Friedhof Briedel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Briedel
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 01′ 17,25″ N: 7° 08′ 55,85″ O 50,02146°N: 7,14885°O
Koordinate UTM 32.367.396,41 m: 5.542.658,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.582.373,94 m: 5.543.428,39 m
  • Friedhof Briedel

    Friedhof Briedel

    Fotograf/Urheber:
    Hermann Thur
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Friedhof Briedel

    Friedhof Briedel

    Fotograf/Urheber:
    Hermann Thur
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Erste Belege für die Anlage des Friedhofs stammen aus dem 12. Jahrhundert: So wurde in der Briedeler Zehntordnung von 1154 festgelegt, dass die Friedhofumfassung und Mauern vom Zehntherrn aus den Zehnteinnahmen zu bauen und zu unterhalten seien.

Frühe Friedhofsnutzung
Mit der Verbreitung der Pest ergaben sich für Briedel Bestattungsprobleme. Das Kirchenbuch nennt für die Jahre 1635/1636 101 verstorbene Gläubige innerhalb von 15 Monaten. Die Friedhofsfläche hat für Einzelbestattungen sicherlich keine ausreichende Kapazität gehabt, denn die normale Sterberate betrug damals ca. 10 Personen jährlich. Die Lage des Friedhofs oberhalb von Kehr und Sünd und die darunterliegenden Hausbrunnen bargen das Risiko, dass infizierte Verwesungssäfte ins Grundwasser, und damit in den Lebenskreislauf zurückgeführt hätten werden können. Recht früh errichtete daher die Gemeinde öffentliche Wasserbrunnen, die mit sauberem Quellwasser gespeist wurden. Auch mussten die Gräber tief genug sein, um Ratten den Zugang zu verwehren, denn diese waren ja die Hauptüberträger des Pestbazillus.

Steigender Platzbedarf
Im 18. Jahrhundert musste der Friedhof erweitert werden. Im Jahr 1758 notiert Pfarrer Maurus Schmitz bei seiner Ankunft in Briedel über den Friedhof: „... fast alle Einwohner waren von einer pestilenzischen Seuche heimgesucht, viele waren schon gestorben. Der Friedhof war damals sehr klein, und die Parochiani (Pfarrangehörigen) hatten die Gewohnheit, die Verstorbenen meistenteils in ihren Familiengräbern zu begraben, welche öfter zu früh eröffnet wurden. Man begrub oft schon vor der Zeit der Ablage der Gräber, was neue Gefahren bei mangelnder Verwesung in sich barg ...“. Er notiert weiter: „Um die Leute in ihrer Einfalt zu steuern, und obwohl es einer erneuten Benediction nicht bedurfte, weihte ich aufs Neue ein gutes Stück vom Palmbusch und ein Stück vom Wasen, der zu meinem Garten gehet, wie auch die Erde, welche hinter der Kirchentür, wo gegoste Aepelbieren stehen bis zu dem alten am Berg hängenden Haus”. Schon am 2. März 1759 segnete er einen neuen Teil hinter Kirche als Begräbnisplatz ein. Der ursprüngliche Teil war also der nach der “Kehrstraße„ gelegene Platz. Die Erweiterung betraf Teile der unteren Etage und des alten Kirchhofs.
Durch den Neubau der Kirche, die gegenüber der alten wesentlich größer und auch in der Ausrichtung verändert war, kam der Friedhof in große Unordnung und viele Gräber mussten umgelegt werden (jetzt untere Terrasse). 1777 wurde der Bauschutt um die Kirche weggeräumt. Durch starkes Bevölkerungswachstum war aber auch der neue Teil des Friedhofs bald zu klein.

Anlage weiterer Terrassen
Im 19. Jahrhundert wurde der Friedhof nochmals erweitert.1840 konnte die Zivilgemeinde über dem Kirchhof einen Garten ankaufen, der nun den Ausbau der oberen 3. Etage ermöglichte. In diesem Zusammenhang wurde auch die mittlere (zweite) Etage “wo früher nur Gestein und Gestrüpp, welches man Ölberg nannte ...” erschlossen, in dem man die beiden Mauern errichtete und die Treppen anlegte. Die Einsegnung erfolgte 1842 durch den extra dazu bevollmächtigten Dechanten. Auf dieser 3. Terrasse steht heute noch ein großes gusseisernes Friedhofskreuz, das weithin zu sehen ist.
Da in der Gemeinde keine Protestanten waren, entstand auf dem Friedhof auch keine Abteilung für Nichtkatholiken. Noch nach dem Jahr 1867 wurden zwei protestantische Leichen nicht auf dem Kirchhof, sondern, wie es bei ungetauften Kindern üblich war, in dem Weg nach der Kehrstraße bestattet.

