Sündkapelle Briedel

„Sonderhäisje“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Briedel
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 00′ 38,95″ N: 7° 09′ 20,52″ O 50,01082°N: 7,1557°O
Koordinate UTM 32.367.857,93 m: 5.541.463,24 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.582.883,17 m: 5.542.252,36 m
  • Sündkapelle Briedel

    Sündkapelle Briedel

    Fotograf/Urheber:
    Dirk Kissel
    Medientyp:
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  • Sündkapelle Briedel

    Sündkapelle Briedel

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Geschichte
Die Sündkapelle im Gemeindegebiet Briedel wurde 1719 ursprünglich als Schutzraum für Feldarbeiter auf ihrem Weg zu Äckern und Feldern gebaut. Sie befindet sich auf dem flachen Abschnitt nach dem langen und steilen Anstieg vom Dorf in Richtung Felder und bot den Arbeitern eine erste Rastmöglichkeit (eine zweite folgte circa noch einer weiteren Stunde Fußweg auf Ginnert. Diese ist aber 1980 abgerissen worden). Der Sündweg war der einzige Weg in Richtung Felder (Sündweg) und war aufgrund der Selbstversorgung der Bürger essentiell. Der Name Sündkapelle stammt daher nicht wie man vermuten könnte vom Wort „Sünde“ ab, sondern bezieht sich auf die ursprüngliche Funktion der Wanderung und des Rastens, abgeleitet vom lateinischen Wort „semita“, was ‚Pfad’ oder ‚Fußweg’ bedeutet und seinen Weg über das Mittelhochdeutsche bis in die heutige Sprachverwendung gefunden hat. Dem Zeitgeist geschuldet wurde der Unterstand jedoch in Form einer Kapelle ausgebaut und vereint somit zwei Funktionen: die des Rastens und die der religiösen Besinnung.

Ausstattung und Traditionen
Im Zuge des Ausbaus des Sündweges als Kreuzweg mit seinen sieben Kreuzwegsstationen aus Sandstein wurde der religiöse Aspekt verstärkt. Die Kapelle erhielt eine symbolische Ausstattung in Form einer Pieta, die nach mehrfacher Sanierung und mehrfachen Austausches bis heute erhalten ist (die Pieta befindet sich mittlerweile in der Marienkapelle nahe der St. Martins Kirche). Erst im Jahr 1894, infolge des Ausbaus der Bergstraße, wurde die pragmatische Bedeutung des Sündweges und damit auch der Sündkapelle nichtig. Die Feldarbeiter konnten ihre Felder nun auf anderem, leichterem Wege erreichen, zum Teil motorisiert, was die Bestellung deutlich vereinfachte und die Sündkapelle allein ihrem religiösen Zweck überließ. Die Rastfunktion, die die Kapelle im Übrigen nicht nur für die Bürger Briedels, sondern auch Pünderichs einnahm (es herrschte eine strikt getrennte Sitzordnung in der Kapelle), spielte keine Rolle mehr und so ist sie auch heute hauptsächlich der stillen Besinnung und den alljährlichen Pfingstprozessionen vorbehalten. Sie dient darüber hinaus als Start- und/oder Zwischenstation für eine Wanderung über die zahlreichen für touristische Zwecke ausgebauten Wanderwege.
Eine weitere erwähnenswerte Besonderheit ist der an mancher Stelle beschädigte Fußboden der Kapelle. Dieser wurde in einem Gefecht im März des Jahres 1945, welches zwei Briedeler Todesopfer forderte, zerstört und im Angedenken an diese, im Gegensatz zu dem ebenfalls zerstörten Dach, nicht wieder repariert.


(Hermann Thur, Briedel, 2022)

Sündkapelle Briedel

Schlagwörter
Ort
56867 Briedel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1719

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Sündkapelle Briedel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244670 (Abgerufen: 21. April 2024)
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