Residenzlandschaft des Kurfürstentums Köln

Die kurfürstliche Prägung des Köln-Bonner Raumes um die Regierungszeit von Clemens August

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
  • Schloss Augustusburg in Brühl mit dem Schlosspark im Vordergrund (2015)

    Schloss Augustusburg in Brühl mit dem Schlosspark im Vordergrund (2015)

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    Haupthaus der Schallenburg (2014)

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  • Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach (2018)

    Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach (2018)

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  • Der Kottenforst bei Bonn - eine StoryMap

    Der Kottenforst bei Bonn - eine StoryMap

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  • Poppelsdorfer Schloss in Bonn (2019)

    Poppelsdorfer Schloss in Bonn (2019)

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  • Die Abtei auf dem Michaelsberg unter einem strahlend blauem Himmel und einem Regenbogen (2010).

    Die Abtei auf dem Michaelsberg unter einem strahlend blauem Himmel und einem Regenbogen (2010).

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    Lindenallee bei Schloss Falkenlust (2014)

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  • Außenansicht des Jagdschlosses Falkenlust in Brühl (2015)

    Außenansicht des Jagdschlosses Falkenlust in Brühl (2015)

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  • Historische Ansicht des Jagdschlosses Herzogsfreude

    Historische Ansicht des Jagdschlosses Herzogsfreude

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  • Landschaft als Kulisse - Renier Roidkins Blick auf das Siebengebirge - Eine StoryMap

    Landschaft als Kulisse - Renier Roidkins Blick auf das Siebengebirge - Eine StoryMap

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    Rheindorfer Burg / Ehem. Dominikanerkloster (2018)

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  • Jägerhäuschen im Kottenforst (2020)

    Jägerhäuschen im Kottenforst (2020)

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  • Außenansicht der Heiligen Stiege in Bonn (2012)

    Außenansicht der Heiligen Stiege in Bonn (2012)

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Diese Objektgruppe zeigt Objekte, die die Epoche des Kurfürstentums Köln schwerpunktmäßig zur Zeit der Wittelsbacher Herrschaft (1583-1761) im Landschaftsbild widerspiegeln. Bis heute sind die Einzelobjekte, aber auch ihre funktionalen Zusammenhänge innerhalb einer Residenzlandschaft im Köln-Bonner-Raum nachvollziehbar und ablesbar.

Die kurfürstliche Prägung des Köln-Bonner Raumes um die Regierungszeit von Clemens August
Die Residenzhauptstädte – Kristallisationspunkte der Macht
Die Jagdgebiete
Alleen und Straßen als Mittel der Landschaftsgestaltung
Funktionale Verflechtungen und Blickbezüge in die Umgebung
Internet, Quelle, Literatur

Die kurfürstliche Prägung des Köln-Bonner Raumes um die Regierungszeit von Clemens August
Im Köln-Bonner Raum hielten sich die Kurfürsten gegen Ende des Mittelalters bevorzugt auf, was sich bis heute in den Bauten und Infrastrukturen dieser Zeitstellung widerspiegelt. In besonderem Maße stechen dabei die Bautätigkeiten der Erzbischöfe Joseph Clemens von Bayern und Clemens August von Bayern hervor. Vor allem Clemens August plante, ganz im Sinne des damaligen absolutistischen Anspruches, die Rheinebene zwischen Köln, Bonn und Brühl mit der Anlage von Schlössern, Alleen und Jagdgebieten, mit kurfürstlicher Macht und Ordnung zu durchdringen und auf seine Herrschaft zu beziehen.
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Die Residenzhauptstädte – Kristallisationspunkte der Macht
Zur wesentlichen Infrastruktur einer Residenzlandschaft zählten die Residenzhauptstadt mit dem Residenzschloss sowie im Radius von maximal einer Tagesreise zu Pferd oder Kutsche entfernt weitere Amtssitze, Lustschlösser und Jagdgebiete. Eine besondere Entwicklung nahm die Geschichte des Territoriums des Kurfürstentums Köln auf: Bis zur Schlacht von Worringen war Köln mit dem Dom als Kathedrale des Erzbistums auch Residenzstadt der Kölner Kurfürsten. Ab 1288 durfte der Erzbischof die Stadt jedoch nur noch zur Ausübung religiöser Aufgaben betreten. Eine neue Residenzstadt musste her, da Köln ab 1288 praktisch und ab 1475 offiziell ernannt Freie Reichsstadt war!

