Ruhrtal zwischen Hattingen und Schwerte (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Ruhr 337)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Gemeinde(n): Bochum, Dortmund, Fröndenberg / Ruhr, Hagen (Nordrhein-Westfalen), Hattingen, Herdecke, Holzwickede, Iserlohn, Menden (Sauerland), Schwerte, Wetter (Ruhr), Wickede (Ruhr), Witten
Kreis(e): Bochum, Dortmund, Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen (Nordrhein-Westfalen), Märkischer Kreis, Soest, Unna
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Das Ruhrtal zwischen Hattingen und Schwerte und sein Umfeld sind hier beschrieben als bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Ruhr. Die wertbestimmenden Merkmale der historischen Kulturlandschaft werden für die Maßstabsebene der Regionalplanung kurz zusammengefasst und charakterisiert.

Überlieferte landwirtschaftliche Nutzung und teilweise persistente Acker- und Grünlandstandorte; Hecken, Einzelbäume, Baumreihen und Kopfweiden entlang der Ruhr, der Gräben, der Wege und der Parzellengrenzen, persistente Flurgrenzen und Wege, Mühlgräben als Zeugnis der Nutzung der Wasserkraft vor 1840.

Buhnen und Schleusen als Zeugnisse der Flussregulierung zur Schiffbarmachung der Ruhr; Zeugnisse des Kohlentransportes (Leinpfad, Kohlenniederlagen); überlieferte Brückenstandorte, teilweise an ehemaligen Fährstandorten. Zeugnisse der Wasserbaukunst zur Wasserhaltung und Umgestaltung zur Freizeitlandschaft sind die Stauseen Hengsteysee (1929), Harkortsee (1931) und Kemnader See (1979 fertiggestellt).

Haus Kemnade ist eine Wasserburg mit Hauptburg und großflächigem Gutshof auf gemeinsamer Insel in Solitärlage, weithin sichtbar in der Talaue, historische Sichtbeziehungen von Norden, Westen und Nordosten, auch Bodendenkmal.

Haus Herbede: Herrensitz mit vierflügeligem Hauptgebäude und Vorburg, Hauptburg – ein Bruchsteinbau, Vorburg ohne Graben, Ummauerung mit südlicher Toreinfahrt z.T. erhalten, auch Bodendenkmal.

Laufwasserkraftwerk Hohenstein (Witten): Auf ummauerter Ruhrinsel Gebäudekomplex aus bossiertem Sandsteinmauerwerk, Maschinenhalle 1922–25 nach einem Entwurf von Edmund Körner, Schleusengebäude, Wohnhaus und Stahlbetonbogenbrücke, aufgrund der Lage landschaftsbildprägend.

Eisenbahnviadukt (Witten): Landschaftsprägende, knapp 800 m lange, in weiter Kurve mit 19 unterschiedlich breiten Bögen geführter Viadukt über das Ruhrtal, 1913–16 errichtet.

Seilhängebrücke (Wetter-Volmarstein): Ehemalige Fußgängerbrücke über die Ruhr, Fachwerkträger aus Stahl, 1893 erbaut für das Barmer Wasserwerk, älteste noch bestehende Brücke im mittleren Ruhrtal.
Eisenbahnviadukt Harkortsee: 313 m lange, 30 m hohe, in leichter Kurve mit zwölf Bögen von je 20 m Spannweite über das Ruhrtal geführte Bruchsteinbrücke, Strecke der ehemaligen Rheinischen Eisenbahn.

Gut Hausen in Vorhalle: An der Mündung der Volme in die Ruhr liegt am Südufer das seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts urkundlich genannte Gut Hausen. Die Anlage ist von ehemaligen Gräften umgeben. Spätklassizistisches Herrenhaus, Gartenfront mit sechs Achsen hat einen Balkon vor den Mittelachsen im Obergeschoss, an der Rückseite eine ehemalige Veranda vor der Mittelachse, heute zu einem geschlossenen Raum umgebaut. Südlich ehemaliger Kohlenweg, später als Eisenbahntrasse genutzt mit Eisenbahnbrücke, in Sichtweite liegt das paläontologische Bodendenkmal Hagen-Vorhalle. Die Schichten am Uferbereich der Ruhr sind fossilführend.

Schleusenanlage und Wehr, Kraftwerksgebäude und ehemalige Eisenbahnbrücke (Hagen-Hengstey), Walzenwehr mit vier Strompfeilern, Maschinenhaus am Ostufer, Schleuse auf der Westseite, parallel dazu Eisenbahnbrücke aus Eisenfachwerk, markante weit sichtbare Gesamtanlage, nordwestlich des Kraftwerks liegt das Stollenmundloch der Grube Gotthilf, Stollen vor 1800 angelegt.