Eigentum und Nutzung des Kirchhofes im 19. Jahrhundert
Da die alte Kirche zu klein geworden war, standen viele Gläubige während des Gottesdienstes draußen auf dem Kirchhof. Dieses Geschwätz und Rumlaufen störte so sehr, dass der Pfarrer 1843 den Kirchenrat überzeugte, dass die in der Kirche ja teilweise „verkauften” Stühle, sofern sie bei Gottesdienstbeginn noch nicht besetzt waren, von den anderen Gläubigen benutzt werden durften. Der Aufenthalt auf dem Kirchhof wurde dabei mit zum Teil hohen Strafen belegt, die man aus alten und ungeliebten französischen Dekreten herleitete.
Die französische Revolutionsregierung hatte in den Revolutionskriegen ab 1792 die linksrheinischen Gebiete besetzt und begann mit der Säkularisierung: Alle Kirchhöfe, die bis dato Kirchenvermögen waren, hat sie zu Staatseigentum erklärt und den Zivilgemeinden übertragen. Sich widersprechende Dekrete der späteren Besatzungstruppen sprachen nur von einer Verwaltung durch die Zivilgemeinde, nicht jedoch vom Eigentumsübergang. Zahlreiche Prozesse um das Eigentumsrecht zogen sich in preußischer Zeit durch alle Gerichtsinstanzen, bis die Kirche letztendlich durch den Staat gezwungen wurde, Eigentum und Verwaltung an die Zivilgemeinden abzugeben. Auch der Briedeler Pfarrer widersetzte sich lange. Bezugnehmend auf eine “geheime Instruktion” des Ministeriums in Berlin aus dem Jahr 1831, in der die heikle Eigentumsfrage bewusst ungeregelt blieb und auf die Gerichte verwiesen wurde, sowie die Tatsache, dass es keinen Bereich für Nichtkatholiken gab und es sich daher um einen reinen katholischen und damit kirchlichen Kirchhof handelte, wollte er noch im Jahr 1877 mit aller Macht das Eigentum der Pfarrei sichern.

Letzte Friedhofserweiterung
Im 20. Jahrhundert kam es zu einer weiteren Friedhofsvergrößerung. Sie erfolgte im Jahr 1928 im oberen Bereich. Mit der Flurbereinigung 1978 fand dann eine Arrondierung und großzügige Ausweitung des Friedhofs statt. Auf fünf Etagen, die durch 115 Stufen verbunden sind, finden die Briedeler nun ihre letzte Ruhestätte. Die Friedhofserweiterung führte auch zur Erschließung des oberen Teiles mit einer Straße sowie zur Einrichtung einer Wasserentnahmestelle (mit den Basaltbecken des alten Freiheits-Brunnens) und einem Bereich für die Grüngutabfallentsorgung.

Verkleinerung der Friedhofsfläche
An anderer Stelle wurde der Friedhof später aber auch verkleinert. So wurde der älteste Teil, der „kleine Kirchhof“ links neben der Kirche, nach 1987 völlig aufgehoben. Zuvor war er schon verkleinert worden, um Parkplatz zu schaffen und die Zufahrt zu Kirche und neuem Pfarrhaus zu verbreitern.
Das 21. Jahrhundert zeigt eine Tendenz zu mehr Feuerbestattungen. Aus diesem Grund hat sich der Platzbedarf aufgrund der kleineren Urnen-Grabstellen reduziert. Auch die Bestattung der Urnen in noch in der Ruhefrist befindlichen Familiengrabstätten führt vermehrt zu Freiflächen. Einerseits soll zusätzlicher Pflegeaufwand minimiert werden, andererseits gibt es auch einen Rückgang der Sterbefälle, da sich die Einwohnerzahl von Briedel verringert hat. Die Gemeinde bemüht sich nach Ablauf der Ruhefristen um eine konzentrierte Neubelegung und um die Pflege entstandener Freiflächen.
Neben den Reihengrabstätten (Einzelgräber) werden auch Wahlgrabstätten (meist Doppelgräber als Familiengrabstätte) bereitgestellt. Dazu kommen dann Urnengrabstätten (als Reihengrab) sowie die Möglichkeit, Urnen in bestehende Gräber von Familienangehörigen zu bestatten, sofern die Ruhefristen ausreichen. Neu ist ein Rasengrabfeld für Urnenbestattungen, auf dem lediglich durch eine eingelassene Namensplatte auf den Verstorbenen hingewiesen wird. Die Pflege dieser Fläche übernimmt die Friedhofsverwaltung. Eine Trennung zwischen katholischen und andersgläubigen oder atheistischen Verstorbenen gibt es nicht mehr.

Im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell, sind Kirche und Friedhof als Gesamtanlage erfasst (GDKE 2022, S. 11).

(Hermann Thur, Briedel, 2022)


Quellen
Informationstafel an der Friedhofsmauer. Römerstraße, 56867 Briedel

Internet
http://www.briedel.de: Homepage der Gemeinde Briedel (aufgerufen: 09.11.2015)
http://www.briedeler-geschichte.de: Der Briedeler Friedhof, Hermann Thur (7/2013) (aufgerufen: 09.11.2015)

Literatur

Gilles, Karl-Josef; Fatin, Natalie; Stölben, Albert / Gemeinde Briedel; Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes (Hrsg.) (1998)
Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816. 1250 Jahre Briedel. In: Ortschroniken des Trierer Landes, Band 30, Trier.

Friedhof Briedel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Römerstraße
Ort
56867 Briedel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1154

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Hermann Thur: „Friedhof Briedel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244661 (Abgerufen: 23. April 2024)
Seitenanfang