Spuren von Kurfürst Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Balduinbrunnen Trier mit der lebensgroßen Bronzefigur des Kurfürsten Balduin von Luxemburg (2014).

    Balduinbrunnen Trier mit der lebensgroßen Bronzefigur des Kurfürsten Balduin von Luxemburg (2014).

    Copyright-Hinweis:
    Lsjm / CC BY-SA 3.0
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabmal von Balduin von Luxemburg (um 1285-1354, 1307-1354 Erzbischof und Kurfürst von Trier). Tumba aus schwarzem Marmor im Westchor des Trierer Doms (2014).

    Grabmal von Balduin von Luxemburg (um 1285-1354, 1307-1354 Erzbischof und Kurfürst von Trier). Tumba aus schwarzem Marmor im Westchor des Trierer Doms (2014).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-NC-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Steinfigur des Kurfürsten Balduin von Luxemburg auf der Koblenzer Balduinbrücke (2011).

    Steinfigur des Kurfürsten Balduin von Luxemburg auf der Koblenzer Balduinbrücke (2011).

    Copyright-Hinweis:
    Weinandt, Holger / CC-BY-SA-3.0-DE
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Miniatur aus der Bilderchronik Heinrichs VII. (Balduineum) von 1341: Die sieben Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, wählen Heinrich 1308 zum König.

    Miniatur aus der Bilderchronik Heinrichs VII. (Balduineum) von 1341: Die sieben Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, wählen Heinrich 1308 zum König.

    Copyright-Hinweis:
    gemeinfrei, Original im Landeshauptarchiv Koblenz
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Karte des Kurfürstentums und Erzstifts Trier im Zeitalter der Reformation.

    Karte des Kurfürstentums und Erzstifts Trier im Zeitalter der Reformation.

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef (Kartographie) / Franz, Gunther (Entwurf), CC-BY-SA 3.0
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Karte zur Eltzer Fehde des Erzbischofs Balduin von Trier in den Jahren 1331-1337, dargestellt sind die beteiligten Burgen und Territorien (2006).

    Karte zur Eltzer Fehde des Erzbischofs Balduin von Trier in den Jahren 1331-1337, dargestellt sind die beteiligten Burgen und Territorien (2006).

    Copyright-Hinweis:
    Eifeljanes / Wikimedia Commons CC-BY-SA-3.0
    Fotograf/Urheber:
    Eifeljanes
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Diese Objektgruppe versammelt Einträge, die auf das Wirken Balduins von Luxemburg (um 1285-1354) zurückgehen, der von 1307 bis 1354 als Erzbischof und Kurfürst von Trier wirkte. Balduin von Luxemburg gilt bis heute uneingeschränkt als „der bedeutendste Trierer Erzbischof des Spätmittelalters und einer der führenden Reichspolitiker seiner Zeit“ (Johannes Mötsch).

Der Erzbischof Balduin
Der Macht- und Territorialpolitiker Balduin
Nachlass und Spuren Balduins
Internet, Literatur

Der Erzbischof Balduin
Der aus einer der angesehensten Adelsfamilien des Reichs stammende Balduin studierte 1299-1307 Theologie und kanonisches Recht an der Universität in Paris. Ende 1307 wurde er als eigentlich noch zu junger Domprobst in sein Amt als Trierer Erzbischof gewählt und musste daher von Papst Clemens V. (amtierte 1305-1314) bestätigt werden, der ihn dann auch persönlich am 11. März 1308 im französischen Poitiers weihte.
In seiner fast ein halbes Jahrhundert währenden Amtszeit wirkte Balduin als Trierer Oberhirte über ein gleichsam bedeutendes wie auch riesiges Bistum, das sich in die fünf Archidiakonate Longuyon, Tholey, Trier, Karden und Dietkirchen gegliedert von der Maas bis an die Lahn erstreckte (vgl. Becker 2008 und die Karte des Kurfürstentums in der Mediengalerie).
Obgleich das religiös-seelsorgerische Wirken Balduins in dessen historischer Bewertung meist nachrangig behandelt wird, soll er sich Zeit seines Lebens durch persönliche Frömmigkeit ausgezeichnet und sich entsprechenden Aufgaben mit gleicher Intensität gewidmet haben: „Dies gilt für die Aufsicht über die geistlichen Institutionen (Klöster und Stifte) ebenso wie für die Weihe von Kirchen und Altären, die er – anders als andere Bischöfe seiner Zeit – selbst vornahm.“ (Johannes Mötsch).
Auf Balduin von Luxemburg gehen die beiden um 1331 erfolgten Gründungen der Kartäuser-Ordensgemeinschaften in Trier (St. Alban) und Koblenz (Kartause auf dem Beatusberg) zurück.