Bereits im 7. Jahrhundert gelangten im heutigen Brühler Raum zwei fränkische Königsgüter in Pingsdorf und Kierberg (damals Merreche genannt) als Schenkung in den Besitz der Kölner Erzbischöfe. Zu diesen gehörte auch ein Jagdhof, denn die Umgebung Brühls zählte bereits sehr früh zu den erzbischöflichen Jagdgebieten. 1180 ließ Erzbischof Philipp von Heinsberg (1161-1167; Wikipedia: Philipp I. von Heinsberg) an der Stelle des Jagdhofes, in der Nähe des heutigen Marktplatzes von Brühl, durch Zusammenlegung beider Königsgüter, einen Burghof errichten. Neben diesem baute Erzbischof Siegfried von Westerburg ab 1284 eine Landesburg und ließ gleichzeitig das Dorf Brühl befestigen. Als zusätzliches Bollwerk gegen die Kölner veranlasste er eine planmäßige Erweiterung und separate Befestigung (mit Mauer, Wall und Graben) der sich westlich entwickelnden bäuerlichen Siedlung „am Brule“ als Vorburg (Grote et al. 2006, S. 193). Am 27.04.1285 verlieh er Brühl das Recht, sich „oppidum“ zu nennen, verbunden mit der Pflicht, dem Kurfürsten im Kampfesfall beizustehen (Koppe 1972, S. 155). Aufgrund seiner politischen Bedeutung und Funktion siedelten sich immer mehr Menschen aus der Umgebung in der befestigten Stadt an, die ab 1288 mit Siegfrieds Niederlage in der Schlacht von Worringen zum Hauptaufenthaltsort der aus Köln verdrängten Kurfürsten wurde (Kobbe 1972, S. 156 und 168). Zwischen 1469 und 1597 war Brühl sogar Landeshauptstadt von Kurköln; danach blieb es Sommerresidenz der Kurfürsten und Erzbischöfe (Sonntag 1976, S. 13). In den Jahren 1530 und 1585 im Truchsessischen Krieg sowie 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg erlitt Brühl schwere Beschädigungen. Ab 1725 ließ Kurfürst Clemens August auf den Ruinen der Wasserburg losgelöst von der Stadt die prachtvolle Barockresidenz Schloss Augustusburg, das Jagdschloss Falkenlust mit Kapelle und entsprechenden Parkanlagen errichten. Die nahegelegene Rheinebene mit Haus Entenfang sowie der Villewald und der Kottenforst boten hervorragende Jagdmöglichkeiten.

