Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Ruhrtal (KLB 14.31)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Bochum, Dortmund, Essen (Nordrhein-Westfalen), Hagen (Nordrhein-Westfalen), Hattingen, Heiligenhaus, Herdecke, Mülheim an der Ruhr, Ratingen, Schwerte, Velbert, Wetter (Ruhr), Witten
Kreis(e): Bochum, Dortmund, Ennepe-Ruhr-Kreis, Essen (Nordrhein-Westfalen), Hagen (Nordrhein-Westfalen), Mettmann, Mülheim an der Ruhr, Unna
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das Ruhrtal in Höhe des Kattenturms in Essen Kettwig (2008)

    Das Ruhrtal in Höhe des Kattenturms in Essen Kettwig (2008)

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Das Ruhrtal ist hier beschrieben als landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen.

Der ausgewiesene Teil des Flusstals zwischen Westhofen und Ruhrort ist von außerordentlicher Bedeutung für die erste Phase der Industrialisierung des Ruhrgebiets, geprägt von Einrichtungen und Anlagen für die Schifffahrt und die Industrie, aber auch von mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Orten, Industriellenvillen, Park- und Grünanlagen sowie Arbeitersiedlungen.
Eine Besiedlung des Ruhrtals ist seit dem Frühmittelalter nachgewiesen (Ringwallanlage „Alteburg“ bei Werden). Bis ins 19. Jahrhundert dominierten zahlreiche mittelalterliche Burganlagen, Einzelhöfe, kleine Weiler und Kirchdörfer das offene Ruhrtal und bilden auch heute wichtige Elemente der Kulturlandschaft (z.B. Ruine Kattenturm bei Kettwig). Zu erwähnen sind ebenso die Klosteranlagen Werden (sehr hohe Bedeutung im Mittelalter), Steele und Saam.

Bereits im Spätmittelalter begann der Abbau der an der Ruhr ausbeißenden Steinkohlenflöze. Aus der Zeit vom 16. bis in das frühe 19. Jahrhundert sind zahlreiche Stollenzechen mit umfangreichen Pingenfeldern und Tagebrüchen wie an den Hängen zwischen Rellinghausen und Heisingen, bei Byfang/Kupferdreh und Heidhausen überliefert. Historische Kleinzechen befinden sich in Essen. Das Fördergerüst der Zeche Carl Funke bei Heisingen markiert das Ende des Stollenbergbaus und den Übergang zur Tiefzeche.
Im 18. Jahrhundert wurde die Ruhr insbesondere für die Kohlentransporte aus der Grafschaft Mark schiffbar gemacht, wovon der Leinpfad sowie zahlreiche Wehre, Schleusen und kleine Häfen erhalten sind. Mit der Verlagerung des Transportes auf die Eisenbahn (1866) wurden sie weitgehend funktionslos. Erhalten ist die Hespertalbahn, entstanden aus einer pferdegetriebenen Schmalspurbahn zur Anbindung von Erzgruben, später der Zeche Pörtingsiepen. Eine neue Überformung des Flussbettes und der Aue begann mit den Aufstaumaßnahmen zum Baldeneysee in den 1930er Jahren und dem Bau mehrerer Wassergewinnungsanlagen.

Architektonisch bedeutende, historische Bahnhöfe stehen in Kettwig und Essen/Hügel. Im 19. Jahrhundert siedelte sich an vielen Mühlenstandorten der Ruhr Textilindustrie an und prägte die Siedlungen (Werden, Kettwig, Mülheim, Kupferdreh). Außerdem entstanden im Ruhrtal und seinen Seitentälern Eisen- und Kupferhütten (Henrichehütte Hattingen, Friedrich-Wilhelm-Hütte, Phönix-Hütte in Kupferdreh, Deilbachtal). Ein herausragendes Beispiel für die prächtigen Industriellensitze des 19. Jahrhunderts ist die „Villa Hügel“ mit großem Landschaftspark, von Alfred Krupp bei Bredeney erbaut (weitere Beispiele in Kettwig und Werden). Sehr bedeutende Beispiele für den Arbeitersiedlungsbau sind die Siedlung Brandenbusch in Bredeney sowie die Textilfabriken Scheidt und Klein-Schlatter mit Arbeiterwohnungen in Kettwig.

