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Das in zwei Bauabschnitten von 1974 bis 1981 errichtete Kreishaus in Siegburg, Sitz der Kreisverwaltung des nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreises (2024).
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Knöchel, Franz-Josef
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Franz-Josef Knöchel
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Das zentrale Werksgebäude und der markante, 55 Meter hohe Turm der früheren Zellwolle-Werke "Phrix" der Rheinischen Zellwolle AG in Siegburg; heute als modernes Gewerbegebiet erschlossen (2016).
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Ausschnitt aus der "Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789, Blatt IV, Köln" (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius, 1894): das rechtsrheinische Gebiet südöstlich von Köln mit der Amts- und Gerichtseinteilung.
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Luftaufnahme der Abtei auf dem Michaelsberg in Siegburg (2020).
Die Stadt Siegburg mit der Abtei auf dem Michaelsberg (2011) im Luftbild. Links im Bild das Kreishaus und vorne mittig die Polizeiwache, dahinter verlaufen Teile des städtischen Mühlengrabens.
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Das Johannistürmchen der ehemaligen Wehranlage der Abtei St. Michael Siegburg (1929). Das Foto zeigt das Johannistürmchen von einer tief gelegenen Position aus, anstehender Fels des Michaelsberges ist zu erkennen.
Das in zwei Bauabschnitten von 1974 bis 1981 errichtete Kreishaus am Kaiser-Wilhelm-Platz in Siegburg, Sitz der Kreisverwaltung des nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreises (2024).
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Das zentrale Werksgebäude und der markante, 55 Meter hohe Turm der früheren Zellwolle-Werke "Phrix" der Rheinischen Zellwolle AG in Siegburg; heute als modernes Gewerbegebiet erschlossen (2016).
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Franz-Josef Knöchel
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Ausschnitt aus der "Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789, Blatt IV, Köln" (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius, 1894): das rechtsrheinische Gebiet südöstlich von Köln mit der Amts- und Gerichtseinteilung.
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Siegburg ist die Kreisstadt und der Verwaltungssitz des Rhein-Sieg-Kreises im Regierungsbezirk Köln. Siegburg hat rund 42.500 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 2024). Vor allem die frühere Benediktinerabtei auf dem vulkanischen Basalttuffkegel des Michaelsbergs sowie die Siegaue prägten die Geschichte der Stadt und bestimmt bis heute das Siegburger Stadtbild.
Natur- und Kulturlandschaftsraum Die Stadt liegt im südöstlichen Winkel der Kölner Bucht, östlich des Rheins an der Mündung der Agger in die Sieg, dem namensgebenden rechtsrheinischen Nebenfluss des Rheins. Nördlich der Stadt liegt der zur Bergischen Heideterrasse gehörende Lohmarer Wald mit der Teichlandschaft Aulgasse (Siegburger Fischteiche), der wiederum an die Kulturlandschaft der Wahner Heide angrenzt. Nach Osten hin wird das Stadtgebiet vom Wahnbachtal mit der in den 1950ern erbauten Wahnbachtalsperre abgegrenzt. Im Süden schließt sich jenseits der Sieg und der beiden Nachbarstädte Sankt Augustin und Hennef das Pleiser Hügelland an, das in die Kulturlandschaft des Siebengebirges übergeht. Nur rund 10 Kilometer vom Siegburger Stadtkern entfernt liegen im Westen der Rhein und die Bundesstadt Bonn.
Neben den beiden auf vulkanische Aktivitäten in der Region zurückgehenden Wolsbergen prägt vor allem der 118 Meter hohe vulkanischer Basalttuffkegel des Michaelsbergs mit der früheren Benediktinerabtei – im Volksmund auch „Michelsberg“ genannt – das Siegburger Stadtbild.
