Ansicht der alten kaiserlichen Poststation im Haus am Markt 45 in Siegburg (links im Bild) sowie des Museumscafés rechts davon. Am rechten Bildrand ist ein Teil des Stadtmuseums zu erkennen (2026).
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Ansicht der alten kaiserlichen Poststation im Haus am Markt 45 in Siegburg links im Vordergrund, dahinter das Stadtmuseum Siegburg mit Glockenspiel an der Außenwand (2026).
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Ansicht der alten kaiserlichen Poststation im Haus am Markt 45 in Siegburg (links im Bild) sowie des Museumscafés rechts davon. Am rechten Bildrand ist ein Teil des Stadtmuseums zu erkennen (2026).
Ansicht der alten kaiserlichen Poststation im Haus am Markt 45 in Siegburg links im Vordergrund, dahinter das Stadtmuseum Siegburg mit Glockenspiel an der Außenwand (2026).
Wer am unteren Ende des Siegburger Marktplatzes entlangschlendert, mag an dem stattlichen Gebäude mit der Nummer 45 zunächst achtlos vorbeigehen. Dabei verbirgt sich hinter der historischen Fassade eine Geschichte, die weit über Siegburg hinausreicht, hinein in das Herzstück des frühneuzeitlichen Kommunikationswesens Europas. Denn dieses Haus war einst eine kaiserliche Poststation der Familie Thurn und Taxis: ein Knotenpunkt, an dem Briefe, Nachrichten und Reisende auf einer der meistbefahrenen Routen des Alten Reiches zusammenkamen.
Bereits 1615 verpflichtete sich der Generaloberpostmeister Lamoral von Taxis, einen Postkurs von Köln über Frankfurt bis zur böhmischen Grenze mit einer Routenführung über Wahn, Siegburg, Uckerath und Dietkirchen einzurichten. Siegburg lag damit mitten auf einer der strategisch bedeutendsten Nachrichtenschlagadern des Reiches. Im 17. Jahrhundert befand sich die erste Poststation noch am Beu, an der heutigen Ecke Aulgasse/Alte Poststraße. Ab 1761 ist eine kaiserliche Poststation der Familie Thurn und Taxis innerhalb der Stadtmauern belegt, zunächst nahe dem Kölntor an der Bahnhofstraße 2, dann 10 Jahre später am Markt 45. Laut der offiziellen Denkmalpflegeakte befand sich in dem Haus Markt 45 von 1771 bis ins 19. Jahrhundert eine taxische Posthalterei. Der damalige „magister postarum“ Conrad Halm leistete im Jahre 1773 seinen Diensteid auf Carl Anselm Fürst von Thurn und Taxis. Er erwarb in dieser Zeit das Gebäude und ließ es für seine Zwecke umbauen und renovieren.
Mit seiner gegliederten, bürgerlich-barocken Fassade sollte das Gebäude als repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts dem gehobenen Anspruch einer kaiserlichen Institution am zentralen Marktplatz gerecht werden. Am unteren Markt schließt es sich unmittelbar an das Stadtmuseum an und bildet mit ihm ein historisch dicht aufgeladenes Ensemble. Das Gebäude steht seit 1985 unter Denkmalschutz und zeugt bis heute in seinem äußeren Erscheinungsbild von der Bedeutung, die seiner Funktion einst beigemessen wurde. Heute beherbergt es eine Textilreinigung - eine unaufgeregte Fortsetzung des alltäglichen Lebens, das an diesem Ort seit Jahrhunderten nicht versiegt ist. Die entscheidende Innovation des Thurn-und-Taxis-Systems war die Einrichtung von Poststationen, an denen Reisende ihre Kutsch- und Reitpferde wechseln konnten, was die Nachrichtenübermittlung erheblich beschleunigte. Das System schuf feste Routen, Fahrpläne und Preise und war damit grundsätzlich für jedermann zugänglich. Im ausgehenden 18. Jahrhundert benötigten schnelle Kuriere für die Strecke Köln-Wien immerhin fünf Tage. Mit dem Ende des Alten Reiches 1806 verlor die Familie Thurn und Taxis ihr kaiserliches Postmonopol - und damit auch die Legitimationsgrundlage ihrer Siegburger Station. Was blieb, ist ein denkmalgeschütztes Haus am Markt, das heute still davon erzählt, dass Siegburg einmal Takt und Tempo der kaiserlichen Kommunikation mitbestimmte.
Baudenkmal Die alte kaiserlicge Poststation ist seit 1985 ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalpflegeakte Markt 45, AZ 179/23, Stadtarchiv Siegburg).
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1771
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