Kulturlandschaftsgenese Nordrhein-Westfalens

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Raumplanung
Das heutige Bundesland Nordrhein-Westfalen hat ein reiches kulturlandschaftsgeschichtliches Erbe mit zahlreichen überlieferten Elementen und Strukturen. Bedingt durch die natürliche Beschaffenheit lassen sich bereits für das Neolithikum und die Metallzeiten Gunst- und Ungunsträume unterscheiden, die sich auf das unterschiedliche Vorkommen von Rohstoffen, wie zum Beispiel Bergbau und Gewerbe im Siegerland, die Lage an Flüssen für Handel, Verkehr, Gewerbe, Fischerei, die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit für Land- und Forstwirtschaft, unterschiedlich fruchtbare Böden wie in den Börden, Morphologie und wechselnde Klimaverhältnisse beziehen und bestimmte Raumnutzungen herbeigeführt haben.

In den unterschiedlich ausgestatteten Naturräumen mit ihren Formen und ökologischen Rahmenbedingungen entstanden variierende Kulturlandschaftstypen und Landnutzungssysteme. Im Mittelgebirgsraum zeigen sich daher andere Strukturen als im Hügel- oder im Flachland. Andererseits sind in naturräumlich vergleichbaren Regionen durch anthropogene Prozesse wiederum unterschiedlich strukturierte Landnutzungs- und Siedlungsstrukturen entstanden. Beispielsweise hat die Eifel ihre geschlossene Dorfsiedlung, das Bergische Land dagegen typische Einzel- und Streusiedlung, während das Siegerland bis heute noch von Eisenbergbau und -verhüttung sowie durch die damit verbundene Haubergwirtschaft und von Besiedlungsschwerpunkten in den Fluss- und Bachtälern geprägt ist.

Erste kulturlandschaftliche Strukturen
Die Kulturlandschaftsentwicklung setzt in den fruchtbaren Lößbörden bereits im Neolithikum ein. Die zwei größten Bördenflächen in Nordrhein-Westfalen weisen in der Römerzeit eine unterschiedliche Entwicklung auf. Die Struktur der rheinischen Börde wird noch weitgehend von der römerzeitlichen Überformung und Ausbau mit Gutshöfen sowie mit einem relativ dichten Wegenetz geprägt. In der Hellwegbörde gab es zwar römische Einflüsse, aber keine römische Besiedlung. Die nordrhein-westfälische Kulturlandschaft links des Rheins weist damit strukturell noch Merkmale der 300jährigen römischen Anwesenheit auf, die rechts des Rheins weitgehend fehlen. So wurde schon im Neolithikum, den Metallzeiten und der Römerzeit der Grundstein für die heutige Ost-West-Achse (Hellweg und Köln-Aachen) und die Nord-Süd-Achse (Rheinschiene) des Landes gelegt, an denen sich ebenfalls die ersten Eisenbahntrassen und Autobahnen orientierten. Die nach dem Abzug der Römer entstandene Regressionsphase dauerte relativ kurz an. In der merowingischen und vor allem karolingischen Periode setzte eine Phase intensiver Besiedlung ein, die auch die Eifel und vor allem die Kalkeifel einbezog. Dies galt auch für das rasenerzreiche Siegerland. Trotz der neolithischen Besiedlung wurden das Bergische Land und Sauerland erst großflächig im Hoch- und Spätmittelalter erschlossen.

Die Kulturlandschaft um 1800 war noch nicht den eingreifenden Veränderungen der industriellen und postindustriellen Periode ausgesetzt. Die rheinischen und westfälischen Börden, das Kernmünsterland, der Niederrhein und die Kalkeifel waren damals relativ dicht besiedelt. Große Teile des Münsterlandes und des nördlichen Rheinlandes weisen eine gemischte Siedlungsstruktur mit Einzelhöfen, Weilern (Drubbeln) und Kirchdörfern auf, die im Früh- und vor allem im Hochmittelalter entstanden ist.

