Früher wurden sie auf dem Rhein häufig gesichtet: Riesige Flöße mit mehreren Hundert Quadratmetern Grundfläche. Viele junge Männer aus Camp und Bornhofen - heute Kamp-Bornhofen - arbeiteten als Flößer und fuhren mit den großen Flößen den Fluss hinunter bis nach Dordrecht. Das Leben der Flößer war hart und von Entbehrungen gekennzeichnet, zudem waren die Flößer teilweise mehrere Wochen unterwegs und mussten den Heimweg aus den Niederlanden zu Fuß zurücklegen. Den ehemaligen Floßliegeplatz kennen nur noch Eingeweihte.
In der Region um Kaub befinden sich große Vorkommen von Ton- bzw. Dachschiefer. Aus diesem Grund wurde hier über Jahrhunderte hinweg Schieferabbau betrieben und viele Menschen der Region lebten vom Schieferbergbau. Ein herausragendes Relikt aus dieser Zeit ist das Bergwerk Wilhelm-Erbstollen in Kaub, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet und bis 1972 genutzt wurde. Der hier abgebaute Rohstoff fand Verbreitung von Rotterdam bis Istanbul und St. Petersburg.
Ebenfalls war Kaub für seine Lotsen bekannt. Diese kannten den Rhein und lotsten auch große Schiffe durch und gefährliche Engstellen, Riffe, Strömungen und Untiefen. Im Lotsenhaus in Kaub, heute Lotsenmuseum am Rheinufer, warteten die Lotsen auf Kundschaft.
Eine weitere historische Tätigkeit am Oberen Mittelrhein war das Treideln von Schiffen auf dem Rhein. Den Rhein hinunter könnten sich Schiffe einfach von der Strömung treiben lassen, teilweise unterstützt von einem Segel sowie Heck- und Bugsteuer. Stromaufwärts aber waren Schiffe vor Aufkommen der Dampf- und Motorschifffahrt auf das Treideln angewiesen. Beim Treideln wurden Schiffe vom Land aus von Menschen oder Zugtieren gegen die Strömung bergauf gezogen. Ein Fuhrmann, der mit Hilfe seines Pferdes Schiffe flussaufwärts schleppt, wurde als Treidler bezeichnet, im Rheinland auch Halfer oder Halfterer genannt. Das Treideln geschah mit einem langen Tau, das bei größeren Schiffen oben am Mast befestigt war. Ein zweites kurzes Seil lief von der Schleppleine zum Schiffsbug, um diesen in Fahrtrichtung zu bringen und das Steuern zu erleichtern. Durch die Mastbefestigung wurde verhindert, dass die Leine nicht bis ins Wasser durchhängt oder sich im Ufergestrüpp verfing. Treidelpfade lassen sich heute noch vermehrt am Rheinufer finden.
Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein gab es eine Vielzahl verschiedener Herrschaftsbereiche im heutigen Oberen Mittelrheintal, so dass beim Schiffsverkehr über den Rhein vielfach Grenzen übertreten wurden. Diesen Umstand und die Notwendigkeit für die Schiffer, den Rhein nutzen zu müssen, machten sich die Landesherren zu Nutzen und Ihre Zöllner erhoben den Rheinzoll. Noch heute zeugen viele Türme, Burgen und befestigte Zollstationen davon, wie diese Zolle eingezogen wurden. Beispiele dafür findet man in Bacharach, Kaub oder Oberwesel.
Heute ist man erleichtert, dass sich der Fischbestand im Rhein zunehmend erholt. Früher gehörte Fischerei im Rhein zur Sicherung der Lebensgrundlagen. Eine beliebte Stelle befand sich oberhalb von Sankt Goar. In der Nähe des Felsens, der die Bank heißt, wird der Rhein in ein enges, aber tiefgefurchtes Flussbett gezwungen. Hier an den Uferzonen und teils weiter im Strom hatten im 19. Jahrhundert die Salmfischer ihre Hütten, in denen sie versteckt den Rheinsalm - Rheinlachs - hoben.
Die genannten und viele weitere Berufe im Oberen Mittelrheintal haben die Zeiten nicht überdauert oder wandelten sich mit der Zeit sehr, u.a. Gerber, Schiffer, Fährbetreiber und - den vielleicht skurrilsten Beruf - den des Echobläsers. Sie alle aber prägten das Leben der Menschen am Oberen Mittelrhein und hinterließen in der Region ihre Spuren, auch in den Menschen selbst.
(Florian Weber, Universität Koblenz, 2026)