand sich ein solcher Brunnen, in den das Wasser aus den Bachquellen geleitet wurde. So war jederzeit für die Briedeler und ihr Vieh die Wasserversorgung sichergestellt, zumal dieser ja auch innerhalb der Ortsummauerung lag.
Oftmals kam es zu Warteschlangen am Brunnen und auch der Transport des Wassers in die Häuser war mühsam. So gingen viele Hausbesitzer dazu über, in ihren Kellern einen eigenen Brunnen, Petz oder auch Pütz genannt, zu graben. Der hinter dem Ort gelegene Berg schafft ideale Voraussetzungen auf ergiebigen Wasserzufluss durch Quellen, durch die eine Wasserversorgung der Hausbrunnen gewährleistet war. Da die Brunnen fast alle in Kellernischen im Gewölbe waren, konnte auch keine aufwendige Ziehvorrichtung angebracht werden. So wurden diese i.d.R. mit einem an einem Seil hängenden Eimer genutzt. Der Wasserspiegel lag sehr unterschiedlich, meist zwischen 1 und 3 Meter unter Kellerniveau. Viele dieser Hausbrunnen sind im Laufe der Zeit verfüllt worden, um eine Unfallgefahr abzuwenden oder auch um die Kellergeschosse trockener zu bekommen und entstehendem Brackwasser entgegenzuwirken. Einen solchen Brunnen befindet sich im Keller des Fachwerkshauses Graf-Salm-Straße 5.
Auch die Gemeinde grub innerhalb der Ortsmauer noch einige kleine Wasserstellen, die jedoch nicht weiter ausgebaut wurden und mit der Zeit versandeten. Der Brunnen „auf der Boar“ war aber weiterhin ein Zentrum der Zusammengehörigkeit. Beim Wasserholen oder Viehtränken ergab sich die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Quellen neu gefasst und eine leistungsfähigere Leitung zum Brunnen verlegt. Durch den Bau einer örtlichen Wasserversorgungsleitung direkt in die Häuser, nahm die Bedeutung der Boar ab.
nach oben

Paratyphus-Ausbruch im Jahr 1947
Im Sommer 1947 brach in Briedel Paratyphus aus und dauerte sechs Wochen an. Von den damals ca. 1.200 Menschen in Briedel erkrankten in kurzer Zeit 400 bis 500 Personen. Der Ort wurde abgeriegelt. Niemand außer Ärzten und Pflegepersonal durfte Briedel betreten oder verlassen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Behandelt wurde mit Penicillin. Erkrankte Personen wurden separiert, die Häuser dieser Menschen wurden kenntlich gemacht. Die Post wurde gebügelt, Milch und Wasser abgekocht. Allerdings waren die Gottesdienste in der Kirche Sankt Martin gut besucht. Ursache für den Ausbruch des Paratyphus war eine verschmutze Wasserleitung. Nachdem diese geschlossen wurde, konnte auch die Situation wieder unter Kontrolle gebracht werden (siehe auch den Videoclip zum Paratyphus-Ausbruch in Briedel in der Mediengalerie).
nach oben

(Jan Grendel, Universität Koblenz-Landau, 2015 / Hermann Thur, 2021)

Quellen
Landeshauptarchiv Koblenz, LHA Ko Bestand 96, Nr. 805 und 865

Internet
www.briedel.de: Gemeinde Briedel. Rundgang durch Briedel. Hermann Thur (abgerufen 01.11.2015)
www.briedeler-geschichte.de: Chroniken der Gemeinde Briedel. Hermann Thur (Stand: 15.11.2014, abgerufen 01.11.2015)
nach oben

Literatur

Gilles, Karl-Josef; Fatin, Natalie; Stölben, Albert / Gemeinde Briedel; Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes (Hrsg.) (1998)
Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816. 1250 Jahre Briedel. In: Ortschroniken des Trierer Landes, Band 30, Trier.
Günther, Wilhelm Arnold (Hrsg.) (2019)
Codex diplomaticus Rheno-Mosellanus, Theil 3. Urkunden des XIV. Jahrhunderts Abth. 1, Urkunden von 1300 bis 1350,. Urkunden-Sammlung zur Geschichte der Rhein- und Mosellande, der Nahe- und Ahrgegend, und des Hundsrückens, des Meinfeldes und der Eifel. o. O.
Thur, Hermann (2016)
Briedeler Geschichte 2. Annalen – Geschichten – Regesten und Urkundenverzeichnis. Briedel.

Ortsgemeinde Briedel

Schlagwörter
Ort
56867 Briedel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 748

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Ortsgemeinde Briedel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245654 (Abgerufen: 23. Juni 2021)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang