Das Stadtmuseum Siegburg birgt weit mehr als seine schlichte klassizistische Fassade erahnen lässt. Vom Jahr 1064 und der Klostergründung auf dem Michaelsberg über historische Fundamente im Museumskeller bis hin zu Alltagsobjekten aus der jüngsten Stadtgeschichte: das Stadtmuseum Siegburg lädt dazu ein, tausend Jahre Stadtgeschichte auf einmal zu durchstreifen und das an einem Ort, der selbst Geschichte geschrieben hat.
Lateinschule, Gymnasium, Amtsgericht, Finanzamt Ursprünglich stand am oberen Markt ein „Dinghaus“, in dem die Stadtgeschäfte abgewickelt wurden und das der Abtei auf dem Michaelsberg als Herberge diente. Jedoch wurde hierfür am unteren Markt ein neues Haus erworben, in dem 1438/1439 zum ersten Mal getagt wurde. Als das Gebäude im frühen 19. Jahrhundert in einem schlechten Zustand war, errichtete man 1826/27 über den erhaltenen Kellergewölben eine Lateinschule, die im November 1828 ihren Betrieb aufnahm. Die erste Abiturprüfung wurde 1886 abgenommen und die Schule als Gymnasium anerkannt. Nach dem Umzug des Gymnasiums in das heutige VHS-Studienhaus diente das Haus zunächst als Amtsgericht, dann als Finanzamt. Das ursprüngliche Gebäude wurde im klassizistischen Stil errichtet. Bis 1909 erfolgten mehrere Erweiterungen, die sich in ihrer Fassadengestaltung am älteren Gebäudeteil orientierten.
Stadtmuseum Ab 1987 wurde das Gebäude umfangreich zum neuen Stadtmuseum um- und ausgebaut, das am 19. Mai 1990 feierlich eröffnet wurde. Der Umbau zum Museum erfolgte nach Plänen des Siegburger Architekten Hartmut de Corné. Dabei wurde versucht, die durch die ursprüngliche Schulnutzung vorgegebene Raumaufteilung wiederherzustellen. Ein ehemaliger Innenhof wurde durch Absenken des Bodenniveaus als Veranstaltungsforum integriert. In der ehemaligen Gymnasialaula entstand ein weiterer Saal. Besonders eindrucksvoll sind die mittelalterlichen Gewölbekeller, die als Teil der Dauerausstellung zugänglich sind und direkt an die Baugeschichte des einstigen Rathauses erinnern. Die Geschichte der Sammlung selbst reicht noch weiter zurück: 1903 gründete Bürgermeister Carl Plum den Altertumsverein Siegburg, dessen private Sammlung den Grundstock des heutigen Museumsbestands bildete. Anfangs lagerten die gesammelten Objekte in der Krypta der Abtei auf dem Michaelsberg. Das Stadtmuseum Siegburg ist heute ein kulturelles Zentrum im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Seit 2014 ist es durch einen Durchgang mit der Stadtbibliothek Siegburg zu einem offenen Kulturhaus verbunden. Seit 2023 befindet sich dort auch die Tourist Information der Stadt Siegburg. Besondere Ausstellungsschwerpunkte des Stadtmuseums sind die Entwicklung des Stadtbildes durch die Jahrhunderte, die mittelalterlichen Kellergewölbe, Funde zur Stadtarchäologie sowie die Siegburger Keramik mit ihrer Blütezeit in der Renaissance. Letztere gehörte jahrhundertelang zu den begehrtesten Töpferwaren Europas und steht exemplarisch für das handwerkliche und wirtschaftliche Gewicht der Stadt innerhalb der Rheinregion.
Geburtshaus der Komponisten Engelbert Humperdinck und Joseph Hermann Mohr Das Gebäude birgt eine bemerkenswerte Geschichte als Geburtshaus von gleich zwei Komponisten: Am 1. September 1854 um 12 Uhr mittags erblickte hier der Komponist Engelbert Humperdinck (1854-1921) das Licht der Welt. Sein Vater Gustav war Lehrer an dem damaligen Pro-Gymnasium und wohnte mit seiner Familie in einer Dienstwohnung im Schulgebäude. Humperdinck sollte später mit seiner Märchenoper „Hänsel und Gretel“ Weltberühmtheit erlangen. Doch Humperdinck ist nicht der einzige bekannte Name, der mit diesen Mauern verbunden ist: Auch der Kirchenliedkomponist Joseph Hermann Mohr (1834-1982, „Ein Haus voll Glorie schauet“) war zwei Jahrzehnte zuvor im selben Gebäude zur Welt gekommen.
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1438 bis 1439
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