Vorgeschichte und Frühzeit Die ältesten menschlichen Spuren sind Beile, Klingen, Feuersteinartefakte und Tonscherben, die in die Mittel- bis Jungsteinzeit um 9000 bis 2000 vor Christus datiert werden können. Zahlreiche Grabhügel, vor allem in den waldreichen Arealen des Lohmarer Waldes erhalten, bezeugen eine dichte Besiedlung des Gebietes in der Bronze- und Eisenzeit (2000 v. Chr. bis Zeitenwende). Dazu gehören auch reich ausgestattete Kriegergräber mit Funden von Waffen, Geräten und anderen Beigaben. Die dazugehörigen Siedlungen sind eher gewässernah an der Siegaue zu finden. Die frühesten archäologisch nachgewiesenen Siedlungen auf dem Stadtgebiet datieren in die Zeit zwischen 1000 und 500 v. Chr.; Funde auf dem Brückberg und dem Seidenberg belegen eine dauerhafte Besiedlung der erhöhten Lagen am Rande der Flussaue. Für die römische Epoche kann aufgrund der Nähe zur römischen Rheingrenze (Welterbestätte Niedergermanischer Limes) und den römischen Siedlungen am linken Rheinufer von einem regen Grenzhandel mit den germanischen Stämmen auf der rechten Seite ausgegangen werden. Um 500 n. Chr. setzte die fränkische Landnahme ein und erschloss das Flusstal der Sieg als Siedlungsachse. Für das Frühmittelalter ist nur ein Grabfund an St. Servatius bekannt, der die frühe Geschichte von Kirche und Kloster bezeugt. Die mittelalterliche und neuzeitliche Innenstadt von Siegburg sowie der Töpfereibezirk an der Aulgasse sind teilweise eingetragene Bodendenkmäler. Weitere eingetragene Bodendenkmäler sind die Burg und Abtei auf dem Michaelsberg, die Wasserburg Haus zur Mühlen, Kloster Seligenthal, Hoffnungsthaler Mühle, das Bergbaugebiet Grube Ziethen und das metallzeitliche Gräberfeld Franzhäuschen.
Stadtgeschichte im Mittelalter: Grund- und Landesherrschaft Für die weitere Stadtentwicklung war vor allem die auf den Kölner Erzbischof Anno II. (um 1010-1075, amtierte ab 1056) zurückgehende Gründung der Abtei auf dem Michaelsberg im Jahr 1064 von maßgeblicher Bedeutung. Seit dem 9. Jahrhundert befand sich auf dem Berg eine Burganlage der Ezzonen (Grafen des Auelgaus); um 1060 vertrieb der Kölner Erzbischof Anno II. den Pfalzgrafen Heinrich aus dieser Befestigung und errichtete an deren Stelle eine Benediktinerabtei, die er dem Erzengel Michael weihte (www.foerderverein-michaelsberg.de). Anno holte Reformmönche, die der Bewegung von Cluny nahestanden - ein Impuls, der zur sogenannten „Siegburger Reform“ und zur überregionalen Ausstrahlung des Klosters führte (www.foerderverein-michaelsberg.de). König Heinrich IV. verlieh der Abtei 1069 die Markt-, Zoll- und Münzrechte, was den wirtschaftlichen Aufstieg der Marktsiedlung am Fuße des Berges entscheidend förderte (siegburg.de, Stadtgeschichte und foerderverein-michaelsberg.de). Fortan war der Abt nicht nur Oberhaupt der Benediktinerabtei, sondern auch der Stadt (spätestens seit 1182 und dies bis 1676, Wensky 2008). Die ab der Mitte des 12. Jahrhunderts (ebenfalls spätestens seit 1182) von den Grafen von Berg ausgeübte Vogtei war für die Rechtsprechung und den militärischen Schutz verantwortlich, während der Rat der Stadt als Vertretung der Bürgerschaft als die schwächste Institution anzusehen ist. Somit befanden sich die Grafen von Berg über Generationen im Widerspruch zur Oberhoheit der Kölner Erzbischöfe (lokalgeschichte.de).
