Bunker des Zweiten Weltkriegs

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
  • Decke des gesprengten Bunkers in Zülpich-Langendorf (2013)

    Decke des gesprengten Bunkers in Zülpich-Langendorf (2013)

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  • Hochbunker an der Ecke Friedrich-Alfred-Straße / Atroper Straße in Duisburg-Rheinhausen (2015).

    Hochbunker an der Ecke Friedrich-Alfred-Straße / Atroper Straße in Duisburg-Rheinhausen (2015).

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  • Ansicht des Leitbunkers der Krupp'schen Nachtscheinanlage (2013).

    Ansicht des Leitbunkers der Krupp'schen Nachtscheinanlage (2013).

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Noch heute sind vor allem in den deutschen Städten vielfach noch Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs vorhanden. Zu unterscheiden sind dabei Hochbunker und unterirdische Tiefbunker. Gerade die Hochbunker wurden und werden in vielfältiger Weise umgenutzt.
Hochbunker von unterschiedlichster Größe und Fassungsvermögen wurden insbesondere in Städten errichtet, weil damit die unterirdischen Leitungsnetze (Kanalisation, Elektrokabel etc.) nicht beeinträchtigt wurden. Tiefbunker wurden vermehrt außerhalb der Städte gebaut oder in den Städten dort, wo oberirdisch zu wenig Platz zur Verfügung stand, zum Beispiel unter größeren städtischen (Markt)Plätzen.

Historie
Beeinflusst durch die Erfahrungen mit dem Einsatz von Gas als Kriegswaffe im Ersten Weltkrieg wurden in den 1920er Jahren Überlegungen zur Kriegsführung im Allgemeinen und zum Luftkrieg im Besonderen angestellt. Ein italienischer General entwickelte in diesem Zusammenhang eine Militärstrategie, die neben anderen Punkten die Erringung der Luftherrschaft als kriegsentscheidend ansah und in der die moralische Zermürbung der Zivilbevölkerung durch Bombenangriffe als machbar und wichtig erachtet wurde (www.pibv.de).
Nach 1933 forcierten die Nationalsozialisten die bis dato wenigen Luftschutzmaßnahmen im Deutschen Reich. Die Luftschutzorganisation wurde per Gesetz seit 1935 geregelt. Damit einher ging die Einstufung deutscher Städte je nach angenommener Gefährdung in Luftschutzorte I. bis III. Ordnung. Im Oktober 1940 wurde, nach den ersten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg, in einem „Luftschutz-Führerprogramm“ angeordnet, dass in Berlin und 82 weiteren Städten des Reichsgebiets öffentliche Bunker als Schutz vor Bomben zu errichten sind (Foedrowitz 2002, S. 21). Gleichermaßen entstanden private Bunkerbauten, so zum Beispiel der Reichsbahn, von Industriebetrieben, Krankenhäusern etc.. Es folgten mehrere Erlasse zur Regelung der technischen und baulichen Ausführung. Die Finanzierung der Bunkerbauten erfolgte durch das Reich, die Gestaltung und Bauausführung oblag den Städten. Grundstücke konnten im Bedarfsfall für den Bunkerbau enteignet werden. Da im Verlauf des Zweiten Weltkriegs die Zeiträume zwischen der Warnung vor einem Luftangriff und den ersten Bombenabwürfen immer kürzer wurden und sich die Angriffswellen mehrten, verlegten viele Menschen ihren Aufenthaltsort dauerhaft in die Bunker.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten die Bunker nach Beschluss der Alliierten entfestigt, d.h. unbrauchbar gemacht werden. Sie wurden in den ersten Nachkriegsjahren oftmals zu Notunterkünften für Ausgebombte und Flüchtlinge. Durch das Einsprengen von Fensteröffnungen gelangte Licht in das Innere und gleichzeitig wurde die Entfestigungsvorschrift erfüllt. Viele Bunker wurden jedoch nicht entfestigt oder beseitigt, was in der Regel ihrer massiven Betonbauweise mit nicht selten 2 Meter dicken Wänden geschuldet war.
Ab 1957 wurden vor dem Hintergrund des beginnenden Ost-West-Konflikts (Kalter Krieg) Weltkriegsbunker erneut für den Zivilschutz ertüchtigt, ihre Beseitigung wurde verboten.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in den 1990er Jahren und mit der sich entspannenden Sicherheitslage in Europa wurden erste Luftschutzbunker aus der sogenannten Zivilschutzbindung entlassen. 2007 schließlich wurde das bundesweit flächendeckende Luftschutzraumkonzept aufgegeben. Gründe dafür waren die veränderte innereuropäische Sicherheitslage sowie die Tatsache, dass die Bunker des Zweiten Weltkriegs modernen Kriegswaffen keinen ausreichenden Widerstand mehr bieten würden. Seither stehen zunehmend Bunker aus dem Bestand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zum Verkauf. Obwohl gerade die Hochbunker durch ihre Lage inmitten der Vorkriegswohngebiete durchaus interessante Objekte für Architekten und Stadtplaner darstellen, nimmt die Gesamtzahl der Bunker ab, denn in letzter Zeit ist es mit modernen Abrissmethoden möglich, sie mit vertretbarem Kosten- und Arbeitsaufwand zu sprengen.

heutiger Zustand
Die genaue Anzahl der tatsächlich jemals gebauten Weltkriegsbunker ist nicht bekannt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Rheinland durch die Industriegebiete und die Lage in Reichweite alliierter Bomber die höchste „Bunkerdichte“ im „Dritten Reich“ aufwies. Die meisten dieser zeugen des Luftkriegs warten noch auf ihre wissenschaftliche Dokumentation und Einordnung, was auch damit zusammenhängt, dass der heutige Umgang mit diesen Hinterlassenschaften eines sehr dunklen Kapitels deutscher Geschichte ebenso schwierig ist wie mit allen Zeugen einer „dark history“. Diesbezüglich besteht interdisziplinär Einigkeit (in der Geographie z.B.: Soyez 2002, 2009). Ungeachtet dessen gehören auch unbequeme Zeugen wie die Weltkriegsbunker wertneutral zum Landschaftlichen Kulturellen Erbe.

(Martina Gelhar, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit / Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2015/2017)

Internet
www.pibv.de: Guilio Douhet im Personenlexikon Internationale Beziehungen virtuell (abgerufen 13.09.2017, Inhalt nicht mehr verfügbar 15.02.2018)
www.ulrich-menzel.de: Guilio Douhet im Personenlexikon Internationale Beziehungen virtuell (abgerufen 15.02.2018)

Literatur

Douhet, Guilio (1935)
Luftherrschaft. S. 181f.. o. O.
Foedrowitz, Michael (2002)
Luftschutzbunker in der Kriegszeit. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 22, H. 1, S. 16-22. S. 21, o. O.
Soyez, Dietrich (2009)
Europeanizing industrial heritage in Europe. Addressing its transboundary and dark sides. In: Geographische Zeitschrift Band 97 Heft 1, S. 43-55. o. O.
Soyez, Dietrich (2002)
Kulturlandschaftspflege: Wessen Kultur? Welche Landschaft? Was für eine Pflege? In: Petermanns Geographische Mitteilungen 147, H. 2, S. 30-39. o. O.

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„Bunker des Zweiten Weltkriegs”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-241525 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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