Stadtteil Köln-Lindenthal

Stadtteil 303 im Kölner Stadtbezirk 3 Lindenthal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Blick auf eine Brücke über den Clarenbachkanal, auch Lindenthaler Kanal bzw. Kanäle, in Köln-Lindenthal (2016).

    Blick auf eine Brücke über den Clarenbachkanal, auch Lindenthaler Kanal bzw. Kanäle, in Köln-Lindenthal (2016).

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  • Das Gräberfeld auf dem jüdischen Friedhof in Deckstein, Köln-Lindenthal, im Morgennebel (2013)

    Das Gräberfeld auf dem jüdischen Friedhof in Deckstein, Köln-Lindenthal, im Morgennebel (2013)

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Der Stadtteil Lindenthal gehört zum gleichnamigen Kölner Stadtbezirk 3. Hier leben heute rund 30.500 Menschen auf einer Fläche von 7,73 Quadratkilometern. (30.481 Stand 31. Dez. 2017 nach www.stadt-koeln.de, de.wikipedia.org nennt 30.276 Einwohner zum 31.12.2015). Der Erholungsflächenanteil liegt mit 38% verglichen mit den meisten anderen Stadtteilen Kölns recht hoch (www.stadt-koeln.de). Der Stadtteil Köln-Lindenthal ist vollständig von anderen Kölner Stadtteilen umgeben: im Nordosten von Altstadt-Süd, im Norden von Braunsfeld, im Nordwesten von Müngersdorf, im Süden von Sülz und im Westen von Junkersdorf.

Die Herkunft des Ortsnamens
Der Ortsname Lindenthal lässt sich zum einen auf den Namen des Dorfes Lind und zum anderen auf das Tal zurückführen, das durch den Flusslauf eines ehemaligen Rheinarmes gebildet wurde. Dabei spielt der Begriff Lind nicht wie anzunehmen auf einen Lindenbaum an, sondern ist gleichbedeutend mit „Acker“.
Die Frage, ob der Lindenbaumbestand an der Dürener Straße bei der Ortsbenennung ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte, wurde in der Forschung bislang ohne Ergebnis diskutiert.

Siedlungsgeschichte
Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurde auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils gesiedelt. So lassen sich sowohl Spuren einer der ältesten nachweisbaren Befestigungsmauern nachweisen, als auch Reste der Bandkeramischen Kultur (Ende 5. Jahrtausend v. Chr. bis Ende viertes Jahrtausend v. Chr.). Anhand dieser Spuren können Rückschlüsse auf zwei feste Siedlungsstandorte und bäuerliche Lebensweisen geschlossen werden. Typisch für diese Kultur waren nach neuesten Erkenntnissen vier bis acht Häuser je Siedlung, mit bis zu 40 Personen je Haus.
Zwischen der Bachemerstraße und der Dürener Straße (im Bereich der heutigen Bahnlinie 7) wurden Reste der bislang größten Siedlung aus dieser Epoche entdeckt. Für einen Zeitraum von einem halben Jahrtausend lassen sich an dieser Stelle die Grundmauern von 100 Häusern auf einer Fläche von annähernd 3 Hektar Ausmaß nachweisen. (buergerverein-koeln-muengersdorf.de und Reinhardt 2017, S. 24).

Zur Zeit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit war das Gebiet des heutigen Stadtteils Lindenthal der Herrschaft Kriel zugeordnet, die neben dem Stüttgenhof und dem Sitz der Kölner Antoniter, Hof Tönnishäuschen (ab dem Jahr 1815/16 unter dem Namen Lindenburg zu finden), auch den Decksteiner Hof (erstmals 1316 erwähnt) zu ihren Häusern zählte.
Im Jahr 1669 wurde die Kitschburg (in älteren Karten auch Kilschburg genannt) erstmalig erwähnt. Sie diente im 18. Jahrhundert dem Regenten des Kölner Priesterseminars als Landsitz (www.stadt-koeln.de und Groten u.a. 2006, S. 600).
Bis in die 1850er Jahre hatte sich an der dünnen Besiedlungsdichte der Region nichts geändert, wie der Tranchot-Karte 1801-1828 (siehe Kartenansicht unter „historische Karten“) zu entnehmen ist. Auch die Preußische Uraufnahme 1836-1850 stellt dar, dass die Weiler Deckstein, Kriel, Lindenburg und Lind auf dem Gebiet des Stadtteils Lindenthal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die einzigen Siedlungsräume darstellten. Die Kitschburg befand sich nordöstlich von Lind im unteren Ende eines bewaldeten und sumpfigen Gebietes, das als Linder Broich bezeichnet wird und dessen Verlauf in der Tranchotkarte 1801-1828 sowie auch in der Preußischen Uraufnahme 1836-1850 gut zu erkennen ist. Letztere stellt oberhalb der Kitschburg als Bestandteil des Linder Broichs drei kleinere Seen dar, deren Lage jedoch nicht mehr dem heutigen Kahnweiher entsprechen. Im Norden des Stadtteils befindet sich der Friedhof Melaten.

