Spuren der Familie Mendelssohn in Horchheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
  • Die Familie Mendelssohn in Horchheim (1860)

    Die Familie Mendelssohn in Horchheim (1860)

    Copyright-Hinweis:
    Stadtarchiv Koblenz, FA 1, Nr. 240-M
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Kurze Audio-Vorstellung von Joseph Mendelssohn, der 1818 das Gut in Horchheim kaufte

    Kurze Audio-Vorstellung von Joseph Mendelssohn, der 1818 das Gut in Horchheim kaufte

    Copyright-Hinweis:
    Florian Weber via elevenlabs.io
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber via elevenlabs.io/
    Medientyp:
    Audio
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Kurze Audio-Vorstellung von Lea Mendelssohn Batholdy

    Kurze Audio-Vorstellung von Lea Mendelssohn Batholdy

    Copyright-Hinweis:
    Florian Weber via elevenlabs.io
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber via elevenlabs.io/
    Medientyp:
    Audio
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Gesellschaftsporträt im Garten der Familie Mendelssohn in Horchheim (1859)

    Gesellschaftsporträt im Garten der Familie Mendelssohn in Horchheim (1859)

    Copyright-Hinweis:
    Stadtarchiv Koblenz, FA 1, Nr. 240-M
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1886)

    Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1886)

    Copyright-Hinweis:
    Ortsmuseum Koblenz-Horchheim, Fotosammlung Heimatfreunde Horchheim e.V.
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Audio zur Zeichnung mit einer Ansicht Horchheims um 1828 von Felix Mendelssohn

    Audio zur Zeichnung mit einer Ansicht Horchheims um 1828 von Felix Mendelssohn

    Copyright-Hinweis:
    Florian Weber via elevenlabs.io
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber via elevenlabs.io/
    Medientyp:
    Audio
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Die Familie von Joseph Mendelssohn verbrachte von 1821 bis in die späten 1860er Jahre regelmäßig die Spätsommer- und Herbstmonate in Horchheim. Dabei hielten sich vor allem zwei Linien der weitverzweigten Familie am Rhein auf: die später 1888 geadelte Familie Mendelssohn sowie die 1896 geadelte Linie Mendelssohn-Bartholdy. Beide Familienzweige waren im Bankwesen tätig und gemeinsam Eigentümer des Horchheimer Gutes. Familienmitglieder, die sich während der Sommermonate in Horchheim aufhielten, wurden innerhalb der Familie häufig als „die Horchheimer“ bezeichnet. Häufig kamen weitere Verwandte hinzu. Zum erweiterten Kreis der Sommergäste gehörten auch Freunde und Bekannte der Familie, darunter Alexander von Humboldt, Ludwig Uhland und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Die mehrwöchigen Aufenthalte erforderten eine umfangreiche Reiseorganisation. Neben der Familie reisten Bedienstete, Kutscher, Pferde, Wagen und Teile des Hausrats von Berlin nach Horchheim. Auch nachdem die Familie Mendelssohn in den späten 1890er Jahren Horchheim verließ, hinterließ sie dort bleibende Spuren.

Für Horchheim wichtige Mitglieder der Familie Mendelssohn
Henriette (Hinni) Mendelssohn geb. Meyer (1776-1862)
Joseph Mendelssohn (1770-1848)
Georg Benjamin (Benjamin) Mendelssohn (1794-1874)
Alexander Mendelssohn (1798-1871)
Die Mendelssohns im Kontext der napoleonischen Reparationszahlungen
Erwerb und Ausbau des Landguts in Horchheim
Sommermonate in Horchheim
Horchheim wird zum kulturellen Zentrum
Soziales Engagement und Beziehungen zur Horchheimer Bevölkerung
Kunstentfaltung in Horchheim
Tod und Erinnerungskultur
Rückzug und Auflösung des Horchheimer Besitzes
Quellen / Internet

Für Horchheim wichtige Mitglieder der Familie Mendelssohn
Im sogenannten Mendelssohn-Zimmer der Heimatfreunde Horchheim im Ortsmuseum Horchheim werden vier Mitglieder der Familie Mendelssohn präsentiert, deren Lebenswege in unterschiedlicher Weise mit Horchheim und dem dortigen Familiengut verbunden sind. Die Ausstellung vereint biografische Zeugnisse einer Familie, die im 19. Jahrhundert sowohl im Berliner Wirtschafts- und Geistesleben als auch am Mittelrhein Spuren hinterließ. Die ausgestellten Porträts beziehen sich auf Joseph Mendelssohn, seine Ehefrau Henriette (Hinni) Mendelssohn geb. Meyer sowie ihre Söhne Benjamin (Georg Benjamin) und Alexander Mendelssohn.

