Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die 1627/28 errichtete barocke Wallfahrtskirche mit der nachträglich im 18. Jahrhundert angebauten Heiligen Stiege liegt auf dem Kreuzberg über Bonn-Poppelsdorf. Die Kirche stellt ein Ziel auf vier Wallfahrtswegen dar und liegt in einer Blickachse zum Poppelsdorfer Schloss.

Geschichte
Kurfürst Ferdinand von Bayern (1577-1650, Erzbischof und Kurfürst von Köln 1612-1650) ließ die Kirche in den Jahren 1627/28 von dem Architekten Christoph Wamser (~1575-~1649) erbauen. Sie wurde bald zum Hauptheiligtum der Bruderschaft von den Sieben Schmerzen Mariens, die 1637 dem Servitenorden angegliedert wurde. Zahlreiche Pilger kamen zur Kreuzkirche, sodass sich auf das Bestreben Ferdinands hin die Serviten am Kreuzberg ansiedelten, um Wallfahrten und Prozessionen zu begleiten. Daher wurde 1644 ein Konventsbau an der Westseite der Kirche für acht Mönche errichtet. Der Servitenorden betreute von 1636 bis zur Säkularisation im Jahr 1802 die Kirche.

Im Jahr 1745 stiftete Kurfürst Clemens August von Bayern (1700-1761, Kurfürst und Erzbischof von Köln 1723-1761) der Kirche den Bau der Heiligen Stiege, die vom Architekten Balthasar Neumann (1687-1753) konzipiert wurde. Sie war 1751 nahezu vollendet und wurde den Serviten 1756 übergeben. Zu den Stiftungen Clemens Augusts zählen außerdem Kanzel, Hochaltar und die Decken- und Wandgemälde, die unter der Leitung von Johann Adam Schöpf (1702-1772) entstanden und die zuletzt in den Jahren 1994-96 im Zuge einer Gesamtrestauration des Baus wiederhergestellt bzw. rekonstruiert wurden.

Baubeschreibung
Bei der Kirche handelt es sich um einen kreuzgewölbten hell verputzten Saal, dessen Seitenkapellen den Eindruck von Seitenschiffen vermitteln. Das Querschiff tritt kaum hervor, der Chor ist dreiseitig geschlossen. Die weiß verputzte Kirchenfassade ist lediglich durch Strebepfeiler gegliedert, Rundbogenfenster sind schmucklos in die Fassade eingelassen. Über dem Saal liegt ein Satteldach, über den niedrigeren Seitenkapellen liegen Pultdächer auf. Der vorgelagerte Westturm wird von einer Balustrade abgeschlossen und in ein durchfenstertes Achteck überführt, das in einem spitzen Zeltdach endet.

Im Osten schließt sich an den Chor der Kirche ein Stiegenbau an. Dieser umfasst 3 x 9 Achsen und zwei Geschosse und wird von einem geschweiften Dach mit Laterne abgeschlossen. Die dreiachsige Eingangsfassade wird durch verkröpft geführte Gesimse und Pilaster mit Kapitellen gestaltet. Letztere zeigen ebenso wie die Vasen im Bereich des Daches die Leidenswerkzeuge Christi. Die mittlere Achse wird durch einen von Säulen gestützten Altan hervorgehoben, auf dem sich die Skulpturen einer Ecce-Homo-Gruppe befinden. Eine Scheinuhr zeigt die Stunde der Vorführung Christi an. Im Inneren gelangt man über die 28 Stufen der dreiläufigen Treppe zu einer dreischiffigen kreuzgewölbten Kapelle, an die sich das Fürstenoratorium anschließt.

Die Heilige Stiege folgt dem Vorbild der römischen Scala Sancta. Diese Treppenanlage des Laterans wird seit dem späten Mittelalter als die Treppe des Jerusalemer Pilatuspalasts verehrt. In die Stufen der Heiligen Stiege sind neben Kreuzpartikeln und Märtyrerreliquien Messingkreuze eingelassen, die an jene Stellen erinnern, an denen Christus der Legende nach stürzte oder sein Blut vergoss. Sie stellt in diesem Zusammenhang sowohl Gnadentreppe als auch ein Symbol der Himmelsleiter dar.

(Catharina Hiller, Universität zu Köln – Kunsthistorisches Institut, Abt. Architekturgeschichte, 2015)

Literatur

Achter, Irmingard / Herberg, Josef / Imhof, Michael / Knopp, Gisbert (2011)
Kirchen in Bonn. Geschichte und Kunst der katholischen Pfarreien und Gotteshäuser. Petersberg.
Dehio, Georg; Euskirchen, Claudia (Bearb.) (2005)
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen 1. Berlin, München.
Schulten, Walter (1964)
Die Heilige Stiege auf dem Kreuzberg zu Bonn. Düsseldorf.

Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg

Schlagwörter
Ort
53127 Bonn
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1627 bis 1628
Koordinate WGS84
50° 42′ 51,31″ N, 7° 04′ 48,03″ O / 50.71425°, 7.08001°
Koordinate UTM
32U 364454.05 5619807.67
Koordinate Gauss/Krüger
2576321.46 5620415.45

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„Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-114215-20150203-3 (Abgerufen: 19. November 2018)
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