Geschichte der Pfalz

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Fachsicht(en): Landeskunde
Die „Kleine Geschichte der Pfalz“ von Michael Landgraf, der neben Pfalz-Büchern auch Autor vieler KuLaDig-Seiten ist, zeichnet fundiert und leicht lesbar die Geschichte der Region Pfalz sowie der Pfalzgrafschaft bei Rhein und der Kurpfalz nach. Neben kompakten Erläuterungen, vielen Exkursen, zahlreichen Fotos und Karten, einer Zeitleiste und einem Überblick über wichtige Personen, die mit der Pfalz verbunden sind, bietet das Buch besonders Tipps zum Besuch historischer Orte und Museen, wodurch eine enge Verbindung zu KuLaDig entsteht.

Region Pfalz bis 1816
Die Kleine Geschichte der Pfalz beleuchtet die historische Entwicklung von der Frühzeit und Jungsteinzeit, die Bronze- und Keltenzeit. Dabei werden auch Orte in der Pfalz beschrieben, die KuLaDig erfasst. Wichtig für die Pfalz war die Römerzeit, die beispielsweise im römischen Vicus Eisenberg erkundet werden kann.
Für das Mittelalter stehen die Stadt Speyer sowie viele Klöster wie z.B. die Klöster und Stifte im Pfälzerwald. Hinzu kommen die Burgen und Burgruinen der Pfalz , die für Landgraf und für KuLaDig ein Schwerpunkt sind. Landgraf geht dabei besonders auf die Reichsburg Trifels (Annweiler), die Burg Lichtenbergbei Thallichtenberg (Landkreis Kusel), die Burg Nanstein(Landstuhl) und die Hardenburg (Bad Dürkheim) ein.
Da die Region Pfalz im Mittelalter aus viele Territorien bestand, die sich nicht Pfalz nannten, werden diese wie beispielsweise das Leiningerland mit der Burgruine Altleiningen auch mit ihren Dynastien beschrieben.
Schließlich spielt das jüdisches Leben eine wichtige Rolle, beispielsweise das UNESCO-Kulturerbe in Speyer, der jüdische Friedhof in Deidesheim oder die Synagoge in Mutterstadt.

Kurfürstliche Pfalz bis 1816
Im zweiten Kapitel der „Kleinen Geschichte der Pfalz“ geht es um den Träger des Namens „Pfalz“ bis 1816. Bereits zuvor beschrieb Landgraf die Wurzeln des Namens Pfalz vom Sitz eines Herrschers, abgeleitet vom römischen Palatin, wo der Kaiserpalast stand, (siehe auch Landgrafs Artikel zu Pfälzisch), sowie die Entstehung des Pfalzgrafenamts beschrieben. Deutlich wird, dass die Pfalzgrafschaft bei Rhein und das Kurfürstentum zunächst nur wenige Gebiete im Raum der heutigen Region Pfalz besaß. Der Herrschersitz wanderte von Bacharach (Burg Stahleck) nach Heidelberg. Von dort aus bauten die Pfalzgrafen Neustadt an der Weinstraße (damals an der Haardt) zum linksrheinischen Zentrum aus. Die Stiftskirche in Neustadt wurde, als die Stadt zeitweise die Hauptresidenz der Kurpfalz war, als Grablege des Wittelsbacher Herrscherhauses errrichtet. Ein weiterer Ort, der zur Kurpfalz gehörte, war Wachenheim mit seiner Stadtmauer und der Wachtenburg.
Neben der Blütezeit der Kurpfalz spielte nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Pfälzischen Erbfolgekrieg die Auswanderung eine wichtige Rolle. In der Pfalz kann man hierzu den im Buch dargestellten Erinnerungsort an Johann Adam Hartmann in Edenkoben, den Lederstrumpfbrunnen besuchen oder das Auswanderermuseum Oberalben.
Das Ende der Kurpfalz und verwandter Linien wie Pfalz-Zweibrücken kam durch die Französische Revolution und die Eroberung der linksrheinischen Pfalz, deren Spuren man noch auf Schanzen wie beiEdesheim entdeckt. Eine besondere Episode ist die Bergzaberner Republik.

