Dikopshof bei Keldenich

Dickopshof , Oberkeldenicher Hof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Bornheim (Nordrhein-Westfalen), Brühl (Nordrhein-Westfalen), Wesseling
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Toreinfahrt zum Dickopshof (2014)

    Toreinfahrt zum Dickopshof (2014)

    Copyright-Hinweis:
    Nicole Schmitz / Landschaftsverband Rheinland
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    Nicole Schmitz
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  • Die Kapelle des Dickopshofes in Wesseling-Keldenich stammt aus dem Jahr 1716 (2014).

    Die Kapelle des Dickopshofes in Wesseling-Keldenich stammt aus dem Jahr 1716 (2014).

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Das landwirtschaftliche Gut Dickopshof liegt nahe der Mittelterrassenkante des Rheins, zwischen den Städten Köln und Bonn inmitten landwirtschaftlicher Nutzfläche auf hochwertigen Lößböden.

Geschichte
Die Zeit als Versuchsgut 1905-2009
Heutiger Zustand und kulturhistorischer Zeugniswert
Hinweise

Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung des damals sogenannten Oberkeldenicher Hofes erfolgte im Jahr 1213. Das Kölner Stift St. Severin hatte bis zu diesem Jahr eine Hufe Land an den Ritter Siegfried von Saffenberg verpachtet und übertrug dieses nun an das Kloster Walberberg (Hansen 1908, S. 5).
Den Grund für die auffallend isolierte Lage des Hofes in 1,5 bzw. 2 Kilometer Entfernung von den nächsten Ortschaften Sechtem bzw. Keldenich vermutet Hansen (1908, S. 6) darin, dass es sich um ein „Beundegut“ handelte. Diese wurden auf urbar gemachten, zuvor als Allmende genutzten Flächen von Grundherren als Vorwerk angelegt und hatten rechtlich sowie wirtschaftlich eine Sonderstellung.

Alten Rechnungen des 15. Jahrhunderts ist zu entnehmen, dass der Getreideanbau und die Schafhaltung eine besondere Rolle auf dem Oberkeldenicher Hof spielten. 1529 verkaufte das Kloster Walberberg, hochverschuldet, den Oberkeldenicher Hof an Vincenz Heseler (Hansen 1908, S. 11), von diesem ging der Besitz über auf die Familie von Gymnich.
Aus dem Jahr 1602 ist urkundlich überliefert, dass der Hof von der Familie von Gymnich an einen Halbpächter namens „Paulus Dykopf“ verliehen ist (Hansen 1908, S. 13). Nach Familie von Gymnich ist der Hof Eigentum folgender Personen, meist Angehörige Kölner Patrizierfamilien (Hansen 1908, S. 17): 1688 Johann Winand von Horn gen. Goldschmidt, 1706 Johann Heinrich von Herwegh, Johann Peter von Herwegh (Bürgermeister von Köln), Franz Josef von Geye zu Litzenich, Anna Lucie von Geyr geb. Herwegh, Everhard Anton von Beywegh. Dessen Erben verkauften das Gut 1834 an Carl Anton Farina aus Köln. In dieser Zeit wurde das Gut vermutlich in Teilpacht/Halbpacht bewirtschaftet (Hansen 1908, S. 18).
Von einer dieser Pächterfamilien, den Dickops, erhielt der Hof seinen Namen, denn diese bewirtschafteten den Hof im 16. und 17. Jahrhundert über mindestens vier Generationen (Hansen 1908, S. 20). Erstmals wird der Oberkeldenicher Hof schriftlich im Jahr 1675 als Dickopshof bezeichnet, bis 1737 werden in Kirchenbüchern beide Bezeichnungen geführt. Zudem existierten verschiedene Schreibweisen des Namens „Dickop“; in neuerer Zeit setzte sich Dikopshof durch. Auch der am Gutshof vorbeifließende Bach übernahm den Namen Dikopsbach (Hansen 1908, S. 21).

