Eisenbahnstrecke Rheinhausen-Kleve

Niederrheinbahn, Niederrheinstrecke, „Der Niederrheiner“, auch „Hippeland-Express“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Alpen, Bedburg-Hau, Duisburg, Kalkar, Kleve (Nordrhein-Westfalen), Moers, Rheinberg, Xanten
Kreis(e): Duisburg, Kleve (Nordrhein-Westfalen), Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Bahnlinie von Duisburg über Rheinhausen nach Kleve verbindet seit 1904 den linken Niederrhein mit dem Ruhrgebiet.

Geschichte
Die ersten Planungen für die Verbindung des linken Niederrheins ins Ruhrgebiet gehen auf das Jahr 1856 zurück, als die Rheinische Eisenbahngesellschaft eine Verbindung von Krefeld nach Kleve plante. Da eine Entscheidung über die genaue Linienführung nicht gefunden werden konnte, entschied die Rheinische Eisenbahngesellschaft, zunächst eine Linie über Geldern zu bauen. Erneut lebte die Diskussion einer Bahnverbindung über den Kreis Moers 1869 auf, als die Boxteler Bahn gebaut wurde. Jedoch verhinderte letztlich fehlende Rentabilität den Bau durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft. In der Folgezeit verhinderten lokalpolitische Diskussionen über Linienführung und Finanzierung den Bau der Bahnlinie.

1896 begann der Bau des Hüttenwerkes der Firma Krupp in Rheinhausen, welches weitere Bahnanschlüsse benötigte. Es wurde nun erforderlich, dass die hier Beschäftigten gute Anbindungen an ihre Arbeitsstätte finden sollten. Zudem sollten auch die landwirtschaftlichen und industriellen Güter, die am Niederrhein erzeugt wurden, leichter ins Ruhrgebiet transportiert werden können. Die Planungen für die Eisenbahnstrecke erfolgten durch die preußische Eisenbahn, die die Planung 1892 dem preußischen Abgeordnetenhaus zur Entscheidung vorlegten. Da zum damaligen Zeitpunkt der Schwerpunkt der Neubauten in den preußischen Ostgebieten lag, dauerte es bis 1903, bis mit dem Bau der Bahnlinie begonnen werden konnte.
Zu Weihnachten 1903 wurde der Abschnitt von Rheinhausen nach Trompet eröffnet. Die Fortsetzung nach Moers folgte am 6. April 1904. Die Gesamtstrecke weihte man festlich mit einem Extrazug am 15. August 1904 ein, der die Festgäste in drei Stunden von Moers nach Kleve brachte.

Betrieb und Baumaßnahmen
Die Bahnstrecke war als Nebenbahn eröffnet worden. Doch die zunehmenden Gütertransporte und der steigende Personenverkehr erforderten schon bald Ausbaumaßnahmen an der Strecke und in den Bahnhöfen. Die Verbindung hatte auch Auswirkungen auf den Ausflugsverkehr vom Ruhrgebiet an den Niederrhein, da die Eisenbahn nun gute Verbindungen, auch mit Sonderzügen, bot. Hauptaufgabe der Bahnverbindung war es weiterhin, die Arbeiter vom Niederrhein in die Stahlwerke und Bergwerke in Rheinhausen und Duisburg zu bringen. Weitere Aufgabe war der Abtransport landwirtschaftlicher Güter zur Versorgung des Ruhrgebietes.

Geringer waren jedoch die Auswirkungen in den Orten des Niederrheins selbst. Zwar konnten Zuwächse im Tourismus erzielt werden, aber ein wirtschaftlicher Aufschwung, wie er häufig bei anderen, neu angelegten Bahnverbindungen zu beobachten war, konnte nur in geringem Maß erfolgen. Dazu gehören die Industrieansiedlungen in der Umgebung von Rheinberg, wie die 1905 gegründeten Solvay-Werke.

Die Bahnstrecke war vielfach mit dem Netz der Eisenbahnen im westlichen Rheinland verbunden. Dazu gehören die Anschlüsse in Kleve mit den Verbindungen nach Nijmegen und Elten/Zevenaar und die Kreuzung mit der Bahnlinie von Venlo nach Wesel in Menzelen, wo ein Kreuzungsbahnhof angelegt wurde. Eine Verbindung zur Boxteler Bahn wurde nicht hergestellt, obwohl die Züge bei Birten über mehrere Kilometer parallel fuhren. In Rheinberg und Moers bestanden Anschlüsse an die Moerser Kreisbahn; in Moers zudem an die Krefelder Eisenbahn. In Rheinberg zweigt eine Strecke zur Müllverwertungsanlage Asdonkshof ab. In Utfort sollte eine Verbindung zur Bahnstrecke von Oberhausen über Baerl nach Geldern sowie ein Turmbahnhof entstehen. Im Bahnhof Trompet bestand Anschluss an die Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach und Duisburg-Homberg und in Rheinhausen bestehen Verbindung in Richtung Duisburg und Krefeld.