Auch Bonn entwickelte sich nach der Schlacht von Worringen neben Brühl, der Godesburg und Poppelsdorf zum Ausweich-Wohnsitz der Kölner Kurfürsten. Im Jahre 1597 ernannte der damalige Koadjutor und spätere Kurfürst Ferdinand von Bayern (Amtszeit 1612-1650) (von der Dollen 1978, S. 41) Bonn schließlich zur offiziellen Hauptstadt des Kurfürstentums. Insbesondere Joseph Clemens nutzte nach seiner Rückkehr aus französischem Exil 1715 die Gelegenheit zur barocken Ausgestaltung Bonns und ließ auf der zerstörten Festung das barocke Residenzschloss errichten. Er erneuerte auch das Poppelsdorfer Schloss auf der mittelalterlichen Burganlage und veranlasste viele weitere Baumaßnahmen, die im Artikel „Kurfürstliches Bonn“ und weiteren damit verknüpften Einträgen beschrieben sind.
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Die Jagdgebiete
Neben den Residenzstädten und Schlössern spielten die Jagdgebiete bei Clemens August eine wesentliche Rolle. Das Freizeitvergnügen „Jagd“ war sicherlich bei vielen Kurfürsten beliebt, jedoch wird Clemens August in der Literatur als außerordentlich leidenschaftlicher Jäger beschrieben, dessen Passion auch in dem Neubau von Jagdschlössern und in der Erschließung und Herrichtung von Jagdgebieten zum Ausdruck kommt.
Im Brühler Raum baute er in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schloss Augustusburg, verbunden über eine Allee, das Jagdschloss Falkenlust, da von hier aus besonders gut die Jagd mit Falken auf Reiher ausgeübt und beobachtet werden konnte. Der Kottenforst wurde mit einem Jagdstern, einem aufwendig zu installierendem System aus Bahnen und Alleen zur Erleichterung der Jagd, ausgestattet, in dessen Zentrum er das Jagdschloss Herzogsfreude errichten ließ. In der Jagdkapelle Sankt Venantius beteten Clemens August und seine erlesene Jagdgesellschaft um Gottes Gunst für die Jagd; zahlreiche barocke Wegekreuze im Kottenforst sind Zeugnisse der Andacht in funktionalem Zusammenhang mit der Jagd. Die Dützhöfe (Oberer Dützhof und Unterer Dützhof) am Ende der „Breiten Allee“ dienten wohl zeitweise auch der Unterbringung der Jagdgesellschaft. Auch der Villewald wurde mit einem System aus Jagdschneisen versehen (Hocker & Wessel 1999, S. 239f). Haus Entenfang mit Teichanlagen, Gästehaus und Hof in Wesseling diente der Jagd auf Wasservögel.
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Alleen und Straßen als Mittel der Landschaftsgestaltung
Das Streben nach und die Demonstration von Macht spitzten sich in der Überformung der Landschaft des Köln-Bonner Raumes mit der Erschließung durch Straßen zu: Die einzelnen Schlossbauten als Kristallisationspunkte von Macht sollten aufeinander bezogen und durch ein System von Alleen miteinander verbunden werden. Diese hatten nicht nur eine Verbindungsfunktion im Sinne von Verkehr, sondern der Herrschaftsbereich wurde auf diese Weise für jeden sichtbar und jederzeit erweiterbar von den absolutistischen Ordnungsvorstellungen des Landesherrn durchdrungen (Denk 1989, S. 108). Die entsprechenden damaligen wichtigen Straßenverbindungen von Bonn nach Köln und Koblenz wurden so entweder geradlinig trassiert oder gar neu geplant und gebaut. Weitere prominente Beispiele sind die Poppelsdorfer Allee, die Meckenheimer Allee sowie die Kreuzbergallee zum Servitenkloster und der Wallfahrtskapelle mit der Heiligen Stiege auf dem Kreuzberg. Das Wege- und Alleensystem dominiert darüber hinaus „seit der kurfürstlichen Zeit die Siedlungsentwicklung im Bonner Raum und sind bis heute wichtige Erschließungsträger geblieben“ (Denk 1989, S. 103).

Clemens August plante auch ab 1753 eine Verbindung zwischen den beiden Lustschlössern in Poppelsdorf und Brühl auf der Mittelterrassenkante parallel zum Rhein, welche jedoch über die Nußallee in Bonn sowie die Allee im Brühler Schlosspark hinaus nicht umgesetzt wurde (Denk 1989, S. 104). Nahe dieser Trasse, „westlich am Rand der Ville lag Schloss Rösberg, wohl 1727-1731 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun für den kurkölnischen Obrist-Jägermeister (von Weichs) erbaut. Wenn auch die Planungen nicht realisiert wurden, so belegen sie doch das Selbstverständnis im Umgang mit dem Landschaftsraum“ (Janßen-Schnabel 2009, S. 206-207). Um 1770 wurde eine Straße zwischen Schloss Miel, wo der kölnische Minister Caspar Anton Reichsgraf von Belderbusch wohnte, und Bonn gebaut (Grewe 2000, S. 6).

