Bunkermuseum in Oberhausen

Knappenbunker, heute Teil des Bürgerzentrums „Alte Heid“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 28′ 38,32″ N: 6° 52′ 57,9″ O / 51,47731°N: 6,88275°O
Koordinate UTM 32.352.970,48 m: 5.705.031,80 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.561.371,66 m: 5.705.118,34 m
  • Hochbunker in Oberhausen, heute Bürgerzentrum und Bunkermuseum Oberhausen (2010)

    Hochbunker in Oberhausen, heute Bürgerzentrum und Bunkermuseum Oberhausen (2010)

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Im Oberhausener Stadtteil Knappenviertel befindet sich in einem ausrangierten Hochbunker das einzige Bunkermuseum des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Nachdem die Stadt das Weltkriegsbauwerk 1999 erworben hatte, konnte das Museum im Jahr 2001 eröffnet werden.

Der historische Hintergrund und das Gebäude
Aufgrund seiner ausgeprägten industriellen Strukturen stand das Ruhrgebiet und somit auch Oberhausen während des Zweiten Weltkriegs im Fokus alliierter Bomberangriffe. Vor diesem Hintergrund wurde die Stadt Oberhausen – so wie sechzig weitere Städte des Reiches – zum „Luftschutzort I. Ordnung“ erklärt. Bereits wenige Wochen nach dem Start des sogenannten „Führer-Sofortprogrammes“, wurde 1940 der Hochbunker im Knappenviertel in der Straße Alte Heid zum Schutz der Zivilbevölkerung realisiert.

Bei dem Hochbunker handelt es sich um einen Stahlbetonbau auf polygonalem Grundriss von 50 Metern Länge bei 20 Metern Breite. Auf seinen drei Stockwerken (ein Untergeschoss, ein Erd- und ein Obergeschoss) und somit 1.500 Quadratmetern fanden bis zu 2.000 Schutzsuchende Platz. Unterteilt waren die einzelnen Stockwerke in eine Vielzahl kleinerer Zellen. Auf diese Weise wurde zum einen die Stabilität des Gebäudes erhöht, zum anderen den Menschen ein Mindestmaß an Privatsphäre ermöglicht.

Vom Bunker zum Museum
Den Krieg überstand der Hochbunker mit nur geringen Schäden, so dass er unmittelbar nach Kriegsende kurzweilig aufgrund des knappen Wohnraumes als Notunterkunft bewohnt wurde. Nachdem die letzten Bewohner ausgezogen waren, diente der Bau, dessen Innenraumtemperatur im Laufe des Jahres relativ konstant blieb, der Zucht von Champions. Ab 1967 blieb das Gebäude dann ungenutzt und wurde der Bundesfinanzverwaltung in Obhut gegeben.

Im Jahr 1999 erwarb die Stadt Oberhausen den ehemaligen Luftschutzbau und führte einige Umbauarbeiten durch, damit das Gebäude seiner neuen Funktion als Bürgerzentrum gerecht werden konnte.
Die auffälligsten baulichen Erweiterungen bilden die roten Auskragungen der Aufbauten, die an beiden Seiten der vorderen Gebäudeseite sowohl zum Gebäudevorplatz, als auch zur Seite hervorspringen. Zur Frontseite hin dienen je zwei hellgrüne Stützen der zusätzlichen Stabilisierung. Ebenfalls ermöglichen die Aufbauten Raum für eine Dachterrasse und umschließen in ihrer Mitte einen hellgrünen hochrechteckigen Anbau mit schmalen rechteckigen Fenstern, der vom Erdgeschoss bis zur Traufhöhe des Aufbaus reicht. Versehen ist dieser Anbau mit einem Schrägdach, das den erhöht liegenden und durch vier Stufen zu erreichenden Eingangsbereich des Bürgerzentrums überdacht.
Da der Hochbunker mitsamt seiner Innenausstattung den Krieg in einem guten Erhaltungszustand überdauert hat, bot es sich an, diesen historischen Schauplatz in seiner ursprünglichen Funktion als Luftschutzbunker innerhalb des Bürgerzentrums zu integrieren und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Eingang zum Bunkermuseum befindet sich links vom Haupteingang innerhalb einer Flügeltüre unmittelbar an der Gebäudekante. Diese Tür führt den Besucher eine Treppe hinab in den Ausstellungsraum, der im Untergeschoss liegt.

Das Bunkermuseum Oberhausen wurde am 23. Juni 2001 als Teil des „Bürgerzentrums Alte Heid“ im Untergeschoss des ehemaligen Bunkers eröffnet. Der museale Raum bietet Platz für verschiedene künstlerische Interpretationen und Sichtweisen zum Thema Bunker und Bombenkrieg.
Im Jahr 2011 wurde im Rahmen der Zehnjahresfeier die Dauerausstellung HeimatFront - Vom „Blitzkrieg“ in Europa zum Luftkrieg an der Ruhr eröffnet. Neben dem musealen Bereich beherbergt das Bürgerzentrum Cafés und Vereinsräume für sozial und kulturell ausgerichtete Initiativen.

Das Bauwerk und die museale Präsentation
Da der Bunker noch über 15 der kleinteiligen Raumzellen verfügt, wird für den Betrachter die ursprüngliche Raumstruktur erlebbar. Darüber hinaus sind verschiedene Bestandteile des Bunkers noch vorhanden und vermitteln somit das authentische Bild eines Hochbunkers des Zweiten Weltkrieges.
Erhalten geblieben sind: die ehemaligen Sanitäranlagen, das noch vorhandene Luftfiltersystem im Maschinenraum sowie die ursprüngliche Elektrotechnik der 1940er Jahre, um nur einige der Sachquellen zu nennen, die die Zeit überdauert haben und nun davon zeugen, wie ein solcher Hochbunker funktionierte. Ebenfalls original und an verschiedenen Stellen vorhanden, sind die Beschriftungen der Wände und Maschinen. An der Gasschleuse am Eingangsbereich wird beispielsweise die genaue Raumgröße mit 18,50 Kubikmeter Raum und 9,25 Quadratmeter Fläche beziffert. Auch die Färbung und Befliesung der Wände und Böden entstammen noch der Zeit der Entstehung.
Darüber hinaus wird das Erlebbare durch eine Vielzahl von Informationstafeln ergänzt, die eine Kontextualisierung der Themen Luftkrieg über Europa und Verbrechen der Nationalsozialisten im Allgemeinen sowie der besonderen Gewichtung auf die Lebensumstände der Menschen des Ruhrgebietes fördern.

(Florian Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.bunkermuseum-oberhausen.de: Bunkermuseum Oberhausen (abgerufen 17.09.2018)
www.waz.de: Oberhausener Bunkermuseum im neuen Ruhrgebiets-Reiseführer vertreten (WAZ vom 20.10.2013, abgerufen 17.09.2018)

Literatur

Fischer, Bruno (2009)
Ruhrgebiet 1933 - 1945. der historische Reiseführer. o. O.
Kaule, Martin (2017)
Faszination Bunker. steinerne Zeugnisse der europäischen Geschichte. o. O.

Bunkermuseum in Oberhausen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Heid 13
Ort
46047 Oberhausen - Knappenviertel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1940 bis 1941, Ende 2015 bis 2016

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„Bunkermuseum in Oberhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-277929 (Abgerufen: 23. Juli 2019)
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