Henriette (Hinni) Mendelssohn geb. Meyer (1776-1862)
Henriette Mendelssohn wurde am 13. Februar 1776 in Alt-Strelitz geboren und starb am 4. Dezember 1862 in Berlin, wo sie auch beigesetzt wurde. Sie entstammte der Familie des Kammeragenten Nathan Meyer (auch Nathan Meyer Katz), der in enger Verbindung zu Moses Mendelssohn stand. 1793 heiratete sie Joseph Mendelssohn. Aus der Ehe gingen unter anderem die Söhne Benjamin und Alexander hervor. Die Ehe bestand über Jahrzehnte hinweg und blieb bis zum Tod Joseph Mendelssohns im Jahr 1848 erhalten. Henriette Mendelssohn spielte im Kontext des wachsenden Berliner Bankhauses eine repräsentative Rolle und trat insbesondere im Rahmen gesellschaftlicher Zusammenkünfte in Erscheinung, sowohl in Berlin als auch auf dem Familiengut in Horchheim, das seit 1819 im Besitz der Familie war. Zeitgenössische Wahrnehmungen beschreiben sie als zurückhaltende, zugleich würdevolle Persönlichkeit. Kontakte bestanden unter anderem zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel im Berliner Umfeld. In ihren späteren Lebensjahren pflegte sie eine engere Beziehung zu Alexander von Humboldt, der sie nach dem Tod ihres Ehemannes unterstützend begleitete. Henriette Mendelssohn gilt als eher introvertierte Persönlichkeit mit wenigen, jedoch engen Beziehungen. Sie war die letzte der frühen Generation der Familie Mendelssohn, die noch in unmittelbarer Verbindung zu Moses Mendelssohn stand.
nach oben

Joseph Mendelssohn (1770-1848)
Joseph Mendelssohn wurde am 11. August 1770 in Berlin geboren und starb dort am 24. November 1848. Er war der Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn und dessen Ehefrau Fromet Gugenheim.
Nach einer kaufmännischen Ausbildung gründete er 1795 das Bankhaus Mendelssohn & Co., das sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Berliner Privatbankhaus entwickelte. Neben der ursprünglichen Tätigkeit im Handels- und Kreditgeschäft engagierte sich das Unternehmen zunehmend in staatlichen Finanzgeschäften, insbesondere nach dem Wiener Kongress, sowie in internationalen Bankverbindungen, unter anderem mit dem Rothschild-Konsortium. Später kamen Beteiligungen an Eisenbahnfinanzierungen hinzu, die zur Entwicklung des Berliner Finanzplatzes beitrugen. Joseph Mendelssohn war zudem an der Gründung des Berliner Kassen-Vereins (1823) beteiligt und übernahm von 1833 bis 1845 die Leitung der Berliner Korporation der Kaufmannschaft. Auch gesellschaftlich und kulturell war er aktiv, unter anderem durch die Beteiligung an Reform- und Wohlfahrtsinitiativen innerhalb der jüdischen Gemeinde sowie durch Mitwirkungen an wirtschafts- und bildungspolitischen Vereinigungen. Er gilt als eine zentrale Figur der frühen Berliner Bankenentwicklung und der wirtschaftlichen Modernisierung im 19. Jahrhundert.