Auch Joseph Clemens beherrschte die Inszenierung von Landschaft bei der Anlage der Bonner Schlösser: Das Bonner Residenzschloss ist so positioniert, dass sich ein Panoramablick über den Hofgarten, die Vinea Domini, das Siebengebirge mit Drachenfels und die Godesburg sowie das Poppelsdorfer Schloss eröffnet (Denk 1989, S. 106). Zudem sollte beim Ausbau des ursprünglich mit Linden bestandenen Fußweges zur Poppelsdorfer Allee in der Straßenmitte nach Joseph Clemens Plänen ein Kanal angelegt werden. Dies scheiterte sowohl an den topographischen Gegebenheiten als auch aus finanziellen Gründen. Clemens August stellte schließlich 1755 die ursprünglich 1 Kilometer lange Verbindung als Doppelallee fertig (Denk 1989, S. 104), deren Bepflanzung mit Kastanienbäumen einem bestimmten Farbkonzept für die Kastanienblüte entsprach (Wikipedia: Poppelsdorfer Allee).
Gerade die Verbindung der beiden Bonner Schlösser über die Poppelsdorfer Allee ist als Beispiel für das „Händchen“ für bzw. das Verständnis des Kurfürsten von ästhetischer Landschaftsgestaltung zu werten. Die Schlösser sind zum einen symmetrisch aufeinander ausgerichtet, zum anderen schilderte Joseph Clemens seinem Architekten per Brief, „da das Poppelsdorfer Schloß etwa 20 Fuß höher liege als die Residenz, habe es in etwa die Höhe des ersten Stockwerks, der etage noble, in Bonn. Deshalb könne man von Bonn aus, wie eine “enfilade„, eine Raumabfolge im Schloß, den Verlauf des geplanten Kanals und an dessen Ende das Poppelsdorfer Schloß sehen. Dahinter seien der Kreuzberg und die Kirche des Heiligen Kreuzes, das Servitenkloster zu erblicken. (…) Dieser Blick, den der reine Zufall schenkt, ist so schön, und ich wage zu sagen, so wertvoll, daß man ihn unter allen Umständen erhalten muss“ (Denk 1989, S. 105).

Unter Kurfürst Maximilian Franz von Österreich (Amtszeit 1784-1801) wurden die Baumschulallee und die Endenicher Allee realisiert, um ihm eine kurze Verbindung zwischen Poppelsdorfer Schloss und dem Baumschulwäldchen zu ermöglichen (von der Dollen 1978, S. 119).
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Funktionale Verflechtungen und Blickbezüge in die Umgebung
Der erzbischöfliche bzw. kurfürstliche Hof war für die in der fruchtbaren Rheinebene benachbart umliegenden Höfe, Adelssitze und Klöster von wirtschaftlichem Vorteil und Bedeutung. Während einige aus mittelalterlichen Vorgängern hervorgingen, kamen andere erst im Laufe des 18./19. Jahrhunderts hinzu (Janßen-Schnabel 2009, S. 203f). Inhaltlich funktionale Zusammenhänge weisen in unmittelbarer Nähe zu Schloss Augustusburg und Falkenlust folgende Herrensitze, Burgen und Hofanlagen auf: Palmersdorfer Hof (Schenkung des Erzbischofs an die Schwesten von St. Cäcilien in Köln im 10. Jahrhundert) und der Falkenluster Hof (1840er Jahre zur Bewirtschaftung der Falkenluster Ländereien). Weitere feste Plätze in unmittelbarer Umgebung sind und waren die Godorfer Burg, die Schallenburg und der Strauchshof in Schwadorf, der Dickopshof, die Kitzburg sowie das ehemalige Kloster in Walberberg und die Rheindorfer Burg (Janßen-Schnabel 2009, S. 205).

Beim Bau von Schloss Augustusburg bewusst gesetzte Blickbezüge zu bedeutenden Festpunkten in der Umgebung des Schlosses inszenierte der Maler Renier Roidkin um 1732 in seinen Skizzen. So bildete er beispielsweise „Schloss Augustusburg und Falkenlust zusammen mit der Silhouette der Stadt Köln, dem einstigen Sitz des Erzbischofs, ab“ (Janßen-Schnabel 2009, S. 207). Weitere optische Bezüge sah er zu Schloss Bensberg, zur Benediktinerabtei St. Michael, zum Siebengebirge mit der Drachenfels, zur Godesburg sowie zur Kitzburg in Walberberg am Hang des Vorgebirges (Janßen-Schnabel 2009, S. 207). „Roidkin positioniert auf diese Weise Augustusburg in den Mittelpunkt eines gebündelten Herrschaftsgefüges, das über seine Grenzen den topographischen Raum ertastet. Augustusburg beherrscht durch die strahlenförmigen Bezüge wie eine Sonne den Landschaftsraum“ (Janßen-Schnabel 2008, S. 15).

