Das 1921 eingeweihte Jugendstadion im Dürener Stadtteil Rölsdorf ist die Heimspielstätte des vorgeblich ältesten Vereins im Fußballverband Mittelrhein, der Spielvereinigung Schwarz-Weiß Düren 1896. Auf einer 1923 ergänzten ovalen Beton-Radrennbahn fanden damals auch Steher- und Motorradrennen statt.
Das Stadion Das nach Plänen des Architekten Karl Kiefer erbaute Jugendstadion wurde am 14. August 1921 eingeweiht und zählt damit zu den ältesten Stadien mit bauzeitlicher Tribüne in Deutschland. Der Text der Denkmaleintragung nennt als konstituierende und erhaltenswerte Bestandteile des Jugendstadions die Tribüne, die Radrennbahn, die Freifläche des Spielfeldes sowie die hier befindlichen Ehrenmale für Kriegsgefallene.
Auf den historischen topographischen Karten der TK 1936-1945 findet sich das Jugendstadion als „Sp.-Pl.“ ausgewiesen, während die wenige Jahrzehnte älteren Blätter der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) das Areal östlich von Rölsdorf noch gänzlich unbebaut zeigen (vgl. Kartenansicht). Bei einem der zahlreichen alliierten Luftangriffe auf Düren, bei denen die Stadt im Zweiten Weltkrieg fast völlig vernichtet wurde, wurde am 16. November 1944 auch das Stadion zerstört. Die Tribüne überstand die Bombardements hingegen fast unbeschadet. Am 12. September 1948 konnten 7.000 Zuschauer die Wiedereröffnung feiern. Heute verfügt das Jugendstadion über einen Naturrasenplatz und eine Flutlichtanlage. Seine Kapazität beträgt 6.000 Zuschauerplätze (www.europlan-online.de).
Ein Groundhopper-Internetforum (engl. groundhopping = „Platzhüpfen“ bezeichnet das Sammeln von Stadionbesuchen) berichtet 2013 geradezu begeistert: „Es ist schon fast eine Untertreibung, das Jugendstadion als Schmuckstück zu bezeichnen, denn es dürfte eins der schönsten alten Fußballstadien sein, die in Nordrhein-Westfalen oder sogar in ganz Deutschland erhalten geblieben sind. Die Anlage ... erhält einen guten Teil ihres Ambientes durch die vier Jahre später hinzugefügte Radrennbahn, die inzwischen – teilweise moosbewachsen – nicht mehr genutzt wird. Absoluter Blickfang ist aber sicherlich die Tribüne mit ihren Holzbänken und der pfeilergestützen Dachkonstruktion, die auf einer Seite mit der Aufschrift ‚Jugendstadion‘ die ganze Anlage vorstellt und die übrigens der ebenso schönen Tribüne in ebenfalls zu der Stadionlandschaft Dürens zählenden Westkampfbahn zum Verwechseln ähnlich sieht. Seitlich an die denkmalgeschützte Tribüne angebaut ist ein deutlich moderneres Gebäude zu finden, das das Vereinsheim von Schwarz-Weiß Düren beherbergt und über eine kleine Terrasse verfügt, der Rest der Anlage kann mit Ausnahme eine kleinen Stückes in einer der Kurven oberhalb der Radrennbahn begangen werden.“ (www.groundhopping.de)
Die Tribüne Die überdachte Sitztribüne ist in ihrem Unterbau massiv ausgeführt, im Erdgeschoss befinden sich Vereinsräume. Die Außenwände sind teils mit Lisenen (Mauerblenden) gegliedert. Die nach hinten stufig ansteigenden Zuschauerblöcke verfügen über Sitzreihen aus durchlaufenden Holzbänken auf Betonböcken. Ein flach geneigtes hölzernes Walmdach wird nach vorne auf 10 schmalen Stützen sowie jeweils zwei weiteren Stützen an den Schmalseiten getragen. Durch die seitlich abgestrebten Stützen entstehen gerundete, arkadenartige Öffnungen, darunter eine breitere in der Mitte zum Spielfeld hin. Der Zugang zur Tribüne erfolgt von der Spielfeldseite aus über insgesamt vier geschwungene Treppenaufgänge. Das hölzerne Dachwerk wurde nach Kriegsschäden ca. 1948 repariert und teilweise erneuert (nach dem Text der Denkmaleintragung). Im Unterbau der Tribüne befinden sich Räumlichkeiten des Vereins Schwarz-Weiß Düren und die Gaststätte Jugendstadion.
Mit Blick auf die von hier nur rund zwei Kilometer Luftlinie entfernte, im Jahr 1914 eingeweihte Tribüne der Dürener Westkampfbahn, die als die „älteste für den Fußball errichtete und nach wie vor vorhandene Holztribüne“ Deutschlands gilt, konstatiert der Stadionexperte Werner Skrentny, dass man fast meinen könne, Düren sei das„Mekka der Holztribünen“ (Skrentny 2015).
Die Rad- und Motorradrennbahn Nur zwei Jahre nach seiner Eröffnung wurde das Jugendstadion um eine Radrennbahn aus Beton ergänzt, die am 8. Juli 1923 eingeweiht wurde. Das um das Spielfeld herum verlaufende 400 Meter lange Betonoval ist auf den Geraden leicht und in den Steilkurven deutlich stärker nach außen überhöht. Die Rennbahn entstand nach Plänen eines Ingenieurs Bengel durch die Dürener Firma Beton- und Eisenbahnbau Hugo Kabza. Neben Rad- und Steherrennen – bei diesen fährt der Radrennfahrer (der Steher) im Windschatten hinter einem Motorrad (dem Schrittmacher), wodurch Spitzengeschwindigkeiten von 100 km/h erreicht werden können –, fanden bis ca. 1927 auch Motorradrennen auf der Dürener Radrennbahn statt. Für die Nachkriegszeit ist noch ein Rennen im Oktober 1948 dokumentiert (Semmeling 2009).
Die Vereine des Fußballstadions Das Jugendstadion ist der traditionelle Heimspielort der Spielvereinigung Schwarz-Weiß Düren 1896, die auf einen am 4. Mai 1896 gegründeten Verein für Jugend und Volksspiele Düren (VfJuV) zurückgeht. Die SpVgg. Schwarz-Weiß entstand Anfang 1947 durch die Fusion des VfJuV mit dem 1905 gegründeten Rölsdorfer SV. Aufgrund dieses Ursprung beansprucht Schwarz-Weiß Düren heute für sich, der älteste Verein im Fußballverband Mittelrhein zu sein (www.schwarz-weiss-dueren96.info). Aus den Reihen des Vereins entstammt u.a. der langjährige Torwart des 1. FC Köln sowie Europameister und zweifacher Vize-Weltweltmeister Harald Anton „Toni“ Schumacher (*1954). Der gebürtige Dürener hütete das Tor von Schwarz-Weiß zwischen 1962 und 1972.
Im Jahr 2001 erfolgte die Fusion der beiden größten Vereine in Düren, als sich die Schwarz-Weißen mit den auf der Westkampfbahn beheimateten Schwarz-Roten der SG Düren 99 zu der Sportgemeinschaft Düren von 1899 e.V. (SG SW Düren 99) zusammenschloss. Nach vereinsinternen Querelen und Streitereien wurde die Fusion von 2001 bereits nach wenigen Jahren wieder rückgängig gemacht und beide Vereine der kurzlebigen SG erhielten ihre Selbständigkeit zurück. In der Folge gründete sich die SpVgg Schwarz-Weiß Düren 2005 neu.
Baudenkmal Das Jugendstadion gilt laut Denkmaleintragung als „bedeutend für Düren und die Geschichte des Menschen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftlichen, hier architektur- und kulturgeschichtlichen sowie ortsgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse.“ Seit dem 20. Oktober 2016 ist das Jugendstadion eingetragenes Baudenkmal gemäß § 3 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (UDB Nr. 1/151 / LVR-ADR Nr. 62905).
Rennen! Races! Vitesse! Racing Circuits Netherlands, Belgium, Germany, Austria, Luxembourg, Switzerland. S. 127, o. O. Online verfügbar: www.wegcircuits.nl, abgerufen am 18.06.2020
Skrentny, Werner (2015)
Es war einmal ein Stadion. Verschwundene Kultstätten des Fußballs. S. 160-161, Göttingen.
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1921
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