Georg Benjamin (Benjamin) Mendelssohn (1794-1874)
Georg Benjamin Mendelssohn wurde am 15. November 1794 in Berlin geboren und starb am 24. August 1874 auf dem Gut Horchheim bei Koblenz; seine Grabstätte befindet sich in Bonn. Er war der ältere Sohn von Joseph und Henriette Mendelssohn. Nach einem begonnenen Medizinstudium in Berlin wandte er sich bald auch geographischen Studien zu. Während der Befreiungskriege nahm er militärisch aktiv teil. Nach Kriegsende setzte er seine Studien in Berlin sowie auf dem Familiengut in Horchheim fort und unternahm Reisen durch Deutschland, die Schweiz und Italien. 1821 konvertierte er in Kiel zum Christentum und nahm den Namen Georg an. 1828 promovierte er und habilitierte sich später an der Universität Bonn im Fach Geographie. 1835 erschien sein Hauptwerk „Das germanische Europa. Zur geschichtlichen Erdkunde“. Im selben Jahr wurde er zum außerordentlichen Professor für Geographie und Statistik in Bonn berufen, später auch zum Ordinarius (1847), wobei seine akademische Tätigkeit innerhalb der Fakultät wiederholt kritisch bewertet wurde. In seinen letzten Lebensjahrzehnten zog sich Mendelssohn zunehmend aus der akademischen Öffentlichkeit zurück und lebte zeitweise auf dem Gut in Horchheim. Er vertrat im politischen Kontext überwiegend konservative Positionen und war in den 1850er Jahren noch publizistisch tätig, bevor er sich endgültig aus dem öffentlichen Leben zurückzog.
nach oben

Alexander Mendelssohn (1798-1871)
Alexander Mendelssohn wurde am 19. September 1798 in Berlin geboren und starb dort am 25. Oktober 1871. Er war der jüngere Sohn von Joseph und Henriette Mendelssohn. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Militärdienst trat er 1822 in das Bankhaus Mendelssohn & Co. ein. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1848 die Leitung des Unternehmens und prägte dessen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich. Unter seiner Führung wurde insbesondere das Russlandgeschäft stark ausgebaut, einschließlich der Beteiligung an staatlichen Anleihen und internationalen Finanzgeschäften. Alexander Mendelssohn war zudem in zahlreichen sozialen und wohltätigen Initiativen aktiv. Gemeinsam mit seiner Ehefrau gründete er das Mariannen-Stift in Charlottenburg zur Unterstützung bedürftiger alleinstehender Frauen. Für dieses Engagement erhielt er 1871 die Ehrenbürgerwürde von Charlottenburg. Darüber hinaus stiftete er gemeinsam mit seinem Bruder die Henrietten-Stiftung zum Andenken an ihre Mutter. Er blieb zeitlebens dem jüdischen Glauben verbunden und engagierte sich aktiv in der jüdischen Gemeinde Berlins. Er gilt als der letzte Vertreter der Familie Mendelssohn, der nicht konvertierte, während seine Kinder bereits früh getauft wurden.

Die Mendelssohns im Kontext der napoleonischen Reparationszahlungen
Nachdem Napoleon besiegt worden war, mussten die Franzosen Reparationen zahlen. Die an Preußen zu leistenden Zahlungen wurden durch ein Bankenkonsortium entgegengenommen, an dem das Bankhaus Rothschild in Frankfurt federführend beteiligt war. Zum Vizedirektor wurde Joseph Mendelssohn ausgewählt. Sowohl Joseph als auch sein Bruder Abraham Mendelssohn Bartholdy absolvierten ihre Bankiersausbildung bei Auguste Leou in Paris. Möglicherweise wurde Joseph Mendelssohn während seiner Reisen zwischen Berlin und Paris auf Horchheim aufmerksam. Der Ort lag als Pferdewechselstation etwa auf halber Strecke zwischen beiden Städten und war nach den napoleonischen Kriegen preußisch geworden.
nach oben

Erwerb und Ausbau des Landguts in Horchheim
Als Benjamin Mendelssohn im Jahr 1818 in Horchheim „von einem Hofrat Fritsch das ehemalige Burghaus derer von Reiffenberg“ im Namen seines Vaters erwarb, war der Besitz von Grundbesitz durch Juden keineswegs selbstverständlich. In Preußen war die rechtliche Gleichstellung durch das Edikt vom 11. März 1812 erst wenige Jahre zuvor eingeführt worden. Laut einer Aufstellung von Benjamin Mendelssohn kostete das Gut 6.800 Gulden. Vorbesitzer war ein Hofrat Fritsch. Vor der Errichtung des Mendelssohn-Palais an der Hauptstraße befanden sich auf dem Gelände fünf kleinere Gebäude, die für den Neubau abgetragen wurden. Bis Umbau und Einrichtung des Horchheimer Hauses abgeschlossen waren, vergingen weitere drei Jahre. Zum Gut gehörten neben dem großzügigen Wohnhaus ein Palmenhaus und ein Teehaus. Letzteres wurde in Horchheim lange als „die Synagoge“ bezeichnet; möglicherweise wurde es zeitweise als jüdisches Bethaus genutzt. Darüber hinaus gehörten eine Landwirtschaft mit Viehhaltung, Obstbäumen und bedeutenden Weinbergen zum Anwesen. Der Weinbergsbesitz umfasste rund 70.000 Rebstöcke.