Wie man sich genau die Besiedlung derartiger Höfe, Weiler und Dörfer vorzustellen hat, wird anhand der Einwohnerzahlen ersichtlich: Lind verfügte im Jahr 1831 über 125 Einwohner und 17 Feuerstellen. Kriel über 19 Einwohner und drei Feuerstellen und Deckstein über 27 Einwohner und zwei Feuerstellen, um die drei größten Siedlungen des Gebietes zu nennen (de.wikipedia.org).
Bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierte die Landwirtschaft die Region, erst dann entstanden Ziegeleien und Sand- und Kiesgruben wurden erschlossen. Anhand der Preußischen Neuaufnahme 1891-1912 lässt sich im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert eine zunehmende Besiedlung um die bereits vorhandenen Siedlungsräume festmachen. Zwischen Kriel und Kitschburg im Südwesten und Melaten im Norden entstand ein Ballungsraum in Richtung der Kölner Innenstadt, während Lind weiterhin exponiert erschien. Kriel war wegen seiner frühromanischen Saalkirche St. Stephan, im Volksmund „Krieler Dömchen“ genannt (erste Bauphase im 10. Jahrhundert n. Chr.), schon im Mittelalter für die Region wichtig – gehörten die umliegenden Weiler und Höfe doch zur Pfarrei Kriel, die seit dem 1223 mit Pfarrrechten ausgestattet war. Auf dem Grundstück dieser Kirche lässt sich der älteste Friedhof Lindenthals verorten. Kriel gehörte wie auch die übrigen Höfe und Dörfer dem Amte Hülchrath an, das im Jahr 1322 an Kurköln übergegangen war. Während der Franzosenzeit wurden Kriel und die umliegenden Gehöfte und Siedlungen 1802 der Mairie (Bürgermeisterei) Efferen zugeteilt (de.wikipedia.org und Groten u.a. 2006, S. 600).

Vom Dorf zum Stadtteil
Die bereits erwähnte sprunghafte Siedlungsentwicklung des Gebietes des heutigen Stadtteils Köln-Lindenthal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt sich auch dadurch erklären, dass dieses Gebiet bis zum Jahre 1888 nicht der Stadt Köln zugehörig war, sondern von der Bürgermeisterei Efferen verwaltet wurde. Die Nähe dieses ländlichen Gebietes zum Kölner Stadtgebiet weckte selbstverständlich Begehrlichkeiten seitens der Kölner Bürgerschaft und Stadtverwaltung und so überrascht es nicht, dass Kölner Bürger, hier besonders hervorzuheben die Bürger Fühling und Thelen, ab 1843 die Angliederung an das Kölner Stadtgebiet gezielt vorantrieben. Sie erwarben zwischen den alten Siedlungen Kriel, Lind und Lindenburg Grundstücke und verkauften diese günstig an Kölner Bürger weiter. Die Gründung des Ortes Lindenthal fand im Jahr 1846 statt, wobei die innerhalb dieses Prozesses erschlossenen Grundstücke nahe der Dürener Straße, gelegen zwischen Falkenburgstraße, Theresienstraße und Bachemerstraße, für die Besiedelung immer wichtiger wurden.
In der Tat fruchtete diese gezielte Ansiedlung und die Ortschaft Lindenthal wurde zu einem beliebten Wohngebiet, in das 1862 sogar das Bürgermeistereiamt von Efferen zog. Der ursprüngliche Name Lind ging dabei lediglich als Bestandteil in den Ortsnamen ein.
Trotz der Nähe zur Dürener Straße stellte der tägliche Weg in die Stadt für viele Einwohner Lindenthals ein Problem dar, dem ab den 1870er Jahren mithilfe von privat betriebenen Pferdebahnen beizukommen versucht wurde (de.wikipedia.org und Groten u.a. 2006, S. 601).

Die Verhandlungen zwischen Efferen und Köln über die Eingemeindung Lindenthals in das Kölner Stadtgebiet ebneten den Weg für die zum 1. April 1888 erfolgte Eingemeindung Lindenthals zum Stadtteil von Köln, die neben Kriel auch die Orte Deckstein, Linderhöhe, Lind, Lindenburg, Weyertal und den Friedhof Melaten umfasste (de.wikipedia.org und Wilhelm 2008, S. 295f.). Im Jahr 1975 wurde der Name des Stadtteils Lindenthal auf den gesamten Kölner Stadtbezirk 3 übertragen.

Interessantes in Lindenthal
In Lindenthal wurde im Jahr 1934 das erste Gebäude des neuen Universitätsstandorts am Albertus-Magnus-Platz errichtet. Dieses dient auch heute noch als Hauptgebäude der Universität zu Köln und wurde in der Nachkriegszeit durch weitere Gebäude ergänzt. Wie die Preußische Neuaufnahme 1891-1912 zeigt, wurde ab dem Jahre 1855 auf dem Grundstück des Tönnishäuschens (spätere Hofburg Lindenburg) eine „Kranken-Heil- und Irren-Verpflegungs-Anstalt“ eingerichtet, die ein Vorläufer der heutigen Universitätskliniken ist (Wilhelm 2008, S. 295 und Groten u.a. 2006, S. 601).

(Florian Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.stadt-koeln.de: Lindenthal (abgerufen 06.06.2018)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteilinformationen. Einwohnerzahlen 2017 (PDF-Datei; 1,80 MB, Stand 31.12.2017, abgerufen 06.06.2018)
buergerverein-koeln-muengersdorf.de: Als wir Kölner sesshaft wurden (abgerufen 06.06.2018)
de.wikipedia.org: Lindenthal (Köln) (abgerufen 06.06.2018)
de.wikipedia.org: Krieler Dömchen (abgerufen 06.06.2018)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 597-598, Stuttgart.
Reinhardt, Winfried (2017)
Geschichte des Kölner Verkehrs. 3000 Jahre Mobilität im Rheinland. Wiesbaden.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 125, Köln.

Stadtteil Köln-Lindenthal

Schlagwörter
Ort
50858 Köln - Lindenthal
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1888
Koordinate WGS84
50° 55′ 16,92″ N, 6° 54′ 23,07″ O / 50.92137°, 6.90641°
Koordinate UTM
32U 352852.07 5643168.02
Koordinate Gauss/Krüger
2563778.26 5643290.39

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„Stadtteil Köln-Lindenthal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-280075 (Abgerufen: 23. Juli 2018)
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