Komplex und unbefriedigend ist die Forschungslage zu Balduins Judenpolitik. Ab den 1320er Jahren setzte Balduin sehr erfolgreich (seinerzeit grundsätzlich rechtlose) Juden zur Verwaltung der Bistumsfinanzen ein und privilegierte auch Niederlassungen „seiner Juden“ in Orten des Erzstifts (vgl. v.a. Haverkamp 2002). Zugleich brachte er die Judenschaft jedoch auch als Besitz in seine Abhängigkeit (die so genannte „Kammerknechtschaft“) und nahm von ihnen beträchtliche Gewinne durch hohe Schutzgelder, Pfänder und Steuern ein.
nach oben
Der Macht- und Territorialpolitiker Balduin
Balduin wirkte daneben auch als überaus geschickter und umsichtiger Landesherr des weltlichen Territoriums des Kurfürstentums bzw. Erzstifts Trier.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit vermochte es Balduin zusammen mit dem Mainzer Kurfüsten Peter von Aspelt (um 1245-1320, seit 1306 Erzbischof von Mainz) durch geschickte Machtpolitik bei der Königswahl vom 27. November 1308 seinen jüngeren Bruder Heinrich (1278/79-1313) als ersten römisch-deutschen König aus dem Hause der Luxemburger an die Reichsherrschaft zu bringen und diese im Zuge eines eindrucksvollen Italienzuges – eine militärische Heerfahrt nach Rom ab Herbst 1310, an der Balduin selbst teilnahm – mit der dortigen Kaiserkrönung Heinrichs VII. am 29. Juni 1312 zu sichern (Heyen 1970 u. Schmid 2000).
Zum Ende seiner Amtszeit war Balduin maßgeblich an der Absetzung Kaiser Ludwigs des Bayern (1282/86-1347, ab 1314 römisch-deutscher König und seit 1328 Kaiser) und der Königswahl des aus dem Geschlecht der Luxemburger stammenden Nachfolgers, seines eigenen Großneffen Karl IV. (1316-1378, Kaiser ab 1355) am 11. Juli 1346 in Rhens beteiligt.

Im heimischen Erzstift wirkte Balduin überaus nachhaltig durch eine erfolgreiche Territorialpolitik, bei der er im Zuge einer flächendeckenden Ämterorganisation seines Erzstiftes ein dichtes Netz von neuen oder in Lehnsabhängigkeit geführten Burgen schuf. Zugleich zentrierte er das Territorium um die wichtigsten Städte Trier und Koblenz (Haupt- und Niederstift) und stärkte es durch die Vergabe von zahlreichen Stadtrechtsprivilegien (darunter Sammelverleihungen von Stadtrechten 1332 und 1346, vgl. LexMA und Wensky 2008). Hierbei vermochte er es u.a., die vormaligen Reichsstädte Boppard und Oberwesel samt ihrer einträglichen Rheinzölle an das Erzstift zu binden.
An militärischen Unternehmungen, lokalen Kriegen und Fehden, die in mehreren Landfriedenseinungen mit konkurrierenden Nachbarn mündeten, war Balduin zumeist persönlich beteiligt – so etwa an der „Eltzer Fehde“ um die gleichnamige Burg 1331-1336 (Eulenstein 2006).
Im Dauerkonflikt mit dem Geschlecht der Sponheimer wurde der die Mosel herunterfahrende Balduin im Juni 1328 von seinem Schiff aus durch die Gräfin Loretta von Sponheim (1300-1346) bei Enkirch (heutiger Landkreis Bernkastel-Wittlich) gefangen genommen. Der Kurfürst wurde erst nach Wochen und der Zahlung eines Lösegeldes von der jungen Witwe wieder freigelassen.
Gleich zweimal, im Jahr 1328 und 1336, führten Balduins Militäraktionen wegen Verstößen gegen kanonisches Recht zu seiner zeitweisen Exkommunikation durch den Papst.
nach oben
Nachlass und Spuren Balduins
Balduin starb am 21. Januar 1354 in Trier, sein Grab befindet sich im Westchor des Trierer Doms. Obgleich nie endgültig ausgeführt – geplant war eine Liegefigur Balduins sowie weitere Figuren, Bilder und Wappen –, gilt die Tumba aus schwarzem Marmor als das „monumentalste Grabmal eines Trierer Kirchenfürsten des Mittelalters“ (Heinz u.a. 2004, S. 42-46).