Eine wesentliche Keimzelle der industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets war das Teilgebiet zwischen Witten und Herbede mit dem Muttental. Die Zeche Nachtigall in Witten, heute Standort des LWL-Industriemuseums, steht in diesem Abschnitt exemplarisch für die Wiege des Ruhrbergbaus. Der Ausbau der Ruhr als Schifffahrtsweg bildet einen weiteren Meilenstein in der räumlich-strukturellen Entwicklung. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts konnte die Ruhr von den Kohlenschiffen befahren werden. Die wirtschaftlichen Beziehungen nach Westen stehen im Zusammenhang mit dem Aufschwung des Ruhrortes Hafenbetriebs. Die Ruhr entwickelte sich zur Achse des Bergbaureviers. Aus dieser Periode stammt der Name „Ruhrrevier“, der dann mit dem Bergbau später nordwärts wanderte. Die Schifffahrt wurde noch bis ungefähr 1890 betrieben. Das Landschaftsbild im Ruhrtal wird heute vielerorts als malerisch bezeichnet. In seiner Struktur wird es maßgeblich durch Zeugnisse der Flussregulierung geprägt. Neben den Schleusen sind zum Beispiel die typischen Buhnen derartige Relikte, die in der Vergangenheit eine geringere Fließgeschwindigkeit und eine ausreichend tiefe Fahrrinne gewährleisten sollten. Jeweils gegenüberliegend verläuft der historische Leinpfad, der im Verlauf von der Blütezeit der Treidelschifffahrt zeugt. Das Ruhrtal ist eine Seenlandschaft. Die fünf Flussstauseen haben zentrale Bedeutung in der Funktion des Tals als Freizeit-, Erholungs- und Erlebnisraum für die Menschen im Ruhrgebiet. Trinkwasser- und Energiegewinnung sind sichtbare Aspekte der wasserwirtschaftlichen Kulturlandschaft. Die Phase der massiven Wasserverschmutzung bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ist von der sichtbaren Phase der Zurückeroberung durch eine wertvolle Pflanzen- und Tierwelt gewichen. Besondere Sichtachsen geben der hügeligen Landschaft einen zusätzlichen Freizeitwert. Es handelt sich nicht nur um Blickbeziehungen im Tal entlang des Flusslaufes. Besonderen Wert haben auch die verbindenden Ausblicke von den begleitenden Höhen, die oftmals Standorte historischer Baulichkeiten (z.B. Bismarcktürme) sind bzw. waren.

Im östlichen Teilabschnitt des Ruhrtals zwischen Bommern (Witten-) und Hattingen werden die vielfachen historischen Brüche der Kulturlandschaft besonders anschaulich.

Das Spektrum reicht von der Frühgeschichte in Gestalt der Syburg über dem Zusammenfluss von Ruhr und Lenne (sächsische Volksburg, Kirche des 13. Jahrhunderts, Ruine einer Adelsburg) und der Territorialisierung des Mittelalters über den Merkantilismus des absolutistischen Zeitalters und die Anfänge der Industrialisierung bis zum Einsetzen der Großindustrie, dem Denkmalkultus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und dem Ausflugsverkehr.

Konstituierende Merkmale aus dem Bestand an Baudenkmälern: in Hohensyburg die Burg (ehemalige Wallburg, Burgruine, Vincketurm, Kaiserdenkmal)und das Dorf (mit Kirche, Kirchhof, Schule, ländlicher Bebauung), die Hinterlassenschaften frühen Bergbaus, die Trasse der ehemaligen Zahnradbahn (Bodendenkmal), außerdem die Serpentinenstraße zum Hengsteysee mit Brücke (1920er Jahre); adelige Häuser Husen und Steinhausen; kulturlandschaftlich bedeutsame Stadtkerne Blankenstein (mit Gethmannschem Garten), Hattingen, Volmarstein, Wetter; Burgen und Herrensitze Blankenstein, Herbede, Steinhausen, Kemnade, Witten; Dorfkerne Wengern und Stiepel mit Pfarrkirchen und Kirchhofrandbebauung; Ruhrschleusen mit Schleusenwärterhäusern; Muttental mit historischen Bergbauanlagen, der Zeche Nachtigall und Henrichshütte als Standorte des LWL-Industriemuseums, das Wannebachtal mit ländlicher Architektur überwiegend des 18. Jahrhunderts; Fabrikanlage Lohmann.

Spezifische Ziele und Leitbilder
  • Sicherung der Infrastrukturanlagen in und an der Ruhr;
  • Erhalt der Erlebbarkeit von Denkmälern und Landschaft;
  • Erhalt des Freiraums;
  • Kulturlandschaftliches Entwicklungskonzept zur Aufrechterhaltung bestimmter Nutzungen.
Aus: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen. Münster, Köln. 2007

Internet
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in NRW (Abgerufen: 10.10.2015)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). S. 81, Münster, Köln.

Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Ruhrtal (KLB 14.31)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001
Koordinate WGS84
51° 24′ 19,92″ N, 7° 09′ 55,12″ O / 51.40553°, 7.16531°
Koordinate UTM
32U 372390.92 5696520.37
Koordinate Gauss/Krüger
2581128.76 5697407.53

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„Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Ruhrtal (KLB 14.31)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EK-20080730-0014 (Abgerufen: 27. Juni 2017)
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