Brühler Schlossgarten

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Brühl (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Schloss Augustusburg in Brühl, rückseitige Ansicht des Hauptgebäudes von der Schloßstraße aus (2015)

    Schloss Augustusburg in Brühl, rückseitige Ansicht des Hauptgebäudes von der Schloßstraße aus (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-NC-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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  • Die 1888 eingeweihte Christuskirche in Brühl, die wohl älteste evangelische Kirche zwischen Köln und Bonn (Ansicht vom Schlosspark aus, 2015)

    Die 1888 eingeweihte Christuskirche in Brühl, die wohl älteste evangelische Kirche zwischen Köln und Bonn (Ansicht vom Schlosspark aus, 2015)

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Der Brühler Schlossgarten als Symbiose aus Schloss- und Volksgarten
Nach dem Besuch Königs Friedrich Wilhelm IV. in der Rheinprovinz 1842 gestaltete der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1789-1866) den Garten von Schloss Augustusburg zu einem englischen Landschaftsgarten um. Mit einer Symbiose aus Schloss- und Volksgarten sollte die Akzeptanz der preußischen Krone in der Rheinprovinz steigen.

Der Brühler Schlossgarten zur Zeit der Kurfürsten
An dem Ort des heutigen Brühler Schlosses befand sich zuvor eine kurkölnische Landesburg, die im 18. Jahrhundert zu einer Ruine verkommen war. Der Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August ließ an ihrer Stelle das Schloss ab 1725 errichten. Die Planung der Gartenanlage erfolgte ab 1728 vom bayerischen Hofkünstler Dominique Girard unter den strengen Vorgaben der französischen Gartenkunst (schlossbruehl.de). Dieser plante, die Gartenanlagen von Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust (ein in der Nähe befindliches, von 1729 - 1740 errichtetes Gebäude zur damals beliebten Falkenjagd) zu verbinden und so eine große Gesamtanlage zu schaffen. Große Teile des Gartens sollten im Süden von Schloss Augustusburg entstehen. Die Achse vom Hauptportal des Schlosses zeigt in Richtung der Stadt Brühl, so dass hier nicht genügend Fläche vorhanden war, um entlang dieser Achse den Schwerpunkt der Gartenanlage zu realisieren, wie es zur damaligen Zeit üblich war.
Die Entwicklung des Gartens nach dem Tod von Clemens August 1761 bis zum Ende des Kurfürstentums 1794, als die Franzosen die Herrschaft im Rheinland übernahmen, ist nur spärlich dokumentiert. Ein erhaltenes Schriftstück spricht von einer „umfassenden Neuanlage des Brühler Hofgartens“ (Löhmann, 2000).

Der Brühler Schlossgarten in der „Franzosenzeit“
Während der sogenannten Franzosenzeit verschlechterte sich der Zustand der Gartenanlage. Zwar stellte die französische Verwaltung finanzielle Mittel für die Unterhaltung der Gartenanlage zur Verfügung, doch dabei handelte es sich in Zeiten von Krieg und Eroberung unter Napoleon aber nur um vergleichsweise geringe Beträge. Die Situation verbesserte sich erst, als die 4. Kohorte der Ehrenlegion im Jahre 1803 das Schloss in Besitz nahm. Der als Pflanzenliebhaber bekannte Kanzler der Kohorte erhöhte die Zahlungen zur Unterhaltung der Anlage erheblich und ließ neue Pläne für eine vollständige Restauration des Gartens erarbeiten (Löhmann, 2010). Trotz dieser Maßnahmen galt die „Franzosenzeit“ in den späteren Jahren als Zeit des Verfalls im Hinblick auf die Gartenanlage. Denn nach dem Auszug der französischen Ehrenlegion im Jahre 1809 ging der Garten in Privatbesitz über und die Zahlungen zur Unterhaltung der Anlage wurden wieder eingestellt.

