Herrlichkeit Kriel

Herrschaft Kriel, später Landgemeinde Kriel, „Crele“, „Kreyll“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Hürth, Köln
Kreis(e): Köln, Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 11,41″ N: 6° 54′ 22,85″ O 50,91984°N: 6,90635°O
Koordinate UTM 32.352.842,86 m: 5.642.997,97 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.563.775,97 m: 5.643.120,07 m
  • Ausschnitt eines Kupferstichs von Joan Blaeu (1596-1673), die auf 1663 datierte Karte "Descriptio Agri Civitatis Coloniensis" zeigt die Umgebung von Köln.

    Ausschnitt eines Kupferstichs von Joan Blaeu (1596-1673), die auf 1663 datierte Karte "Descriptio Agri Civitatis Coloniensis" zeigt die Umgebung von Köln.

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    Blaeu, Joan / Rheinisches Bildarchiv (gemeinfrei)
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    Joan Blaeu
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  • Blick auf die Südseite des Krieler Dömchens in Köln-Lindenthal (2020).

    Blick auf die Südseite des Krieler Dömchens in Köln-Lindenthal (2020).

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    Katharina Grünwald/Landschaftsverband Rheinland, CC-BY
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    Katharina Grünwald
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  • Ausschnitt aus der "Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789, Blatt IV, Köln" (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius, 1894): das Gebiet rund um Köln mit der Amtseinteilung.

    Ausschnitt aus der "Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789, Blatt IV, Köln" (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius, 1894): das Gebiet rund um Köln mit der Amtseinteilung.

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    Fabricius, Wilhelm / gemeinfrei
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    Wilhelm Fabricius
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Die Herrlichkeit Kriel (auch Herrschaft Kriel) bestand wohl bereits während des frühen Mittelalters. Der zentrale Ort, der kleine Weiler Kriel, wurde 1888 in die Stadt Köln eingemeindet. Das ehemalige Gebiet der Herrlichkeit umfasste im Wesentlichen den heutigen Stadtteil Lindenthal sowie Teile von Braunsfeld im Norden und von Sülz im Süden.

Geschichte der Siedlung und der Herrschaft
Von der Franzosenzeit bis zur Eingemeindung 1888
Kriel auf historischen Karten
Quelle, Internet, Literatur

Geschichte der Siedlung und der Herrschaft
Urkundlich wird ein Crele erstmals im Jahr 1155 mit einem Hof und zwei Mühlen im Besitz des Kölner Stifts St. Gereon erwähnt, zu dessen Grundherrschaft und Großpfarrsprengel der zentrale Ort des Pfarrsprengels Kriel gehörte (Fabricius 1898 u. Groten u.a. 2006). Da das Gereonstift wohl bereits in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. begründet worden war, wird angenommen, dass die Siedlung Kriel schon vor dem Jahr 650 bestanden habe (Wilhelm 2008).
Die im Volksmund „Krieler Dömchen“ genannte Kirche (Alt-) St. Stephan, die wohl bereits auf die karolingische Zeit um 900 datiert werden kann, war zunächst Eigenkirche des Krieler Hofs und wurde 1223/24 als Mittelpunkt der Grundherrschaft von Sankt Gereon mit Pfarrrechten ausgestattet. Zu der Pfarrei und dem Kirchspiel Kriel gehörten die umliegenden Weiler und Höfe, die sich allmählich zu kleineren Siedlungen weiterentwickelten, darunter:

  • der namensgebende Hof Kriel,
  • der Decksteiner Hof des Kölner Dominikanerinnenklosters St. Gertrud (1316 erwähnt),
  • das Hofgut Tönnishäuschen der Kölner Antoniter (seit 1815/16 als Lindenburg bezeichnet),
  • der wohl bereits Ende des 13. Jahrhunderts bestehende Stüttgenhof (zum Stuytgen, zom Stuitgin), der 1485 ebenfalls zum Stift Sankt Gereon kam und von diesem zum lehensabhängigen Rittergut erklärt wurde,
  • die im Jahr 1669 mit den ihr zugehörigen Gehöften und Ländereien in Steuerlisten geführte und 1715 in den Besitz des Kölner Priesterseminars gelangte Kitschburg (auch Kilschburg genannt, nordöstlich von Lind im damals bewaldeten und sumpfigen Gebiet des Linder Broich),
  • mehrere Gehöfte, die später den Ort Lind bildeten (darunter zwei, die 1863 zum landtagsfähigen Rittergut Hohenlind erhoben wurden),
  • ferner werden noch der Platzhof, der Palanterhof, der Mönchshof und der Kleijohanshof genannt.

