Gründung der Niederlassung der Dernbacher Schwestern (1865)
Einrichtung in der Erbenstraße 8 und Beginn der Tätigkeit
Aufbau der sozialen Arbeit (1866-1868)
Neubau des Schwesternhauses in der Reiffenbergstraße (1869)
Erbenstraße und Haus Nr. 8
Quellen
Gründung der Niederlassung der Dernbacher Schwestern (1865)
Einen nachhaltigen Einfluss auf das soziale Leben in Horchheim hatte die Einrichtung einer Niederlassung der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ (Dernbacher Schwestern) im Jahr 1865. Diese Gründung markiert den Ausgangspunkt einer langfristigen Entwicklung der organisierten Krankenpflege im Ort, die wesentlich durch die Familie Mendelssohn gefördert wurde.
Bereits im Vorfeld der Ansiedlung wurden die Pläne in einem Schreiben des Pfarrers Knoell an das Bischöfliche Ordinariat Trier vom 27. September 1865 angezeigt. Ergänzend teilte er am 9. Oktober 1865 mit, dass die Schwestern neben der Krankenpflege auch den sogenannten Industrieunterricht für Mädchen sowie die Betreuung alleinstehender älterer Frauen übernehmen sollten.
Der Gründungsvertrag vom 6. Oktober 1865 regelte die gegenseitigen Verpflichtungen. Die Schwestern erhielten freie Unterkunft mit den erforderlichen Räumen, während sie im Gegenzug unentgeltlich Krankenpflege leisteten, Hilfsbedürftige besuchten, Mädchen in Handarbeiten unterrichteten sowie arme, kranke und alte Menschen betreuten.
In der zeitgenössischen Überlieferung gelten insbesondere Professor Georg Benjamin Mendelssohn, Ordinarius für Geographie an der Universität Bonn, sowie sein Bruder Alexander Mendelssohn, Geheimer Kommerzienrat und Bankier in Berlin, als maßgebliche Initiatoren. Beide sagten die Finanzierung der Wohnung, der Ausstattung sowie der laufenden Zahlungen an das Mutterhaus in Dernbach zu.
Einrichtung in der Erbenstraße 8 und Beginn der Tätigkeit
Am 8. November 1865 zogen die ersten zwei Dernbacher Schwestern in eine von der Familie Mendelssohn bereitgestellte Vierzimmerwohnung im Haus Erbenstraße 8 ein, um dort „unter dem Segen Gottes ihr neues Werk zu beginnen“. Bereits am 30. November wurde die Gemeinschaft um eine dritte Schwester erweitert. Mit diesem Einzug begann die organisierte pflegerische und soziale Tätigkeit in Horchheim. Zu den Aufgaben gehörten die Pflege Kranker, die Betreuung armer und alleinstehender Personen, die Unterstützung von Waisen sowie die Vermittlung grundlegender handwerklicher Fertigkeiten an Kinder. Zusätzlich ist für die ersten Jahre auch die Einrichtung einer Näh- beziehungsweise Industrieschule überliefert. Die Klosterchronik hebt hervor, dass die Initiative zur Gründung maßgeblich von der Familie Mendelssohn ausging und diese die Niederlassung auch langfristig finanziell absicherte.
Aufbau der sozialen Arbeit (1866-1868)
Bereits 1866 lassen sich erste systematische Tätigkeiten nachweisen. In diesem Jahr wurden 14 Kranke betreut. Schulkinder unterstützten die Einrichtung zudem durch Spendenaktionen in Geld sowie Naturalien wie Kartoffeln, Gemüse und Obst.
Die Familie Mendelssohn blieb auch nach der Gründung eng mit der Einrichtung verbunden. Regelmäßige Besuche dienten der unmittelbaren sozialen Unterstützung sowie der Begleitung der Arbeit vor Ort. In Einzelfällen wurden Hilfsbedürftige direkt mit Kleidung und Wäsche versorgt. Die zunehmenden Aufgaben machten schon wenige Jahre nach der Gründung die Planung eines eigenen Schwesternhauses erforderlich.
Neubau des Schwesternhauses in der Reiffenbergstraße (1869)
Aufgrund des wachsenden Aufgabenfeldes entschied sich die Familie Mendelssohn zum Bau eines eigenen Hauses für die Schwestern in der Reiffenbergstraße 3. Der Grundstein wurde am 28. August 1869 in Anwesenheit der Familie gelegt. Die feierliche Einsegnung erfolgte am 19. September 1869 durch Pfarrer Knoell. Noch am selben Tag bezogen die Schwestern das neue Gebäude. An der Feier nahmen neben der Familie auch Lehrer, Schulkinder sowie örtliche Vereine teil. Das Haus entwickelte sich in der Folge zu einem dauerhaften Zentrum sozialer Arbeit in Horchheim und wurde über Jahrzehnte für Pflege, Fürsorge und Bildungsarbeit genutzt. Es ist heute nicht mehr erhalten.
Erbenstraße und Haus Nr. 8
Die Herkunft des Straßennamens „Erbenstraße“ ist nach aktuellem Forschungsstand nicht eindeutig geklärt. Im Rahmen der systematischen Straßenbenennung in Horchheim wurden in den Gemeinderatsprotokollen der Jahre 1884/1885 zahlreiche Straßen neu benannt. Dabei wurde die zuvor als „Erbengasse“ bezeichnete Straße am 8. Januar 1885 entsprechend umbenannt; die Gründe hierfür sind nicht überliefert. Eine mögliche Verbindung zum Horchheimer Kaufmann Johannes Erben erscheint plausibel, ist jedoch nicht gesichert. Da dieser erst 1902 verstarb, bleibt eine eindeutige Zuordnung bislang offen. Das Haus in der Erbenstraße 8 blieb zunächst im Besitz der Familie Mendelssohn und wurde 1906 an Johann Schmidt, den langjährigen Gärtner der Familie, übereignet.
Heimatfreunde Horchheim e.V., Koblenz-Horchheim, 2025)
Quellen
- Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Horchheim (19. August 1884; 8. Januar 1885), ausgewertet nach Hinweisen von Jopa Schmidt