Der Brühler Schlossgarten unter den Preußen bis 1842
Im Jahre 1815 wurde das Rheinland dem Königreich Preußen auf dem Wiener Kongress zugeteilt. Der neue Herr über Schloss und Garten war nun der preußische König Friedrich Wilhelm III. Dieser zeigte wenig Interesse an seinem neuen Besitz, da nun mit den territorialen Zugewinnen am Rhein eine beträchtliche Anzahl an Burgen und Schlössern in seinem Königreich lag. Die Verwaltung der Anlagen übertrug er den jeweiligen Provinzialregierungen. Da die zuständige Provinzialregierung in Köln aus verschiedenen Gründen jedoch keine Verwendung für das Schloss fand, herrschte über Jahrzehnte eine Ungewissheit über die weitere Zukunft des Schlosses. Zwar wurde das Haupthaus des Schlosses mit verschiedenen Zuwendungen vor dem Verfall bewahrt, jedoch wurden auch Teile der Bestände aus der Orangerie und des botanischen Gartens an die neu gegründete Friedrich-Wilhelms-Universität und ihren botanischen Garten nach Bonn überführt. Als Fazit dieser Zeit bleibt festzuhalten, dass der Garten erhalten blieb und durchaus auch besucht wurde, er konnte aber wie schon unter den Franzosen nicht mehr als prachtvoller Lustgarten wie zu kurfürstlichen Zeiten gelten.

Das Verhältnis von Rheinländern und Preußen und der Schlossgarten zu Brühl
Das Verhältnis zwischen den Rheinländern und ihren neuen preußischen Herren gestaltete sich zu Beginn schwierig. Die Preußen waren nicht mit der Absicht zum Wiener Kongress gereist, Gebietzuwächse am Rhein zu verzeichnen. Sie erhielten das Territorium von den anderen europäischen Mächten zugeteilt, um eine erneute Expansion Frankreichs mit Preußen als starkem Gegenspieler im Westen zu verhindern. Die Zuteilung zum protestantischen Preußen muss den katholischen Rheinländern daher in gewisser Weise willkürlich vorgekommen sein. Zudem waren sie geprägt durch die zwanzigjährige Herrschaft der Franzosen am Rhein, ein liberaler Geist hatte sich in vielen Schichten ausgebreitet. Der strenge, militaristisch geprägte Verwaltungsstaat aus dem Osten war ihnen fremd.
Der Nachfolger von Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV., bemühte sich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Krone und Provinz. Ein besonderes Zeichen hierfür war seine Teilnahme an der Grundsteinlegung des Kölner Doms, zu der er 1842 aufgebrochen war. Gleich nach den Feierlichkeiten besuchte der König mit seiner Gattin Brühl und bezog vom 4. bis zum 13. September die Räumlichkeiten des Schlosses. Bei seinen künftigen Reisen in die Rheinprovinz nahm der König fortan in Brühl regelmäßig Quartier, so dass die vorher eher provinziell geprägte Anlage zu einem Königssitz von herausgehobener Bedeutung im Rheinland wurde (Löhmann, 2000). Friedrich Wilhelm IV. beauftragte daraufhin den in Bonn geborenen Peter Joseph Lenné mit den Planungen zur Umgestaltung der Gartenanlage. Lenné schuf hier ein heute viel beachtetes, herausragendes Beispiel eines Englischen Landschaftsgartens.

Der Garten als Verbindung zwischen König und Volk - zwischen Preußen und Rheinprovinz
Mit der Aufwertung der Gartenanlage wollte Friedrich Wilhelm IV. königliche Präsenz in der Rheinprovinz signalisieren. Durch seine Reisen ins Rheinland, durch die Absicht zur Vollendung des Kölner Doms und nun auch die durch pompöse Gestaltung von Schloss und Garten in Brühl, die als Gesamtanlage im Bewusstsein der Bevölkerung noch immer an ruhmreiche, kurfürstliche Zeiten erinnerten, wollte er die teilweise liberal gesinnten Rheinländer für monarchistische Werte empfänglich machen (Löhmann, 2000). Zumal der Verfall des Schlosses noch immer mit der Herrschaft der Franzosen assoziiert wurde, und so ein Gemeinschaftsgefühl entstehen konnte. Selbiges versuchte er im Übrigen auch mit der Aufwertung der Schlossanlagen in Benrath und in Koblenz.
Um diese Ziele erreichen zu können, reichte es nicht aus, wenn die Gartenanlage nur für die Nutzung der oberen sozialen Schichten vorgesehen war. Es sollte daher von Anfang an eine Symbiose aus Schloss- und Volksgarten entstehen. Zwar vermischten sich die sozialen Schichten innerhalb des Gartens nur teilweise miteinander, für die besser Betuchten waren etwa Kutschfahrten vorgesehen, doch selbst Tagelöhnern sollte der Zugang zum Garten ermöglicht werden. Eintrittsgelder wurden nicht erhoben. Der König zeigte sich hierdurch sehr volksnah.
Dabei spielte die Gesundheit bei der Konzeptionierung des Projektes eine wichtige Rolle. Die verheerende Cholera-Epidemie aus den 1830er Jahren war den Menschen noch deutlich im Bewusstsein verankert. Von der Übertragung von Krankheiten wusste man nicht viel und so ging man von einer Übertragung durch die Luft aus. Verantwortlich gemacht für die Ausbreitung der Epidemie wurde daher unter anderem schlechte Luft durch fehlenden Freiraum. Diesen gab es im nahe gelegenen Köln nicht mehr. Bei rasant anwachsender Bevölkerung verschwanden die Grünanlagen bei gleich bleibender Fläche vollständig aus dem Stadtbild der rheinischen Metropole. Zudem bot Köln als Festungsstadt auch außerhalb des besiedelten Gebietes nur wenig reizvolle Räume zum freizeitlichen Aufenthalt. Die Gartenanlagen in Brühl sollten daher Freiraum und saubere Luft für erholungssuchende Kölner bieten.