Städte als Kulturlandschaftsstrukturen
Im römisch okkupierten Teil von Nordrhein-Westfalen waren die ersten Städte Köln und Xanten. Im nicht römisch okkupierten Gebiet setzte die Stadtentwicklung im Hochmittelalter ein (Dortmund, Essen, Soest, Paderborn). Die meisten heutigen Groß- und Mittelstädte (außer den neuzeitlichen Städtebildungen im Ruhrgebiet sowie denen der Kommunalreform von 1969) sind zwischen 1100 und 1350 entstanden. Daneben gibt es eine große Zahl von spätmittelalterlichen Stadtgründungen, die nicht über den Umfang eines Dorfes hinauswuchsen (Minderstädte, Wigbolde, Flecken) und um 1800 ihre Stadtrechte wieder verloren. Sie weisen in ihrer Morphologie, Bausubstanz und ihrer Struktur jedoch bis heute noch die Merkmale einer Stadt auf.

Die kulturlandschaftliche Zäsur um 1800
Die französische Periode legte den Grundstein für eine sehr dynamische Kulturlandschaftsentwicklung, die das heutige Landschaftsbild prägt. Zunächst waren nur die Ackerareale Besitz- oder Eigentumsflächen, die man mehr oder weniger individuell bewirtschaftete. Hier ist auf den Flurzwang in den Gebieten mit Realteilungserbrecht hinzuweisen, bei der im Rahmen der Dreifelderwirtschaft für die einzelnen Gewanne die gleiche Fruchtfolge (Säh- und Erntezeiten) eingehalten werden musste.

Die feudalen Strukturen hoben die Franzosen im Rheinland 1795 und in Westfalen 1806 auf. Die Aufhebung des Feudalsystems, dazu auch Bauernbefreiung, Verwaltungs- und Rechtsreformen, Auflösung der Zünfte und Zölle, Gewerbefreiheit, Aufhebung der Herrschaften und Territorien (mit Ausnahme von Lippe) sowie die Säkularisation der Klöster mit der nachfolgenden Eingliederung in den zentralistischen preußischen Staat haben sich auf die Landschaft allmählich, aber sehr nachhaltig ausgewirkt.

Um 1800 war die Landschaft der Mittelgebirge außer dem Siegerland und Teile des Bergischen Landes (regulierte Haubergwirtschaft) als Folge der Überweidung und Übernutzung der Wälder ohne die erforderlichen Aufforstungen sehr waldarm, und es fehlten die deutlich markierten Übergänge zwischen Wald-, Busch- und Offenland. Diese Übergänge entstanden erst seit ca. 1850 mit den staatlich geförderten Aufforstungen. Auch in den großen Sandgebieten des westlichen Münsterlandes und des Niederrheins waren durch die Allmendenutzung große Heideflächen entstanden. Außerdem gab es dort Moore, in denen seit dem 16. Jahrhundert Torf gestochen wurde. Durch Torfgewinnung und Entwässerung der Moore sind heute nur wenige Moore erhalten geblieben. Neue Landwirtschaftsflächen entstanden mit den Rodungen und Kultivierungen von Moor-, Heide- und Waldflächen nach den gesetzlichen Allmendeteilungen von 1821 im 19. und 20. Jahrhundert. Hierdurch sind extensiv genutzte Heide- und Moorflächen (mit Ausnahme des Sennegebietes und der Wahner Heide) bis auf einige Restflächen, verschwunden.

Intensive Änderungen seit 1850
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich durch die aufeinander folgenden technischen Innovationen und die damit zusammenhängenden Wirtschaftsformen, Standortbedingungen, Dienstleistungsangeboten, Mobilität, Kommunikation und staatlich gelenkte Planung Auswirkungen auf die Kulturlandschaftsgestaltung ergeben. Die Jahre zwischen 1840 und 1900 wurden durch die Konsequenzen der preußischen Politik und die aus den 1821 gesetzlich ermöglichten Gemeinheitsteilungen hervorgegangenen Kultivierungen und Aufforstungen geprägt. Mit den Gemeinheitsteilungen setzte eine Individualisierung anstatt der gemeinsamen Allmende- und Weidenutzungen und eine Modernisierung der Landwirtschaft ein, bei der vor allem die seit 1885 durchgeführten Zusammenlegungen Auswirkungen mit neuen rasterförmigen Wirtschaftswegenetzen und einer neuen Flurparzellierung auf die Kulturlandschaft hatten. Die Dreifelderwirtschaft wurde aufgrund verbesserter Düngungsmittel seit 1860 in eine Fruchtfolgewirtschaft umgewandelt. Außerdem wurde die Kultivierung von Heideflächen möglich. Mit den gemeinschaftlichen genossenschaftlichen Organisationsverbänden wurden seit ca. 1880 die ersten Produktionsstätten (Molkereien), Kreditanstalten und Warenlager (F.W. Raiffeisen) gegründet.