1834 gelangte der Dikopshof in den Besitz der Familie Farina in Köln, die ihn nach einem Brand 1835 oder 1836 zwischen 1836 und 1840 mit Ausnahme des verschonten alten Wohnhauses an der Südostecke von 1687 wieder aufbaute. Farina war der erste Eigentümer, der den Gutshof ständig selbst bewohnte und auch in Eigenverwaltung bis zum Verkauf an Josef, Marcus und Jacob Kaufmann in Köln 1844 bewirtschaftete (Hansen 1908, S. 22).

„Die Gebrüder Kaufmann verkauften den Dikopshof 1848 an den Kammerherrn und Rittergutsbesitzer von Carnap auf Bornheim“ (Hansen 1908, S. 23), dieser wiederum 1854 an Heinrich Josef Pingen, wohnhaft auf dem Burghofe zu Widdersdorf. Als dieser 1874 starb, übernahmen seine Söhne Theodor und Jacob 1875 gemeinschaftlich den Hof; bewirtschaftet wurde der Dikopshof jedoch nur von Theodor Pingen, der auch den Hof als Wohnsitz bezog (Hansen 1908, S. 23f) und dessen Initialen „TP“ noch heute ein schmiedeeisernes Tor schmücken.
Waren die Ländereien bis dahin, wie in den umliegenden Gemarkungen auch, eher extensiv bewirtschaftet worden, so änderte sich diese Wirtschaftsweise mit Theodor Pingen. Er führte den Rübenanbau ein (erste Kampagne 1883/84), um die nahe gelegene Brühler Zuckerfabrik, zu deren Aktionären er gehörte, zu beliefern. Damit einher ging die Einführung der Tiefkultur und die Verwendung von Kunstdünger, wodurch die Ernteerträge erheblich gesteigert werden konnten.
Um den Transport der Zuckerrüben zu verbessern, wurde in den 1880er Jahren ein Privat-Verbindungsweg zwischen dem Dikopshof und der Straße Sechtem-Keldenich eingerichtet und 1893 eine 3,5 km lange Feldbahn zum Bahnhof Sechtem angelegt. Mit Inbetriebnahme des Kraftwerkes Berggeist in der räumlich benachbarten Braunkohlengrube wurde um 1900 der Hof mit einem Stromanschluss versehen. Insgesamt gehörte der Dikopshof Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Schwerpunkt auf Rübenanbau und nachrangigem Getreide- und Futteranbau zu den typischen „Rübengütern“ der Rheinprovinz (Hansen 1908, S. 26).
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Die Zeit als Versuchsgut 1905-2009
Am 1. März 1904 ging der Dikopshof aus Privatbesitz in die preußische Domänenverwaltung über (die Wetterfahne auf dem Dach erinnert daran; Kölner Stadtanzeiger 2009) und wurde ab dem 1. April 1905 der Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf als Versuchs- und Demonstrationsgut zur Verfügung gestellt. Der seinen neuen Dienstposten im Jahr 1901 antretende Lehrer und Administrator J. Hansen hatte dringend nach Ersatz für die akademische Gutswirtschaft in Poppelsdorf gesucht und im Dikopshof gefunden. „Verschiedene Gründe sind es, welche den Dikopshof für die Zwecke der landwirtschaftlichen Akademie geeignet erscheinen lassen. Das Gut liegt in nicht zu großer Entfernung von Bonn, es ist mit einer verkehrsreichen Eisenbahn, da es in der Nähe einer Station liegt, bequem zu erreichen. Es ist vollständig arrondiert, hat zum größten Teil einen ebenen gleichmäßigen Boden und liegt nicht in einem Dorfe, so daß Störungen durch Nachbarn nicht zu befürchten sind“ (Hansen 1908, S. 4).

In seinem Bericht zu den ersten vier Jahren des Dikopshofes als Freilandversuchsgut stellte Hansen folgende Beschreibung des Hofes und seiner Gebäude zum Zeitpunkt der Übernahme auf:
„An der Südseite des Hofes liegt das Wohnhaus, daneben die Molkerei und in deren Verlängerung das Eishaus. Die Westseite des Hofes nimmt der Rindviehstall, die Ostseite der Pferde- und Schweinestall sowie das Arbeiterhaus ein. Auf der Nordseite liegt die große Hofscheune. Die Mitte des Hofes wird von der Düngerstätte eingenommen. Außerhalb des Hofes befindet sich eine Kapelle sowie ein früher als Schmiede und Backhaus benutztes Gebäude.“
Der Dikopshof war allseits von einem Weiher umgeben, der einzige Zugang zum Hof erfolgte über die Südostecke.

