Spuren der Familie Mendelssohn in Koblenz-Horchheim

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Mitglieder der Familie Mendelssohn und Mendelssohn-Bartholdy im Garten ihres Gutes in Koblenz-Horchheim (1860)

    Mitglieder der Familie Mendelssohn und Mendelssohn-Bartholdy im Garten ihres Gutes in Koblenz-Horchheim (1860)

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  • Kurze Audio-Vorstellung von Joseph Mendelssohn, der 1818 das Gut in Horchheim kaufte

    Kurze Audio-Vorstellung von Joseph Mendelssohn, der 1818 das Gut in Horchheim kaufte

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  • Kurze Audio-Vorstellung von Lea Mendelssohn Batholdy

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  • Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1859)

    Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1859)

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  • Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1886)

    Mitglieder der Familie Mendelssohn in ihrem Garten in Koblenz-Horchheim (1886)

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  • Audio zur Zeichnung mit einer Ansicht Horchheims um 1828 von Felix Mendelssohn

    Audio zur Zeichnung mit einer Ansicht Horchheims um 1828 von Felix Mendelssohn

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Die Familie von Joseph Mendelssohn verbrachte von 1821 bis in die späten 1860er Jahre jeden Spätsommer und Herbst etwa sechs Wochen in Horchheim. Es handelte sich dabei um zwei Äste der Familie Mendelssohn. Zum einen war es der Familienzweig der Mendelssohns, der 1888 durch Kaiser Friedrich geadelt wurde, zum anderen die Linie Mendelssohn-Bartholdy, die 1896 geadelt wurde. Beide Familienzweige betrieben das Bankgeschäft, und beiden Linien gehörte das Gut in Horchheim. Wer hier die Ferien verbrachte, wurde für diese Zeit von den anderen „die Horchheimer“ genannt. Häufig kamen weitere Verwandte hinzu. Auch Freunde der Familie waren gern gesehene Gäste, beispielsweise Alexander von Humboldt, Ludwig Uhland und Georg Friedrich Wilhelm Hegel.
Ein solch langer Aufenthalt mit der ganzen Familie machte es erforderlich, sämtliches Personal mitsamt Equipage, Pferden, Kutschern und dem gesamten Hausrat mitzunehmen. Auch nachdem die Familie Mendelssohn in den späten 1890er Jahren Horchheim verließ, hinterließ sie dort bleibende Spuren. (Baur 2010, S. 2)

Die Mendelssohns im Kontext der napoleonischen Reparationszahlungen
Erwerb und Ausbau des Landguts in Horchheim
Sommermonate in Horchheim
Horchheim wird zum kulturellen Zentrum
Soziales Engagement und Beziehungen zur Horchheimer Bevölkerung
Kunstentfaltung in Horchheim
Rückzug und Auflösung des Horchheimer Besitzes
Quellen / Internet

Die Mendelssohns im Kontext der napoleonischen Reparationszahlungen
Nachdem Napoleon besiegt worden war, mussten die Franzosen Reparationen zahlen. Die an Preußen zu leistenden Zahlungen wurden durch ein Bankenkonsortium entgegengenommen, dem das Bankhaus Rothschild in Frankfurt vorsaß. Zum Vizedirektor wurde Joseph Mendelssohn ausgewählt. Sowohl Joseph als auch sein Bruder Abraham absolvierten ihre Bankiersausbildung bei Auguste Leou in Paris. Auf diesen Reisen muss Joseph Mendelssohn Horchheim aufgefallen sein. Der Ort liegt etwa auf halber Strecke zwischen Berlin und Paris und war nach Napoleon preußisch geworden.

Erwerb und Ausbau des Landguts in Horchheim
Als Benjamin Mendelssohn das Horchheimer Gut im Namen seines Vaters erwarb, war der Erwerb von Grundbesitz durch Juden keineswegs selbstverständlich. In Preußen trat die Emanzipation durch das Edikt vom 11. März 1812 erst sechs Jahre zuvor in Kraft. Laut Aufstellung von Benjamin Mendelssohn kostete das Gut 6.800 Gulden. Vorbesitzer war ein gewisser Hofrat Fritsch. Vor der Errichtung des Mendelssohn-Palais an der Hauptstraße befanden sich auf dem Gelände fünf kleinere Gebäude. Diese wurden für den Neubau abgetragen. Bis Umbau und Einrichtung des Horchheimer Hauses abgeschlossen waren, vergingen nochmals drei Jahre. Zum Gut gehörte neben dem großzügigen Wohnhaus ein Palmenhaus und ein Teehaus. Letzteres wurde in Horchheim lange als „die Synagoge“ bezeichnet; man nimmt an, dass es zeitweise als jüdisches Bethaus genutzt wurde. Darüber hinaus gehörten eine Landwirtschaft mit Viehhaltung, Obstbäumen und bedeutenden Weinbergen zum Anwesen. Der Weinbestand umfasste rund 70.000 Rebstöcke.
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Sommermonate in Horchheim
Ab dem Sommer 1821 verbrachten Joseph Mendelssohn, damals 51 Jahre alt, und seine Frau Henriette, genannt Hinni, regelmäßig die späten Sommer- und Herbstmonate bis zur Weinlese in Horchheim. Später schlossen sich die Familien ihrer Söhne, seines Bruders Abraham, weitere Geschwister sowie zahlreiche Freunde den Aufenthalten an. Bei der Anreise aus Berlin brachte die Familie Bedienstete samt Equipage, Pferden und Kutschern mit. Darüber hinaus beschäftigte man örtliche Angestellte, die das Gut ganzjährig betreuten, sowie saisonale Helfer für Obsternte und Weinlese.

