Rundtürmchen im Mendelssohnpark in Horchheim

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 50,92″ N: 7° 35′ 51,79″ O 50,33081°N: 7,59772°O
Koordinate UTM 32.400.195,79 m: 5.576.352,93 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.400.230,99 m: 5.578.143,78 m
  • Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (1970er Jahre)

    Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (1970er Jahre)

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  • Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (2026)

    Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (2026)

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  • Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Parkseite aus (2026)

    Der Rundturm an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Parkseite aus (2026)

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  • Seitliche Ansicht des Rundturms an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (2026)

    Seitliche Ansicht des Rundturms an der Grenze zum Mendelssohn-Park von der Emser Straße aus (2026)

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  • Der Rundturm an der Grenze vom Mendelssohn-Park zur Emser Straße im Frühling (2026)

    Der Rundturm an der Grenze vom Mendelssohn-Park zur Emser Straße im Frühling (2026)

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  • Nächtliche seitliche Ansicht des Rundturms an der Grenze zum Mendelssohn-Park zur Emser Straße (2026)

    Nächtliche seitliche Ansicht des Rundturms an der Grenze zum Mendelssohn-Park zur Emser Straße (2026)

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Letztes erhaltenes architektonisches Element der historischen Parkanlage
Von der historischen Park- und Palaisanlage der Familie Mendelssohn in Koblenz-Horchheim ist heute lediglich ein kleines Rundtürmchen an der Grundstücksgrenze zur Emser Straße erhalten geblieben. Der Bau befindet sich nahe der heutigen Bushaltestelle und gilt als das letzte erhaltene architektonische Element der ehemaligen Parkbebauung.

Beschreibung
Die untersten Mauerlagen des Türmchens werden als spätmittelalterlich angesehen. Darauf setzte der Architekt Johann Claudius von Lassaulx vermutlich um 1830/33 einen eigenständigen Turmaufbau. Charakteristisch für die Gestaltung ist der bewusste Einsatz unterschiedlicher Steinmaterialien, die eine differenzierte Farbwirkung erzeugen. Verwendet wurden unter anderem braun- bis rostrote Grauwacke, dunkelgraue Basaltlava sowie hellgrauer Tuff.
Der verbreiterte Turmschaft kragt auf Basaltlavakonsolen vor. Diese verbinden Segmentbögen aus abwechselnd hellen und dunklen, scheitrechten Steinen. Belichtet wird der Turm durch drei schmale rundbogige Fenster mit Tuffgewänden, deren Rahmung ebenfalls dem Wechsel heller und dunkler Steine folgt. Die vorkragende Wehrplatte ist mit einem einfachen Tuffband ausgebildet und kreneliert. Den oberen Abschluss bildet ein flaches Kegeldach. Der Zugang erfolgt vom ehemaligen Park aus über eine Treppe aus Basaltlava, die stilistische Merkmale der Treppe an der von Lassaulx errichteten Schule in Stolzenfels von 1825 aufweist. Die hochrechteckige Eingangstür besitzt gekehlte Sandsteingewände. Im Inneren befindet sich ein dünnes, aus dem Rund entwickeltes zehnstrahliges Gratgewölbe, das an die Kirche von Lassaulx in Koblenz-Güls erinnert. Der Fußboden ist mit weißlichen Tonfliesen ausgelegt, die alternierend zwei unterschiedliche Muster zeigen. Diese Muster hatte Lassaulx bereits 1823 für Burg Rheinstein entworfen und später auch in Schloss Sayn verwendet. Die Fliesen orientieren sich an historischen Vorbildern von Burg Stahleck. Aufgrund stilistischer Details dürfte das Türmchen nicht vor 1830/33 entstanden sein und vermutlich im Zusammenhang mit dem ebenfalls von Lassaulx entworfenen Teehaus gestanden haben.

Mögliche Reste einer älteren Burganlage
Im Bereich des heutigen Kreuzungsbereichs von Emser Straße und Wiesenpfad befand sich vermutlich eine ältere Burganlage am nördlichen Ortsausgang von Koblenz-Horchheim. Die Situation ähnelt derjenigen am südlichen Ortsrand, wo ein befestigter Hof der Herren von Helfenstein nachweisbar ist.
Bereits vor dem Erwerb durch die Familie Mendelssohn hatte der kurfürstliche Hofrat Fritsch mit dem Neubau eines Palais begonnen. In diesem Zusammenhang wurde die ältere Burganlage offenbar weitgehend beseitigt. Überliefert ist jedoch, dass ein Turm - nach einzelnen Angaben auch zwei Türme - erhalten geblieben sein sollen. Die ursprüngliche Gestalt der Anlage ist nicht dokumentiert und nur noch fragmentarisch rekonstruierbar.

