Klöster und Stifte im Pfälzerwald

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
  • Blick in das ehemalige Kirchenschiff des Klosters Rosenthal in Richtung Turm (2018).

    Blick in das ehemalige Kirchenschiff des Klosters Rosenthal in Richtung Turm (2018).

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    Sonja Kasprick
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Die Landschaften am Ober- und am Mittelrhein und somit auch die Pfalz zählten im frühen Mittelalter zu den Kernregionen des Alten Reiches. Dies ist sicherlich mit eine Ursache für die große Anzahl an Klöstern und Stiften in der Pfalz, die den berechtigten Titel „Klosterlandschaft“ trägt. Das Pfälzische Klosterlexikon geht von fast 200 Anlagen aus (Keddigkeit 2017, S. 11). Die baulichen Reste sind im Pfälzerwald, in der Rheinebene und im Nordpfälzer Bergland noch in stattlicher Anzahl vorzufinden. Klöster und Stifte hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung dauerhafter Siedlungen im Pfälzerwald.

Erste Klostergründungen
Zu den frühesten Klostergründungen durch Benediktinermönche im Frühmittelalter zählen das Kloster Weißenburg (heute Frankreich - Wissembourg) im 7. Jahrhundert, das Kloster Hornbach (Bliesgau) im Jahr 742 und das Kloster Klingenmünster im Jahr 780 (mglw. auch 626). Die Klöster Klingenmünster und Weißenburg gehörten zum Bistum Speyer, Hornbach dagegen zum Bistum Metz.

Das 12. Jahrhundert bildete die Blütezeit des 1098 gegründeten Zisterzienserordens. Im Bereich des Pfälzerwaldes kam es zu Zisterzienser-Klostergründungen in Otterberg (1144), Ramsen (1146, zunächst Benediktinerinnen, ab 1267 Zisterzienserinnen), Eußerthal (1148) und Rosenthal bei Kerzenheim (1241).

Einhergehend mit der Blütezeit der Klöster im Hochmittelalter entfaltete sich das Pilgerwesen. Auch außerhalb von Klöstern wurden Pilgerkapellen errichtet. In Burgalben am Westrand des Pfälzerwaldes entstand 1150 die Gnadenkapelle, aus der sich der bedeutende Wallfahrtsort Maria Rosenberg entwickelt hat.

Lage
Die Klostergründungen erfolgten meist nicht im Kernbereich des unerschlossenen Pfälzerwalds. Bevorzugt wurden die erschlossenen und verkehrsgünstigeren Randlagen (Enkenbach, Kaiserslautern, Otterberg, Lambrecht, Limburg, Fischbach bei Kaiserslautern). Zu Ausgangspunkten für naheliegende Siedlungen wurden jeweils die Klostergüter (Wirtschaftshöfe der Klöster). Eine herausragende Rolle im südöstlichen Pfälzerwald übernahm das 1148 gegründete Kloster Eußerthal. Als Belohnung für die Betreuung der Reichsinsignien auf der nahen Burg Trifels erhielt das Kloster umfangreiche Waldschenkungen. Dabei ging auch der zur ältesten Pfälzerwald-Siedlung gehörende Hermersbergerhof an das Kloster über (Keddigkeit 1987, S. 63-71).

Aus einzelnen Weilern und Höfen, wie beispielsweise Hermersbergerhof, die von Viehwirtschaft, Ackerbau und vom Holzeinschlag lebten, entwickelten sich permanente Siedlungen.

Überblick
Das Klosterlexikon geht von nicht weniger als 11 Frauen- und 22 Männerorden aus, die in der Pfalz in Klöstern, Stiften und Kommenden tätig waren (Keddigkeit, 2014, S. 11).

Eine Auswahl an frühen Klostergründungen im Bereich des heutigen Pfälzerwaldes gibt die folgende Aufstellung (Gründungsjahr, Ort, Orden, Bistum):
742, Hornbach, Benediktiner, Bistum Metz
661 (erste Hälfte 7. Jh.?), Weißenburg, Benediktiner, Bistum Speyer
780 (626?), Klingenmünster, Benediktiner, Bistum Speyer
977(?), Lambrecht, Benediktiner, Bistum Speyer
1030, Limburg, Benediktiner, Bistum Speyer
1120, Höningen, Augustinerchorherren, Bistum Worms
1144, Otterberg, Zisterzienser, Bistum Mainz
1146, Ramsen, Benediktinerinnen (1146), Zisterzienserinnen (1267), Bistum Worms
1148, Eußerthal, Zisterzienser, Bistum Speyer
1148, Enkenbach, Prämonstratenserinnen, Bistum Worms
1158, Kaiserslautern, Prämonstratenser, Bistum Worms
1160, Hertlingshausen, Augustinerinnen, Bistum Worms
1241, Rosenthal, Zisterzienserinnen, Bistum Worms
1250, Albersweiler, Reuerinnen, Bistum Speyer
1276, Landau, Augustinerchorherren, Bistum Speyer

(Matthias C.S. Dreyer, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2019)

Literatur

Alter, Willi (1963)
Pfalzatlas. Textbände I bis IV sowie 2 Kartenbände mit Nrn. 1 bis 175. Im Auftrag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (1963-1994). Speyer.
Geiger, Michael (Hrsg.) (1987)
Der Pfälzerwald. Porträt einer Landschaft. S. 480. S. 63-92, Landau.
Hartung, Walter (1984)
Pfälzer Klosterbrevier. (1. Auflage). S. 79. Landau/Pfalz.
Keddigkeit, Jürgen; Untermann, Matthias; Ammerich, Hans; Heberer, Pia; Lagemann, Charlotte (2014)
Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der Pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 2, H-L. Kaiserslautern.

Klöster und Stifte im Pfälzerwald

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Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte

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„Klöster und Stifte im Pfälzerwald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-290190 (Abgerufen: 25. August 2019)
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