Für die Stadtwerdung seit dem 12. Jahrhundert liegt kein Erhebungsprivileg vor, doch wird Siegburg in Urkunden stadttypisch als villa (1125) bzw. opidum (1181) angeführt. Im Jahr 1285 werden scabini, consules ac ceteri opidani, sigillum civitatis genannt, d.h. Schöffen, Konsuln und weitere Stadtbewohner sowie ein Stadtsiegel (vgl. Diederich 1984 und Wensky 2008). Die ab 1212 nachweisbare und im 15. Jahrhundert erweiterte Stadtbefestigung umfasste eine Mauer mit vier Toren, die erst 1865 niedergelegt wurde und heute nur in Fragmenten erhalten ist. 1285 erhielt Siegburg das Kölner Stadtrecht, das den Töpfern und Kaufleuten Zugang zum Handelsnetz der Hanse verschaffte. Siegburger Steinzeugkrüge sind archäologisch bis nach Nowgorod nachweisbar (siegburg.de, Stadtgeschichte). Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt ihren wirtschaftlichen Höhepunkt. Die Vogteispannungen eskalierten bis zur Schlacht bei Worringen 1288, aus der Graf Adolf VII. von Berg als Sieger hervorging (lokalgeschichte.de).
Andauernde Konflikte zwischen der Abtei und den Bürgern der Stadt mündeten zwischen 1402 und 1407 im Siegburger Krieg, in dem die Bürger mit Adolf von Berg, dem Sohn des bisherigen Stadtvogtes Herzog Wilhelm II. von Berg und ab 1408 selbst Herzog (Adolf VII.), die Abtei belagerten. Die Abtei wurde dabei zwar nicht eingenommen, aber erheblich beschädigt und Teile der Stadt in Brand geschossen. 1420 wurden die Vogteiansprüche der Herzöge von Berg förmlich anerkannt.
Ersterwähnungen und Ortsname Die frühen Quellen benennen den Ort nach dem Berg selbst. In einer Urkunde von 1125, mit der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (amtierte 1100-1131) allen Kaufleuten Siegburgs Zollfreiheit in Köln verlieh, erscheint die Siedlung als negotiatores in villa Sigebergensi que sita est in pede montis ejusdem coenobii („die Kaufleute in der Ortschaft am Fuße des Berges dieses Klosters“) (lokalgeschichte.de). Der Übergang vom Bergnamen Sigeberg / Sieberg zum heutigen Namen Siegburg vollzog sich, als der Berg selbst nach dem Klosterpatron zum „Michaelsberg“ wurde; im Ripuarischen (eine kontinentalwestgermanische Dialektgruppe, die im Rheinland gesprochen wird) lautet die Bezeichnung bis heute Sieburch. Als frühester Beleg für die Stadtqualität gilt eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (amtierte 1167-1191) von 1182, in der das Stadtrecht ausdrücklich bestätigt wurde: Der Ort habe dieses Recht optime Siegebergum jus burgense obtinuisse („schon seit langer Zeit erworben“) (lokalgeschichte.de und de-academic.com, Siegburg). Ein förmliches Erhebungsprivileg zur Stadt ist nicht überliefert (Wensky 2008), die erste Urkunde, in der Siegburg explizit als Stadt bezeichnet wird, datiert auf das Jahr 1284 (foerderverein-michaelsberg.de und siegburg.de, Stadtgeschichte).
Siegburg seit der Neuzeit Fabricius (1898) führt für das Jahr 1789 den „Burgbann Siegburg mit der Abtei“ als der Vogtei Siegburg im Amt Blankenberg des Herzogtums Berg zugehörigen Ort an, ergänzt jedoch: „Siegburg, Troisdorf und Wolsdorf gehörten der Abtei Siegburg an, die bis 1676 behauptete, reichsunmittelbar und unabhängig vom Herzogtum Berg zu sein.“ Nach Schwaben (1826) war die Frage der Reichsstandschaft „der goldene Zankapfel, der Siegburg so viele Thränen gekostet, so viele Leiden verursacht hat.“ Der Abt bezog sich bei der Frage der Reichsunmittelbarkeit auf kaiserliche Schutz- und Schirmbriefe von Maximilian I. von 1512, Karl V. (1521) und Rudolf II. (1558). Erst ein am 16. Mai 1676 geschlossener Erbvertrag regelte schließlich den Verzicht der Abtei auf die Reichsfreiheit von Stadt und Vogtei – Siegburg kam als Unteramt zum von Düsseldorf aus regierten Herzogtum Berg: „Die Einwohner von Stadt- und Burgbann und der Vogtei Siegburg haben dem Herzog zu huldigen, die Abtei bleibt Grundherrschaft. … Der Herzog von Berg erhielt Herbst- und Maischatzung, Zoll- und Bergwerksregal. Die Abtei behielt Civil- und Criminaljurisdiction ...“ (und mit einzelnen Ausnahmen das Recht zur Bestallung von Gerichtsbeamten; vgl. Schwaben 1826 und Fabricius 1898).