In den Mittelgebirgsregionen mit ihren teilweise stark devastierten Waldflächen und Erosionen erfolgte seit ca. 1850 eine vom preußischen Staat geförderte Aufforstung. Diese Aufforstungen hingen mit einer staatlichen und wirtschaftlich orientierten modernen Forstwirtschaft und -verwaltung zusammen, von der z.B. die sogenannten rechteckigen Jagen in vielen Wäldern und vor allem Staatswäldern zeugen, die das alte Waldwegegefüge teilweise überlagerten.

Mit dem Rückgang der Bedeutung der verheideten Flächen für die Landwirtschaft und mit dem gleichzeitigen Aufkommen des modernen Bergbaus im Ruhrgebiet und Aachener Raum gewann das Nadelholz als Bau- und Grubenholz stark an Bedeutung. Mit dem Zusammenbruch des Buchenbrennholzmarktes um die Jahrhundertwende wurden bis in die 1960er und teilweise in die 1970er Jahre Laubholz- in Nadelholzflächen umgewandelt. Eine andere Waldbewirtschaftung stellte die Aufforstung an wärmebegünstigten Hängen mit Eichen zur Gewinnung der Lohrinde dar, die vorwiegend im Niederwaldbetrieb bewirtschaftet wurde, allerdings bereits um 1920 wieder wegen mangelnder Rentablilität eingestellt wurde. Nur im Siegerland und in Teilen des Bergischen Landes hat sich der Zustand des Waldes aufgrund der straff organisierten Haubergwirtschaft nicht verändert. Durch diesen Umgang mit dem Wald entstanden die heute noch deutlich sichtbaren Übergänge zwischen Wald- und Offenland. Bei den Aufforstungen lag der Schwerpunkt lange Zeit auf Nadelhölzern, so dass der Anteil der Nadelforsten an der gesamten Bestockungsfläche auf über 55% anstieg.

Die Industrialisierung als kulturlandschaftliche Revolution
Seit 1820 führten erste Mechanisierungsansätze der Produktion zu einer Verlagerung von traditionellen kleinen gewerblichen Produktionsstätten (Hausgewerbe) zur maschinellen Großproduktion in Fabriken. In den gut erschlossenen Regionen an Rhein und Ruhr setzte um 1880 eine Industrialisierung ein, die wiederum allerdings zu Industrieverlagerungen älterer Betriebe aus dem Mittelgebirgsraum führten.

Die größeren Städte wuchsen aufgrund der Eisenbahnerschließung, der Industrialisierung und der damit verbundenen Unterbringung von Industriearbeitern besonders im Ruhrgebiet und entlang des Rheins über ihre befestigten Altstadtbereiche hinaus, zunächst entlang den Ausfallwegen und später kamen die größeren flächigen Neubaugebiete (Arbeiterwohnquartiere, erste Werkssiedlungen und gründerzeitliche Viertel) hinzu. Außerdem entstanden um die großen Städte Gürtel von Landwirtschaftsbetrieben, die sich nahe der Absatzmärkte auf den intensiven Gemüseanbau und die Milchproduktion spezialisierten.

Den Zeitraum 1900-1950 prägen die weitere industrielle Expansion und der Infrastrukturausbau mit steigendem Energie- und Rohstoffbedarf sowie zunehmende Umweltprobleme. Die Industrialisierung griff auf die benachbarten ländlich geprägten Regionen mit guten Anschlüssen ans Verkehrsnetz über. Danach folgten wirtschaftlich bedingte Umstrukturierungen in den alten Industriegebieten. Die Industrialisierung sowie Expandierung und Verlagerung des Bergbaus war mit der Erweiterung der Städte (Werks- und Bergbausiedlungen), Neustädte und neuen Siedlungen im angrenzenden ländlichen Raum verbunden. Die Konturen der Ballungsräume an Rhein und Ruhr, um Aachen und bei Bielefeld wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich sichtbar.