Horchheim wird zum kulturellen Zentrum
Die weitverzweigte Familie unterhielt zahlreiche Freundschaften und Bekanntschaften mit ganz unterschiedlichen, teils prominenten Zeitgenossen. Zu den dokumentierten Gästen zählte der Kölner Kunstsammler Sulpiz Boisserée (1783-1854), der mindestens dreimal in Horchheim weilte. Auch der Schriftsteller Ludwig Uhland (1787-1862) und der Lyriker Wilhelm Müller (1794-1827) waren zu Gast. Aus Müllers Feder stammen die Texte zu Franz Schuberts Liedzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“.
Im Sommer 1827 besuchte Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) Joseph und Henriette Mendelssohn sowie deren Schwägerin Marianne Mendelssohn, geborene Seligmann, überraschend in Horchheim. Laut Henriettes Aufzeichnungen spielte er mit ihr eine Partie Billard. Zu diesem Zeitpunkt lehrte Hegel bereits Philosophie an der Universität in Berlin. Eine tiefe und langjährige Freundschaft verband Joseph Mendelssohn mit dem Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859). Die beiden trafen sich daher nicht nur in Berlin, sondern auch mehrfach in Horchheim.
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Soziales Engagement und Beziehungen zur Horchheimer Bevölkerung
Die Familie Mendelssohn bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu den Einwohnern von Horchheim. Einige Horchheimer arbeiteten auf dem Gut, wobei Joseph Mendelssohn sie nie nur als Arbeitskräfte ansah, sondern stets mit großem Respekt gegenüber seinen Mitmenschen handelte. Sein Interesse am Leben im Dorf und am örtlichen Geschehen wurde in Horchheim sehr geschätzt.

Der langjährige Gemeindevorsteher Anton Struth erinnerte sich 1910 an die Goldhochzeit des Geheimen Kommerzienrats Alexander Mendelssohn, eines Sohnes Joseph Mendelssohns, im Jahr 1869. Mendelssohn soll damals gesagt haben: „Wir bewohnen jetzt seit 50 Jahren das Gut und haben immer im besten Einvernehmen mit der Gemeinde gelebt. Nach unserem Tode sollen unsere Kinder das gute Einvernehmen wahren und das Gut in derselben Weise weiter bewirtschaften.“ (Struth 1910) Am Abend dieses Jubiläums veranstaltete die Gemeinde zu Ehren der Familie einen Fackelzug mit Musikbegleitung.

Ein weiteres Beispiel für das gute Verhältnis zwischen Familie und Ortsgemeinde ist das Engagement der Mendelssohns in der Förderung der lokalen Schul- und Sozialentwicklung. Joseph Mendelssohn unterstützte den Bau eines neuen Schulhauses mit einer Spende von 400 Reichstalern. Die Zuwendung war mit der Bedingung verbunden, 1841 mit dem Bau zu beginnen.

Bereits zuvor hatte er sich mehrfach wohltätig gezeigt, etwa durch die Unterstützung des Horchheimer Jungmusikers Carl Mand, durch die Förderung des Gesangvereins sowie durch Hilfen in akuten Notlagen. In den Krisenjahren der 1840er Jahre spendete er Lebensmittel. Nach dem Tod Joseph Mendelssohns im Jahr 1848 setzten seine Söhne Georg Benjamin und Alexander sowie deren Familien diese Wohltätigkeit fort. Sie unterstützten den Ausbau der Infrastruktur, förderten die Armen- und Krankenpflege in Horchheim und spendeten für Waisenhäuser, eine Nähschule sowie für das Armen- und Krankenhaus (heute Seniorenzentrum St. Josef). 1865 begannen Schwestern aus Dernbach mit einer Krankenpflege- und Nähschule, unterstützt durch die Mendelssohns. Anlässlich des 100. Geburtstages von Alexander Mendelssohn im Jahr 1898 wurden zusätzliche Stiftungsgelder in Höhe von 3.000 Mark für arme Familien in Horchheim bereitgestellt. Ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen sowie eine gelebte Tradition der Wohltätigkeit bildeten damit einen generationenübergreifenden Bestandteil des mendelssohnschen Selbstverständnisses.
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Kunstentfaltung in Horchheim
Felix Mendelssohn Bartholdy gilt als der künstlerische Geist der Familie. Auch er war mehrfach in Horchheim zu Gast. Felix war ein enthusiastischer Briefeschreiber; rund 7.000 Briefe sind erhalten, ein Großteil davon befindet sich heute in der New York Public Library. Zudem zeichnete er gern. In Horchheim fertigte er mehrere Zeichnungen des Gutes, des Ortes und der Umgebung an (siehe Abbildungen in der Mediengalerie). Vor allem aber schuf er Musikwerke. Auch während seiner Aufenthalte in Horchheim komponierte oder bearbeitete er mehrere Stücke, darunter beispielsweise:

  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 40 (MWV O 11)
  • Altdeutsches Lied (In dem Wald) „Es ist in den Wald gesungen“ op. 57 Nr. 1 (MWV K 104)
  • Der 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“ op. 51 (MWV A 17) für achtstimmigen gemischten Chor, Orchester und Orgel
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Rückzug und Auflösung des Horchheimer Besitzes
In den 1880er Jahren schwand das persönliche Interesse der Familie Mendelssohn an ihrem Landgut in Horchheim zunehmend. Ein wesentlicher Grund war der Bau der rechtsrheinischen Eisenbahnlinie. Die Trasse wurde trotz aller Proteste verwirklicht und wirkte sich insbesondere auf den Besitz der Mendelssohns nachteilig aus. Sie durchschnitt den Park sowie die übrigen Ufergrundstücke.

Bereits Ende 1862 hatten 94 Horchheimer Bürger - an ihrer Spitze Georg Benjamin Mendelssohn - vergeblich gegen diese Planung der Rheinischen Eisenbahngesellschaft beim Königlichen Ministerium für Handel und Gewerbe protestiert. 94 Unterschriften kamen zusammen. Das entsprach bei 1.294 Einwohnern im Jahr 1864 einem erheblichen Teil der Horchheimer Haushalte. Neben dem Eisenbahnbau dürften auch schlechte Weinjahre und erhebliche finanzielle Belastungen bei der Bewirtschaftung des Gutes zum allmählichen Rückzug der Familie beigetragen haben. Nicht zuletzt spielte der gesellschaftliche Wandel eine Rolle. Die Enkel von Joseph Mendelssohn verloren zunehmend das Interesse an dem ländlich gelegenen Gut und an dieser Form der Sommerfrische. Das Großbürgertum wollte nun auch während der Sommermonate ein breites kulturelles Angebot nutzen, etwa im mondänen Kurort Bad Kreuznach.

Der endgültige Abschied der Mendelssohns aus Horchheim war wiederum stark am Gemeinwohl orientiert. Im Jahr 1902 verschenkte die Familie das gesamte Anwesen mit Wohngebäude, Teehaus und Park an Kaiserin Auguste Viktoria. Diese übergab es den Kaiserswerther Diakonissen zur Nutzung als Erholungsheim. Bedienstete der Familie, die auf dem Grundstück wohnten, erhielten ihre Häuser als Geschenk. Dadurch konnten sie sicher sein, durch den Eigentümerwechsel ihre Wohnungen nicht zu verlieren.
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(Heimatfreunde Horchheim e.V., Koblenz-Horchheim, 2025)


Quellen
  • Alexander Struth: Erinnerungen aus meinem Leben, 1910.
  • Die Mendelssohns in Horchheim, Vortrag von Dr. Rudolf Elvers am Samstag, dem 05. März 1994 in der Ev. Kirche Koblenz-Pfaffendorf
  • Felix Mendelssohn Bartholdy, Manuskripte von Johannes Stein und Josef Welling
  • Soziales und kulturelles Wirken der Mendelssohns in Horchheim, Vortrag beim Verein „Koblenzer Mendelssohn-Tage e. V.“ am 28. November 1995 im Teehaus (Lutherkapelle), Reiffenbergstraße
    von Hans Josef Schmidt

Internet
de.wikipedia.org: Mendelssohn (Berliner Familie) (abgerufen 04.03.2026)
www.deutsche-biographie.de: Mendelssohn, Moses (abgerufen 04.03.2026)
www.deutsche-biographie.de: Mendelssohn Bartholdy, Felix (abgerufen 04.03.2026)
heimatfreunde-horchheim.de: Heimatfreunde Horchheim e.V. (abgerufen 04.03.2026)
rlp.museum-digital.de: Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim e.V. (abgerufen 04.03.2026)
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Literatur

Baur, Uwe (2010)
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte. Nummer 84 - Juni 2010 von Uwe Baur (Koblenz). Koblenz.

Spuren der Familie Mendelssohn in Koblenz-Horchheim

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Heimatfreunde Horchheim e.V. (2025), „Spuren der Familie Mendelssohn in Koblenz-Horchheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-356888 (Abgerufen: 14. März 2026)
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