Während der Zeit der französischen Besetzung (1794-1814/15), in Siegburg ab dem Jahr 1803, wurde die Benediktinerabtei nach fast 750-jährigem Bestehen säkularisiert und aufgehoben und erst 1914 wieder eröffnet (www.foerderverein-michaelsberg.de). In den Abteigebäuden richtete man zunächst die erste „Rheinische Irrenheilanstalt“ ein, die 1878 geschlossen wurde; 1886 folgte die Eröffnung der Königlich-Preußischen Strafanstalt (foerderverein-michaelsberg.de). Nach der Niederlage Napoleons kam Siegburg über die Neuregelungen des Wiener Kongresses mit dem Rheinland zum Königreich Preußen. Mit Einrichtung der Provinz Jülich-Kleve-Berg (ab 1822 Rheinprovinz) wurde Siegburg dann 1816 Kreisstadt des neu gebildeten Kreises Siegburg, der nach der 1820 erfolgten Zusammenlegung mit dem Kreis Uckerath 1825 in Siegkreis umbenannt wurde. Siegburg erhielt 1857 die Rheinische Städteordnung. Zum 1. August 1969 wurde unter Eingliederung von Teilen der Gemeinden Buisdorf, Hennef (Sieg) und Lauthausen der heutige Rhein-Sieg-Kreis gebildet, dem Siegburg seitdem als Kreisstadt vorsteht. Das neue Kreishaus entstand in zwei Bauabschnitten von 1974 bis 1981. Die kommunale Gliederung der Stadt umfasst heute neben der Kernstadt die zwölf Stadtteile Braschoß, Brückberg, Deichhaus, Dreesch, Haus zur Mühlen, Kaldauen, Schneffelrath, Schreck, Seligenthal, Stallberg, Wolsdorf und Zange.
1875 wurde die Königlich-Preußische Geschossfabrik eröffnet, 1893 das dazugehörige Feuerwerkslaboratorium; beide Rüstungsbetriebe beschäftigten im Ersten Weltkrieg bis zu 20.000 Menschen und ließen die Stadtbevölkerung auf rund 20.000 anwachsen. Mit dem Versailler Vertrag 1919 mussten die Werke schließen; die Arbeitslosigkeit stieg auf zeitweise 17 Prozent der Bevölkerung (foerderverein-michaelsberg.de). Im Dezember 1944 und im März 1945 wurden zahlreiche Gebäude in Siegburg bei zwei großen Bombenangriffen schwer beschädigt oder sogar zerstört, darunter auch die Abtei. Am 13. April 1945 wurde Siegburg von alliierten Truppen eingenommen.
Stadtwappen Die Blasonierung (formale Wappenbeschreibung) lautet: „In Blau aus einem roten, golden bewehrten schreitenden Löwen hervorwachsend der goldgekrönte, silberbeflügelte Erzengel Michael im roten Mantel, in der Rechten ein goldenes Zepter, in der Linken einen blauen Reichsapfel mit goldenem Kreuz haltend.“ (de-academic.com, Siegburg und de.wikipedia.org) Der Erzengel Michael verweist auf die Benediktinerabtei als Stadtgründerin; der bergische Löwe, aus dem er hervorwächst, symbolisiert die jahrhundertelange Vogteiherrschaft der Grafen und Herzöge von Berg. Zepter und Reichsapfel unterstreichen den ehemaligen Anspruch der Abtei auf Reichsunmittelbarkeit.