Betrieb und Baumaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Anlagen weitgehend zerstört. Erste befahrene Strecke war der Abschnitt zwischen Alpen und Kaldenhausen: Die Züge fuhren hier zwischen Büderich und Krefeld (in Betrieb bis 1948). Im Abschnitt zwischen Bahnhof Winnenthal und Haltepunkt Birten verlegte man 1947-48 die Strecke provisorisch auf die parallel verlaufende Trasse der Boxteler Bahn. Dieses Provisorium hielt bis in die frühen 1960er Jahre.

Der südliche Abschnitt bis Millingen ist seit den 1960er Jahren elektrifiziert, ein Umstand der zum Überleben dieser Bahnlinie bis heute beigetragen hat. In Millingen besteht Anschluss an die Industrieanlagen in Ossenberg, zum Rheinhafen, Borth und nach Büderich. Von Büderich besteht wiederum eine Verbindung über die ehemalige Bahnlinie von Wesel nach Venlo mit Anschluss in Menzelen-West an die Strecke nach Rheinhausen. Der Tunnel unter der Veener Straße, in der Nähe des St. Josef-Hospitals, wurde ca. 1979 erbaut und ersetzte die im Volksmund benannte „Bollerbrücke“.

Die Strecke zwischen Xanten und Kleve wurde am 29. Dezember 1989 für den Personenverkehr, am 28. Februar 1990 auch für den Güterverkehr stillgelegt. Gründe waren das Bestreben einiger Gemeinden an der Strecke die Bahngelände besser zu nutzen. Zudem standen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Bahnanlagen an, deren Kostenaufwand durch den geringen Verkehr jedoch nicht zu rechtfertigen waren. Der Abschnitt von Rheinhausen bis Xanten wurde hingegen grundlegend saniert.

Heute ist die Strecke bis Rheinkamp zweigleisig als Hauptbahn ausgebaut. Bis Xanten ist sie einspurig und wird als Nebenbahn betrieben. Auf dem Abschnitt von Duisburg über Rheinhausen nach Xanten fahren Diesel-Triebzüge, die stündliche Verbindungen anbieten. Offiziell heißt die Strecke „Der Niederrheiner“, am Niederrhein auch als „Hippeland-Express“ bekannt (Hippe bedeutet im niederrheinischen Dialekt Ziege; als typisches Haustier der niederrheinischen Landbevölkerung verweist der Name der Bahnstrecke damit auch auf die wirtschaftliche Struktur des Niederrheins).

(Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2013)

Internet
de.wikipedia.org: Niederrheinstrecke (abgerufen 23.12.2011)
NRW-Bahnarchiv: Strecke Rheinhausen-Kleve (abgerufen 23.12.2011)
www.bk-trompet.de.vu: Stefan Panske u.a., Bahnknoten Trompet (bgerufen 04.07.2012)
www.hippelandexpress.de (abgerufen 28.12.2013)

Literatur

Barthels, Thomas / Möller, Armin / Barthels, Klaus (2007)
Bahnen am Niederrhein. Eine Bestandsaufnahme der Eisenbahnen am Niederrhein zwischen Arnhem und Rommerskirchen, Venlo und Oberhausen. S. 64-67, 76-81, 84-85, 90-93, 104-105, Mönchengladbach.
Becks, Jürgen (2005)
Eisenbahnen am Niederrhein: eine Ausstellung des Städtischen Museums Wesel, des Stadtarchivs Wesel und der Stiftung Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen in der Galerie im Centrum und im Sonderausstellungsraum des Preußen-Museums Wesel, 9. Oktober 2005 bis 29. Januar 2006. Wesel.
Dumjahn, Horst-Werner (Hrsg.) (1984)
Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken, Eröffnungsdaten 1835-1935 – Streckenlängen, Konzessionen, Eigentumsverhältnisse (Dokumente zur Eisenbahngeschichte, 29) (Vollständiger, unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1935). (Dokumente zur Eisenbahngeschichte 29.) Mainz.
Höpfner, Haus-Paul (1986)
Eisenbahnen. Ihre Geschichte am Niederrhein. S. 83-89, Duisburg.
Lehmann, Michael (1993)
Zur Geschichte der Eisenbahn in Marienbaum. Marienbaum.
Swoboda, Rolf (2010)
Die Venloer Bahn. Von Haltern über Wesel nach Venlo. Berlin.
(1981)
Entwicklung des Streckennetzes der Kölner Eisenbahn-Direktionsbezirke. Köln.

Eisenbahnstrecke Rheinhausen-Kleve

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1903 bis 1904
Koordinate WGS84
51° 35′ 23,55″ N, 6° 29′ 40,69″ O / 51.58987°, 6.49464°
Koordinate UTM
32U 326450.7 5718398.51
Koordinate Gauss/Krüger
2534323.27 5717387.74

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„Eisenbahnstrecke Rheinhausen-Kleve”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CW-20110829-0007 (Abgerufen: 28. Mai 2018)
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