Wandergebiet Briedeler Schweiz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Briedel, Zell (Mosel)
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 00′ 40,41″ N: 7° 09′ 49,38″ O 50,01123°N: 7,16372°O
Koordinate UTM 32.368.433,42 m: 5.541.494,42 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.583.457,10 m: 5.542.306,62 m
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Die Briedeler Schweiz ist ein felsiger, bewaldeter Steilhang (Prallhang), der sich im „Zeller Hamm“ zwischen Briedel und Zell am rechten Ufer und damit auf der Hunsrückseite der Mosel befindet.

Das heute überwiegend mit Laubwald bewachsene Gebiet hat eine Länge von etwa drei Kilometern und der Höhenunterschied vom Niveau der Mosel (90 m) bis zum Bummkopf (422 m) beträgt ca. 330 m. Der untere Bereich verfügt über mehrere ergiebige Trinkwasserquellen, die bis vor wenigen Jahren genutzt wurden.


Frühere Nutzung der Briedeler Schweiz
Am südlichen Ende ragt ein steiler Felssporn (Beinter Kopf) weit hinein in das Tal des aus dem Hunsrück kommenden Altlayer Baches. Hier wurden die Überreste eines Gebäudes, das offensichtlich ein römisches Bergheiligtum war, gefunden.

Vom Ort Briedel im Tal bis zum Bummkopf auf der Höhe wird die Briedeler Schweiz durch den Sündweg erschlossen. Dieser steile Weg war bis zur Motorisierung der Hauptzugangsweg zu den Äckern und Weiden auf der Höhe, die im Rahmen der Rottwirtschaft die Basis für die Ernährung der Bevölkerung sicherten. Für die Rottwirtschaft wurden Waldbestände in Abständen von 15 bis 20 Jahren eingeschlagen, die Rinde der Eichenbäume geschält und auf der frei gewordenen Fläche verbrannt. Als Schutz- und Pausenraum wurde 1719 anstelle einer älteren Kapelle die Sündkapelle erbaut und 1850 sieben Kreuzwegstationen entlang des Weges aufgestellt.

Das Waldgebiet, insbesondere der Bereich „Beijent“ (heutige Bezeichnung: Beiend), eine etwas flachere Zone in halber Bergeshöhe, wurde in früherer Zeit teilweise als Ziegenweide genutzt. Die Anlage von Weinbergen wurde 1930 von den Behörden untersagt, da die Flächen zur Nahrungsmittelproduktion vorrangig genutzt werden mussten. Heute hat sich die Natur das ganze Gebiet wieder zurückerobert.
1858 wurden sogar zwei Briedeler Bürgern die „Schürfrechte auf Kupfer, Silber oder Gold in Beijent“ gewährt. Von entsprechenden Funden und Ausbeutungen sind aber keine Informationen überliefert.

In den letzten Kriegswochen 1945 haben sich Briedeler Jugendliche, die kurz vor der Einberufung zur Wehrmacht standen, in den Felsen der Briedeler Schweiz bis zum Einmarsch der Amerikaner versteckt gehalten um dem Kriegsdienst noch zu entgehen.

Entwicklung zum Wandergebiet
Sehr früh erkannte man in Briedel die Chancen des Fremdenverkehrs als Ergänzung zum Weinbau. Im Jahre 1880 genehmigte die Gemeinde Briedel dem Verkehrsverein durch Beiend einen Fußpfad anzulegen und einen Pavillon auf dem Berg zu errichten. Eine Kostenbeteiligung und Holzgestellung durch die Gemeinde Briedel erfolgte dabei nicht.

1896 dann erteilte der Gemeinderat Briedel dem Verein „Mosel-Hochwald-Hunsrück“, einem Vorläufer des heutigen Hunsrückvereins, die Genehmigung zum Bau eines „Schweizer Häuschens“ im Distrikt Beintsfelsen (jetzt: Schöne Aussicht). Dabei erfolgte die benötigte Holzgestellung dazu aus dem Gemeindewald.

In den entsprechenden Protokollen ist erstmals der Begriff Schweiz im Zusammenhang mit dem Waldgebiet überliefert. Sicherlich ist dies ein Ausdruck des in diesen Jahren vorherrschenden Zeitgeistes der Romantik. In dem Projekt „Schweizen-in-Deutschland“ ist auch die Briedeler Schweiz vertreten.

Der Heimat- und Verkehrsverein Briedel legte unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung in den Jahren 1920-1927 mehrere ca. 1 m breite Wanderpfade an um dem hohen Anspruch des aufkommenden Tourismus Rechnung zu tragen. Noch heute stellen diese Pfade das Kerngerüst des Briedeler Wanderwegenetzes dar.

An den besonders markanten Aussichtspunkten Hindenburglay, Wilhelmshöhe und Schöne Aussicht wurden durch die Ortsvereine Schutzhütten mit Grillanlagen gebaut, die für Sommerfeste genutzt werden, aber auch anderen Interessierten zur Verfügung stehen. Am Sündweg kommen die Wanderer in der Nähe der Wilhelmshöhe am Sündhäuschen, einer kleinen Kapelle, vorbei. Diese bietet sich dem Vorbeikommenden zum stillen Innehalten an.

Der Moselhöhenweg, noch heute ein beliebter Fernwanderweg auf der Hunsrückseite der Mosel, steigt von Zell aus quer durch die Briedeler Schweiz hoch zum Bummkopf, um von dort dann nach Enkirch wieder zur Mosel zu führen. Er wurde in den Jahren um 1910 durch den Hunsrückverein angelegt. In den letzten Jahren wurde der Mosel-Camino, eine Variante des Jakobsweges ausgeschildert. Dieser verläuft in Briedel parallel zum Moselhöhenweg. Auch die neu ausgewiesene Mosel-Erlebnis-Route von Koblenz bis Trier nutzt die alten Wanderpfade quer durch die schöne Briedeler Schweiz.

Topografische Gründe führen den Haupt-Fernwanderweg „Moselsteig“ auf der gegenüberliegenden Eifelseite entlang. Als Ergänzung wurde mit dem Premiumwanderweg „Seitensprung Briedeler Schweiz“ auch dieses Wandergebiet darin eingebunden. Es bietet auf den alten Pfaden eine eindrucksvolle Wanderung durch Feld und Wald, vorbei an Felsformationen und herrlichen Ausblicken. Die Strecke beträgt ca. 10 Kilometer und es sind rund 400 Höhenmeter zu bewältigen.

Von den vielen Aussichtspunkten geht die Sicht über die enge Moselschleife des Zeller Hamm weit hinein in die Eifel. Bei klarem Wetter kann man nordwärts über 100 km bis zur Nürburg und zum Nürburgring blicken.

(Hermann Thur, Briedel 2022)

Wandergebiet Briedeler Schweiz

Schlagwörter
Ort
Briedel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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„Wandergebiet Briedeler Schweiz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343566 (Abgerufen: 19. April 2024)
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