Eisenhütte in Lendersdorf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Düren
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ölgemälde von Carl Schütz (1838): Die Fabrikanlage des Lendersdorfer Walzwerks der Unternehmerfamilie Hoesch mit zahlreichen rauchenden Schornsteinen.

    Ölgemälde von Carl Schütz (1838): Die Fabrikanlage des Lendersdorfer Walzwerks der Unternehmerfamilie Hoesch mit zahlreichen rauchenden Schornsteinen.

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  • Gießereihalle der Lendersdorfer Eisenhütte an der Hüttenstraße

    Gießereihalle der Lendersdorfer Eisenhütte an der Hüttenstraße

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  • Gießereihalle der Lendersdorfer Eisenhütte an der Hüttenstraße

    Gießereihalle der Lendersdorfer Eisenhütte an der Hüttenstraße

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  • Firmenschild am Haupteingang zum Gelände der ehemaligen Lendersdorfer Hütte

    Firmenschild am Haupteingang zum Gelände der ehemaligen Lendersdorfer Hütte

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  • Lendersdorfer Mühlenteich an der ehemaligen Lendersdorfer Hütte im Ortszentrum Lendersdorf

    Lendersdorfer Mühlenteich an der ehemaligen Lendersdorfer Hütte im Ortszentrum Lendersdorf

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Am Vorabend des Ersten Weltkriegs wurde Düren als „Stadt der Millionäre“ bezeichnet und galt als eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands sowie als zweitreichste Stadt in Preußen. Dies lag vor allem daran, dass sich Düren zu einer wichtigen Industriemetropole im Rheinland entwickelt hatte. Bereits 1880 gab es an die 93 Fabrikbetriebe, darunter auch die Eisengießerei der Familie Hoesch in Lendersdorf.

Einer der bedeutendsten Betriebe der linksrheinischen Eisenindustrie war lange Zeit die Lendersdorfer Hütte im gleichnamigen Ort am Lendersdorfer Mühlteich. Die Anfänge des Werks reichen bis ins 17. Jahrhundert hinein. Einige Dürener und Lendersdorfer Bürger waren wohl in dem Metier der Eisenverarbeitung tätig und erhielten 1613 eine Konzession zum Betrieb einer Eisenhütte. Namentlich waren dies Dederich Bürvenich, Hillebrand Sensenschmitt und Genossen. Wahrscheinlich wurde das Anliegen durch die neu entdeckten Eisenerzlagerstätten zwischen Lendersdorf und Kreuzau begünstigt. Für die Nutzung des Wassers aus dem Lendersdorfer Mühlenteich war eine jährliche Abgabe von 4 Reichstalern erforderlich (Neu 1988, S. 214).

Neben der Wasserkraft zum Betrieb der Lüftung (Blasebälge) für den Hochofen und der Hämmer war vor allem Holzkohle als Energieträger von größter Bedeutung. Sie kam aus den Wäldern der nahe gelegenen Eifel. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das hier produzierte Eisen als eines der besten der Region gelobt (Neu 1988, S. 214), nicht zuletzt durch die Qualität der verwendeten Holzkohle. Sie verursachte auf der anderen Seite aber immer wieder Engpässe in der Produktion, denn der Mangel an diesem Rohstoff verschärfte sich im Laufe der Zeit zunehmend. Deshalb lagen ab 1736 Hütte und Hammer für mehr als 40 Jahre still (www.rheinische-industriekultur.de). Die Familie Deutgen blieb jedoch weiterhin Miteigentümerin der Anlage, und so erhielten die Brüder Jacob Theodor und Leonhard Bernhard Deutgen 1780 eine erneute Konzession zum Betrieb der Hütte. Produziert wurde vor allem Stabeisen (9.000 bis 10.000 Pfund pro Woche) (Neu 1988, S. 214). Um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert wurde das Werk ausgeweitet und besaß neben einem Hochofen eine Gießerei, einen Eisenhammer, eine Schneidmühle und eine Walzmaschine für Eisen- und Messingblech. „Auch in dieser Zeit (1815, Verf.) lieferte die Lendersdorfer Hütte neben Stahl-, Ahrhütte und Jünkerath das beste Eisen der Eifel. Fachleute stuften es mit dem Prädikat vorzüglich ein“ (Neu 1988, S. 215). „Während der achtmonatigen Hüttenkampagne waren zwei Schmelzer, zwei Aufgeber, neun Hammerschmiede und ebenso viele Hammerknechte auf der Hütte tätig. Produziert wurden 465.000 Pfund Gusseisen und 350.000 Stabeisen im Jahr. Das Eisen wurde nach Frankreich und an den Niederrhein abgesetzt“ (www.rheinische-industriekultur.de).

Doch die eigentliche Blütezeit des Werkes sollte noch beginnen. 1820 erwarben die Brüder Wilhelm (1791-1831) und Eberhard (1790-1852) Hoesch die Anlage. Zusammen mit dem Betrieb in Schneidhausen und dem Hüttenwerk in Zweifallshammer an der Kall in der Eifel firmierte die Hütte in Lendersdorf nun als Firma Gebrüder Eberhard und Wilhelm Hoesch. Damit einher ging auch eine Spezialisierung, da Zweifallshammer als Hüttenwerk für Gusseisen, Lendersdorf insbesondere als Hammer- und Walzwerk betrieben wurde (ebd.).

