St.-Josef-Haus in Horchheim

Seniorenzentrum St. Josef

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 35,26″ N: 7° 35′ 41,28″ O 50,32646°N: 7,5948°O
Koordinate UTM 32.399.978,76 m: 5.575.873,22 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.400.013,87 m: 5.577.663,88 m
  • Das St.-Josef-Haus in Horchheim (undatiert, um 1950)

    Das St.-Josef-Haus in Horchheim (undatiert, um 1950)

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    Ortsmuseum Koblenz-Horchheim, Fotosammlung Heimatfreunde Horchheim e.V.
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    unbekannt
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Im Jahr 1886 wurde durch ein Vermächtnis der Frau Leidner sowie eine Stiftung der Familie Mendelssohn eine ehemalige Gastwirtschaft an der damaligen Hauptstraße (heute Emser Straße) erworben und zu einem Armen- und Krankenhaus umgebaut. Aus dem Armen- und Krankenhaus entwickelte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts das katholische St.-Josef-Krankenhaus. Seit 2012 befindet sich im Gebäude das heutige Seniorenzentrum St. Josef.

Von der Niederlassung der Dernbacher Schwestern zur modernen Pflegeeinrichtung
Frühe soziale Initiativen und Gründung der Niederlassung (1865)
Das erste Schwesternhaus und Verlagerung (1869)
Entstehung des St.-Josef-Hauses (1886-1887)
Entwicklung zum Krankenhaus im 20. Jahrhundert
Schließung und Nachnutzung
Internet

Von der Niederlassung der Dernbacher Schwestern zur modernen Pflegeeinrichtung
Die Geschichte des heutigen Seniorenzentrums St. Josef in Koblenz-Horchheim ist eng mit dem sozialen Engagement der Familie Mendelssohn und der Tätigkeit der Ordensgemeinschaft der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ (Dernbacher Schwestern) verbunden. Aus einer zunächst kleinen Niederlassung entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts über mehr als ein Jahrhundert hinweg eine bedeutende Einrichtung der Kranken-, Alten- und Sozialpflege.

Frühe soziale Initiativen und Gründung der Niederlassung (1865)
Die Einrichtung einer Niederlassung der Dernbacher Schwestern im Jahr 1865 prägte nachhaltig das soziale Leben in Horchheim. In der zeitgenössischen Überlieferung wird dieses Engagement als ein bedeutender sozialer Beitrag der mit dem Ort verbundenen Familie Mendelssohn beschrieben. Ausgangspunkt war ein Schreiben des Pfarrers Knoell an das Bischöfliche Ordinariat Trier vom 27. September 1865, in dem die geplante Niederlassung angekündigt wurde. Eine geeignete Wohnung war bereits angemietet und eingerichtet. Die Schwestern übernahmen früh vielfältige Aufgaben: Neben der Krankenpflege gehörten auch Bildungsaufgaben im Rahmen des sogenannten Industrieunterrichts (u. a. Nähen, Stricken und Sticken) sowie die Betreuung alleinstehender älterer Frauen zum Tätigkeitsfeld. Im November 1865 bezogen die Schwestern eine Wohnung in der Erbenstraße 8, die von der Familie Mendelssohn zur Verfügung gestellt wurde. Die Gründung war vertraglich geregelt: Ein Vertrag vom 6. Oktober 1865 legte Unterkunft, Aufgabenbereiche und finanzielle Grundlagen der Niederlassung fest, wobei die Familie Mendelssohn wesentliche Verpflichtungen übernahm.
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Das erste Schwesternhaus und Verlagerung (1869)
Die räumlichen Bedingungen in der Erbenstraße erwiesen sich bald als unzureichend. Daher wurde auf Initiative der Familie Mendelssohn auf eigenem Grundbesitz ein neues Schwesternhaus errichtet.
Am 28. August 1869 erfolgte in Anwesenheit der Familie Mendelssohn die Grundsteinlegung für das neue Klösterchen in der heutigen Reiffenbergstraße. Bereits am 19. September 1869 wurde das Gebäude durch Pfarrer Knoell eingesegnet und noch am selben Tag von den Schwestern bezogen. An der Feier nahmen Lehrer, Schulkinder, Vereine sowie der Gesangverein teil. Das Gebäude bestand bis in die jüngere Vergangenheit und befand sich auf dem Gelände des heutigen Autohauses Pretz; es ist inzwischen abgebrochen worden.

