Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Aufenthalte in Horchheim
In Horchheim entstandene Kompositionen
Die Mendelssohn-Stele im Mendelssohnpark
Planung, Ausführung und Einweihung
Josef Welling - Künstlerischer Werdegang
Quellen
Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Aufenthalte in Horchheim
Felix Mendelssohn Bartholdy wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg geboren. Bereits im Kindesalter erhielt er Klavier- und Kompositionsunterricht und trat früh öffentlich auf. Internationale Bekanntheit erlangte er mit der Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare. Einen bedeutenden Beitrag zur Musikgeschichte leistete er 1829 mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach, wodurch er wesentlich zur Wiederentdeckung von Bachs Werk im 19. Jahrhundert beitrug.
Von 1833 bis 1835 wirkte Mendelssohn als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf. Weitere wichtige Wirkungsstätten waren Berlin, Leipzig, das Rheinland und England. In Leipzig war er Gewandhauskapellmeister und gründete 1843 das Konservatorium. Am 28. März 1837 heiratete er in Frankfurt am Main Cécile Jeanrenaud. Die Hochzeitsreise führte das Paar auch nach Koblenz-Horchheim.
Felix Mendelssohn Bartholdy hielt sich mehrfach in Horchheim auf. Ein früher Aufenthalt auf dem Horchheimer Landsitz der Familie wird bereits für das Jahr 1820 angenommen. Während seiner Tätigkeit im Rheinland kam er wiederholt an den Mittelrhein und besuchte Verwandte in Horchheim. Nachgewiesene Aufenthalte sind für die Jahre 1827, 1833, 1837, 1839 und 1846 belegt.
Besonders gut dokumentiert ist ein längerer Aufenthalt im Sommer 1839. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Cécile und dem Sohn Karl reiste Mendelssohn ursprünglich für etwa eine Woche nach Horchheim, blieb jedoch fast zwei Wochen auf dem Landsitz der Familie. In Briefen an seine Mutter schilderte er die ruhige Atmosphäre, Spaziergänge, das Familienleben sowie die erholsame Wirkung der Landschaft und der Landluft am Rhein. Gleichzeitig arbeitete er während des Aufenthaltes an mehreren musikalischen Kompositionen.
Einen anschaulichen Eindruck der Landschaft im Raum Koblenz-Horchheim vermittelt ein Brief Mendelssohns vom 2. Oktober 1827 aus Köln:
„…da mit einem male werden die Berge frey, die Nebel fallen, der Mond geht hell auf, und die Nachricht kommt, daß auf dem ganzen rechten Rheinufer, von Horchheim bis Ehrenbreitstein übermorgen Weinlese sey.“
Die umfangreiche Korrespondenz der Familie Mendelssohn dokumentiert die engen familiären Beziehungen sowie die Bedeutung des regelmäßigen Briefwechsels innerhalb der Familie. Zu den bekanntesten Werken Mendelssohns zählen das Violinkonzert e-Moll, die „Italienische“ und die „Schottische“ Sinfonie sowie das Oratorium „Elias“. Mendelssohn starb am 4. November 1847 im Alter von 38 Jahren in Leipzig.
In Horchheim entstandene Kompositionen
Mehrere Werke lassen sich unmittelbar mit Mendelssohns Aufenthalten in Horchheim in Verbindung bringen. Teilweise wurden sie hier vollendet, teilweise entstanden wesentliche Teile der Komposition während der Aufenthalte auf dem Landsitz der Familie.
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 40 (MWV O 11)
Während seiner Hochzeitsreise arbeitete Mendelssohn am Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 40 weiter. Bereits seit April 1837 hatte er musikalische Ideen zu dem Werk gesammelt. Am 1. Juli 1837 notierte Cécile Mendelssohn in ihr Tagebuch: „Felix spielt mir sein Clavierkonzert vor.“ Vollendet wurde das Werk schließlich am 5. August 1837 in Horchheim.
Die Uraufführung fand am 21. September 1837 beim Musikfest in Birmingham statt, wobei Mendelssohn selbst den Solopart übernahm. Das Konzert besteht aus drei unmittelbar ineinander übergehenden Sätzen. Charakteristisch ist das gleichberechtigte Zusammenspiel von Klavier und Orchester.
„Altdeutsches Lied“ op. 57 Nr. 1 (MWV K 104)
Das „Altdeutsche Lied“ mit den Anfangsworten „Es ist in den Wald gesungen“ entstand am 26. Juli 1839 in Horchheim. Die Klavierlieder Mendelssohns waren vor allem für den häuslichen Musikkreis bestimmt und wurden häufig Freunden handschriftlich gewidmet. Das Lied erschien später gemeinsam mit weiteren Liedern als Opus 57 gleichzeitig in Leipzig, London und Lyon.
Der Text stammt von Ludwig Tieck und behandelt das Thema unerfüllter Liebe. Die Vertonung ist schlicht und volksliedhaft gehalten.
Der 114. Psalm op. 51 (MWV A 17)
Der 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“ entstand innerhalb von vierzehn Tagen während eines Aufenthaltes Mendelssohns im Spätsommer 1839 in Horchheim. Das Werk ist für achtstimmigen gemischten Chor, Orchester und Orgel komponiert.