Region Pfalz ab 1816
Das dritte Kapitel der „Kleinen Geschichte der Pfalz“ beschreibt die Region in den Grenzen der heutigen Pfalz und Saarpfalz, als Bayerischer Rheinkreis, als Rheinpfalz über das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die NS-Zeit bis zur Pfalz im Bundesland Rheinland-Pfalz. An die Wittelsbacher Könige von Bayern, die über die Pfalz herrschten, erinnern Denkmäler wie das von König Ludwig in Edenkoben sowie die Villa Ludwigshöhe. Das Buch legt auch den Fokus auf die „revolutionäre Pfalz“, mit dem Hambacher Fest von 1832 und dem Hambacher Schloss als Erkundungsort sowie der Revolution von 1848-1849 mit der Fruchthalle Kaiserslautern als Sitz einer revolutionären Regierung der Pfalz oder der Wolfsburgüber Neustadt als Demonstrationsort 1848. Durch die Unterdrückung der demokratischen Bewegungen sowie durch die Not kam es zu erneuten Auswanderungswellen. Im Kaiserreich werden daher gesellschaftliche Veränderungen, die Politik und die Religion genauer unter die Lupe genommen. Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs hat durch Kriegsdenkmäler in fast jedem Ort in der Pfalz seinen Niederschlag gefunden, so z.B. in Herxheim bei Landau. Die Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg demonstrieren besonders Relikte des Pfälzer Westwalls, beispielsweise im Bienwald. Die NS-Zeit beleuchten im Nachgang Orte die die Gedenkstätte Neustadt. Für die Nachkriegszeit im neu geschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz ist das in den 1950er Jahren errichtete Gebäude der ehemaligen Bezirksregierung und der heutigen SGD Süd ein Begegnungsort der Geschichte.

Reflexion über das Pfalzgefühl
Im Vor- und Nachwort reflektiert Landgraf über das erstaunliche Phänomen, dass die Pfalz in ihrer Form, wie wir sie heute kennen, erst ab 1816 entstanden ist und sogar erst 1838 den Namen „Pfalz“ oder „Rheinpfalz“ erhielt. Zuvor lagen in der Region 45 Territorien, die sich teils über Jahrhunderte feindlich gegenüberstanden wie beispielsweise die Leininger (Bad Dürkheim, Grünstadt) und die kurfürstliche Pfalz. Landgraf beschreibt, wie Literaten (z.B. Georg Friedrich Blaul, August Becker und Paul Münch), Künstler (Heinrich Jakob Fried, Max Slevogt, Heinrich Strieffler, Musikalische Liedertafeln, Trachtengruppen oder der Historische Verein der Pfalz ab 1840 dieses Pfalzgefühl lebendig werden lassen. Heute tragen dazu besonders Mundartmusikbands wie „Die anonyme Giddarischde“ oder „Woifeschdkänisch“, eine lebendige Mundart-Dichterszene sowie verbindende Symbole wie das Dubbeglasdazu bei, dass dieses Pfalzgefühl lebendig bleibt.

Autor Michael Landgraf
Michael Landgraf, Studienleiter und Schriftsteller, arbeitet auch als Autor für KuLaDig. Von ihm stammt neben dem Grundlagenwerk „Kleine Geschichte der Pfalz“ das erste Buch im DUDEN-Verlag über das Pfälzische, die „Pfälzische Kirchengeschichte multimedial“ (Mit Traudel Himmighöfer und Gabriele Stüber), Bücher über die Elwetritsche wie auch diverse Reiseführer (Glücksorte Deutsche Weinstraße, Weinorte in der Pfalz, Radeln für die Seele - Pfalz, Reiseführer Neustadt an der Weinstraße, Führer durch die Stiftskirche Neustadt), Bildbände (mit Jochen Heim: Wo die Pfalz am Schönsten ist; mit Gerhard Hofmann: Bunte Pfalz) sowie Mundartwerke (Bibel uff Pälzisch, Weisheiten uff Pälzisch, Bibelsprich uff Pälzisch, Kärchejohr, Weihnachten in der Pfalz). Zudem ist er Gästeführer und Dozent an der Regio-Akademie Pfalz in der Ausbildung für Gästeführer zuständig für die Bereiche Kirchengeschichte, Geschichte der Kurpfalz und von Neustadt an der Weinstraße.

(Michael Landgraf, Neustadt an der Weinstraße, 2026)

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Michael Landgraf, „Geschichte der Pfalz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-360492 (Abgerufen: 21. August 2026)
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