Von hoher Bedeutung war die Sichtachse, die vom Gartenparterre über die Hauptallee durch die Gartenanlage und den Waldpark von Augustusburg in Richtung Poppelsdorf ausgerichtet und deren gestalterischer Blickpunkt (point de vue) die Schallenburg in Schwadorf war (Hansmann & Knopp 1986, S. 64; Naumann 1978, S. 3). „In der konzipierten Gestaltung des Landschaftsraumes zwischen Bonn, Poppelsdorf und Brühl bilden sich Weltbild, Herrschaftsbewusstsein und Machtverständnis von Clemens August ab. Weiträumige Planungen banden das Schloss über die Landschaft hinweg in ein räumliches Netz von baulichen Anlagen ein, setzten Brühl durch geplante Verbindungen über Wasser und Land in Bezug zur unmittelbaren Umgebung und weiträumig zu den Schlössern in Bonn und zum Kottenforst (…)“ (Janßen-Schnabel 2009, S. 206).
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(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2020)

Internet
de.wikipedia.org: Philipp I. von Heinsberg (abgerufen am 27.10.2020)
de.wikipedia.org: Kurköln (abgerufen am 27.10.2020)
de.wikipedia.org: Poppelsdorfer Allee (abgerufen am 27.10.2020)
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Quelle
Janßen-Schnabel, Elke (2008): Weltkulturerbe „Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl“. Gutachten zur Festlegung einer Sorgfaltsfläche. Unveröffentlichtes Manuskript.

Literatur

Denk, Andreas (1989)
Soweit der Blick reicht. Zur Baukultur der Kurfürsten Josef Clemens und Clemens August. In: Matzerath, Josef (Hrsg.): Bonn. 54 Kapitel Stadtgeschichte, S. 99-110. Bonn.
Grewe, Klaus (2000)
Der historische Straßenübergang bei Swistal-Lützermiel. (Rheinische Kunststätten, Heft 451.) Neuss.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Hansmann, Wilfried; Knopp, Gisbert / Bayerische Vereinsbank, Zentralbereich Öffentlichkeitsarbeit und Volkswirtschaft (Hrsg.) (1986)
Clemens August. der letzte Wittelsbacher als Kurfürst und Bauherr am Rhein. München.
Hocker, Rolf; Wessel, Wolfgang / Zehnder, Frank Günter; Schäfke, Werner (Hrsg.) (1999)
Die Jagd in Kurköln zur Zeit von Clemens August. (Eine Gesellschaft zwischen Tradition und Wandel. Alltag und Umwelt im Rheinland des 18. Jahrhunderts. In: Der Riss im Himmel: Clemens August und seine Epoche Band 3.) S. 227-246. Köln.
Janßen-Schnabel, Elke (2009)
Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl. Untersuchung des Ausstrahlungsbereiches. (Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege Bd. 40/41.) S. 201-219. o. O.
Kobbe, Bernd O. (1972)
Kurkölnische Stadtgründungen im 13. und 14. Jahrhundert. Untersuchung der Planmässigkeit des Gründungsvorganges. Aachen.
Naumann, Gerhard; Kuhn, Michael (1978)
Die Waldteile der Brühler Schloßparke. (Rheinische Landschaften, Heft 1.) Neuss (2. erw. Auflage).
Sonntag, Jakob (1976)
Brühl. Geschichte und Geschichten. Brühl.
von der Dollen, Busso (1978)
Vorortbildung und Residenzfunktion. Eine Studie zu den vorindustriellen Stadt-Umland-Beziehungen. Dargestellt am Beispiel Bonn-Poppelsdorf. (Veröffentlichungen des Stadtarchives Bonn, Band 20.) Bonn.

Residenzlandschaft des Kurfürstentums Köln

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Nicole Schmitz, „Residenzlandschaft des Kurfürstentums Köln”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-324067 (Abgerufen: 29. Mai 2022)
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