Mäuseturm bei Bingen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz)
Kreis(e): Mainz-Bingen
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Der auf einer Rheininsel im Bereich des "Binger Lochs" stehende Wehr- und Wachturm Mäuseturm bei Bingen (2012).

    Der auf einer Rheininsel im Bereich des "Binger Lochs" stehende Wehr- und Wachturm Mäuseturm bei Bingen (2012).

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  • Historische Ansicht vom Rhein bei Bingen mit dem Mäuseturm und der Burgruine Ehrenfels. Aquarellierter Kupferstich aus dem Jahr 1792 von Johann Andreas Ziegler (1749-1802).

    Historische Ansicht vom Rhein bei Bingen mit dem Mäuseturm und der Burgruine Ehrenfels. Aquarellierter Kupferstich aus dem Jahr 1792 von Johann Andreas Ziegler (1749-1802).

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    Ziegler, Johann Andreas / gemeinfrei
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    Johann Andreas Ziegler
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Topographische Gegebenheiten
Nördlich von Bingen tritt der Rhein in das Rheinische Schiefergebirge. Hier grub er sich während des Auffaltens der Schieferschichten seine Wasserrinne. Es entstand so das kurvenreiche, teilweise schluchtartige Flusstal.

Schifffahrt
Seit der Römerzeit wird der Rhein als Wasser- und Handelsstraße genutzt. Da das Strombett nicht sehr tief war, mussten Menschen und Güter mit flachkieligen Segelschiffen stromabwärts befördert werden. Zudem machten territoriale Zollschranken und Stapelrechte zahlreicher Anrainerorte die Schifffahrt auf dem Rhein zeitraubend und gefährlich.
Erstmals beschäftigte sich 1815 der Wiener Kongress mit dem Ziel einer freien Rheinschifffahrt. Als Folge bildeten die Anliegerstaaten Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, Nassau, die Niederlande und Preußen die „Centralkommission für die Rheinschifffahrt.“ Sie vereinbarten, die Freiheit der Schifffahrt bis in das offene Meer zu garantieren, das Stapelrecht abzuschaffen und alle technischen Schifffahrtshindernisse zu beseitigen. Eine geographisch und politisch besondere Stellung kam der Rheinenge bei Bingen zu, dem „Binger Loch“, wo Felsriffe für die Schifffahrt eine natürliche Sperre bildeten.

Der Mäuseturm
Mit dem Bau der Burg Ehrenfels auf dem rechten Ufer schufen die Mainzer Erzbischöfe im 13. Jahrhundert, verbunden mit einem Zollhaus am Ufer, eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Als Wart- und Außenposten wurde im 14. Jahrhundert auf einer Felsklippe im Strom der Mäuseturm errichtet, eigentlich ein „Mautturm“. Der Volksmund umrankte den Turm mit der Geschichte vom hartherzigen Mainzer Erzbischof Hatto, der von Mäusen gefressen im Turm elendig umkam. Die territoriale Neuordnung von 1815 machte den Mäuseturm zum Grenzpunkt zwischen Preußen und Hessen-Darmstadt auf dem linken sowie Nassau auf dem rechten Rheinufer. Mit den Sprengarbeiten im Binger Loch in den Jahren 1830-1841 und 1860 zur Beseitigung gefährlicher Felsriffe ging eine Instandsetzung des Mäuseturms und der Neubau des obersten Geschosses in den Jahren 1855-56 einher. Mit reichem Zinnenabschluss sollte der Turm dem zu Tal fahrenden Reisenden „den Eintritt in die Staaten eines mächtigen Königs“, wie in der zeitgenössischen Literatur zu lesen ist, verdeutlichen und gleichzeitig als Signalturm für die Schifffahrt sowie als Wohnung für einen Aufseher dienen.
Nach Ideen von Rhein-Schifffahrts-Inspektor Butzke und Strom-Baudirektor Nobiling, dem Planer und Organisator der Rheinregulierung, lieferte Wasser-Bauinspektor Gärtner einen ersten Entwurf. Diesen veränderte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. eigenhändig durch Hinzufügen der Ecktürme und des Treppenturmes, um die Baumasse des Turmes höher und gleichzeitig romantischer erscheinen zu lassen. Die Ausführungsplanung stammte vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner in Verbindung mit Friedrich Albert Cremer. Die Bauleitung besorgte Wasser-Bauinspektor Hipp.

(Autor: Paul-Georg Custodis, bearbeitet von: Christoph Boddenberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2014)

Internet
www.danke-berlin-2015.de: 200 Jahre Preußen am Rhein (abgerufen 09.09.2014)

Literatur

Kremer, Bruno P. (2010)
Der Rhein - Von den Alpen bis zur Nordsee. Duisburg.
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (2014)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2015 (Jahreskalender 2015, 44. Jahrgang). Köln.

Mäuseturm bei Bingen

Schlagwörter
Ort
55411 Bingen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1301 bis 1400
Koordinate WGS84
49° 58′ 19,37″ N, 7° 52′ 49,45″ O / 49.97205°, 7.8804°
Koordinate UTM
32U 419716.02 5536123.44
Koordinate Gauss/Krüger
3419759.05 5537898.51

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„Mäuseturm bei Bingen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102026-20140903-3 (Abgerufen: 18. August 2018)
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