Gebäude
Nutzung als Ortsmuseum
Ausstellung
Mendelssohnzimmer
Kulturdenkmal
Quellen
Gebäude
Das langgestreckte, rechteckige Gebäude besitzt eine etwa 15 Meter breite Straßenfront und umfasst zwei Vollgeschosse. Im Erdgeschoss befinden sich drei, im Obergeschoss vier Räume. Das flach geneigte Schieferdach entspricht der traditionellen Bauweise des Mittelrheins. Auf dem Dachfirst befindet sich ein historischer Wetterhahn, der ursprünglich von der Pfarrkirche St. Maximin stammt und heute ein markantes Erkennungsmerkmal des Hauses bildet. Die Straßenfassade ist schlicht gegliedert. Sie präsentiert sich mit einem hellen cremefarbenen Putz, während Fenster- und Türgewände sandfarben hervorgehoben sind. Ein ocker- bis braunfarbener Sockel fasst das Gebäude nach unten hin zusammen. Die dunkelrote Eingangstür setzt einen deutlichen farblichen Akzent. Blumenkästen an den Fenstern verleihen der Fassade zusätzlich ein gepflegtes und einladendes Erscheinungsbild.
Trotz verschiedener Umbauten hat das Gebäude seinen ursprünglichen Charakter als historisches Wohn- und Wirtschaftsgebäude bewahrt. Im Inneren sind zahlreiche bauzeitliche Merkmale erhalten geblieben. Schiefe Wände, unregelmäßige Deckenhöhen, leicht geneigte Böden und nicht rechtwinklige Räume zeugen von der traditionellen Bauweise des frühen 18. Jahrhunderts und verleihen dem Gebäude seinen besonderen historischen Charakter.
Nutzung als Ortsmuseum
Die Alte Heerstraße, an der das Gebäude liegt, zählt zu den ältesten Verkehrswegen Horchheims. Sie hieß ursprünglich Viehgasse, später Römerstraße und erhielt nach der Eingemeindung Horchheims nach Koblenz im Jahr 1937 ihren heutigen Namen. Bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit verlief hier ein bedeutender Verkehrsweg, der den Rhein mit den Höhen des Westerwaldes verband.
Seit den frühen 1990er Jahren wird das Haus von den Heimatfreunden Horchheim als Ortsmuseum genutzt. Nachdem das Gebäude zunächst vom Eigentümer mietfrei zur Verfügung gestellt worden war, konnte der Verein es im Jahr 2002 mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen und Spenden erwerben. In den folgenden Jahren wurde das Haus schrittweise saniert, darunter insbesondere durch die vollständige Erneuerung des Schieferdaches im Jahr 2004. Zahlreiche Arbeiten wurden dabei in ehrenamtlicher Eigenleistung ausgeführt.
Ausstellung
Heute dokumentiert das Ortsmuseum auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Geschichte Koblenz-Horchheims. Die Sammlung umfasst historische Fotografien, Dokumente und Karten ebenso wie Alltagsgegenstände, Zeugnisse der Vereins- und Kirchengeschichte sowie zahlreiche weitere Exponate zur Orts-, Kultur- und Verkehrsgeschichte. Das Gebäude selbst ist dabei ein bedeutendes Zeugnis der historischen Baukultur Horchheims und zugleich eines der wichtigsten Ausstellungsstücke des Museums.
Mendelssohnzimmer
Das Mendelssohnzimmer widmet sich der Geschichte der Familie Mendelssohn und ihrer engen Verbindung zu Koblenz-Horchheim. Der bereits bestehende Ausstellungsraum wurde im Rahmen des Projekts KuLaDig-RLP „Lebenswege der Geschichte – Biografische Spurensuche“ umfassend überarbeitet und neu gestaltet. Ziel war es, einen ruhigen und atmosphärischen Erinnerungsraum zu schaffen, der die Geschichte der Familie anhand ausgewählter Objekte und historischer Quellen vermittelt.
Den Mittelpunkt des Raumes bildet ein historisches Klavier, das nach örtlicher Überlieferung aus dem ehemaligen Palais Mendelssohn stammen soll. Es bildet den emotionalen und gestalterischen Schwerpunkt der Ausstellung. Gerahmt wird das Instrument von Reproduktionen historischer Porträts der Familie Mendelssohn, darunter Joseph Mendelssohn, Henriette Mendelssohn, Georg Benjamin Mendelssohn und Alexander Mendelssohn sowie Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Hensel und Cécile Mendelssohn Bartholdy. Die Porträts verleihen den historischen Persönlichkeiten ein Gesicht und stellen die Menschen hinter der Geschichte in den Vordergrund.
Ergänzt wird die Ausstellung durch historische Fotografien des Palais Mendelssohn, des Parks und des Teehauses sowie durch Ansichten aus dem Familienleben in Horchheim. Eine genealogische Darstellung der Nachkommen Moses Mendelssohns veranschaulicht die familiären Zusammenhänge. Weitere Bilddokumente zeigen das ehemalige Palais in seiner späteren Nutzung als Mendelssohn-Stift beziehungsweise Medizinal-Untersuchungsamt sowie dessen Zerstörung nach dem Brand von 1970 und den anschließenden Abriss in den frühen 1970er Jahren. Damit wird zugleich die Geschichte eines bedeutenden, heute verlorenen Bauwerks bewahrt. Die Einrichtung des Raumes ist bewusst zurückhaltend gehalten. Neben dem Klavier ergänzen ein Biedermeiersofa und ein historischer Sekretär die Ausstattung und lenken den Blick auf die historischen Darstellungen. Ergänzend werden weitere Objekte mit Bezug zur Familie Mendelssohn präsentiert. Hierzu gehören unter anderem Teile einer bei Bauarbeiten in Horchheim freigelegten Tonwasserleitung, die einst das Palais Mendelssohn mit Wasser versorgte. Sie stellt eine unmittelbare materielle Verbindung zwischen dem heutigen Museum und der Geschichte des ehemaligen Palais Mendelssohn her, das über Jahrzehnte das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Familie Mendelssohn in Horchheim prägte.
Kulturdenkmal
Das Ortsmuseum in Horchheim wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler in der Kreisfreien Stadt Koblenz geführt (Stand 2026). Der Eintrag lautet:
„Alte Heerstraße 14
fünfachsiger Putzbau, tlw. Fachwerk, bez. 1718, zugehörig ehem. Scheune“
(Heimatfreunde Horchheim, Koblenz-Horchheim, 2026)
Quellen
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Koblenz.
- Heimatfreunde Horchheim e. V.: Zusammenstellung aus Vereinsunterlagen und historischen Dokumenten, darunter Protokolle der Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen, Veröffentlichungen in der Horchheimer Kirmes-Zeitung sowie weitere vereinsgeschichtliche Unterlagen.