Hofhaus Sponheim in Briedel

Dinghof der Grafen von Sponheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Briedel
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 01′ 26,39″ N: 7° 08′ 57,53″ O 50,024°N: 7,14931°O
Koordinate UTM 32.367.436,76 m: 5.542.939,62 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.582.402,98 m: 5.543.711,04 m
  • Das Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse in Briedel an der Mosel (2009)

    Das Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse in Briedel an der Mosel (2009)

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  • Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse 8 in Briedel (2020).

    Hofhaus Sponheim in der Himmeroder Strasse 8 in Briedel (2020).

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    Anna-Maria Zois
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  • Links das Fachwerkhaus Sponheimer Hof, rechts der Springiersbacher Hof in der Himmerorder Straße in Briedel (2021)

    Links das Fachwerkhaus Sponheimer Hof, rechts der Springiersbacher Hof in der Himmerorder Straße in Briedel (2021)

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    Hermann Thur
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  • Blick in die Kuhnegaas, heute Himmerorder Straße in Briedel (1930er Jahre)

    Blick in die Kuhnegaas, heute Himmerorder Straße in Briedel (1930er Jahre)

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Der Sponheimer Hof ist ein ehemaliger Dinghof der Grafen von Sponheim in Briedel. Das Hofgebäude war zu seiner Entstehungszeit das höchste Gebäude in der Nähe der nördlichen Ringmauer. Diese verlief nördlich hinter den Häusern parallel zur heutigen Himmeroderstraße. Die Rückseite des Hauses grenzt an das Areal des Himmeroder Hofes. Rechts, etwas von der Straßenfront zurückgesetzt und durch einen schmalen Hof getrennt, steht das ehemalige Hofgebäude des Klosters Springiersbach, dessen Front jedoch zur Eltzerhofstraße weist.

Dinghof
Ein Dinghof ist ein herrschaftlicher Wirtschaftshof. Er wurde in der Regel von einem Hofmann, auch Vogt oder Meier genannt, verwaltet. Dinghöfe besaßen meist die niedere Gerichtsbarkeit. Sie konnten in einfachen Rechtsangelegenheiten selbst entscheiden. Die Hauptaufgabe der Hofmänner war es, die jährlich anfallenden Abgaben für den Eigentümer des Hofes einzuziehen. Ding stammt von althochdeutschen „ding“ ab und war ursprünglich ein Rechtswort mit der Bedeutung gesetzlich festgelegte, regelmäßig abgehaltene Versammlung.

Baubeschreibung
Der Sponheimer Hof ist ein dreistöckiges, traufständiges Gebäude. Der breit gelagerte Schaugiebel ist auf einen kleinen Hof gerichtet. Im Kern ist das Gebäude um das Jahr 1565 errichtet worden. Im Laufe der Zeit aber, vor allem im 18. Jahrhundert, erfuhr das Gebäude mehrere Umbaumaßnahmen. So wurde beispielsweise die ehemalige Flurküche zugunsten von mehreren kleinen Räumen aufgegeben. Diese konnten einzeln beheizt werden. Um mehr Wohnraum zu schaffen, wurde im linken Bereich der straßenseitigen Traufe über den Eingang zum Gewölbekeller ein erkerartiger Vorbau über drei Etagen angebaut. Dieser Erker ist im Zuge einer im Jahre 2018 erfolgten Renovierung wieder abgebrochen worden. Im Gemäuer der Straßenfront befindet sich ein Rundbogenfries auf Konsolen.

Das Erdgeschoss ist in Steinmauerwerk ausgeführt. Damit hob man den Fachwerkbau über den Gefahrenpunkt eines potentiellen Hochwassers hinaus, um das Holz weitgehend trocken zu halten. Über dem massiven Sockel erhebt sich der Fachwerkoberstock und das zweigeschossige Giebeldreieck. Einzelne schmuckvolle Strebeformen betonen den dekorativen Charakter des Giebels. Hier stechen insbesondere die geschwungenen Andreaskreuze und die geschweiften Kopfbänder hervor. Darüber hinaus fallen stockwerkhohe Gefachverstrebungen neben Eck- und Zwischenständern auf. Diese überkreuzen sich, werden nicht von Riegeln überschnitten. Im oberen Bereich ist auch ein Seilzug zu erkennen. Dieser lässt darauf schließen, dass die höchsten Etagen des Sponheimer Hofes als Lagerraum zur Unterbringung der Ernte dienten. Mithilfe des Seilzugs wurde die Ernte auf diese Ebene befördert.
Während die hintere Traufe vollständig massiv ist, hat der rückwärtige Giebel über einem hohen Bruchsteinsockel ein einfaches Fachwerkgefüge. An ihn schließt sich ein mächtiger Kamin an. Der Baustil weist auf eine Errichtung in der Mitte des 16. Jahrhunderts hin. Eine dendrochronologische Verifizierung der Bauhölzer ergab, dass die Bäume im Winter des Jahres 1564/65 gefällt wurden. Damit ist das angenommene Errichtungsjahr 1565 bestätigt.

