Stadt Düren

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Düren
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 48′ 9,81″ N: 6° 29′ 1,43″ O / 50,80273°N: 6,48373°O
Koordinate UTM 32.322.698,13 m: 5.630.905,63 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.534.144,33 m: 5.629.812,09 m
  • Rest der Dürener Stadtmauer in der Wallstraße (2019).

    Rest der Dürener Stadtmauer in der Wallstraße (2019).

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  • Karte der Landkreise Rhein-Erft-Kreis und Düren in den Gebieten von 1789 (2011).

    Karte der Landkreise Rhein-Erft-Kreis und Düren in den Gebieten von 1789 (2011).

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  • Der Annaschrein in der Annakirche Düren (2012).

    Der Annaschrein in der Annakirche Düren (2012).

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Der bereits vorgeschichtlich besiedelte Ort Düren wurde im Jahr 747 anlässlich einer fränkischen Reichsversammlung und Synode erstmals urkundlich erwähnt. Heute ist die von der Rur durchflossene große Mittelstadt Düren mit etwa 92.000 Einwohnern zugleich auch Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises.

Vorgeschichte bis Römerzeit
Mittelalter bis Frühe Neuzeit
Neuzeit
Internet, Literatur

Vorgeschichte bis Römerzeit
Eine 2009 zwischen Arnoldsweiler und Ellen freigelegte und auf die Zeit um 5100 v. Chr. datierte jungsteinzeitliche Siedlung mit Gräberfeld gilt als das älteste Zeugnis menschlicher Besiedlung im Dürener Stadtgebiet. Aus der Bronze- bis zur Römerzeit liegen ferner Funde zu Siedlungsplätzen bei Berzbuir, Distelrath, Mariaweiler sowie Teile einer Wasserleitung in Lendersdorf vor. Römische Ziegel und ein Tempel fanden sich bei Hoven.
Zwischen der Einnahme Germaniens im Gallischen Krieg in den Jahren 58 bis 51/50 v. Chr. unter Gaius Iulius Caesar (100-44 v. Chr.) und der Aufgabe der Rheingrenze zu Beginn der Völkerwanderungzeit Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. war die Region um Düren römisch besetzt.
Der römische Historiker Tacitus (um 58-120 n. Chr.) berichtet in seiner 98 n. Chr. verfassten „Geographie und Kultur der Germanen“ (De origine et situ Germanorum liber) von einem Kampf der im Kölner Raum siedelnden germanischen Ubier gegen rechtsrheinische Germanen bei Marcodurum im Winter 69/70 n. Chr. Die Endung -durum hinter der Ortsbezeichnung für den heute nördlichsten Dürener Stadtteil Merken stammt vom keltischen -duor (später gallisch duron) und bedeutet „Tür“ oder „Tor“. Aus Durum entwickelte sich später Duirum, woraus wiederum die heutige Schreibweise „Düren“ entstand.
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Mittelalter bis Frühe Neuzeit
Düren wurde im Jahr 747 anlässlich einer fränkischen Reichsversammlung und Synode unter den Hausmeiern Karlmann (um 710-754) und Pippin dem Jüngeren (714-768) als Villa Dura bzw. Duria erstmals urkundlich erwähnt und wenig später zu einem Reichsort mit Königshof ausgebaut. Für die Zeit um etwa 700 konnte durch Ausgrabungen eine fränkische Saalkirche nachgewiesen werden. Im Bereich heutigen Annakirche entstand ab 755 eine Pfalz, die bis 774 zur Reichspfalz ausgebaut wurde. Hier fanden in den Jahren 761, 775 und 779 Reichstage statt, während zwischen 748 und 843 alleine 11 Königsaufhalte nachgewiesen sind (Flach 2008).
Die Königspfalz wurde wohl um 881/882 durch einfallende Normannen zerstört (Groten u.a. 2006).

Im Jahr 1184 wurde Düren als oppidum („befestigte Landstadt“) bezeichnet und 1241/42 als oppidum nostrum (regis) („des Reiches“). Die ohne eine förmliche Erhebung – also z.B. durch eine Urkunde mit Stadtrechten – „gewachsene“ Stadt Düren hatte seit etwa 1212 eine die heutige Altstadt umfassende mittelalterliche Stadtmauer (Ennen 1982 und Wensky 2008), welche allerdings in Teilen während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgetragen wurde.
Die vormals reichsunmittelbare Stadt wurde 1241/42 an die Grafen von Jülich verpfändet und war zur Mitte des 15. Jahrhunderts zweiter der vier Hauptorte des Herzogtums Jülich (Wensky 2008).
Die Wurzeln der jüdischen Gemeinde in Düren gehen ebenfalls bis ins Mittelalter zurück, um 1500 werden Synagoge und Judenfriedhof erwähnt. Der untergegangene jüdische Friedhof in der Arnoldsweiler Straße reicht mindestens bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurück.