Im ländlichen Raum machten sich besonders die Auswirkungen der strukturverbesserenden Maßnahmen (Flurbereinigungen, Meliorationen, Entwässerungen, Gewässerbegradigungen und Erschließungen) sowie großflächige Kultivierungen und Aufforstungen bemerkbar. Hierdurch sind um 1950 bereits die meisten Heideflächen verschwunden. Auch die Landwirtschaft setzte zunehmend schweres technisches Gerät ein, wodurch im Rahmen vieler Zusammenlegungen die Parzellen an den technischen Standard angepaßt wurden. Außerdem wurden zahlreiche genossenschaftliche Einrichtungen wie Molkereien, Warenlager und Vermarktungszentren errichtet.

Die Auswirkungen des aufkommenden Autoverkehrs führten zu autogerechten Verkehrsstraßen und den ersten Autobahnen in den 1930er Jahren. Für den Luftverkehr wurden die ersten Flughäfen und -plätze gebaut.

Staatliche Regulierung
Der zunehmende regulierende Staatseinfluss in Form von Raumordnung, Planung, Landesverteidigung und der auf Erhaltung und Schutz orientierte Naturschutz und die Denkmalpflege bestimmen zunehmend die Kulturlandschaftsentwicklung. Hier sei auf die Auswirkungen der entsprechenden Gesetze in der Landschaft hinzuweisen. Durch die Siedlungsgesetzgebung mit dem Reichssiedlungs- (1919) und Reichsheimstättengesetz (1920) entstanden ebenfalls im ländlichen Raum neue Landarbeitersiedlungen (Kolonien) und auf Eigenversorgung orientierte Siedlerstellen bei den Städten und größere Ortschaften.

Die naturräumlich vorgegebene Verteilung in Land- und Wasserflächen wurde aufgrund der modernen Technik im 20. Jahrhundert insbesondere im Mittelgebirgsraum Bergisches Land, Sauerland und Eifel mit der Entstehung von 73 Talsperren verändert. Hierzu wurden ganze Täler entsiedelt und in Stauseen umgewandelt. Auch im Ruhrgebiet mussten aufgrund der Bergschäden mit dem Absinken der Böden ganze Areale künstlich entwässert werden und in Flussauen mit Baggerseen, verändert werden. Weitere neue Elemente sind Kanäle und Entwässerungssysteme. Der Kulturlandschaftswandel nimmt nach 1950 aufgrund weiterer technischer und kommunikativer Entwicklungen immer dynamischere Züge an, die immer weniger im Einklang mit den vorausgehenden Entwicklungen stand. Hierdurch haben sich das Erscheinungsbild der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaften und insbesondere die Ballungsräume an Rhein und Ruhr erheblich verändert. Diese Entwicklungen führten auch zu unterschiedlichen Verteilungsmustern (Siedlungs- und Bevölkerungsdichte), Landnutzungsformen und damit verbundenen Landnutzungs-, Transport- und Kommunikationssystemen.

Beschleunigung der kulturlandschaftlichen Veränderungen nach 1950
Nordrhein-Westfalen entwickelte sich zu einem der hochproduktivsten Industrie- und Energiezentren der Bundesrepublik Deutschland und Europas, was zu einem tiefgreifenden Wandel führte. Die Überwindung der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre erforderte eingreifenden Abbau der Schwerindustrie und des Bergbaus. Die steigenden Anforderungen und Bedürfnisse der modernen Industrie- und Wohlstandsgesellschaft mit zunehmender Mobilisierung, Technisierung und Freizeitansprüchen führten zu veränderten Verhaltensweisen für die Freizeitgestaltung (Sport- und Naherholungseinrichtungen). Die Entwicklung des Gesundheitswesens verursachte zahlreiche neue Krankenhäuser, Spezialkliniken und Kureinrichtungen.

