Ulrather Hof

Haus Uhlenroth, Uhlrather Hof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Siegburg
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die verbliebene Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg (2017)

    Die verbliebene Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg (2017)

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  • Anzeige in der Hennefer Zeitung vom 15. März 1903, beworben wir die Ausflugs-Wirtschaft "Uhlrather Hof" an dem früheren Hofgut bei Siegburg.

    Anzeige in der Hennefer Zeitung vom 15. März 1903, beworben wir die Ausflugs-Wirtschaft "Uhlrather Hof" an dem früheren Hofgut bei Siegburg.

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  • Gedenktafel zur Erinnerung an drei 1944 am Ulrather Hof erschossene luxemburgische Kriegsgefangene der Haftanstalt Siegburg (2017)

    Gedenktafel zur Erinnerung an drei 1944 am Ulrather Hof erschossene luxemburgische Kriegsgefangene der Haftanstalt Siegburg (2017)

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  • Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg, rückwärtige Ansicht der verbliebenen Mauer (2017).

    Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg, rückwärtige Ansicht der verbliebenen Mauer (2017).

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  • Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg, rückwärtige Ansicht der verbliebenen Mauer (2017).

    Ruine des früheren Ulrather Hofs bei Siegburg, rückwärtige Ansicht der verbliebenen Mauer (2017).

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Der Ulrather Hof (auch Uhlrather Hof oder Haus Uhlenroth) war ein Hofgut bei Siegburg. Von dem Hof ist heute nur noch ein unter Denkmalschutz stehender Mauerrest mit einer großen Fensteröffnung erhalten.
„1380 verkauften die Junker von Ulroide den Ulrather Hof. Bei einer Steuerschätzung 1565 wird das Gut als verfallen bezeichnet und vermerkt, der Kamin sei vor einigen Jahren einem Hochwasser der Agger zum Opfer gefallen.“ (de.wikipedia.org)

Lage und Kartenbild
Der ruinenhafte Mauerrest des früheren Gutshofs befindet sich an einem Fußweg zwischen Agger und Bundesstraße B 56, erreichbar von der Aggerbrücke aus am Gelände des Kanu Clubs Delphin Siegburg 1958 e.V. vorbei.
Auf den historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (Tranchot / von Müffling 1801-1828) ist hier noch eine kleine Siedlung Ulrath verzeichnet, die in den etwas jüngeren Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme als Ulerath erscheint.
Die hiesige Objektgeometrie orientiert sich an dem Eintrag von Ulrath in den Karten der Preußischen Neuaufnahme von 1891-1912. Dieser erscheint technisch bedingt etwas verschoben zu den modernen Karten (vgl. die historischen Karten in der Kartenansicht).

Ausflugslokal und Schießstand
Bei der Ruine des Ulrather Hofs entstand ein Garten-Restaurant „Uhlrather Hof“, das 1903 eröffnet wurde. Die Hennefer Zeitung berichtet in ihrer Nr. 60 am 15. März 1903 von dem zu diesem Zeitpunkt „noch nicht betriebsfähigen“ Ausflugslokal am „schönen Lohmarerwald“, das der Pächter Franz Jung in der gleichen Ausgabe mit einer Reklameanzeige bewirbt. Das Restaurant werde zu Ostern 1903 fertig sein und über einen Kinderspielplatz mit „Karoussell“ sowie einen „Lawntennisplatz“ (Rasentennis) verfügen. Für Konzerte und Sommerfeste sollte hier Platz für 2.000 Gäste (!) vorhanden sein (vgl. Abbildung und www.hennef.de).
Die Gaststätte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen und noch eine Weile von der Stadt Siegburg als Notunterkunft benutzt, bevor sie 1964 im Zuge des Baus der Bundesstraße B 56 abgerissen wurde.
Ebenfalls 1903 errichtete der Siegburger Schützenverein St. Hubertus hier einen Schießstand, der nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zunächst durch die französische Besatzung beschlagnahmt und im September 1919 gesprengt wurde: „Nachdem nur noch mit kleinen Kalibern geschossen werden durfte, wurde der Pachtvertrag im April 1927 an die Stadt Siegburg zurückgegeben.“ (de.wikipedia.org)

