Evangelische Lutherkapelle Horchheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Westansicht der evangelischen Lutherkapelle in Horchheim in Koblenz (2014)

    Westansicht der evangelischen Lutherkapelle in Horchheim in Koblenz (2014)

    Copyright-Hinweis:
    Meiers, Friederike
    Fotograf/Urheber:
    Meiers, Friederike
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  • Westansicht der evangelischen Lutherkapelle in Horchheim in Koblenz (2014)

    Westansicht der evangelischen Lutherkapelle in Horchheim in Koblenz (2014)

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Die heutige evangelische Kapelle im rechtsrheinisch gelegenen Koblenzer Stadtteil Horchheim wurde in den 1830er Jahren von dem Architekten Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) entworfen und für die Berliner Bankiersfamilie Mendelssohn errichtet.

Die Familie Mendelssohn hatte bereits 1818 in Horchheim das im Jahr 1790 durch einen Brand zerstörte und in den folgenden Jahren abgerissene Palais des kurtrierischen Hofrats Johann Jakob Fritsch erworben. Nachdem sie im Jahre 1825 auch den in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Altenberger Hof gekauft hatten, wurde der Architekt Lassaulx mit den Umbaumaßnahmen und später mit dem Bau des Tee- und Gartenhauses beauftragt.
Das zunächst als Teehaus genutzte freistehende Gebäude wurde in einem weitläufigen Park errichtet, der früher von der Emser Straße bis zum Rheinufer reichte. Heute wird er von der Bahntrasse geteilt. Im Jahre 1902 schenkte die Familie Mendelssohn das Anwesen der Kaiserin Augusta, die das Anwesen der Kaiserswerther Diakonissenanstalt übergab, sodass die Räumlichkeiten ungefähr zwei Jahrzehnte lang als Erholungsheim für Diakonissen verwendet wurden.

1922 kaufte die evangelische Kirchengemeinde Pfaffendorf das ehemalige Mendelssohnsche Teehaus Pfaffendorf von der Diakonissenanstalt Kaiserswerth und richtete die Lutherkapelle ein. Die Gebäude des Altenberger Hofs sind heute nicht mehr erhalten.
Das ehemalige Teehaus stand ursprünglich frei, bis im Jahr 1962 an drei Seiten ein Seniorenheim und ein Versammlungsraum angebaut wurden, so dass heute nur noch die zum Rhein gewandte Giebelwand sichtbar ist. Die mehrschichtige Giebelwand hat drei hohe Rundbogenfenster und ist durch die Verwendung verschiedenfarbiger Materialien gegliedert.

Die pfeilerartigen Formelemente an den Ecken sind aus hellem Basalttuff mit einem steigenden Rundbogenfries, der sich durch ein unterlegtes Zackenband auszeichnet. Die nächste Schicht sind die drei mit Blendarkarden umfassten Fenster und das Giebelfeld aus heller Schaumlava, in dem sich eine große kreisförmige Öffnung mit einem hellen Basaltlava-Rahmen befindet.
Im Erdgeschoss sind drei rechteckige und im Obergeschoss drei Rundbogenfenster, die einen profilierten Rahmen und Brüstungsfelder aus hellem Sandstein besitzen. Die Sohlbänke und das Abschlussgesims des niedrigen Sockels bestehen aus rotem Sandstein.
Die Kapelle ist ein annährend quadratischer Bau mit zwei Stockwerken und einem Satteldach. Der Innenraum der Kapelle besteht aus einem dreiteiligen zweijochigen Kirchenschiff und einem Kreuzrippengewölbe, das von schmalen Säulen getragen wird. Als Schlusssteine dienen unterschiedliche Hausmarken, die vermutlich noch vom Altenberger Hof stammen, da zum Bau des Teehauses zum Teil altes Baumaterial von umliegenden Höfen, wie zum Beispiel vom Kloster Altenberg, verwendet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle teilweise zerstört. Nach Restaurationsarbeiten konnte sie 1948 jedoch wieder genutzt werde. Aufgrund der stetig wachsenden evangelischen Gemeinde in Horchheim wurde die Kapelle 1956 in südliche Richtung erweitert. Der Anbau hat einen um 90 Grad versetzten Dachfirst, auf dem ein kleiner Dachreiter vorzufinden ist. Der Bau des Seniorenhauses im Jahr 1962 führte zu einer weiteren Erweiterung des ehemals quadratischen Teehauses.
2003 wurden bei Restaurierungsarbeiten alte Farbschichten, die aus der Zeit des Architekten Lassauly stammen, entdeckt, und der Beschluss gefasst, diese wieder herzustellen. Bei der Instandsetzung der Fassade 2007 wurden die Buntglasfenster nach altem Vorbild gestaltet und neue Brüstungsgitter angebracht.

Die Lutherkapelle gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf, der auch die evangelische Christuskirche in Pfaffendorf, die Versöhnungskirche in Arenberg und die Hoffnungskirche auf der Pfaffendorfer Höhe angehören. Das ehemalige Teehaus ist neben einer Lindenallee am Rhein das letzte Relikt, das an den Horchheimer Landsitz der Familie Mendelssohn erinnert.

(Friederike Meiers, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Internet
Lutherkapelle Horchheim (abgerufen: 23.07.2014)
Koblenz & Mendelssohn (abgerufen: 23.07.2014)
Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf - Kirchen- und Gemeindezentren (abgerufen: 23.07.2014)

Literatur

Weber, Ulrike / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Stadt Koblenz, Stadtteile. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 3.3 / Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland.) S. 162ff, Worms.

Evangelische Lutherkapelle Horchheim

Schlagwörter
Ort
Koblenz - Horchheim
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1830 bis 1962
Koordinate WGS84
50° 19′ 48,14″ N, 7° 35′ 45,27″ O / 50.33004°, 7.59591°
Koordinate UTM
32U 400065.34 5576269.65
Koordinate Gauss/Krüger
3400100.49 5578060.47

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„Evangelische Lutherkapelle Horchheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-97458-20140723-7 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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