Mäuseturm bei Bingen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz)
Kreis(e): Mainz-Bingen
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 58′ 19,37″ N: 7° 52′ 49,45″ O 49,97205°N: 7,8804°O
Koordinate UTM 32.419.716,02 m: 5.536.123,44 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.419.759,05 m: 5.537.898,51 m
  • Mäuseturm bei Bingen (2014)

    Mäuseturm bei Bingen (2014)

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  • Der auf einer Rheininsel im Bereich des "Binger Lochs" stehende Wehr- und Wachturm Mäuseturm bei Bingen (2012).

    Der auf einer Rheininsel im Bereich des "Binger Lochs" stehende Wehr- und Wachturm Mäuseturm bei Bingen (2012).

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  • Bingen, Mäuseturm im Rhein (2011)

    Bingen, Mäuseturm im Rhein (2011)

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  • bingen, Mäuseturm im Rhein bei Niedrigwasser (2011)

    bingen, Mäuseturm im Rhein bei Niedrigwasser (2011)

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  • Bingen, Mauseturm im Rhein bei Niedrigwasser mit Spiegelbild (2011)

    Bingen, Mauseturm im Rhein bei Niedrigwasser mit Spiegelbild (2011)

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  • Historische Ansicht vom Rhein bei Bingen mit dem Mäuseturm und der Burgruine Ehrenfels. Aquarellierter Kupferstich aus dem Jahr 1792 von Johann Andreas Ziegler (1749-1802).

    Historische Ansicht vom Rhein bei Bingen mit dem Mäuseturm und der Burgruine Ehrenfels. Aquarellierter Kupferstich aus dem Jahr 1792 von Johann Andreas Ziegler (1749-1802).

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Der Mäuseturm bei Bingen diente einst als Maut- und Zollstelle. Hier erhoben und kassierten Zöllner im Namen der Mainzer Erzbischöfe von den vorbeifahrenden Schiffen Maut. Zudem ist dieser Ort Schauplatz der Sage vom hartherzigen Erzbischof Hatto von Mainz.

Topographische Gegebenheiten
Nördlich von Bingen tritt der Rhein in das Rheinische Schiefergebirge. Hier grub er sich während des Auffaltens der Schieferschichten seine Wasserrinne. Es entstand so das kurvenreiche, teilweise schluchtartige Flusstal.

Schifffahrt
Seit der Römerzeit wird der Rhein als Wasser- und Handelsstraße genutzt. Da das Strombett nicht sehr tief war, mussten Menschen und Güter mit flachkieligen Segelschiffen stromabwärts befördert werden. Zudem machten territoriale Zollschranken und Stapelrechte zahlreicher Anrainerorte die Schifffahrt auf dem Rhein zeitraubend und gefährlich.
Erstmals beschäftigte sich 1815 der Wiener Kongress mit dem Ziel einer freien Rheinschifffahrt. Als Folge bildeten die Anliegerstaaten Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, Nassau, die Niederlande und Preußen die „Centralkommission für die Rheinschifffahrt.“ Sie vereinbarten, die Freiheit der Schifffahrt bis in das offene Meer zu garantieren, das Stapelrecht abzuschaffen und alle technischen Schifffahrtshindernisse zu beseitigen. Eine geographisch und politisch besondere Stellung kam der Rheinenge bei Bingen zu, dem „Binger Loch“, wo Felsriffe für die Schifffahrt eine natürliche Sperre bildeten.

Der Mäuseturm
Mit dem Bau der Burg Ehrenfels auf dem rechten Ufer schufen die Mainzer Erzbischöfe im 13. Jahrhundert, verbunden mit einem Zollhaus am Ufer, eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Als Wart- und Außenposten wurde im 14. Jahrhundert auf einer Felsklippe im Strom der Mäuseturm errichtet, eigentlich ein „Mautturm“. Die territoriale Neuordnung von 1815 machte den Mäuseturm zum Grenzpunkt zwischen Preußen und Hessen-Darmstadt auf dem linken sowie Nassau auf dem rechten Rheinufer. Mit den Sprengarbeiten im Binger Loch in den Jahren 1830-1841 und 1860 zur Beseitigung gefährlicher Felsriffe ging eine Instandsetzung des Mäuseturms und der Neubau des obersten Geschosses in den Jahren 1855-56 einher. Mit reichem Zinnenabschluss sollte der Turm dem zu Tal fahrenden Reisenden „den Eintritt in die Staaten eines mächtigen Königs“, wie in der zeitgenössischen Literatur zu lesen ist, verdeutlichen und gleichzeitig als Signalturm für die Schifffahrt sowie als Wohnung für einen Aufseher dienen.