Als möglicher Rest dieser älteren Anlage wird häufig das heute noch erhaltene Rundtürmchen an der Emser Straße angesehen. Insbesondere die deutlich abweichenden unteren Mauerlagen lassen auf ältere, möglicherweise mittelalterliche Bausubstanz schließen. Ob es sich tatsächlich um den letzten erhaltenen Turm der Burganlage handelt, ist jedoch nicht gesichert.
Auch an der nördlichen Schmalseite des ehemaligen Mendelssohn-Palais befand sich ein apsidialer beziehungsweise halbrunder Anbau, der sowohl im Grundriss als auch auf historischen Darstellungen erkennbar ist. Vereinzelt wird auch dieser als möglicher Rest eines älteren Turmes gedeutet. Da weder die Baugeschichte noch der spätere Abbruch des Palais umfassend dokumentiert wurden, bleiben beide Deutungen hypothetisch.

Die östliche Begrenzung des ehemaligen Burgareals dürfte durch den Verlauf der heutigen Emser Straße markiert worden sein, deren Trasse offenbar weitgehend unverändert blieb. Von der heutigen Achse Wiesenpfad/Engelsstraße ist überliefert, dass sie früher als „Graben“ bezeichnet wurde. Im Zuge der Erweiterung des Mendelssohnschen Besitzes in den 1830er Jahren wurde dieser Straßenabschnitt um etwa 18 Meter nach Süden verlegt. Die Nähe eines solchen Grabens spricht dafür, dass hier möglicherweise die südliche Begrenzung der ehemaligen Burganlage lag.

Die Katasterkarte von 1832 zeigt im östlichen Bereich des Mendelssohnschen Besitzes zudem eine auffällige zackenförmige Ausbuchtung. Diese ungewöhnliche Grenzform könnte darauf hinweisen, dass ältere Baustrukturen in die spätere Gartenanlage integriert wurden. Innerhalb dieses Bereichs befindet sich ein etwa 20 Meter durchmessender und rund 2 Meter hoher Erdhügel, der heute unter altem Baumbestand liegt. Dieser Hügel wurde bislang überwiegend als gartenarchitektonisches Element interpretiert. Aufgrund seiner Form und Lage ist jedoch auch eine Deutung als Relikt einer mittelalterlichen Motte denkbar. Motten zählen zu den verbreiteten frühmittelalterlichen Burgtypen, bei denen ein künstlich aufgeschütteter Hügel als Standort eines Turmes diente. Ein eindeutiger Nachweis für diese Interpretation liegt bislang nicht vor.

Kulturdenkmal
Das Rundtürmchen im Mendelssohnpark in Koblenz-Horchheim wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler in der Kreisfreien Stadt Koblenz geführt (Stand 2026). Der Eintrag lautet:
„(zwischen) Emser Straße 317 und 327
im Park Mendelssohn Rundturm mit Kegeldach, um 1830, J. C. von Lassaulx zugeschrieben“.


(Heimatfreunde Horchheim e. V., Koblenz-Horchheim, 2025)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) (Hrsg.) (2026)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Koblenz. Denkmalverzeichnis Kreisfreie Stadt Koblenz, 21. Apr. 2026. S. 24, Mainz.
Liessem, Udo (2014)
Die profanen Denkmäler von Horchheim – Ein Überblick. In: Horchheim 1214-2014. Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim. Herausgegeben von Heimatfreunde Horchheim e. V. in Verbindung mit dem Ortsring und der Pfarrei, Redaktion: Hans Josef Schmidt, S. 246-262, hier 257 ff.. Koblenz.
Liessem, Udo (1983)
Nur der Rundturm blieb. Die Baumaßnahmen des Johann Claudius von Lassaulx für die Familie Mendelssohn in Horchheim. In: Horchheimer Kirmeszeitung; 1983, S. 43-45. Koblenz-Horchheim.
Meinen, Markus (2008)
Ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand. Wo einst so manche Burg bestand. In: Horchheimer Kirmeszeitung, 2008, Koblenz-Horchheim.

Rundtürmchen im Mendelssohnpark in Horchheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Emser Straße
Ort
56076 Koblenz - Horchheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Heimatfreunde Horchheim e. V. (2025): „Rundtürmchen im Mendelssohnpark in Horchheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360201 (Abgerufen: 26. Juni 2026)
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