Eine Sammlung der von Balduin in seinem Bistum vergebenen Rechte und Privilegien wurde im Zuge der Institutionalisierung der Landesherrschaft noch zu seinen Lebzeiten begonnen (seit den 1330er Jahren). Die in vier Handschriften erhaltenen so genannten „Balduineen“ werden heute im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt.
Ebendort befindet sich auch die aus 37 Pergamenttafeln mit 73 kolorierten Miniaturen bestehende Bilderhandschrift des Codex Balduini im Original aufbewahrt (Schmid 2000). Die auf der ersten Tafel mit Balduins päpstlicher Weihe beginnende Darstellung des Romzugs Heinrichs VII. wurde vermutlich um 1340 von Balduin selbst beauftragt.
Die Taten Balduins wurden in den vermutlich erst nach seinem Tod begonnenen Gesta Baldewini chronikalisch beschrieben. Die wohl zwischen 1356 und 1367 verfassten Gesta Baldewini de Luczenburch Trevirensis archiepiscopi et Henrici VII Imp. („Taten des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg und des Kaisers Heinrich VII.“) sind als Teil der Trierer Bistumschronik Gesta Treverorum überliefert.

Vor allem im Bereich des früheren Erzstifts Trier finden sich zahlreiche Burgen und Burgruinen, die auf das Wirken Balduins von Luxemburg zurückgehen und teils auch nach ihm benannt sind, so etwa die Burgruinen der Wasserburg Baldenau bei Morbach-Hundheim (Landkreis Bernkastel-Wittlich), Balduinseck bei Buch im Rhein-Hunsrück-Kreis, Balduinstein in der gleichnamigen Ortsgemeinde im Rhein-Lahn-Kreis oder Trutzeltz gegenüber der Burg Eltz (Landkreis Mayen-Koblenz).
Daneben ist Balduin mehrfach Namenspatron von Schulen (Kaisersesch, Morbach, Münstermaifeld, Trier und Wittlich) und zahlreiche „Balduinstraßen“ sind nach ihm benannt. In Trier erinnert der 1897 eingeweihte Balduinbrunnen zwischen Hauptbahnhof und Balduinstraße mit einer lebensgroßen Bronzefigur an den bedeutenden Kurfürsten.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier (um 1285-1354), Autor Johannes Mötsch (abgerufen 09.10.2018)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: 1288 bis 1521 - Die Rheinlande im Spätmittelalter, Autor Swen Holger Brunsch (abgerufen 09.10.2018)
nach oben

Literatur

Angermann, Norbert; Auty, Robert; Bautier, Robert-Henri (2002)
Lexikon des Mittelalters (LexMA). dtv-Ausgabe in 9 Bänden. Bd. 1, Sp. 1372-1374, München.
Becker, Thomas P. (2008)
Bistümer, Archidiakonate und Landdekanate um 1450. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.4.) Bonn.
Eulenstein, Julia (2006)
Rebellion der „Übermütigen“? Die Eltzer Fehde Balduins von Trier, 1331-1337. In: Kurtrierisches Jahrbuch 46, S. 79–115. o. O.
Haufs-Brusberg, Gilbert; Haufs-Brusberg, Christa (1997)
Balduins Burgen – eine Reise in die kurtrierische Vergangenheit. Trier.
Haverkamp, Alfred (2002)
Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den Südalpen (kommentiertes Kartenwerk, 105 Karten). (Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung A, Abhandlungen, Band 14/3.) Hannover.
Heinz, Stefan; Rothbrust, Barbara; Schmid, Wolfgang (2004)
Die Grabdenkmäler der Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz. Trier.
Heyen, Franz-Josef (1970)
Balduin von Luxemburg (1285-1354). In: Rheinische Lebensbilder 4, 2. unveränderte Auflage, S. 23-36. Köln.
Pauly, Ferdinand (1961)
Siedlungs- und Pfarrorganisation im alten Erzstift Trier. Trier.
Schmid, Wolfgang / Landeshauptarchiv Koblenz (Hrsg.) (2000)
Kaiser Heinrichs Romfahrt. Zur Inszenierung von Politik in einer Trierer Bilderhandschrift des 14. Jahrhunderts. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Landeshauptarchiv Koblenz. (Mittelrheinische Hefte 21.) Koblenz.
Wensky, Margret (2008)
Städte und Freiheiten bis 1500. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VI.2.) S. 12, Bonn.

Spuren von Kurfürst Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier

Schlagwörter
Fachsichten
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Spuren von Kurfürst Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-286701 (Abgerufen: 16. Juli 2019)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang