Haus Entenfang und Teichanlagen

Kurfürstlicher Entenfang, Entenfang-Schlösschen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Wesseling
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Teiche bei Haus Entenfang (2014)

    Teiche bei Haus Entenfang (2014)

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  • Haus Entenfang (2014)

    Haus Entenfang (2014)

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  • Biotop Haus Entenfang (2014)

    Biotop Haus Entenfang (2014)

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  • Mittelterrassenkante des Rheins bei Haus Entenfang (2014)

    Mittelterrassenkante des Rheins bei Haus Entenfang (2014)

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  • Haus Entenfang bei Wesseling (2014).

    Haus Entenfang bei Wesseling (2014).

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Haus Entenfang und die zugehörigen Anlagen wurde auf der Niederterrasse des Rheins, im Bereich einer Altrheinrinne, die nach der Rheinverlagerung vor ca. 7.000 bis 8.000 Jahren zunehmend verlandete, errichtet.

Naturräumliche Voraussetzungen
Geschichte
Haus Entenfang
Die Teichanlagen Entenfang
Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Hinweise

Naturräumliche Voraussetzungen
Haus Entenfang und die zugehörigen Anlagen befinden sich auf der Niederterrasse des Rheins, im Bereich einer Altrheinrinne, die nach der Rheinverlagerung vor ca. 7.000-8.000 Jahren zunehmend verlandete (Drösser 2000, S. 7). Es liegt am westlichen Stadtrand von Wesseling und wird im Norden durch den Ortsteil Berzdorf, im Süden durch die Bebauung von Keldenich begrenzt. Westlich schließt sich mit einer Höhe von 60 Metern über NN die von einer dicken Lössschicht bedeckte Mittelterrasse an. Die Teichanlagen wurden bzw. werden zeitweilig vom Palmersdorfer Bach im Norden und vom Dickopsbach im Süden gespeist. Als einem „der wenigen Reste der ursprünglichen Auenlandschaft in der Köln-Bonner-Bucht“ kommt dem ca. 600 Meter langen, 100 Meter breiten und einen Meter tiefen Abschnitt des Altrheins, dem sogenannten Entenfang, eine besondere Bedeutung zu (de.wikipedia.org, Entenfang Wesseling).
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Geschichte
Erstmals beschrieben wurde das „Maar“ (d.h. so viel wie Teich) im Jahr 1397 als Eigentum des Propstes von St. Gereon in Köln; 1679 erfolgte die erstmalige Erwähnung eines „ähndtenfang“ (Entenfangs) (www.wesseling.de), der vermutlich unter Kurfürst Max Heinrich von Bayern, gleichzeitiger Propst von St. Gereon in Köln, eingerichtet wurde (Drösser 2000, S. 8f). Auf den schmalen Teichen des Entenfangs wurden Wildenten mittels Lockenten in Reusen gelockt (Janßen-Schnabel 2009, S. 205). Um 1700 ist ein Entenfängerhaus belegt, in dem Personal für die Pflege der zahmen Enten und die Erhaltung der Teichanlagen lebte (Drösser 2000, S. 12).
Wann genau und von welchem Bauherr Haus Entenfang errichtet wurde, ist in der Literatur unklar. Der wallonische Wandermaler Renier Roidkin zeichnete das Jagdhaus vermutlich um das Jahr 1735, womit eigentlich Kurfürst Clemens August, der oft als Bauherr für das Jahr 1750 benannt wird, zusätzlich neben seiner fehlenden Grundherrschaft als Eigentümer, ausgeschlossen werden kann. „So ist auch hier eine ähnliche Lösung wie bei den Jagdrechten anzunehmen: De iure gehörte Haus Entenfang dem Propst von St. Gereon. (...) De facto aber gebrauchte der Kurfürst das Haus wie sein Eigentum - ob aus Gefälligkeit vonseiten der Pröpste oder aus Überbeanspruchung landesherrlicher Machtvollkommenheit mag dahingestellt bleiben“ (Drösser 2000, S. 15). Im Rahmen der Säkularisation 1802 wurde Haus Entenfang 1803, vier Jahre später die Teiche versteigert (Drösser 2000, S. 20f).
Eine andere Geschichte, wie Haus Entenfang in den Besitz des Kurfürsten Clemens August gelangte, erzählt Hansmann (1977, S. 175): „Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gehörte die kurkölnische Unterherrschaft Keldenich den Herren von Siegenhoven genannt Anstel. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ging der Besitz an Ernst Joseph Stephan Freiherr v. Siegenhoven über, der selbst als leidenschaftlicher Jäger geschildert wird, aber öfter in Geldverlegenheit war. Der Kurfürst gestattete ihm 1740 eine Belastung seines Lehngutes mit 4000 Talern. Zur Abtragung dieser Schuld waren ihm acht Jahre Zeit gelassen, und bei Nichterfüllung sollte ein Teil seines Besitzes, nämlich der erwähnte versumpfte Rheinarm, in den Besitz des Kurfürsten übergehen. Wie es vorauszusehen war, konnte der Freiherr v. Siegenhoven die Summe nicht zurückbezahlen. Wenige Jahre später - am 2. Juni 1751 - kam dann durch Kauf die gesamte Besitzung Keldenich an den kurkölnischen Kammerdirektor Johann Adam v. Falkenberg, der sie am gleichen Tage an seinen kurfürstlichen Herrn und Auftraggeber weiter abtrat.“
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Haus Entenfang
„Beim Haus Entenfang handelt es sich um ein einfaches Jägerhaus ohne alle herrschaftliche Attitude, eine Aussage, die auch in Bezug auf die Bausubstanz von dem die jüngste Sanierung leitenden Architekten Mock voll bestätigt wurde. Die Bezeichnung Schloss ist für dieses einfache Haus völlig unangebracht. Mit Schloss Falkenlust etwa ist es in gar keiner Beziehung zu vergleichen. Clemens August hat vermutlich nie in diesem Jagdhaus als standesbewusster Kurfürst logiert. Auch pflegte er sicher nicht die Art von Entenjagd, die am Entenfang betrieben wurde. Er ließ die dort gefangenen Enten allenfalls an seiner Tafel servieren“ (Drösser 2000, S. 17).
Der Maler Roidkin hatte Haus Entenfang um 1735 „als schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach und eingeschossigem Anbau mit Pultdach an der Ostseite“ gezeichnet (Hansmann 1977, S. 176). Laut einem Grenzvermessungsplan von Ulrich Caemmerer von 1768 bildeten das Jagdhaus auf rechteckigem Grundriss zusammen mit zwei Nebenflügeln einen nahezu geschlossenen Hof, dessen Zufahrt sich an der Nordseite befand. Südlich des Jagdhauses schloss sich ein viereckiges Gartenparterre, vermutlich gestaltet als tapis vert, an. Östlich grenzten die Teiche an, die sich bandförmig nach Süden fortsetzten (Hansmann 1977, S. 177). Die einfach gehaltene Gebäudeform zeigt, dass Haus Entenfang im Vergleich zu seinen repräsentativen Nachbarn Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust eher funktionale Erfordernisse der Entenjagd erfüllen sollte. Trotzdem war es mit dem Ehrenhof und dem Garten einer gestalteten barocken Schlossanlage ausgestattet.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde westlich des Hauses Entenfang der Wirtschafts- bzw. Pachthof „Hof Entenfang“ errichtet (Drösser 2000, S. 22). Einen schlossähnlichen Charakter erhielt Haus Entenfang unter dem Kölner Kaufmann Balthasar Neukirchen 1897, der das Anwesen mit einer Mauer umgeben ließ, einen turmförmigen Anbau (1899) sowie die Errichtung eines weiteren Anbaus mit Freitreppe veranlasste (Drösser 2000, S. 24). Zum Zeitpunkt seines Verkaufes an die Stadt Brühl 1907 bestand das Gut aus dem Haus Entenfang mit Wohnhaus, Hofraum, Hausgarten, einem Anbau (Gärtnerwohnung) sowie einem Stall und einer Scheune. Zum Pachthof Entenfang gehörten ein Wohnhaus, Hausgarten, Stall, Scheune, Remise und Pferdestall (Drösser 2000, S. 27). Diverse Eigentümerwechsel und auch die Nutzung als behelfsmäßiger Wohnraum insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hatten eine starke Abnutzung und den Verfall der Gebäude zur Folge. In den Jahren 1962 sowie 1972-74 wurde der Pachthof Entenfang vollständig abgerissen (Drösser 2000, S. 30). 1974 kaufte die Stadt Wesseling das Anwesen, mit dem Ziel die Gebäude zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen (Hansmann 1977, S. 179).
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Die Teichanlagen Entenfang
Die Teichanlagen sowie das umgebende Feuchtgebiet dienten der kurfürstlichen Entenjagd und Reiherbeize mit Jagdfalken (vgl. Schloss Falkenlust). Direkt östlich des Jagdhauses befand sich laut Grenzvermessungsplan von Ulrich Caemmerer von 1768 ein großer Teich, der durch einen Damm von einem kleineren Teich abgegrenzt war. Daran schloss sich ein langgestreckter Teich mit der Bezeichnung „Maar“ an. Sowohl im Maar als auch im südlich angrenzenden, mit „Entenfang“ bezeichneten viereckigen Teich wurde Jagd auf die Wasservögel gemacht. Von den vier Ecken des Entenfanges gingen jeweils schmale Kanäle ab, an deren Enden Reusen bzw. Fangsäcke befestigt waren. Wildenten wurden mithilfe zahmer und flugunfähiger Lockenten angelockt und von abgerichteten Hunden in die Reusen getrieben.
Nach der kurfürstlichen Zeit nutzten umliegende Landwirte die periodisch wasserführenden und von Rheinhochwasser überschwemmten kiesigen Senken des Altarmbereiches für die Grünlandwirtschaft. „Mit der Zunahme der Nährstoff- und Schlammeinträge auf Grund veränderter Landbewirtschaftung im Einzugsgebiet des Entenfanges verwandelte sich die periodisch überflutete Senke in eine dauerhafte Wasserfläche. Die Landwirtschaft musste zurückweichen. Schließlich war zur Vermeidung von Überflutungen der Siedlungen 1976 der Bau eines Abflusskanals unmittelbar zum Rhein erforderlich. Seither ist der Wasserspiegel am Auslaufbauwerk regulierbar“ (www.wesseling.de).
Die dauerhafte Wasserfläche entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem Lebensraum für einen bemerkenswerten Tier- und Pflanzenbestand (de.wikipedia.org, Entenfang (Wesseling)). 1969 wurde das Gewässer Entenfang zu einem Naturschutzgebiet aufgrund seiner Bedeutung als Rast- und Nahrungsgebiet für Watvögel erklärt (Naturschutzinformationen NRW). Der Bereich zwischen Entenfang und dem Jagdhaus wurde in den 1970er Jahren als Freizeitanlage für die Öffentlichkeit hergerichtet: So wurde „der ehemals durch ein Achsenkreuz gegliederte Garten (...) in vereinfachter Form wiederhergestellt“ (Naturpark Rheinland 2015) und die hausnahen Teiche instand gesetzt. Den für die Entenjagd genutzten Teich mit den schmalen Fangkanälen und das Maar gibt es nicht mehr. In der heutigen Parkanlage, die von einem Eichenmischwald umgeben ist, werden verschiedenen Freizeitmöglichkeiten, wie Spiel- und Sportplätze, ein Abenteuerspielplatz, ein botanischer Lehrpfad und Spazierwege angeboten. Der westliche Teil, einschließlich der markanten Mittelterrasse, wird landwirtschaftlich genutzt. Die Acker- und Weideflächen sind durch Gehölze strukturreich durchgliedert; ständig werden Pflege- und Erweiterungsmaßnahmen durchgeführt, um weitere Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere und Pflanzen zu schaffen (de.wikipedia.org, Entenfang Wesseling).
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Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Nach mehrmaligem Nutzerwechsel, Leerstand und drohendem Verfall nutzt aktuell (2017) ein Kindergarten die Räumlichkeiten von Haus Entenfang. Das heute weiß verputzte, fünfachsige und zweigeschossige Herrenhaus mit Walmdach ist im Bereich der ehemaligen barocken Gartenanlage von einer hohen Hainbuchenhecke umgeben. In der angrenzenden Parkanlage wird eine enge Verzahnung von Naherholung, Landwirtschaft und Naturschutz ermöglicht.
Die kulturhistorische Bedeutung von Haus Entenfang und den anschließenden Teichanlagen ist in seiner engen funktionalen Verzahnung mit den benachbarten kurfürstlichen Schlössern Augustusburg und Falkenlust zu sehen. Zwar erfolgt durch die Autobahn und den Kiesabbau eine landschaftliche Zäsur zu den Schlössern, jedoch ist die überwiegend landwirtschaftlich genutzte Freifläche bis heute erhalten.Der ehemalige kurfürstliche „Freizeit- und Jagdkorridor“ zwischen Augustusburg und Haus Entenfang ist somit landschaftlich noch nachvollziehbar. In gewisser Weise hat sich die Freizeitfunktion des Entenfangs erhalten. Zwar wird hier keine Jagd auf Enten mehr veranstaltet, doch lädt das Gebiet zu zahlreichen anderen Sport- und Freizeitmöglichkeiten ein. Hervorzuheben ist insbesondere der ökologische Wert des seit 1969 unter Naturschutz gestellten, in der Köln-Bonner Bucht einzig erhaltenen wasserführenden Altarm des Rheines, an dem heute selten gewordene Watvögel eine ständige oder vorübergehende Heimat finden können.
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Hinweise
Das Objekt „Haus Entenfang und Teichanlagen“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Kurfürstlicher Entenfang (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 163).
Haus Entenfang ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalnummer 08) (de.wikipedia.org, Baudenkmäler Wesseling).

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit / Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2017)

Internet
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler in Wesseling (abgerufen 01.02.2016)
de.wikipedia.org: Entenfang (Wesseling) (abgerufen 19.01.2017)
www.wesseling.de: Naturschutzgebiet Entenfang (abgerufen 20.01.2017)
nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet Entenfang (BM-005) (abgerufen 20.01.2017)
www.naturpark-rheinland.de: Gärten und Parks, 7. Auflage 2015 Faltblatt als PDF (abgerufen am 15.11.2017)
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Literatur

Drösser, Wolfgang (2000)
Zur Geschichte des Hauses Entenfang - eine Dokumentation. (Blätter zur Geschichte der Stadt Wesseling.) Bonn.
Hansmann, Wilfried (1977)
Das kurfürstliche Jagdhaus Entenfang in Wesseling-Berzdorf. Unbekannte Bildquellen zu seiner Geschichte und Anlage. In: Rheinische Heimatpflege, Heft 3, 14. Jahrgang, S. 175-180. o. O.
Janßen-Schnabel, Elke (2009)
Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl. Untersuchung des Ausstrahlungsbereiches. (Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege Bd. 40/41.) S. 201-219. o. O.

Haus Entenfang und Teichanlagen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Entenfangstraße 60
Ort
50389 Wesseling - Berzdorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1397 bis 1735
Koordinate WGS84
50° 49′ 22,38″ N, 6° 57′ 34,84″ O / 50.82288°, 6.95968°
Koordinate UTM
32U 356293.12 5632112.97
Koordinate Gauss/Krüger
2567666.26 5632382.22

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„Haus Entenfang und Teichanlagen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-136470-20150818-16 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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