Landesherrlich gehörte Kriel zum Kurkölnischen Amt Hülchrath, das zwischen 1314 und 1331 aus der Grafschaft Hülchrath an das Kölner Erzstift übergegangen war (Janssen 2008, S. 32).

Die kleinen Siedlungen Kriel, Lind und Deckstein finden sich in Wilhelm Fabricius' Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789 (Blatt IV. Köln) im Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz eingezeichnet.
In den zugehörigen Erläuterungen wird die Herrlichkeit Kriel als Teil der Erbvogtei Köln im Amt Hülchrath und Erprath des Niederen Erzstifts des Kurfürstentums Köln angeführt, zu ihr gehören „Kriel, Deckstein, Kitschburg, Lind, Marsdorferhof (Köln-Stadt)“. Die Gemarkungsfläche der kleinen Herrschaft wird in der Summe mit „ca. 875“ Hektar angegeben, für das Jahr 1670 werden hier gerade einmal 10 Häuser gezählt (Fabricius 1898, S. 73-77, Nr. 347).
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Von der Franzosenzeit bis zur Eingemeindung 1888
Während der Zeit der französischen Besetzung (1794-1814/15) wurden Kriel und die umliegenden Gehöfte und Siedlungen 1802 der Mairie (Bürgermeisterei) Efferen zugeteilt. Nachfolgend wurde Kriel eine Landgemeinde der Bürgermeisterei Efferen im 1816 neu begründeten Landkreis Köln in der preußischen Rheinprovinz.

In der Aufstellung der Bürgermeistereien des Landkreises Köln vom 20. April 1816 werden die damals zur Gemeinde Kriel mit insgesamt 157 Einwohnern gehörenden Ortschaften und Wohnplätze genannt: Kriel (mit 18 Bewohnern), Deckstein (14), Kitschburg (6), Lind (110) und Lindenburg (9) (Kisky u.a. 1966, S. 11).
Noch im Jahr 1831 werden für Kriel in der Bürgermeisterei Efferen insgesamt gerade einmal 192 Einwohner an 26 Feuerstellen gezählt, die sich wie folgt verteilen (nach Klug 1961):

  • Kriel, Hofanlage mit Pfarrhaus und Küsterei, 19 Einwohner an 3 Feuerstellen,
  • Deckstein, Hofanlage mit Wassermühle, 27 Einwohner an 2 Feuerstellen,
  • Kitschburg, Landhaus, 11 Einwohner an 2 Feuerstellen,
  • Lind, Weiler mit Wassermühle, 125 Einwohner an 17 Feuerstellen,
  • Lindenburg, Landhaus und Hofanlage, 10 Einwohner an 2 Feuerstellen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine sprunghafte Siedlungsentwicklung in dem Gebiet rund um Kriel ein. Daraus resultierte u.a. die Gründung der Wohnkolonie Lindenthal im Jahr 1846. Bereits 1862/64 zog das Bürgermeistereiamt von Efferen in die Falkenburg (heutige Ecke Krieler Straße / Falkenburgstraße) in dem neuen Ort Lindenthal um.

Die letzte Volkszählung vor der Eingemeindung wies im Jahr 1885 für die gesamte Gemeinde Kriel 6.649 Einwohner und 632 Wohngebäude aus, von denen auf den Ort Kriel selbst seinerzeit nur noch 126 Einwohner in 11 Wohngebäuden entfielen. Der große Teil der übrigen Bewohner und Wohngebäude verteilte sich wie folgt: Lindenthal 2.758 (311 Wohngebäude), Sülz 2.495 (180), Braunsfeld 643 (67), Lind 356 (49), Lindenburg 206 (6), Deckstein 37 (3), Neuenhof 19 (2), Kitschburg 5 (2) sowie Falkenburg mit 4 Einwohnern in einem Wohngebäude (Zahlen nach Gemeindelexikon 1888, S. 124).