Mit Ausnahme des Arbeiterhauses auf der Südostecke, welches die Jahreszahl 1681 trägt, wurden die restlichen Gebäude des Vierkanthofes nach einem Brand in den 1830er Jahren errichtet. Die Kapelle zum Heiligen Kreuz stammt aus dem Jahr 1716. Sie wurde 1717 geweiht und diente bis 1904 Gottesdienstfeiern (Bursch 2009, S. 135). 1904 kamen eine Feldscheune, ein Geräte-, ein Wagenschuppen (transloziert aus Poppelsdorf) sowie die Fuhrwerkswaage hinzu. Westlich der Eisenbahnstrecke bestand bereits ein Arbeiterhaus, welches 1904 erweitert wurde (Platz für ca. 25 Vor- und Saisonarbeiter). Zusätzlich wurde 1904 noch ein Quarantänestall angebaut, teilweise unter Verwendung von Baumaterial aus dem alten Stall in Poppelsdorf (Hansen 1908, S. 52). Insgesamt wurden die Gebäude zur zweckmäßigen Nutzung als Freilandversuchsgut 1904/1905 umgebaut (Hansen 1908, S. 43).
1908 wurde der benachbarte Maarhof (Marhof / Mahrhof), ein ursprünglich mittleres Bauerngut, dazugekauft, um in dem vorhandenen Wohnhaus und in der noch umzubauenden Scheune Wohnraum für zusätzliche Arbeiterfamilien zu schaffen (Hansen 1908, S. 57). Jeder Familie sollten eine Wohnung, eine Stallung für Ziege und Schwein sowie 25-50 Ar Ackerland zur Verfügung gestellt werden. So erhofften sich die Verantwortlichen des Dikopshofes, einen kontinuierlichen Arbeiterbestand sichern zu können. Große Konkurrenz um Arbeitskräfte bestand in den umliegenden Gehöften und der benachbarten Braunkohlenindustrie (Hansen 1908, S. 57).

„Seitdem wurde hier Grundlagenforschung im Dienste der Landwirtschaft betrieben“, zunächst für die landwirtschaftliche Akademie Bonn, ab 1934 für die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. „Kümmerte sich der naheliegende Marhof vor allem um Gemüse, forschten die “Dikopshöfer„ mit verschiedenen Ackerbaukulturen“ (Kölner Stadtanzeiger 2009).
„Während zu Beginn Versuche zur Tierfütterung und zur Produktionssteigerung im tierischen wie auch im pflanzlichen Bereich im Zentrum der Forschungen standen, legte man ab 1930, als die Tierversuche ins Gut Frankenforst ausgelagert wurden, den Schwerpunkt auf die pflanzenbaulichen Versuche (…)“ (Universität Bonn 2004). So wurde im Bereich der Züchtung, des Pflanzenschutzes, der Düngung und nachwachsender Rohstoffe (z.B. Miscanthus, „Elefantengras“ als Alternative zu fossilen Brennstoffen) geforscht (Kölner Stadtanzeiger 2009). Hervorzuheben ist das Areal des Dauerdüngungsversuches: „Der im Jahr 1904 als klassischer Mangelversuch in Wesseling angelegte statische Dauerdüngungsversuch Dikopshof zählt heute zu den ältesten Dauerfeldversuchen der Welt. Auf der insgesamt 3,67 Hektar umfassenden Versuchsfläche wurden in einer jährlich rotierenden Fruchtfolge Zuckerrüben, Winterweizen, Winterroggen, Perserklee und Kartoffeln angebaut. Je Kulturart werden 24 unterschiedliche Düngungsvarianten geführt (mit und ohne Stallmist, mit und ohne Zusatzdüngung, Volldüngung, ohne N, P, K, Ca, ohne Mineraldüngung)“ (www.lap.uni-bonn.de). Der dabei entstehende Boden ist laut Betriebsleiter Dr. Hubert Hüging als „Kulturgut“ zu bezeichnen, der einzigartig ist und um dessen Erhalt sich nach Aufgabe der Forschungstätigkeit auf dem Dikopshof bemüht werden soll (www.ksta.de).