Sommermonate in Horchheim
Ab dem Sommer 1821 verbrachten Joseph Mendelssohn, damals 51 Jahre alt, und seine Frau Henriette, genannt Hinni, regelmäßig die späten Sommer- und Herbstmonate bis zur Weinlese in Horchheim. Später schlossen sich die Familien ihrer Söhne, seines Bruders Abraham, weitere Geschwister sowie zahlreiche Freunde den Aufenthalten an. Bei der Anreise aus Berlin brachte die Familie Bedienstete samt Equipage, Pferden und Kutschern mit. Darüber hinaus beschäftigte man örtliche Angestellte, die das Gut ganzjährig betreuten, sowie saisonale Helfer für Obsternte und Weinlese.
nach oben

Horchheim wird zum kulturellen Zentrum
Die weitverzweigte Familie pflegte zahlreiche Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zu den dokumentierten Gästen zählte der Kölner Kunstsammler Sulpiz Boisserée, der mindestens dreimal in Horchheim weilte. Auch Ludwig Uhland und der Lyriker Wilhelm Müller waren zu Gast. Aus Müllers Feder stammen die Texte zu Franz Schuberts Liedzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“.
Im Sommer 1827 besuchte Georg Wilhelm Friedrich Hegel Joseph und Henriette Mendelssohn sowie deren Schwägerin Marianne Mendelssohn, geborene Seligmann, überraschend in Horchheim. Laut den Aufzeichnungen Henriette Mendelssohns spielte Hegel während seines Aufenthalts mit ihr eine Partie Billard. Zu diesem Zeitpunkt lehrte Hegel bereits Philosophie an der Universität in Berlin. Das Ansehen des Gutes zeigt sich auch in den Besuchen der preußischen Königin Augusta, der späteren Kaiserin, die in den Jahren 1864 und 1870 im Anwesen der Familie weilte.

Eine tiefe und langjährige Freundschaft verband Joseph Mendelssohn mit Alexander von Humboldt. Die beiden trafen sich daher nicht nur in Berlin, sondern auch mehrfach in Horchheim. Zeitgenössische Berichte und Erinnerungen belegen seine Aufenthalte in Horchheim, unter anderem im Jahr 1845, als er den preußischen König auf einer Reise in die Rheinprovinz begleitete. Während dieses Aufenthalts hielt sich Humboldt mehrere Wochen im Rheinland auf und nutzte die Gelegenheit für wissenschaftliche Beobachtungen sowie den Austausch mit Gelehrten. In einem Brief vom 29. Januar 1846 bezeichnete er Georg Benjamin Mendelssohn vertraulich als „mein theurer Benno“ und würdigte die familiäre Aufnahme. Ein Brief aus Horchheim vom 8. August 1845 beschreibt zwei ruhige Tage im „schönen Horchheim“ sowie Gespräche und Spaziergänge im Umfeld der Familie. Weitere Aufenthalte erfolgten 1847 im Zusammenhang mit einer Reise nach Paris sowie 1848 auf dem Weg zu den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung des Kölner Doms. Dabei berichtete auch die Presse über seine Anwesenheit im Ort.

Soziales Engagement und Beziehungen zur Horchheimer Bevölkerung
Die Familie Mendelssohn bemühte sich um ein gutes Verhältnis zur Horchheimer Bevölkerung. Einige Einwohner arbeiteten auf dem Gut. Zeitgenössische Berichte schildern den Umgang Joseph Mendelssohns mit den Beschäftigten als respektvoll und zugewandt. Sein Interesse am Leben im Dorf und am örtlichen Geschehen wurde in Horchheim geschätzt. Der langjährige Gemeindevorsteher Anton Struth erinnerte sich 1910 an die Goldhochzeit des Geheimen Kommerzienrats Alexander Mendelssohn und seiner Frau Marianne Seeligmann am 14. Juni 1871. Mendelssohn soll damals gesagt haben: „Wir bewohnen jetzt seit 50 Jahren das Gut und haben immer im besten Einvernehmen mit der Gemeinde gelebt. Nach unserem Tode sollen unsere Kinder das gute Einvernehmen wahren und das Gut in derselben Weise weiter bewirtschaften.“ (Struth 1910) Zeitgenössische Berichte schildern eine festlich geschmückte Ortschaft mit Fahnen, Laubgewinden und Ehrenbögen. Böllerschüsse, Musik der Koblenzer Hartmann'schen Kapelle, ein großes Familienessen mit rund 40 Gästen sowie zahlreiche Glückwünsche prägten den Festtag. Am Abend dieses Jubiläums veranstaltete die Gemeinde zu Ehren der Familie einen Fackelzug mit Musikbegleitung.