Die Einbindung der Eisenbahn
Eine besondere Erwähnung bedarf die durch den Garten verlaufende Eisenbahn. Denn die harmonische Einbindung der Eisenbahn in die vorhandene Gartenanlage war der Anstoß für die Beauftragung Lennés und dieser Aspekt spielte auch im weiteren Verlauf seiner Planungen eine gewichtige Rolle. Einerseits zeigte Friedrich Wilhelm IV. hierdurch seine Befürwortung moderner Strukturen, andererseits war sie auch essentiell für das Konzept des Volksgartens. Nur durch die Eisenbahn war es dem Volk (also in diesem Falle hauptsächlich den Kölnern) möglich, die Gartenanlagen in ihrer Freizeit aufzusuchen. Durch die bewusst niedrig gehaltenen Preise für Fahrscheine wurde es zudem überhaupt erst möglich, den Zutritt für alle sozialen Schichten zu gewährleisten. Und wird auch die nah gelegene Eisenbahnstrecke heutzutage oftmals als störend empfunden, so schafft sie auch heute noch - wie bereits im 19. Jahrhundert - eine gute Zugänglichkeit zu Schloss und Garten.

Fazit
Die Gartenanlage nach Planungen von Peter Joseph Lenné in Brühl ist ganz gewiss ein herausragendes Beispiel des Englischen Landschaftsgartens. Heute werden die ursprünglichen Planungen von Girard nach Rekonstruktionen aus den 1930er Jahren und somit die französische Gartenbaukunst allerdings mehr beachtet. Neben dieser Bedeutung für den Gartenbau ist der Schlossgarten mit seiner Symbiose aus Schloss- und Volksgarten im 19. Jahrhundert aber auch ein Beispiel für die Beziehung zwischen Preußen und Rheinländern, im Speziellen für die Bestrebungen der preußischen Krone, die Rheinprovinz für ihre feudalen, monarchistischen Werte zu gewinnen. Es sollte Volksnähe demonstriert und somit Sympathie geschaffen werden. Inwieweit dies trotz der hohen Frequentierung des Gartens gelungen ist, bleibt besonders unter dem Hintergrund der bereits wenige Jahre später ausgebrochenen Märzrevolution von 1848/49 (zu der allerdings sicherlich eine Vielzahl zum Teil weitaus bedeutsamer Faktoren eine Rolle spielte) fraglich.

(Christoph Boddenberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2014)

Internet
www.schlossbruehl.de: Der Schlosspark in Brühl (abgerufen: 22.10.2014)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011)
Peter Joseph Lenné. Eine Gartenreise im Rheinland. Koblenz.
Hansmann, Wilfried (1990)
Schloß Augustusburg zu Brühl (6. veränd. Auflage). (Rheinische Kunststätten, Heft 23.) Neuss.
Löhmann, Bernd (2000)
Ein Garten für König und Volk. Peter Joseph Lenné und der Brühler Schloßgarten. Köln.

Brühler Schlossgarten

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Fernerkundung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1842
Koordinate WGS84
50° 49′ 30,1″ N, 6° 54′ 36,15″ O / 50.82503°, 6.91004°
Koordinate UTM
32U 352804.12 5632449.11
Koordinate Gauss/Krüger
2564165.83 5632576.5

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„Brühler Schlossgarten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-105889-20141022-2 (Abgerufen: 13. November 2018)
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