Im Zuge der „Zweiten Grenzveränderung der ersten Eingemeindungsaktion zugunsten der Stadt Köln“ wurde die Landgemeinde Kriel mit den ihr zugehörigen Siedlungen zum 1. April 1888 nach Köln eingemeindet. Der neue Stadtteil erhielt seinen Namen nach dem inzwischen zentralen Ort Lindenthal (Kisky 1966, S. 20-21 und Wilhelm 2008).
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Kriel auf historischen Karten
In der auf 1663 datierten Karte Descriptio Agri Civitatis Coloniensis der Umgebung von Köln von Joan Blaeu (1596-1673) findet sich das Örtchen Kriel als Kreyll zwischen der Kleinsiedlung Lyngd (Lind) und S. Antonius Weyer eingezeichnet (vgl. Abb.).
Auf den historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) findet sich die nur knapp einen Hektar Fläche einnehmende Siedlung Kriel südöstlich des deutlich größeren Orts Lind eingezeichnet, in der unmittelbaren Umgebung liegen die Güter Mönchhof, Deckstein mit der Pletschmühle, das Kivitenhoffgen und weiter westlich der hier als Hurtger hoff (Hürtgener Hof) bezeichnete Stüttgenhof als einzige Siedlungsräume.
Ähnlich zeigt sich das Bild noch in der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme, nun mit einem Neue Hof im Bereich des heutigen Sülz sowie bereits zwei als „Zgl.“ ausgewiesenen Ziegeleien.
Die Blätter der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) zeigen dann jedoch bereits deutlich die weitere Siedlungsentwicklung in Richtung des nun erkennbar dominanten Lindenthal mit dem dortigen Krankenhaus und der „Irren-Anstalt Lindenburg“.
In den topographischen Karten TK 1936-1945 finden sich Kriel und auch Lind dann nur noch als unbedeutende Siedlungsteile zwischen dem Kölner Grüngürtel und den gewachsenen Stadtteilen Lindenthal und Sülz (vgl. Kartenansichten).

Die hier eingezeichnete Flächengeometrie der einstigen Herrschaft / Herrlichkeit Kriel folgt unter allem Vorbehalt zur kartographischen Darstellung mittelalterlicher Territorien (vgl. Janssen 2008, S. 5-11 und v.a. ders. 2010) der Darstellung der vorab genannten Karte für das Jahr 1789 in Wilhelm Fabricius' Geschichtlichem Atlas der Rheinprovinz (vgl. Abb.).
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Letzte Spuren der dörflichen Ansiedlung Kriel und seiner einst zumindest für das Umland bedeutsamen gleichnamigen „Herrlichkeit“ finden sich neben der volkstümlichen Benennung des eingangs genannten Krieler „Dömchens“ noch in der Bezeichnung des heutigen Stadtviertels als „Krieler Veedel“ und im Namen der Krieler Straße, die Köln-Lindenthal in Nord-Süd-Richtung quert.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2023)

Quelle
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderen amtlichen Quellen. Band XII, Provinz Rheinland. Bearbeitet und herausgegeben vom Königlichen Statistischen Bureau, Berlin 1888 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek online unter www.digitale-sammlungen.de, abgerufen 08.05.2023).

Internet
www.stadt-koeln.de: Lindenthal (abgerufen 04.05.2023)
de.wikipedia.org: Kriel (Gemeinde) (abgerufen 04.05.2023)
de.wikipedia.org: Lindenthal (Köln) (abgerufen 04.05.2023)
de.wikipedia.org: Krieler Dömchen (abgerufen 04.05.2023)
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Literatur

Adenauer, Konrad; Gröbe, Volker (2004)
Lindenthal, die Entwicklung eines Kölner Vororts. Köln (3. überarbeitete Auflage der Erstausgabe 1987).
Fabricius, Wilhelm (1898)
Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. (2 Bände, Nachdruck 1965). S. 77 u. 101, Bonn.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. (HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273.) S. 583 u. 600-601, Stuttgart (3. völlig neu bearbeitete Auflage).
Janssen, Wilhelm (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Kurköln. Rheinisches Erzstift. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V. 14-15.) Köln.
Janssen, WIlhelm (2010)
Landesherrschaft und Territorium - Punkte, Linien und Flächen. Zu den Problemen territorialer Entwicklungskarten. In: Der Geschichtliche Atlas der Rheinlande. Vorträge gehalten auf der Veranstaltung zum Abschluss des Atlasprojekts am 5. Dezember 2008 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Vorträge 35), S. 33-47. Düsseldorf.
Kisky, Hans; Köllen, Johann; Steimel, Robert (1966)
Siegel und Wappen, Burgen und Schlösser im Landkreis Köln. Festschrift zum 150jährigen Bestehen am 16. April 1966. Köln-Zollstock.
Klug, Clemens / Heimatverein Hürth (Hrsg.) (1961)
Hürth - wie es war, wie es wurde. Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon. S. 285-286, Köln (2. Auflage).

Herrlichkeit Kriel

Schlagwörter
Ort
50931 Köln - Lindenthal, Braunsfeld, Sülz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1155, Ende 1888

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Empfohlene Zitierweise
„Herrlichkeit Kriel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345361 (Abgerufen: 29. Mai 2024)
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