Am 31.12.2009 endete die Nutzung als Versuchsgut und die Lehr- und Forschungsstation wurde nach Klein-Altendorf verlegt.
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Heutiger Zustand und kulturhistorischer Zeugniswert
Der Dikopshof befindet sich noch heute in isolierter Lage inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen. Der einst das Gut umgebende Wassergraben wurde in den 1950er Jahren zugeschüttet (Bursch 2009, S. 134). Seine Lage ist jedoch aufgrund leichter Vertiefungen im Gelände zwischen der Straße und dem Gutshof sowie den alten gepflanzten Kastanien sehr gut nachvollziehbar. Der Dikopshof ist insgesamt von einem wertvollen alten Baumbestand umgeben. Die Hofkapelle ist bis in die heutige Zeit Ziel von Flurprozessionen der katholischen Kirchengemeinde St. Andreas Wesseling. Der Gebäudebestand datiert überwiegend aus den 1830er Jahren, allerdings stellt das Arbeiterwohnhaus von 1681 eine Ausnahme dar und ist gleichzeitig das älteste erhaltene Gebäude Keldenichs.

Auch wenn die Siedlungserweiterungen von Keldenich und Sechtem näher an den Dikopshof herangerückt sind, ist seine isolierte Lage hochrepräsentativ für seinen mittelalterlichen Ursprung. Der Vierseithof war ab Anfang des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Teil in der Ausbildung und Forschung der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf und stellt ein wichtiges Zeugnis für den akademischen Unterricht bzw. als wesentliches Lehrmittel „Gutsbetrieb“ mit Anschluss an eine Universität seiner Zeit dar. Der Boden des Ackerbereiches, der zu den ältesten Dauerfeldversuchen der Welt gehört, sollte unbedingt geschützt und erhalten bleiben.

Im Jahr 2012 diente der Dikopshof als Filmkulisse für die Folge „Zwischen den Zeilen“ der ARD-Vorabendserie „Heiter bis tödlich“ sowie 2014 als Schauplatz für die WDR-Serie „Die Kuhflüsterin“ (de.wikipedia.org, Dikopshof).
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Hinweise
Das Objekt „Dikopshof bei Keldenich“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Dickopshof (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 164).
Der Dikopshof in Wesseling ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalnummer 10) (de.wikipedia.org, Baudenkmäler Wesseling).

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit / Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016)

Internet
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler in Wesseling (abgerufen 01.02.2016)
de.wikipedia.org: Dikopshof (abgerufen am 15.08.2016)
www.ksta.de: Kölner Stadtanzeiger, Der Dikopshof in Wesseling (abgerufen 15.08.2016)
www.uni-bonn.de: 100 Jahre Forschung auf dem Dikopshof (abgerufen 15.08.2016)
www.lap.uni-bonn.de: Landwirtschaftliche Fakultät Universität Bonn, Dauerdüngungsversuch Dikopshof (abgerufen 17.08.2016)
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Literatur

Bursch, Horst (2009)
Burgen, Schlösser und befestigte Höfe im Vorgebirge. Bonn.
Hansen, Dr. Johannes (1908)
Erster Bericht vom Dikopshof. Die Einrichtungen und die Versuchstätigkeit auf dem zur Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf gehörigen Gut Dikopshof in den Jahren 1905-1907. Berlin.

Dikopshof bei Keldenich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hessenweg
Ort
50389 Wesseling
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1213
Koordinate WGS84
50° 48′ 22,19″ N, 6° 57′ 6,37″ O / 50.80616°, 6.95177°
Koordinate UTM
32U 355684.59 5630269.42
Koordinate Gauss/Krüger
2567132.95 5630515.13

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Empfohlene Zitierweise
„Dikopshof bei Keldenich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-136469-20150818-15 (Abgerufen: 18. November 2018)
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