Ein weiteres Beispiel für das gute Verhältnis zwischen Familie und Ortsgemeinde ist das Engagement der Mendelssohns für die örtliche Schul- und Sozialentwicklung. Joseph Mendelssohn unterstützte den Bau eines neuen Schulhauses mit einer Spende von 400 Reichstalern. Die Zuwendung war mit der Bedingung verbunden, 1841 mit dem Bau zu beginnen. Bereits zuvor hatte er sich mehrfach wohltätig gezeigt, etwa durch die Unterstützung des Horchheimer Jungmusikers Carl Mand, durch die Förderung des Gesangvereins sowie durch Hilfen in akuten Notlagen. In den Krisenjahren der 1840er Jahre spendete er Lebensmittel. Nach dem Tod Joseph Mendelssohns im Jahr 1848 setzten seine Söhne Georg Benjamin und Alexander sowie deren Familien diese Wohltätigkeit fort. Sie unterstützten den Ausbau der Infrastruktur, förderten die Armen- und Krankenpflege in Horchheim und spendeten für Waisenhäuser, eine Nähschule sowie für das Armen- und Krankenhaus (heute Seniorenzentrum St. Josef). 1865 begannen Schwestern aus Dernbach mit einer Krankenpflege- und Nähschule, unterstützt durch die Mendelssohns. Anlässlich des 100. Geburtstages Alexander Mendelssohns im Jahr 1898 wurden zusätzliche Stiftungsgelder in Höhe von 3.000 Mark für arme Familien in Horchheim bereitgestellt. Wohltätigkeit und gesellschaftliches Engagement prägten damit über Generationen hinweg das Selbstverständnis der Familie.
nach oben

Kunstentfaltung in Horchheim
Felix Mendelssohn Bartholdy gilt als der künstlerische Geist der Familie. Auch er war mehrfach in Horchheim zu Gast. Felix Mendelssohn Bartholdy hinterließ eine umfangreiche Korrespondenz; rund 7.000 Briefe sind erhalten, ein Großteil davon befindet sich heute in der New York Public Library. Zudem fertigte er zahlreiche Zeichnungen an. In Horchheim entstanden mehrere Ansichten des Gutes, des Ortes und der Umgebung (siehe Abbildungen in der Mediengalerie). Vor allem aber schuf er Musikwerke. Auch während seiner Aufenthalte in Horchheim komponierte oder bearbeitete er mehrere Stücke, darunter beispielsweise:

  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 40 (MWV O 11)
  • Altdeutsches Lied (In dem Wald) „Es ist in den Wald gesungen“ op. 57 Nr. 1 (MWV K 104)
  • Der 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“ op. 51 (MWV A 17) für achtstimmigen gemischten Chor, Orchester und Orgel

Tod und Erinnerungskultur
Das Landgut war zugleich Ort familiärer Lebens- und Sterbegeschichte. Georg Benjamin Mendelssohn verstarb am 24. August 1874 in Horchheim. Der Sterbeeintrag ist im Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde Pfaffendorf verzeichnet. Die Überführung nach Bonn wurde von großer Anteilnahme der Bevölkerung begleitet; Schule, Kriegerverein und Gesangverein erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre.
Auch seine Ehefrau Rosamunde Mendelssohn, geborene Richter, starb 1883 in Horchheim.