Geschichte
Die Grafen von Sponheim waren Inhaber der Vogteirechte in Briedel und besaßen bereits im 13. Jahrhundert hier ausgedehnten Grundbesitz. Eine Urkunde aus dem Jahre 1437 (Gültbuch) listet erstmalig einen Dinghof in Briedel auf und weist auf einen gräflichen Hofmann hin.

In einer Renovation aus dem Jahre 1556 sind neben dem Hofmann Johann Reuß weitere 20 Pächter gelistet. Diese Pächter bewirtschafteten insgesamt 43 Weingärten. Ein Drittel, teilweise sogar die Hälfte der Ernte, musste als Pacht abgeliefert werden. Im Zuge eines Erbausgleichs der gräflichen Familienstämme kam der Briedeler Besitz im Jahre 1559 zur „Hinteren Grafschaft Sponheim“. Kurz danach wurde das heutige stattliche Wohn- und Kelterhaus errichtet.
Nach den Belehnungsurkunden kam der Johann Reuß (geboren um 1475 - um 1553) als Hofmann nach Briedel. Er ist der Stammvater der weitverzweigten Reis-Familie an der Mosel. Sein Enkel Johann (geboren um 1550 -1606) wurde im Jahr 1595 mit dem Hof und allem Zubehör erblich belehnt. Ein Reis-Zweig wanderte nach Brasilien aus und ist dort bis heute zahlreich vertreten. Mitglieder der Familie gehören dort dem geistlichen Stande an, engagieren sich politisch oder betreiben Viehzucht und Landwirtschaft.

Jahrhundertelang gab es immer wieder Streit zwischen den Sponheimern und den Kurfürsten von Trier, dem Landesherrn und größten Grundbesitzer in Briedel. Im Jahr 1784 kam es dann zu einem abschließenden Güteraustausch zwischen Kurtrier und Sponheim. In diesem Zuge ging auch der Sponheimer Hof auf den Kurfürsten über. Das große Hochwasser des Jahres 1784 scheint dem Gebäude, obwohl es ja nicht direkt an der Moselfront steht, arg zugesetzt zu haben. In einem Vermerk bei den Übertragungsakten lesen wir: „Da es nach dem großen Gewässer von 84 sehr baufällig geworden ist, so wird es nur 200 Thl. geachtet“. Das ist die Hälfte des Wertes in der kurz vorher aufgestellten Häuserliste. Es scheint jedoch bald wieder instand gesetzt worden zu sein, denn die Häuserbewertung aus dem Jahr 1788 führt es wieder mit dem alten Wert von 400 Thaler auf. Wenige Jahre später besetzten die Franzosen unsere Heimat. Die fürstlichen und kirchlichen Güter wurden säkularisiert und der Sponheimer Hof gelangte in Privatbesitz.
Im Jahr 1931 brannte die zum Sponheimer Hof gehörende hintere Scheune ab. Die Zeitung schrieb darüber: „In der verflossenen Nacht gegen 1/2 8 Uhr stand plötzlich eine mit Heu und Stroh gefüllte Scheune in hellen Flammen, die das Dorf tageshell erleuchteten. Drei benachbarte Häuser standen plötzlich in Gefahr, vom Feuer ergriffen zu werden. Das Pfarrhaus hatte bereits Feuer gefangen. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr blieb das Feuer auf seinen Herd beschränkt.“ (Zeller Volksfreund 1931).

Kulturdenkmal
Das Hofgebäude Sponheim in Briedel wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Cochem-Zell (Stand 2020) geführt. Der Eintrag lautet: „Himmeroder Straße 8 Fachwerkhaus, tlw. massiv, 1565, im 17. Jh. verändert, Fachwerkanbau 18. Jh.“

(Hermann Thur, Ortsgemeinde Briedel, 2021)

Quellen
Informationstafel an der Hauswand des Sponheimer Hofes. Himmeroder Strasse 8, 56867 Briedel.
Zeitung Zeller Volksfreund, 12. April 1931.

Internet
www.briedel.de: Gemeinde Briedel. Rundgang durch Briedel. Thur, Hermann (abgerufen 01.11.2015)
www.adw.uni-heidelberg.de: Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Dinghof (abgerufen 17.05.2021)

Literatur

Gilles, Karl-Josef; Fatin, Natalie; Stölben, Albert / Gemeinde Briedel; Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes (Hrsg.) (1998)
Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816. 1250 Jahre Briedel. In: Ortschroniken des Trierer Landes, Band 30, S. 220ff., Trier.
Kroth, Elmar (2019)
Briedeler Besitz der Sponheimer Grafen. In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 2020, S. 135-140. Cochem.

Hofhaus Sponheim in Briedel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Himmeroder Strasse 8
Ort
56867 Briedel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1565

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Hofhaus Sponheim in Briedel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244611 (Abgerufen: 20. April 2024)
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