Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde Briedel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Briedel
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 01′ 23,31″ N: 7° 09′ 11,21″ O 50,02314°N: 7,15311°O
Koordinate UTM 32.367.706,57 m: 5.542.837,84 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.582.676,73 m: 5.543.620,14 m
  • Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde Briedel (2005)

    Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde Briedel (2005)

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    Fähranleger in Briedel (2020)

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Gegenüber dem Ort Briedel befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Fährstation das alte Fährhäuschen aus dem Jahre 1823. Vorgängerbauten am gleichen Standort dienten den Winzern aus Briedel als Warte- und Schutzraum.

Beschreibung
Das Fährhäuschen steht auf der linken Moselseite, am Fährkopf gegenüber dem Ort Briedel. Das Bruchsteinhäuschen ist eng in den Sockel des Steilhangs hineingebaut. Die Fassade ist weiß verputzt. Die Bogentüre ist flankiert von je einem Bogenfenster. Türe und Fenster sind offen. Oberhalb der Türe ist eine Rundbogennische in die Wand integriert. In dieser Nische ist eine Figur des heiligen Nikolaus eingestellt. Dieser ist gekennzeichnet durch die Bischofsmütze, den Bischofsstab und die Weinrebe. Über der Nische ist das Datum 1823 in Metalllettern angebracht. Das Tonnendach ist mit einem Kreuz bekrönt.

Geschichte
An der Stelle des heutigen Schutzhäuschens befanden sich verschiedene Vorgängerbauten. Diese dienten als Schutzbau und Warteraum. Besonders bei den auf die Überfahrt wartenden Winzern war das Häuschen beliebt. Die Ortschronik aus dem Jahre 1728 berichtet von einer Kapelle am linken Moselufer. Diese sei durch Eisgang der Mosel so stark beschädigt worden, dass sie abgebrochen werden musste. Aus dem Jahr 1740 ist überliefert, dass das St. Nepomuk-Bild im Briedeler Fährhaus im Hochwasser abgetrieben war. Durch den Einsatz von Jungen aus Merl konnte diese Statue gerettet werden. Die Jungen wurden für die Rückgabe fürstlich belohnt. Im Jahre 1771 wiederholte sich dieses Ereignis. Abermals konnte die Statue gerettet werden.

Das heutige Fährhäuschen wurde im Jahr 1823 erbaut. Die Inschrift über der Figurennische kennzeichnet dieses Datum. Die Moselfähre bestand zu dieser Zeit aus einem großen Holznachen. Als Holznachen bezeichnete man früher hölzerne, flache Kähne. Der Bedarf einer Wagenfähre bestand noch nicht. Da es kaum Wege in den Weinbergen gab, konnten Fuhrwerke dort nicht eingesetzt werden. Die größeren Weingüter hingegen hatten meist eigene Nachen. Somit waren sie nicht auf die öffentliche Fähre und die häufig auftretenden langen Wartezeiten angewiesen.
Die Briedeler Kirchenbücher berichten des Öfteren von folgenschweren Unfällen mit dem Fährnachen. Teilweise forderten diese Unfälle auch Todesopfer. Rechts neben dem Häuschen ist als Teil der alten Stützmauer ein sandsteinernes Gedenkkreuz eingebaut. Dieses Kreuz erinnert an den Trierer Schiffer Johann Fischer. Johann Fischer ertrank am 4. April 1836 bei Briedel in der Mosel.
Wie in den Annalen Briedels geschrieben steht, stand in der Nische im Innenraum ein Holzkreuz. In der Außennische über dem Eingang befand sich eine Statue des Hl. Nepomuk. Nepomuk ist der Patron der Brücken und Fähren sowie Schutzheiliger aller Schiffer und Fährleute.

Die Anschaffung einer leistungsfähigen Wagenfähre und die daraufhin erfolgende Motorisierung der Fähre, minderten den Bedarf an einem Warteraum. Auch zeigte das Gebäude durch die vielen Hochwasser und sonstige Witterungseinflüsse bedingte Bauschäden.

Renovierungen und Stiftungen
Im Jahre 1968 ließ der spätere Bundespräsident Heinrich Lübke (1894-1972, Bundespräsident von 1959-1969) das Fährhäuschen renovieren. Die Familie von Lübkes Frau Wilhelmine stammte aus Briedel. Das Fährhäuschen ließ er aus Dank für einen glimpflich überstandenen Autounfall renovieren. Ein Freund, der ebenfalls beim Unfall verletzt wurde, beteiligte sich. In diesem Rahmen wurde auch ein Marmorkreuz für die Innennische und eine Nikolausstatue für die Außennische gestiftet.

Im Jahre 1986 bauten die Karnevalsgesellschaft der Ortschaft Briedel und der Fanfarenzug eine umlaufende Drainage. Die Außenabdeckung wurde erneuert, Hochwasserschäden wurden beseitigt. Der Geschichts- und Kulturverein Briedel e.V. renovierte das Fährhäuschen im Jahre 2012 grundlegend. Der Verein wurde dabei von der Aufbaugemeinschaft und der Gemeinde sowie von privaten Spendern unterstützt.

Mehrmals in der Geschichte des Fährhäuschens musste das Inventar erneuert werden. Die Heiligenstatuen fielen im Laufe der Zeit mehrfach dem Hochwasser zum Opfer. Teilweise wurden sie auch entwendet. Spenden aus der Bevölkerung ermöglichten im Jahre 1986 die Anschaffung einer neuen Nikolausstatue. Nach nur wenigen Jahren wurde diese aus der Verankerung gebrochen und erneut gestohlen. Heute thront über dem Eingang wieder eine Nikolaus Statue. Diese schuf der Bildhauer Christoph Anders (geboren 1936) im Auftrag eines anonymen Spenders.

Heute dient das Fährhäuschen den Radlern auf dem neuen Moselradweg als Wetterschutz. Bei den Wanderern ist das Häuschen mit seinen Ruhebänken als Rastplatz mit schönem Blick auf Briedel beliebt.

Das Fährhäuschen in der Gemarkung Briedel wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Cochem-Zell (Stand 2020) geführt. Der Eintrag lautet: „Fährhäuschen auf der linken Moselseite, am Fährkopf gegenüber dem Ort kleiner Putzbau, bez. 1823“.

(Sarah Mihalovic, Luisa Junker, Anna-Maria Zois, Universität Koblenz-Landau / freundliche Hinweise von Herrn Hermann Thur, 2020)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2020)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell. Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 14. Januar 2020. Mainz.

Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde Briedel

Schlagwörter
Ort
56867 Briedel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1823 bis 0, Ende 0 bis 0

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„Fährhäuschen gegenüber der Ortsgemeinde Briedel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327330 (Abgerufen: 3. März 2024)
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