Markt und Gewerbe, Töpferstadt Für die Stadtentwicklung ist der Markt von überragender Bedeutung. Seit 1069 darf aufgrund des von Kaiser Heinrich IV. für das Kloster Siegburg erteilten Markt-, Zoll- und Münzprivilegs am Fuße des Michaelsbergs Markt gehalten werden. Zunächst wurde wohl ein Jahrmarkt abgehalten, im 15. Jahrhundert dann drei Jahrmärkte Bereits für das Jahr 1125 sind Fernhändler nachgewiesen und im 14. Jahrhundert werden Zünfte und handwerkliche Bruderschaften fassbar (Zunftbriefe ab 1442). Ein selten ausgeübter Münzbetrieb ist seit 1135 bezeugt, der wohl mit einem wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ausgeübten Silberbergbau bei Siegburg in Zusammenhang steht (Wensky 2008).
Töpferwaren aus Siegburg stellten bereits seit dem 12. Jahrhundert ein bedeutendes Exportgut dar. Zum Töpfereigewerbe führt die Stadt an (siegburg.de): „Seit ca. 1000 gilt Siegburg als Töpferstadt. Die Entwicklung des Töpferhandwerks setzte somit wesentlich früher ein als in der ebenso bekannten rheinischen 'Töpferstadt' Frechen. Die Töpfereien befanden sich in der Vorstadt Aulgasse. Ab circa 1300 erlebte Siegburg eine Blüte der Töpferei. Zwischen Siegburg und Köln gab es einen regen Austausch an Waren und Menschen. Die Siegburger Töpfer ließen sich von den Motiven der Kölner Formenstecher, der Gold- und Kupferschmiede inspirieren, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ließen sich Kölner Töpfer in Siegburg nieder und brachten neue Ideen mit. Eine solche Migration des Wissens ist wenige Jahrzehnte später erneut festzustellen.“
Demografische Entwicklung, Religionen Für um das Jahr 1500 werden weniger als 2.000 Einwohnende angenommen. Für 1792 werden für den eine Gemarkungsfläche von 571 Hektar einnehmenden „Burgbann Siegburg mit der Abtei“ 1.480 (katholische) Einwohner angeführt (Fabricius 1898, S. 312). 1828 werden 3.576 Siegburger Einwohnende genannt, davon 110 evangelische und 162 jüdische (de.wikipedia.org). Die gute industrielle Einwicklung der Stadt ließ die Zahl dann bis zum Ende des Ersten Weltkrieges auf rund 20.000 ansteigen. Jüdische Menschen waren in Siegburg seit dem Mittelalter ansässig, nach Verfolgungen im Jahr 1287 (und vielleicht nach 1350) sind ab 1359 erneut Juden bezeugt. Zwischen 1440 und 1448 erfolgte erneut eine Vertreibung (Wensky 2008), bevor im frühen 17. Jahrhundert wieder jüdische Personen in Siegburg ansässig wurden. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Siegburg Zentralort für die Synagogengemeinde des Siegkreises. Bis zur NS-Zeit umfasste die Siegburger jüdische Gemeinde etwa 300-400 Personen und unterhielt ab 1841 eine Synagoge mit Frauenbad und den bereits seit der Mitte des 14. Jahrhunderts genutzten Friedhof (Reuter 2007).
Ausweislich von 2025 erhobenen Daten sind 27,5 % der Bevölkerung römisch-katholisch und 14,8 % evangelisch (2011 waren dies noch 41,9 % bzw. 21,0 %) und die übrigen 57,7 % konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensgemeinschaft an (darunter auch christlich-orthodoxe und -freikirchliche). Die beiden großen christlichen Konfessionen sind jeweils mit mehreren Gemeinden und Kirchenbauten in der Stadt vertreten, daneben gibt es die Niederlassungen einer Christadelphian-Gemeinde (früher meist als „Urchristen“ bezeichnet) und der Zeugen Jehovas mit einem Königreichssaal in der Friedrich-Ebert-Straße. Die buddhistische Gemeinschaft ist in der Kaiserstraße mit der Gruppe Diamantweg Buddhismus vertreten. In der Händelstraße nahe des Bahnhofs befindet sich die DITIB-Moschee der Siegburger islamischen Gemeinde.