Entstehung des St.-Josef-Hauses (1886-1887)
Mit dem weiteren Ausbau der sozialen Aufgaben entstand der Bedarf nach einer größeren Einrichtung. Im Jahr 1886 wurde durch ein Vermächtnis der Frau Leidner sowie eine Stiftung der Familie Mendelssohn eine ehemalige Gastwirtschaft an der damaligen Hauptstraße (heute Emser Straße) erworben und zu einem Armen- und Krankenhaus umgebaut. Ein Bericht der Amtsbürgermeisterei Ehrenbreitstein vom 18. September 1886 dokumentiert eine Stiftung der Familie Mendelssohn in Höhe von 9.000 Mark für diesen Zweck. Unter der Leitung von Dechant Christen wurde das Gebäude erweitert und als „St.-Josef-Haus“ benannt. Die Einweihung der neuen Niederlassung der Dernbacher Schwestern erfolgte 1887; ein Nebengebäude wurde 1892 zu einem Waisenhaus umgebaut. Die Namensgebung bezieht sich auf den heiligen Josef als Patron der Krankenhäuser. Eine gelegentlich in der Überlieferung vertretene Deutung, der Name gehe auf einen „Josef Mendelssohn“ zurück, ist historisch nicht zutreffend. Zentraler Förderer der Stiftung war Professor Georg Benjamin Mendelssohn; sein Vater Joseph Mendelssohn war bereits 1848 verstorben.
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Entwicklung zum Krankenhaus im 20. Jahrhundert
Aus dem Armen- und Krankenhaus entwickelte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts das katholische St.-Josef-Krankenhaus, das die medizinische Versorgung in Horchheim und Umgebung nachhaltig prägte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Einrichtung ab dem 18. Oktober 1941 als Isolierkrankenhaus genutzt. Nach 1945 erfolgte der Ausbau zu einer differenzierten Fachklinik mit Abteilungen für Innere Medizin, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Augenheilkunde. Besonders die Augenabteilung genoss einen überregional anerkannten Ruf. Zu den Ärzten des Hauses gehörten unter anderem Dr. Möltgen, Dr. Böder, Dr. Merbeck, Dr. Hohagen, Dr. Krekeler, Dr. Küsel und Dr. Kreis. Von 1946 bis 1952 leitete Schwester Herluka als Oberin das Krankenhaus. Ihre Heilung von einer schweren tuberkulösen Hirnhautentzündung wurde 1978 von Papst Paul VI. als Wunder im Sinne des kanonischen Rechts anerkannt. 1964 wurden mehr als 1.800 stationäre Patienten behandelt. Anlässlich des 100-jährigen Wirkens der Dernbacher Schwestern würdigte Staatsminister a. D. Adolf Süsterhenn 1965 die Bedeutung der Einrichtung für Krankenpflege, Altenbetreuung, Kindergartenwesen und Gemeindeleben. 1977 verfügte das Krankenhaus nach einem Umbau über 133 Betten; 16 Ordensschwestern und 118 Mitarbeitende sowie zehn Fachärzte waren dort tätig.

Schließung und Nachnutzung
Ende der 1970er Jahre und insbesondere in den 1980er-Jahren geriet das St.-Josef-Krankenhaus im Zuge der Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz unter zunehmenden strukturpolitischen Druck. Vorgesehen war eine schrittweise Herausnahme aus dem Krankenhausplan sowie die Reduzierung der ausgewiesenen Planbetten. Die Schließungspläne führten zu erheblichen lokalen Protesten, darunter Bürgerversammlungen, Stadtratsresolutionen und Bürgerinitiativen. Zeitgenössische Berichte betonten insbesondere die enge Bindung zwischen Patienten, Ärzten und Pflegepersonal sowie die Bedeutung einer wohnortnahen Versorgung. Trotz dieser Bemühungen wurde der Krankenhausbetrieb eingestellt. Am 31. Dezember 1988 schloss das St.-Josef-Krankenhaus nach mehr als hundertjähriger Nutzung als medizinische Einrichtung.
1990 wurde das Gebäude nach umfangreichen Umbauarbeiten wieder als Wohnheim für Ordensschwestern genutzt und knüpfte damit an seine ursprüngliche, kirchlich geprägte Zweckbestimmung an. Seit 1995 lag die Trägerschaft bei der Elisabeth-Stiftung GmbH, die heute in die Strukturen der Dernbacher Gruppe Maria Hilf bzw. der Katharina-Kasper-Gruppe eingebunden ist und Teil eines größeren katholischen Trägerverbundes im Gesundheits- und Sozialwesen ist.
Zwischen 2009 und 2012 wurde der Gebäudebestand vollständig erneuert und durch einen modernen Neubau mit zeitgemäßen Pflege- und Wohnstrukturen ersetzt. Im Mai 2012 konnte schließlich das heutige Seniorenzentrum St. Josef eröffnet werden, das über 63 Pflegeplätze sowie 15 Servicewohnungen verfügt und verschiedene Wohn- und Betreuungsformen unter einem Dach vereint. Heute gehört das Haus zur Alexianer GmbH im Verbund der Alexianer Katharina Kasper Seniorenhilfe und trägt den Namen Seniorenzentrum St. Josef Koblenz. Damit setzt sich die Tradition sozialer Fürsorge an diesem Standort bis in die Gegenwart in veränderter organisatorischer Form fort.

Heimatfreunde Horchheim e.V., Koblenz-Horchheim, 2025)


Internet
www.st-josef-koblenz.de: Über uns (abgerufen 25.06.2026)
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Literatur

Hof, Joachim (1988)
Im Mainzer Würgegriff oder Die Geschichte vom Patient Krankenhaus. In: Horchheimer Kirmeszeitung, 1988, S. 44-47. Koblenz-Horchheim.
Schmidt, Hans Josef (1995)
Soziales und kulturelles Wirken der Mendelssohns in Horchheim. Vortrag beim Verein "Koblenzer Mendelssohn-Tage e. V." am 28. November 1995 im Teehaus (Lutherkapelle), Reiffenbergstraße. Koblenz-Horchheim.
Süsterhenn, Adolf (1966)
Ein Werk im Dienste der Liebe. Festansprache zum 100-jährigen Wirken der Dernbacher Schwestern im Horchheimer St.-Josef-Krankenhaus. In: Horchheimer Kirmeszeitung, 1966, Koblenz-Horchheim.
Weinbach, Walter (2014)
Horchheim im Wandel seit 1945. In: Horchheim 1214-2014. Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim, hrsg. von Heimatfreunde Horchheim e. V., Koblenz.

St.-Josef-Haus in Horchheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Emser Straße 392
Ort
56076 Koblenz - Horchheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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Heimatfreunde Horchheim e.V. (2025): „St.-Josef-Haus in Horchheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360298 (Abgerufen: 2. Juli 2026)
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