Doch damit nicht genug. In England war eine starke Konkurrenz auf dem Eisenmarkt durch neue Technologien entstanden. Deshalb reiste Eberhard Hoesch 1823 nach England und informierte sich dort – möglicherweise auch im Rahmen von Industriespionage – über das neue Puddelverfahren. Bei diesem Verfahren, einer neuen Art des „Frischens“ des Eisens, wurde das Metall unter intensivem Rühren und Aufbrechen von Schlacke mit starker Sauerstoffzufuhr gemischt, sodass der Kohlenstoffgehalt durch chemische Prozesse und später durch intensives Hämmern reduziert wurde und der wesentlich haltbarere Stahl entstand. Das Metall kam auch nicht mehr, wie in alten Hochöfen, mit der Steinkohle in Kontakt, sondern wurde in Wannen geschmolzen. Als zusätzliche Neuerung verwendeten die Hoeschs zum ersten Mal im Rheinland solche neuen Puddelöfen, die sie zusätzlich ab 1827 mit vorgewärmtem Gebläsewind versorgten. Damit war das Lendersdorfer Werk eines der ersten überhaupt, das auf dem Kontinent Stahl erzeugen konnte, ein Schlüsselprodukt der Industrialisierung. 1832 umfasste es neun Puddelöfen, drei Walzstraßen, drei Dampfmaschinen, fünf Schweißöfen und zwei Dampfhämmer. Die notwendige Steinkohle kam aus dem Eschweiler Revier (ebd.).

Ab 1837 wurden in Lendersdorf Eisenbahnschienen, die ersten auf dem Kontinent, als „Massenprodukt“ gefertigt. Die Nachfrage war groß, da zu dieser Zeit ein „Boom“ des Streckenausbaus dieses neuen Verkehrsmittels einsetzte. Deshalb gründete Eberhard Hoesch 1846/47 ein weiteres Puddelwerk in Eschweiler. In Lendersdorf kam der Betriebszweig des Maschinenbaus hinzu mit der wohl frühesten Maschinenfabrik im Dürener Raum (ebd.). Nach dem Tod von Eberhard Hoesch übernahm sein Neffe Leopold die Firmenleitung 1852 und baute das Werk weiter aus und um. Doch trotz weiterer Modernisierungen und Vergrößerungen kam 1871 die Entscheidung der Hoeschs, ein Eisen- und Stahlwerk in Dortmund zu gründen und damit die Hauptproduktion ins Ruhrgebiet zu verlagern. 1875 wurde das Hüttenwerk aufgegeben und an die 1.000 Arbeiter verloren ihre Stelle. In den 1880er Jahren erfolgte eine Stilllegung der Walzwerke. Allein die Gießerei konnte sich mit Spezialgüssen in Lendersdorf noch halten. 1914 wurde sogar ein Neubau einer Gießereihalle in Angriff genommen (ebd.). Damit ist die Lendersdorfer Hütte ein gutes Beispiel, dass auch Endes des 19. Jahrhunderts energieintensive Produktionen zunächst in die Nähe von Energieträgern (Steinkohle, Koks) verlagert wurden und die Industrieregion der Eifel und Voreifel mit ihren Bodenschätzen, die noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts von großer Wichtigkeit waren, völlig an Bedeutung verloren. Die Lendersdorfer Anlage blieb bis weit ins 20. Jahrhundert Hoesch-Besitz. Inzwischen gibt es auf dem Gelände mehrere, unter anderem Metall verarbeitende Betriebe. Von der Hüttenstraße / Ecke Hauptstraße aus fällt vor allem das historische Gießereigebäude (wohl aus dem Jahr 1856/57) auf.

Unvergessen bleibt in Düren dagegen das soziale und bürgerliche Engagement der Familie Hoesch, unter anderem durch das mit Stiftungsgeldern 1905 errichtete Leopold-Hoesch-Museum. Eberhard Hoesch junior, der Sohn des Firmengründers in Lendersdorf, war ein wichtiger Mäzen der Stadt, der zahlreiche Stiftungen gründete und unter anderem 500.000 Mark zum Bau des Stadttheaters spendete. Technischer Fortschritt war nicht nur im wirtschaftlichen Leben der Hoeschs von hoher Bedeutung, sondern umfasste auch den Privatbereich. So war Eberhard Hoesch junior derjenige in Düren, in dessen Privathaus 1879 die erste elektrische Hausbeleuchtung installiert war (de.wikipedia.org).

(Gabriele Harzheim, 2013, erstellt für den LVR-Fachbereich Umwelt im Rahmen des Projektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ www.rheinland1914.lvr.de)

Internet
de.wikipedia.org: Chronik der Stadt Düren 1876-1900 (abgerufen am 27.02.2013)
www.rheinische-industriekultur.de: Die Lendersdorfer Hütte in Düren (abgerufen am 25.02.2013)

Literatur

Neu, Peter (1988)
Eisenindustrie in der Eifel (1. Auflage). (Werken und Wohnen 16.) Köln.

Eisenhütte in Lendersdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hüttenstraße
Ort
52355 Düren - Lendersdorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1613
Koordinate WGS84
50° 45′ 52,62″ N, 6° 28′ 48,73″ O / 50.76462°, 6.4802°
Koordinate UTM
32U 322305.1 5626677.4
Koordinate Gauss/Krüger
2533923.18 5625571.32

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„Eisenhütte in Lendersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-71456-20130815-3 (Abgerufen: 19. November 2018)
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