Siegburg auf historischen Karten Die Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz, Blatt IV, Köln, 1894) zeigt für das Jahr 1789 die Vogtei Siegburg mit Stadt, Abtei und den umgebenden Orten Driesch, Aulgasse und Wolsdorf sowie jenseits der Agger Troisdorf mit (Burg) Wissen (vgl. Abb.). Auf den historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) nimmt die Kernstadt Siegburg mit der Abtei eine Fläche von knapp 50 Hektar ein, im Norden erscheinen die Siedlung Dresch (Driesch) und das Straßendorf Ulgasse (Aulgasse) noch getrennt, ebenso im Osten Wolsdorf. Die jüngere, zwischen 1836 und 1850 erarbeitete Preußische Uraufnahme zeigt dies ebenso. Die nachfolgende Preußische Neuaufnahme (1891-1912) lässt dann deutlich das Anwachsen der Kernstadt erkennen, die nun bereits erste umgebende Orte mit einbezieht. Die Karte zeigt neben der neuen Köln-Gießener Siegbahn auch deutlich den Ausbau des Straßennetzes, zahlreiche Industrieansiedlungen und die neue Strafanstalt. Die topographischen Karten TK 1936-1945 weisen dann deutlich das Wachstum nach Nordwesten zur Agger hin aus (vgl. Kartenansichten).
Stadtbild Die frühere Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg, die seit 2013 vom Orden der Unbeschuhten Karmeliter genutzt wird, ist das überregional bekannte Wahrzeichen der Stadt. Neben der mittelalterlichen Abteikirche und jüngeren Klosterbauten des 18./19. Jahrhunderts erinnern umfangreiche Stütz- und Befestigungsmauern für den umgebenden Park mit Klostergarten sowie Weinbergterrassen an der Süd- und Westseite des Berghanges an die einstige Abteianlage.
Im Stadtkern bestimmen die mittelalterliche Pfarrkirche Sankt Servatius und erhaltene Reste der alten Befestigung (beides aus dem 12. Jahrhundert) sowie Wohnbauten des 18. und 19. Jahrhunderts und im Bereich der Kaiserstraße historische Wohn- und Geschäftshäuser aus der Zeit der nördlichen Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts das heutige Stadtbild. Südlich der Altstadt verläuft auch heute noch der knapp fünf Kilometer lange mittelalterliche Mühlengraben, der bei Buisdorf von der Sieg abzweigt und vor der Aggermündung in diese zurückführt. An ihm liegt ein in Teilstücken erhaltener Leinpfad und die Stadtmühle vom Ende 19. Jahrhunderts. Die Siegburger Abtei diente seit dem Jahr 1803 zeitweise als Vorgängerin der heutigen Justizvollzugsanstalt Siegburg, die in ihrem Ursprung zwischen 1893 und 1896 erbaut wurde.
Die Geschichte der Stadt wird seit 1990 in einem eigenen Stadtmuseum präsentiert, das sich in einem auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden Haus am Markt befindet. Dieses diente zuvor als Amtsgericht und Finanzamt und ist zugleich das Geburtshaus des Komponisten Engelbert Humperdinck (1854-1921), einem der bedeutendsten Söhne der Stadt.
Verkehrsanbindung Im öffentlichen Personennahverkehr ist Siegburg heute Teil des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS). Neben zahlreichen Buslinien verbindet die Stadtbahnstrecke der „Siegburger Bahn“ (Linie 66) den Siegburger Bahnhof im Zehnminutentakt mit dem Bonner Hauptbahnhof. Über den 2004 eingeweihten Siegburger ICE-Bahnhof – rechtsrheinisch auch für die vormalige Bundeshauptstadt als ICE-Schnellzuganschluß dienend und daher offiziell „Siegburg/Bonn“ – ist der Flughafen Köln/Bonn über die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main innerhalb einer Viertelstunde erreichbar und der Frankfurter Flughafen in gerade einmal 40 Minuten.