Nach Ideen von Rhein-Schifffahrts-Inspektor Butzke und Strom-Baudirektor Nobiling, dem Planer und Organisator der Rheinregulierung, lieferte Wasser-Bauinspektor Gärtner einen ersten Entwurf. Diesen veränderte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. eigenhändig durch Hinzufügen der Ecktürme und des Treppenturmes, um die Baumasse des Turmes höher und gleichzeitig romantischer erscheinen zu lassen. Die Ausführungsplanung stammte vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner in Verbindung mit Friedrich Albert Cremer. Die Bauleitung besorgte Wasser-Bauinspektor Hipp.

Die Legende vom hartherzigen Erzbischof Hatto
Im 10. Jahrhundert regierte in Mainz Erzbischof Hatto II. (Abt von Fulda, Erzbischof von Mainz (seit 968), † 18.(17.?)1.970 siehe deutsche-biografie.de) Der Legende nach war er extrem geizig, reich und verteilte den Armen kein Brot, obwohl seine Scheuer voll Korn und seine Schatzkammern voll Gold waren. Eine Hungersnot brach durch eine Teuerung der Lebensmittel aus und viele Menschen starben, während immer mehr verarmte Bürger vor Hatto’s Burg standen und nach Brot verlangten. Hatto verweigerte ihnen die Almosen und schmähte sie als „unnützes Volk“. Die verzweifelten Menschen ließen nicht von ihrem Flehen ab, woraufhin Hatto seine Schergen losschickte, die Gefangene – Männer, Frauen, Greise und Kinder – einfingen und in einer alten Scheune einschlossen und anzündeten. Die Scheune brannte lichterloh, und schreckliche Schreie hallten durch Mainz. Hatto zeigte sich ungerührt und verspottete die Opfer.

Darauf offenbarte sich eine göttliche Strafe: Aus der brennenden Scheune strömten unzählige Mäuse, die sich rasch ausbreiteten und zum Schloss des Bischofs zogen. Hatto floh vor der Mäuseplage, doch egal wohin er flüchtete – Hauptsächlich durch Mainz und weiter durchs Land – folgte ihm die mausgraue Flut. Schließlich suchte er Zuflucht auf einer Rheininsel bei Bingen in einem hohen Turm, in dem er in einem an Ketten hängenden Bett im obersten Stockwerk Schutz suchte. Doch die Mäuse folgten ihm auch dort hinauf. Am Morgen des nächsten Tages umzingelten sie den Turm erneut. Hatto versuchte zu entkommen, stürzte aber über eine schier riesige Menge von Mäusen, die an ihm hochkletterten und ihn bissen. Er kämpfte gegen die Nager, konnte fliehen und kehrte zum Turm zurück. Dort versteckte er sich im Bett und starb, indem er von den Mäusen bei lebendigem Leibe aufgefressen wurde. Danach verschwanden die Mäuse wieder und man fand man nur noch das Gerippe des Bischofs im Turm. Seitdem wird der Turm Mäuseturm genannt und man berichtete in der Vergangenheit von einer dunklen Gestalt, die manchmal des Nachts am Turm zu sehen sei.

(Autor: Paul-Georg Custodis, bearbeitet von: Christoph Boddenberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2014 und Florian Weber, Universität Koblenz, 2026)


Internet
www.danke-berlin-2015.de: 200 Jahre Preußen am Rhein (abgerufen 09.09.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 17.04.2026)
www.deutsche-biographie.de: Hatto II. (abgerufen 27.04.2026)
www.regionalgeschichte.net: Erzbischof Hatto und der Mäuseturm (abgerufen 27.04.2026)

Literatur

Kremer, Bruno P. (2010)
Der Rhein. Von den Alpen bis zur Nordsee. Duisburg.
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (2014)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2015. Köln.

Mäuseturm bei Bingen

Schlagwörter
Ort
55411 Bingen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1301 bis 1400

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„Mäuseturm bei Bingen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102026-20140903-3 (Abgerufen: 14. Mai 2026)
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