Rückzug und Auflösung des Horchheimer Besitzes
In den 1880er Jahren schwand das persönliche Interesse der Familie Mendelssohn an ihrem Landgut in Horchheim zunehmend. Ein wesentlicher Grund war der Bau der rechtsrheinischen Eisenbahnlinie. Die Trasse wurde trotz aller Proteste verwirklicht und beeinträchtigte insbesondere den Park- und Uferbereich des Anwesens. Bereits Ende 1862 hatten 94 Horchheimer Bürger - an ihrer Spitze Georg Benjamin Mendelssohn - vergeblich gegen diese Planung der Rheinischen Eisenbahngesellschaft beim Königlichen Ministerium für Handel und Gewerbe protestiert. 94 Unterschriften entsprachen bei 1.294 Einwohnern im Jahr 1864 einem erheblichen Teil der Horchheimer Haushalte. Neben dem Eisenbahnbau dürften auch schlechte Weinjahre und erhebliche finanzielle Belastungen bei der Bewirtschaftung des Gutes zum allmählichen Rückzug der Familie beigetragen haben. Zudem wandelten sich die Reise- und Freizeitgewohnheiten des wohlhabenden Bürgertums. Die Enkel Joseph Mendelssohns verloren zunehmend das Interesse an dem ländlich gelegenen Gut und an dieser Form der Sommerfrische. Stattdessen gewannen mondäne Kurorte wie Bad Kreuznach an Bedeutung.

Der endgültige Abschied der Familie aus Horchheim erfolgte ebenfalls unter Berücksichtigung sozialer Belange. Im Jahr 1902 verschenkte die Familie das gesamte Anwesen mit Wohngebäude, Teehaus und Park an Auguste Viktoria. Diese übergab es den Kaiserswerther Diakonissen zur Nutzung als Erholungsheim. Bedienstete der Familie, die auf dem Grundstück wohnten, erhielten ihre Häuser als Geschenk. Dadurch konnten sie sicher sein, durch den Eigentümerwechsel ihre Wohnungen nicht zu verlieren.
nach oben

(Heimatfreunde Horchheim e.V., Koblenz-Horchheim, 2025)


Quellen
  • Die Mendelssohns in Horchheim, Vortrag von Dr. Rudolf Elvers am Samstag, dem 05. März 1994 in der Ev. Kirche Koblenz-Pfaffendorf
  • Felix Mendelssohn Bartholdy, Manuskripte von Johannes Stein und Josef Welling
  • Soziales und kulturelles Wirken der Mendelssohns in Horchheim, Vortrag beim Verein „Koblenzer Mendelssohn-Tage e. V.“ am 28. November 1995 im Teehaus (Lutherkapelle), Reiffenbergstraße
    von Hans Josef Schmidt
  • Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders (Public Domain Mark 1.0)
  • National Library of Israel, Schwadron Collection (CC BY 3.0)
  • Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatsbibliothek zu Berlin, Inv.-Nr. MA BA 372
  • Stadtarchiv Koblenz, FA 1, 240


Internet
de.wikipedia.org: Mendelssohn (Berliner Familie) (abgerufen 04.03.2026)
www.panwitz.net: Mendelssohn-Enzyklopädie - Herausgegeben von Sebastian Panwitz (abgerufen 04.03.2026)
www.deutsche-biographie.de: Mendelssohn, Moses (abgerufen 04.03.2026)
www.deutsche-biographie.de: Mendelssohn Bartholdy, Felix (abgerufen 04.03.2026)
heimatfreunde-horchheim.de: Heimatfreunde Horchheim e.V. (abgerufen 04.03.2026)
rlp.museum-digital.de: Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim e.V. (abgerufen 04.03.2026)
nach oben

Literatur

Baur, Uwe (2010)
Felix Mendelssohn Bartholdy und Koblenz-Horchheim. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte, Nummer 84 - Juni 2010, Koblenz.
Heimatfreunde Horchheim e. V. (Hrsg.) (2014)
Horchheim 1214–2014. Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim, hrsg. von Heimatfreunde Horchheim e. V. in Verbindung mit dem Ortsring und der Pfarrei. Koblenz.
Struth, Anton (1999)
Erinnerungen aus meinem Leben. Erzählt von dem langjährigen Gemeinde-Vorsteher Anton Struth in Horchheim. August – September 1910. Koblenz.

Spuren der Familie Mendelssohn in Horchheim

Schlagwörter
Fachsichten
Landeskunde

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Heimatfreunde Horchheim e.V. (2025), „Spuren der Familie Mendelssohn in Horchheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-356888 (Abgerufen: 13. Juli 2026)
Seitenanfang