Bereits seit 1859 war Siegburg Station der Köln-Gießener Bahn, der auch als „Siegbahn“ oder „Siegstrecke“ bezeichneten Eisenbahnstrecke von Köln-Deutz nach Betzdorf. Diese war zwischen 1859 und 1861 von der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gebaut und in Betrieb genommen worden und wird heute vom Regionalexpress der Deutschen Bahn, der Kölner S-Bahn und der Hessischen Landesbahn (HLB) bedient. Ende des 19. Jahrhunderts kamen weitere Haltepunkte der Aggertalbahn und der Bröltalbahn hinzu, die den Austausch von Personen und Gütern zwischen dem östlich gelegenen Mittelgebirgsraum und dem Rheintal erleichterten. Im Stadtteil Zange und an der Kronprinzenstraße entstanden repräsentative Bahnhofsbauten. Daneben betrieb ab 1914 die Kleinbahn Siegburg-Zündorf im rechtsrheinischen Raum einen Personenverkehr zwischen Siegburg, Troisdorf, Niederkassel und Köln-Zündorf, der in den 1960ern eingestellt wurde und heute nur noch auf Teilstrecken im Güterverkehr betrieben wird. Auf Abschnitten von stillgelegten Bahnstrecken wurden Radwege angelegt.
Siegburg liegt an den Bundesautobahnen A 560 (nach Bonn und Hennef) und A 3 (Frankfurt–Köln) sowie an den Bundesstraßen B 8, B 56 und B 484. Die B 56 verläuft teils auf der Trasse der mittelalterlichen Zeithstraße, die als Fernhandelsstraße über Jahrhunderte hin eine Verbindung vom Rheintal über Siegburg zur ebenfalls mittelalterlichen Fernhandelsstraße des westfälischen Hellwegs war.
Internet siegburg.de: Stadt Siegburg: Stadtgeschichte (abgerufen 13.05.2026) siegburg.de: Kreisstadt Siegburg (abgerufen 13.05.2026) siegburg.de: Stadt Siegburg: Einwohnerstatistik (abgerufen 12.05.2026) siegburg.de: Denkmalliste der Stadt Siegburg, Teil A Baudenkmäler, Teil B Bodendenkmäler (Stand August 2025, abgerufen 20.05.2026) www.rheinische-geschichte.lvr.de: Rhein-Sieg-Kreis (Text Andrea Rönz, abgerufen 13.05.2026) foerderverein-michaelsberg.de: Förderverein Michaelsberg, Gründung der Abtei (abgerufen 21.05.2026) foerderverein-michaelsberg.de: Förderverein Michaelsberg, Stadt Siegburg (abgerufen 21.05.2026) lokalgeschichte.de: Siegburg und seine Geschichte (abgerufen 21.05.2026) lokalgeschichte.de: Schicksale der Stadt Siegburg (abgerufen 21.05.2026) de.wikipedia.org: Siegburg (abgerufen 13.05.2026)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. (3. völlig neu bearbeitete Auflage). (HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273.) S. 955-959, Stuttgart.
Korte-Böger, Andrea (2008)
Oben auf dem Berg. Die Geschichte der Abtei und des Michaelsberges in Siegburg. Siegburg.
Mittler, Mauritius; Weber, Wunibald (1967)
Die Geschichte der Abtei Michaelsberg in Siegburg seit ihrer Neugründung im Jahre 1914. Siegburg.
Mittler, Placidus (1987)
Abtei Michaelsberg, Siegburg. Geschichte und Leben. Siegburg.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.
Schwaben, Philipp Ernst (1826)
Geschichte der Stadt, Festung und Abtei Siegburg im Herzogthum Berg. Nebst Zeichnung der alten und jetzigen Stadt. (Neudruck Siegburg 1987.) S. 85-110, Köln. Online verfügbar: books.google.com, abgerufen am 13.05.2026
Wensky, Margret (2008)
Städte und Freiheiten bis 1500. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VI.2.) S. 69, Bonn.
Wisplinghoff, Erich (1975)
Die Benediktinerabtei Siegburg. In: Germania Sacra, NF 9, Berlin.
Wisplinghoff, Erich (1964)
Urkunden und Quellen zur Geschichte von Stadt und Abtei Siegburg. (Bd. 1: (948) 1065-1399; Bd. 2: 1400-1587). Siegburg.
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1064
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