Ein Teehaus für die Mendelssohns
Das Teehaus wird Gotteshaus
Beschädigung und Restaurierung
Kulturdenkmal
Internet
Ein Teehaus für die Mendelssohns
Nachdem Joseph Mendelssohn das Gut in Horchheim gekauft hatte, beauftragte er sehr bald (vor 1833) den Architekten Johann Claudius von Lassaulx mit dem Bau eines Gartenpavillons. Uwe Baur äußert die Vermutung, dass dieses Gebäude ursprünglich als jüdisches Bethaus geplant gewesen sei, mit der Zeit dann aber eine Umnutzung zum Teehaus stattgefunden habe. (Baur 2010, S. 7) Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass das Gebäude früher von den Menschen in der Nachbarschaft auch als „Synagoge“ bezeichnet wurde. (Schmidt 1995, S. 9)
Es haben sich verschiedene historische Gruppenfotos erhalten, die Mitglieder der Familie Mendelssohn beim geselligen Zusammensein im Park zeigen (siehe Abbildungen in der Mediengalerie). Beispielhaft ist das Gruppenbild vor dem Teehaus, das um 1880 gemacht wurde. Es gibt jedoch nur ein Foto - es stammt von 1886, also aus der späten Zeit - das die Familie beim Tee darstellt. Dieses Bild wurde vermutlich in der Nähe des Hautgebäudes gemacht, was die Vermutung nahe legt, dass es mehrere Orte im weitläufigen Park gab, an denen man sich zum Tee traf. Möglicherweise wurde der Ort je nach Jahreszeit oder Vorliebe der Teilnehmenden gewählt. Nachweislich gab es in diesem Pavillon einen Raum, der zur Bereitung des Tees genutzt wurde.
Gebäude
Das Gebäude, ursprünglich freistehend, ist zweistöckig und wies zwei zu drei Achsen auf. Dem quadratischen Bau ist eine klar erkennbare Richtung gegeben worden durch das Aufbringen eines Satteldachs in Ost-/ Westrichtung. Über einem niedrigen, halb eingetieften Souterrain (Teeküche) folgt das hohe Hauptgeschoss, ein dreiachsiger, zweischiffiger Saal, der durch das Einstellen von zwei Rundsäulen eine Richtung bekommen hat, die diesmal von Nord nach Süd verläuft. Die schlanken Rundsäulen tragen Kreuzrippengewölbe mit bewusst wiederverwandten Schlusssteinen, die aus dem abgerissenen Altenberger Hof (s. o.) stammen. Mit diesen Spolien wollte Lassaulx das Teehaus bewusst in die Tradition des Klosterhofes stellen. Es finden sich die Jahreszahl 1744 auf einem Schlussstein sowie die Buchstaben J und H: Sie sind aufzulösen mit Johannes Hoerdt, Abt (1739-1779) des bergischen Zisterzienserklosters Altenberg, der zur fraglichen Zeit an dem Klosterhof Baumaßnahmen durchführen ließ. Die Spolien haben Sulpiz Boisserée beeindruckt, der außerdem Lassaulx als den Architekten des Garten-/Teehauses eigens erwähnt. Die dem Rhein zugewandte Giebelfront ist mit ihren drei engstehenden rundbogigen Fenstern, die in Achse mit den schlichten Segmentbogenfenstern des Untergeschosses stehen, als Schaufront ausgebildet. Eine gusseiserne Freischwebetreppe (1962 abgerissen), wiederum eine Besonderheit von Lassaulx, der dieses Material liebte und auch bei den Fenstern des Obergeschosses angewandt hatte, führte von Norden in den höher gelegenen Teeraum. Die Fassade wird von Eckpilastern gerahmt. Auch bei dem prachtvollen Außenbau hat Lassaulx wieder mit der unterschiedlichen Farbigkeit des von ihm eingesetzten Steinmaterials gearbeitet.