Die Uraufführung erfolgte 1840 im Neujahrskonzert des Gewandhauses in Leipzig. Der Text behandelt den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und den Durchzug durch das Rote Meer. Die Komposition besitzt einen festlichen, hymnischen Charakter und steht unter dem Einfluss der Chormusik Georg Friedrich Händels.
Die Mendelssohn-Stele im Mendelssohnpark
Im September 1984 errichteten Bürgerinnen und Bürger aus Koblenz-Horchheim im heutigen Mendelssohnpark ein Denkmal zu Ehren Felix Mendelssohn Bartholdys. Entworfen und gestaltet wurde die Stele von dem Horchheimer Gold- und Silberschmied sowie Bildhauer Josef Welling. Die rund 2,10 Meter hohe Bronzeplastik steht auf einem etwa 30 Zentimeter hohen Sockel aus heimischem Basalt. Ihre Form erinnert an die stilisierte Silhouette eines Konzertflügels und verweist damit unmittelbar auf das musikalische Schaffen Mendelssohns. Im oberen Bereich befindet sich eine stilisierte Klaviertastatur, darunter der Name des Komponisten. Auf einem der Seitenflügel ist das ehemalige Sommerhaus des Onkels von Mendelssohn als Relief dargestellt - jenes Haus, in dem sich der Komponist während seiner Aufenthalte in Horchheim aufhielt.
Die erhaben ausgeführten Jahreszahlen 1827, 1833, 1837, 1839 und 1846 verweisen auf die nachgewiesenen Aufenthalte Mendelssohns in Horchheim. Auf der Rückseite der Stele sind Werke genannt, die während dieser Aufenthalte entstanden oder vollendet wurden: das Klavierkonzert d-Moll op. 40, der 114. Psalm op. 51 sowie das „Altdeutsche Lied“ op. 57 Nr. 1.
Planung, Ausführung und Einweihung
Der Aufstellung des Denkmals gingen mehrere Jahre der Planung voraus. Bereits 1980 lag ein Modell von Josef Welling vor. Verzögerungen ergaben sich durch Beratungen im Kulturausschuss sowie durch einen Wechsel im Kulturdezernat der Stadt Koblenz. Erst im Mai 1984 erhielt Welling den offiziellen Auftrag zur Ausführung der Stele.
Horchheimer Vereine setzten sich in dieser Zeit intensiv für die Verwirklichung des Projektes ein und beteiligten sich auch finanziell an dessen Umsetzung. Zur Einweihung erklärte Oberbürgermeister Willi Hörter, die Bürgerinnen und Bürger von Horchheim hätten gemeinsam mit der Stadt Koblenz dem Komponisten ein ehrenvolles Andenken geschaffen.
Dem fertigen Denkmal ging ein mehrstufiger künstlerischer und handwerklicher Arbeitsprozess voraus. Ausgehend von zeichnerischen Entwürfen fertigte Josef Welling zunächst Modelle in unterschiedlichen Maßstäben an. Die Reliefdarstellungen wurden einzeln modelliert, anschließend in Bronze gegossen und danach zu einem Gesamtobjekt zusammengesetzt. Abschließend erhielt die Plastik ihre Patinierung.
Josef Welling - Künstlerischer Werdegang
Josef Welling absolvierte zunächst eine Ausbildung als Gold- und Silberschmied und legte später in beiden Berufen die Meisterprüfung ab. Bereits früh übernahm er in verschiedenen Werkstätten die künstlerische Leitung. 1963 gründete er im Alter von 29 Jahren ein eigenes Atelier in Koblenz-Horchheim.
Welling bildete sich in den Bereichen Bildhauerei und Metallbildnerei kontinuierlich weiter und entwickelte sich zu einem vielseitigen Künstler des sakralen und profanen Kunsthandwerks. Ein Schwerpunkt seines Schaffens lag auf der christlichen Kunst. Er gestaltete zahlreiche sakrale Arbeiten, darunter Altäre, Kreuzwege, liturgische Gefäße und Kirchenfenster.
In Horchheim stammen unter anderem die Ausgestaltung des Altarraums der Pfarrkirche St. Maximin sowie die Kapelle des Krankenhauses St. Josef von ihm. Auch außerhalb der Region schuf er liturgische Arbeiten, darunter einen Bischofsstab für Bischof Reckter in Simbabwe.
Neben sakralen Werken entstanden auch profane Arbeiten wie das Mendelssohn-Denkmal im Horchheimer Mendelssohnpark sowie Ehrenpreise für das Internationale Leichtathletik-Abendsportfest von Rot-Weiß Koblenz. Hinzu kamen Schmuckobjekte, kunsthandwerkliche Einzelstücke sowie Restaurierungen und Neuentwürfe.
(Heimatfreunde Horchheim e.V., Horchheim; Johannes Stein, Koblenzer Mendelssohn-Tage e.V., 2025)
Quellen
- Johannes Stein: E-Mail „AW: Mendelssohn Kurztexte“ vom 2. August 2025 an die Heimatfreunde Horchheim e. V.
- Heimatfreunde Horchheim e. V.: Materialien und Dokumentationssammlung zum Mendelssohnpark, zur Mendelssohn-Stele und zu den Aufenthalten Felix Mendelssohn Bartholdys in Koblenz-Horchheim.