Im Streit um das 1538 an den Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg (1516-1592) gefallene Herzogtum Geldern wurde Düren während des dritten Geldrischen Erbfolgekriegs 1543 erstürmt, geplündert, in Brand gesetzt und weitgehend zerstört.
Nach weiteren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg (vor allem 1642 durch hessische Truppen) suchte dann die Pest in den Jahren 1648 und 1665 die Stadt gleich zweimal heim.
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Neuzeit
Im Jahr 1805 lebten 4.563 Menschen in der Stadt. Während der Franzosenzeit war Düren zwischen 1798 und 1814 Hauptort des gleichnamigen Kantons im Distrikt Aachen (Arrondissement d’Aix-la-Chapelle) des Rur-Departements und fiel dann aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 an Preußen. Im Frühjahr 1816 entstand der zunächst preußische Kreis Düren.
Mit dem Einsetzen der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl Dürens im 19. Jahrhundert bis 1900 auf 27.168 an.

Vor der Zeit des Nationalsozialismus zählte alleine die jüdische Gemeinde Düren als Hauptort der Kreissynagogengemeinde im Jahr 1932 etwa 330 Mitglieder, weitere lebten in den kleineren umliegenden Orten (Reuter 2007 und jüdische-gemeinden.de).
Bei den Novemberpogromen 1938 wurden sowohl die Dürener Synagoge (neu erbaut 1872) wie auch das 1906 eingeweihte jüdische Gotteshaus in Gürzenich komplett zerstört. Die jüdischen Gemeinden im Kreis Düren gingen während der NS-Zeit allesamt unter.

Anfangs des Zweiten Weltkriegs zählte Düren rund 45.000 Einwohner. Durch Luftangriffe der Alliierten wurde die Stadt gegen Kriegsende völlig zerstört – von rund 10.000 Häusern, in denen Ende 1944 noch etwa 22.000 Menschen lebten, blieben dabei nur einzelne unversehrt. Nachdem Aachen bereits im Oktober 1944 als erste deutsche Stadt eingenommen worden war, erfolgten noch insgesamt 51 Luftangriffe auf Düren:
„Am 16. November 1944 warfen 474 Bomber der Royal Air Force in einem 36 Minuten dauernden Angriff 2.751 Tonnen Bomben ab. (...) 3.106 Menschen starben im Bombenhagel.“ (de.wikipedia.org)
In der Nachkriegzeit wurde für die im Juni 1945 noch verbliebenen 3.806 Bürger seitens der Alliierten zunächst ein Wiederaufbau der Stadt südlich der Trümmerberge diskutiert, doch waren die Dürener „entschlossen, ihre Stadt am bisherigen Standort wieder aufzubauen. Die Dürener Innenstadt ist heute noch in hohem Maße von der Architektur der 1950er Jahre geprägt.“ (ebd.)
Bis Ende 1945 stieg die Einwohnerzahl durch Heimkehrer und Vertriebene wieder auf über 25.000 an und wuchs bis 1970 auf 53.620.

Im Zuge der Neugliederung durch die Kommunalreform im Bereich Aachen von 1972 entstand mit wenigen späteren Veränderungen der heutige Zuschnitt des Kreises Düren mit der Stadt Düren als Verwaltungssitz. Durch die Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinden Arnoldsweiler, Birgel, Birkesdorf, Derichsweiler, Echtz-Kontzendorf, Gürzenich, Mariaweiler-Hoven und Merken sowie großen Teilen von Lendersdorf und Niederau vergrößerte sich das Dürener Stadtgebiet erheblich. Zum 31.12.1975 wurden 87.774 Einwohner gezählt und 1987 lediglich 82.695 (www.it.nrw).
Heute zählt die „große Mittelstadt“ (d.h. eine Mittelstadt mit Zentrum und mindestens 50.000 Einwohnern) Düren etwa 92.000 Einwohner. Die Gesamtfläche der Kommune von etwa 8.500 Hektar wird zu 37,4 % als Siedlungs- und Verkehrsfläche und zu 62,6 % als Freifläche außerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt (ebd., Stand 31.12.2015).
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(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
www.dueren.de: Stadt Düren (abgerufen 09.07.2019)
www.it.nrw: Kommunalprofil Düren, Stadt (Statistisches Landesamt NRW, PDF-Datei, 359 kB, abgerufen 10.07.2019)
jüdische-gemeinden.de: Düren (abgerufen 10.07.2019)
de.wikipedia.org: Düren (abgerufen 09.07.2019)

Literatur

Ennen, Edith (1982)
Rheinisches Städtewesen bis 1250. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VI.1.) S. 10, Köln.
Flach, Dietmar (2008)
Reichsgut 751-1024. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.17.) S. 57, Bonn.
Flink, Klaus (1974)
Düren. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung II, Nr. 9.) Köln.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 271-279, Stuttgart.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.
Wensky, Margret (2008)
Städte und Freiheiten bis 1500. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VI.2.) S. 40, Bonn.

Stadt Düren

Schlagwörter
Ort
52349 Düren
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 747

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Stadt Düren”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-296860 (Abgerufen: 22. September 2019)
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