Straßenbenennung als erinnerungskulturelle Verankerung im Ortsbild
Die rechtsrheinische Eisenbahn und Horchheim
Horchheim im Spannungsfeld der Trassenplanung
Eingriffe in die Kulturlandschaft
Erinnerung im heutigen Ortsbild
Quellen
Straßenbenennung als erinnerungskulturelle Verankerung im Ortsbild
Die Mendelssohnstraße in Koblenz-Horchheim verweist auf die Familie Mendelssohn, die das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Ortes im 19. Jahrhundert in besonderer Weise mitprägte. Mit der Umbenennung einer bereits bestehenden Straße im Jahr 1948 wurde eine Benennung gewählt, die einen erinnerungskulturellen Bezug zur Ortsgeschichte und zum ehemaligen landsitzartigen Besitz der Familie in Horchheim herstellt. Die heutige Mendelssohnstraße trug ursprünglich den Namen „Hochstraße“. Bereits 1890 wurde im Horchheimer Gemeinderat eine Straße im Bereich „östlich der Eisenbahn im Oberhaukert“ benannt. Im Zuge einer Überprüfung der Straßennamen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 11. Februar 1948 die Umbenennung in „Mendelssohnstraße“ vorgeschlagen. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Koblenz beschloss die neue Bezeichnung am 22. April 1948. Als Bezugspunkt der Benennung wurde der Bankier Joseph Mendelssohn genannt, der 1819 das später als Mendelssohn-Palais bezeichnete Anwesen in Horchheim erwarb. Darüber hinaus wird in der lokalen Überlieferung auch ein Bezug zur Familie des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) hergestellt, dessen Name im familiären Umfeld mit dem Horchheimer Landsitz in Verbindung steht.
Die rechtsrheinische Eisenbahn und Horchheim
Der Ausbau der rechtsrheinischen Eisenbahnlinie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählt zu den bedeutenden infrastrukturellen Veränderungen im Raum Horchheim. Er ist Teil der systematischen Erweiterung des Eisenbahnnetzes am Rhein im Kontext wirtschaftlicher und militärischer Interessen des preußischen Staates.
Die linksrheinische Strecke erreichte Koblenz im Jahr 1858. Mit der Errichtung der Pfaffendorfer Brücke (1864) wurde zudem eine Verbindung zur Festung Ehrenbreitstein geschaffen. In der Folge wurde auch die Planung einer rechtsrheinischen Eisenbahnverbindung vorangetrieben, die den Rheinraum weiter erschließen sollte.
Horchheim im Spannungsfeld der Trassenplanung
Horchheim lag im Bereich der vorgesehenen Streckenführung. In der Planung wurde insbesondere diskutiert, ob die Trasse rheinseitig durch die Ortslage oder bergseitig oberhalb des Ortes verlaufen sollte.
Im Jahr 1862 kam es hierzu zu lokalen Eingaben aus der Bevölkerung. Am 27. November wurde eine Eingabe von 92 Einwohnern an das preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in Berlin gerichtet. Darin wurde eine bergseitige Trassenführung bevorzugt. Unter den Unterzeichnern wird in der Überlieferung auch ein Angehöriger der Familie Mendelssohn sowie A. Kottmann genannt. Die Eingabe wurde vor allem mit siedlungsräumlichen und landschaftlichen Erwägungen begründet. Sie blieb jedoch ohne Erfolg, da die zuständigen Eisenbahnbehörden bestehende Planungsentscheidungen als maßgeblich betrachteten.
Eingriffe in die Kulturlandschaft
Bis 1866 wurde die rechtsrheinische Eisenbahnstrecke fertiggestellt. Für Horchheim führte dies zu Veränderungen der gewachsenen Kulturlandschaft, insbesondere im Bereich zwischen Ortslage, Gartenanlagen und Weinbauflächen, die zuvor eng miteinander verflochten waren. Hiervon betroffen waren auch Bereiche, die mit dem landsitzartigen Besitz der Familie Mendelssohn in Verbindung standen. Die bis dahin bestehende räumliche Nähe von Wohnsitz, Gartenanlagen und landwirtschaftlicher Nutzung wurde durch die neue Verkehrsinfrastruktur neu geordnet und teilweise voneinander getrennt. Zeitgenössische Reaktionen lassen erkennen, dass die baulichen Eingriffe nicht unumstritten waren. Neben wirtschaftlichen und verkehrlichen Argumenten wurden auch landschaftsästhetische und siedlungsbezogene Bedenken geäußert. Gleichwohl setzte sich die Eisenbahnplanung im überregionalen Interesse durch. Mit der späteren Errichtung der Staatsbahnlinie Oberlahnstein–Koblenz–Güls im Zusammenhang mit der Verbindung Berlin–Metz sowie der Inbetriebnahme der Moselbahn und der Horchheimer Eisenbahnbrücke im Jahr 1879 kam es zu weiteren infrastrukturellen Veränderungen, die auch die bergseitigen Bereiche Horchheims betrafen.
Erinnerung im heutigen Ortsbild
Von den historischen landschaftlichen Zusammenhängen des ehemaligen Mendelssohn’schen Besitzes sind heute nur noch einzelne Strukturen erkennbar. Die Mendelssohnstraße stellt jedoch ein dauerhaft erhaltenes topographisches Element dar, das an die historische Präsenz der Familie in Horchheim erinnert und deren Bedeutung für die Ortsentwicklung im 19. Jahrhundert im heutigen Straßenbild sichtbar hält.
(Heimatfreunde Horchheim, Koblenz-Horchheim, 2026)
Quellen
- Stadt Koblenz: Verzeichnis der Koblenzer Straßennamen, Eintrag „Mendelssohnstraße“.