Erschießung luxemburgischer Kriegsgefangener 1944
Drei luxemburgische Kriegsgefangene, die während der NS-Zeit im damaligen Zuchthaus Siegburg einsaßen wurden am 23. August 1944 am unweit des Gefängnisses gelegenen Ulrather Hof erschossen: der Friseur Camille Körner (*10.11.1924), der Bankangestellte Jean Bück (*26.11.1920) und der Student Marcel Charpantier (*17.08.1924).
Die drei jungen Männer hatten sich nach der deutschen Besetzung Luxemburgs 1940 geweigert, im Zuge der Zwangsrekrutierung der deutschen Wehrmacht beizutreten und wurden – unabhängig voneinander – zunächst zum Tode verurteilt und später zu langjährigen Zuchthausstrafen begnadigt.
Als am 20. Juli 1944 im luxemburgischen Junglinster im heutigen Kanton Grevenmacher der NS-Ortsgruppenleiter der „Volksdeutschen Bewegung“ von einem Deserteur erschossen wurde, wurden Körner, Bück und Charpantier „zur Vergeltung“ am Ulrather Hof erschossen. Zeitgleich mit ihnen wurden sieben weitere luxemburgische Geiseln an anderen Orten ermordet.

Gedenktafel
Erst vierzig Jahre später wurde von der Stadt Siegburg eine Gedenktafel am Ulrather Hof errichtet (www.floerken.de). Die 1984 an der verbliebenen Mauerruine zur Agger hin angebrachte Metalltafel trägt die Inschrift:
Hier wurden am 23.8.1944 / drei junge Luxemburger erschossen:
Jean Bück 23 Jahre / Marcel Charpantier 20 Jahre / Camille Körner 19 Jahre
Mit ihnen wurden sieben weitere / luxemburgische Geiseln an
anderen Orten hingerichtet / Sie wurden Opfer des Faschismus
Mögen nie wieder Gewalt und Terror / in unserem Lande herrschen!
Gestiftet von der Stadt Siegburg


Baudenkmal
„Haus Uhlenroth (Uhlrather Hof) / Am Breitschoß 1, Flur 1, 1343, Siegburg“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Siegburg, Nr. 179/23).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)

Internet
www.siegburg.de: Denkmalliste der Stadt Siegburg (PDF-Datei, 20 KB, Stand April 2013, abgerufen 28.03.2017)
www.tim-online.nrw.de: TIM-online, Geobasisdaten NRW - Gemarkung Siegburg (4069), Flur 1, Flurstück 1343 (abgerufen 28.03.2017)
www.floerken.de: Erinnerung an einen Geiselmord (veränderte Fassung eines Artikels im General-Anzeiger Bonn, Ausgabe Siegburg vom 23.08.2004, abgerufen 28.03.2017)
de.wikipedia.org: Ulrather Hof (abgerufen 28.03.2017)
www.hennef.de: Digitales Archiv der Hennefer Volkszeitung (abgerufen 28.03.2017)

Literatur

Kraus, Stefan (1999)
NS-Unrechtsstätten in Nordrhein-Westfalen: Ein Forschungsbeitrag zum System der Gewaltherrschaft 1933-1945, Lager und Deportationsstätten. (Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 4.) S. 82, Essen.

Ulrather Hof

Schlagwörter
Ort
53721 Siegburg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1380, Ende nach 1565
Koordinate WGS84
50° 48′ 47,71″ N, 7° 11′ 27,74″ O / 50.81325°, 7.19104°
Koordinate UTM
32U 372561.26 5630617.66
Koordinate Gauss/Krüger
2583985.59 5631548.25

Empfohlene Zitierweise

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„Ulrather Hof”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266565 (Abgerufen: 19. November 2018)
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