Das Teehaus wird Gotteshaus
1922 kaufte die evangelische Kirchengemeinde Pfaffendorf das ehemalige Mendelssohnsche Teehaus von der Diakonissenanstalt Kaiserswerth und richtete die Lutherkapelle ein. Im Jahr 1962 wurden an drei Seiten des Gebäudes ein Seniorenheim und ein Versammlungsraum angebaut, so dass heute nur noch die zum Rhein gewandte Giebelwand sichtbar ist. Die mehrschichtige Giebelwand hat drei hohe Rundbogenfenster und ist durch die Verwendung verschiedenfarbiger Materialien gegliedert.
Die pfeilerartigen Formelemente an den Ecken sind aus hellem Basalttuff mit einem steigenden Rundbogenfries, der sich durch ein unterlegtes Zackenband auszeichnet. Die nächste Schicht sind die drei mit Blendarkarden umfassten Fenster und das Giebelfeld aus heller Schaumlava, in dem sich eine große kreisförmige Öffnung mit einem hellen Basaltlava-Rahmen befindet.
Im Erdgeschoss sind drei rechteckige und im Obergeschoss drei Rundbogenfenster, die einen profilierten Rahmen und Brüstungsfelder aus hellem Sandstein besitzen. Die Sohlbänke und das Abschlussgesims des niedrigen Sockels bestehen aus rotem Sandstein. Die Kapelle ist ein annährend quadratischer Bau mit zwei Stockwerken und einem Satteldach. Der Innenraum der Kapelle besteht aus einem dreiteiligen zweijochigen Kirchenschiff und einem Kreuzrippengewölbe, das von schmalen Säulen getragen wird. Als Schlusssteine dienen unterschiedliche Hausmarken, die vermutlich noch vom Altenberger Hof stammen, da zum Bau des Teehauses zum Teil altes Baumaterial von umliegenden Höfen, wie zum Beispiel vom Kloster Altenberg, verwendet wurde.
Beschädigung und Restaurierung
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle teilweise zerstört. Nach Restaurationsarbeiten konnte sie 1948 jedoch wieder genutzt werde. Aufgrund der stetig wachsenden evangelischen Gemeinde in Horchheim wurde die Kapelle 1956 in südliche Richtung erweitert. Der Anbau hat einen um 90 Grad versetzten Dachfirst, auf dem ein kleiner Dachreiter vorzufinden ist. Der Bau des Seniorenhauses im Jahr 1962 führte zu einer weiteren Erweiterung des ehemals quadratischen Teehauses.
2003 wurden bei Restaurierungsarbeiten alte Farbschichten, die aus der Zeit des Architekten Lassauly stammen, entdeckt, und der Beschluss gefasst, diese wieder herzustellen. Bei der Instandsetzung der Fassade 2007 wurden die Buntglasfenster nach altem Vorbild gestaltet und neue Brüstungsgitter angebracht.
Die Lutherkapelle gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf, der auch die evangelische Christuskirche in Pfaffendorf, die Versöhnungskirche in Arenberg und die Hoffnungskirche auf der Pfaffendorfer Höhe angehören.
Kulturdenkmal
Die evangelische Lutherkapelle Horchheim wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler der kreisfreien Stadt Koblenz geführt (Stand 2026). Der Eintrag lautet: „(zu) Reiffenbergstraße 8/10, ev. Kapelle, urspr. Teehaus im Mendelssohnschen Park, 1830er Jahre, Arch. J. C. von Lassaulx, 1948 nach Plänen von Möllering/Düsseldorf neu gestaltet, 1956 von Friedhelm Worm/Koblenz erweitert.“
(Friederike Meiers, Universität Koblenz-Landau, 2014; Ergänzt mit einem Text von Udo Liessem, Koblenz-Horchheim, 2025)
Internet
www.evangelisch-in-koblenz.de: Lutherkapelle Horchheim (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)
www.mendelssohn-koblenz.de: Koblenz & Mendelssohn (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)
www.evkopf.de: Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf - Kirchen- und Gemeindezentren (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)