Diese Entwicklungen führten im Bundesland mit der höchsten Bevölkerungsdichte zu einer nachhaltigen Reduzierung der landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Sie wird von Expansion der Industrie, Infrastruktur, Ressourcengewinnung (vor allem Braunkohlen und Kies) mit flächigen Erweiterungen der Städte und Dörfer mit zunehmend uniform gestalteten Neubauformen mit Versiegelung geprägt. Hierdurch werden die regionalen Unterschiede durch die Anwendung von regionsunabhängigen Materialien der unterschiedlichen Kulturlandschaftsräume in Nordrhein-Westfalen vereinheitlicht. Im Zuge dieser Veränderungen hat man weiterhin zahlreiche Gewässer begradigt, in besiedelten Bereiche verrohrt und von ihren natürlichen Überschwemmungsflächen abgeschnitten. Die weitere Modernisierung der Landwirtschaft als größter Landschaftsnutzer, die von einer starken Rationalisierung (Personalabbau) begleitet wurde, schritt weiter voran und führte zu weiteren eingreifenden Flächenzusammenlegungen mit für Großmaschinen optimierten Flächeneinheiten. Viele in der maschinengerechten Feldflur als störend empfundene kleine Kulturlandschaftselemente (Wälle, Heckenreihen, Terrassenränder, Baumgruppen usw.) sind dadurch verschwunden.

Ohne die Dynamik der Kulturlandschaftsentwicklung mit ihren heute noch erhaltenen Punkt- und Linienelementen aus der Zeit vor 1800 zu unterschätzen, haben großflächig insbesondere die dynamischen Entwicklungen und der Veränderungsgrad nach 1850 zu den heutigen unterschiedlich geprägten Kulturlandschaftstypen in Nordrhein-Westfalen geführt:

  • industriell geprägte Kulturlandschaften wie das Ruhrgebiet, die ursprünglich land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt wurden,
  • von Bergbau geprägte Kulturlandschaften (Ruhr- und Aachener Revier, Rheinisches Braunkohlengebiet),
  • von Wald dominierte Kulturlandschaften in den Mittelgebirgen, die nach 1850 zunehmend in einen Misch- bzw. Nadelwald übergegangen sind,
  • agrarisch geprägte Kulturlandschaften (rheinische und westfälische Börden),
  • dicht besiedelte (städtisch geprägte) Kulturlandschaften (Ballungsräumen an Rhein und Ruhr, Bielefeld-Minden, Aachen).

Die historisch gewachsenen Kulturlandschaften sind durch die Umgestaltungen und damit Auswirkungen auf das Landschaftsbild insbesondere durch die Veränderungen innerhalb der vorhandenen dominanten Funktionen (z.B. Landwirtschaft) oder durch Funktionswandel (z.B. von der Landwirtschaft zur Industrie) stark verändert worden. Beispiele hierfür sind:

  • der Wandel des Ruhrgebietes von einem Agrar- und Waldgebiet in einem von Bergbau, Industrie, Verkehr, Dienstleistung und Wohnen geprägten Ballungsraum,
  • die großflächigen Ödlandkultivierungen und -aufforstungen der extensiv genutzten Heide- und Moorflächen sowie,
  • die großflächigen neuen hauptsächlich von Fichten dominierten Aufforstungen der degradierten Waldflächen in den Mittelgebirgsregionen.

Beispiele für aktuelle Prozesse sind die Umstrukturierungen (Abbau) in der Schwerindustrie, zunehmende Industriebrachen, die Nordwanderung des Bergbaus, Zechenstilllegungen und Umwandlung zugunsten des Dienstleistungssektors sowie agrare Flächenstilllegungen.

Für die Landesentwicklungsplanung Nordrhein-Westfalen wurde die Landesfläche in 32 eigenständige Kulturlandschaften untergliedert.

(Klaus-Dieter Kleefeld, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)

Nach: LWL / LVR: Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen

Internet
Kulturlandschaften in NRW (Abgerufen: 29.05.2018)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). Münster, Köln.

Kulturlandschaftsgenese Nordrhein-Westfalens

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„Kulturlandschaftsgenese Nordrhein-Westfalens”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-290282 (Abgerufen: 17. September 2019)
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