Auch die Geschichte des Marktplatzes ist untrennbar mit der Gründung der Stadt durch Erzbischof Anno II. von Köln im 11. Jahrhundert verbunden. Nach der Gründung der Abtei im Jahr 1064 entwickelte sich am Fuße des Michaelsberges schnell eine Siedlung, die von der strategischen Lage an bedeutenden Handelswegen profitierte. Dass der Marktplatz schon früh intensiv genutzt wurde, bestätigten archäologische Grabungen, insbesondere während der Neugestaltung des Marktes im Jahr 2004. Dabei stießen Experten auf die Fundamente der mittelalterlichen Markthalle (das sogenannte „Kaufhaus“), die einst das Zentrum des Platzes dominierte. Besonders aufschlussreich waren Funde von Abfallgruben und ehemaligen Brunnenanlagen, die tief unter das heutige Niveau reichen. Diese Schichten gaben zahllose Keramikscherben des berühmten Siegburger Steinzeugs frei.
Historisch gesehen war der Platz zudem der Schauplatz öffentlicher Machtdemonstration und Gerichtsbarkeit. Dies wird bis heute durch den „Käx“ symbolisiert, den städtischen Pranger am Hühnermarkt (zwischen dem oberen und unteren Marktbereich) an dem über Jahrhunderte hinweg Übeltäter zur Schau gestellt wurden. Als Zeichen christlicher Tradition fügt sich die Schutzmantelmadonna in das Ensemble ein. Sie zeigt Maria, die unter ihrem weit ausgebreiteten Mantel Schutzsuchende aufnimmt - ein im Rheinland weit verbreitetes Motiv, das hier als Ort des Innehaltens inmitten des Markttreibens dient. Sie wurde 1949 auf dem Marktplatz in Siegburg aufgestellt. Siegburger Bürger*innen stifteten die Figur gemeinschaftlich - ein Akt des Zusammenhalts in der unmittelbaren Nachkriegszeit, der zugleich ein Bekenntnis zu Schutz, Hoffnung und Neubeginn war. Der Bildhauer, dem dieser Auftrag zufiel, war Kurt Zimmermann (1910-1961).
Die architektonische Rahmung des Marktplatzes ist geprägt von einem Mix unterschiedlicher Epochen. Dominant ist das Gebäude der ehemaligen Lateinschule, das heute das Stadtmuseum beherbergt. Es besticht durch seine klare Linienführung und die Fassadengestaltung. In unmittelbarer Nähe steht die Kirche St. Servatius, ein Meisterwerk der rheinischen Romanik und Gotik, deren Schatzkammer Weltruhm genießt.
Die Randbebauung des Platzes zeigt zudem eine Vielzahl von Giebelhäusern, die teilweise barocke oder klassizistische Einflüsse aufweisen, jedoch oft modern überformt wurden. Die Pflasterung des Platzes unterstreicht den weitläufigen Charakter und lenkt den Blick immer wieder auf das monumentale Ensemble der Abtei, das wie eine steinerne Krone über dem Marktplatz thront. Im 20. Jahrhundert durchlief der Marktplatz eine radikale funktionale Wandlung: Von einem verkehrsreichen Knotenpunkt entwickelte er sich 1975 im Zuge der Stadtkernsanierung zur Fußgängerzone. Diese Revitalisierung gab dem Platz seinen Charakter als „Wohnzimmer der Stadt“ zurück. Hier manifestiert sich die historische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Kraft einer rheinischen Mittelstadt. Der Marktplatz dient heute als Austragungsort für überregional bedeutende Veranstaltungen, wie den Mittelalterlichen Markt zur Weihnachtszeit, der Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet anzieht und die Tradition des Ortes touristisch neu interpretiert.
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1000 bis 1100
Empfohlene Zitierweise
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