Funckenburg (Hagen-Hengstey): Beim Fluten des Hengsteysees das Gebäude als kleiner Inselkomplex im See belassen. Ursprünglich als künstliche Ruinenarchitektur mit Achteckturm in dem Park von Haus Niedernhof (Dortmund-Hohensyburg) errichtet. Bruchsteinbau mit Turm mit abgeschrägten Ecken. Anstelle des Zinnenkranzes heute Notdach. Dazugehöriges Herrenhaus am gegenüberliegenden Ufer des Hengsteysees.

Haus Ruhr in Wandhofen: Herrenhaus mit Wirtschaftsgebäuden um einen weiten Hof, Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt, Gräfte teilweise erhalten, Herrenhaus zweiflügeliger Bruchsteinbau, 18. Jahrhundert, vermutlich auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus, Ruine eines Rundturms, zweigeschossiges Torhaus mit Rundbogendurchfahrt, langgestreckte Durchfahrtsscheune, nördliche die Zufahrt, westlich des Haupthauses Reste eines Landschaftsgartens, im Norden am Wannebachtal die ehemalige Rettelmühle (ehemals Rottelmühle), Bodendenkmal.

Eisenbahnbrücke über die Ruhr zwischen Wandhofen und Ergste: Im Zuge der am 1.10.1910 von der preußisch-hessischen Staatseisenbahn eröffneten Strecke von Schwerte nach Iserlohn errichtet, auf vier Uferpfeilern aus Natursteinquadern gegründet, Bogentragwerk in Stahlfachwerkbauweise. Beide Brücken aufgrund ihrer Lage weithin sichtbar. Südlich der Brücke am Westufer der Ochsenhügel – Burganlage vermutet, Bodendenkmal.

Haus Villigst: Symmetrische Anlage, 1170 erstmalig als Rittersitz erwähnt, Herrenhaus bez. 1819 und das sogenannte Ökonomiegebäude gruppieren sich rechtwinklig um einen Hof, dessen Rondell aus zwei hohen Bäumen besteht, Terrasse, die sich in westlicher Richtung zwischen Ruhr und Iserlohner Straße bis zur Ruhrbrücke bei Villigst erstreckt, ist Bestandteil des Denkmals, verschiedene Wirtschaftsgebäude, Zufahrt durch symmetrische Torhäuser, weiter westlich die Reste der ehemaligen Burg Villigst sowie ein Erbbegräbnis.

Haus Rutenborn bei Geisecke: Herrenhaus, um 1700 errichtet, mit neuzeitlichen Wirtschaftsgebäuden, Gräftenreste; Solitärlage, historische Ansicht von Norden; Bodendenkmal.

Wassergewinnungsanlagen an der Ruhr: seit 1860 Versorgung mit Trinkwasser der Städte Dortmund und Hörde, Wasserleitungen, Wasserwerke, Hochbehälter, verschiedene Erdbehälter, Wassergewinnungsanlagen, Filterbauwerke, Brunnen, Ruhrfeldgraben, Schleusen, Stauseen, Wehre, Wasserkraftwerke, Pumpstationen, u.a. zwischen Schwerte-Westgoten und -Echthausen, Rohrmeisterei Schwerte, Witten-Heven; Wasserturm.

Kulturlandschaftliches und denkmalpflegerisches Ziel im Rahmen der Regionalplanung ist eine erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung, insbesondere
  • Bewahren und Sichern von Elementen, Strukturen, Nutzungen sowie Ansichten und Sichträumen von historischen Objekten
  • Bewahren des Kulturlandschaftsgefüges
  • Wahren als landschaftliche Dominante
  • Sichern linearer Strukturen
  • Sichern kulturgeschichtlich bedeutsamer Böden
  • Bewahren und Sichern archäologischer und paläontologischer Bodendenkmäler in ihrem Kontext
Aus: Landschaftsverband Rheinland / Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Ruhr, 2014

Internet
Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Ruhr (Abgerufen: 04.04.2016)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2014)
Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Ruhr. Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung. S. 216-218, Köln, Münster.

Ruhrtal zwischen Hattingen und Schwerte (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Ruhr 337)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2012
Koordinate WGS84
51° 23′ 38,91″ N, 7° 25′ 54,28″ O / 51.39414°, 7.43174°
Koordinate UTM
32U 390894 5694823.44
Koordinate Gauss/Krüger
2599691.8 5696468.91

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Ruhrtal zwischen Hattingen und Schwerte (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Ruhr 337)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89706-20140406-56 (Abgerufen: 15. August 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang